Demon Horde MC: Outlaw Ride

Originaltitel: Outlaw Ride (The Demon Horde Motorcycle Club Series Book 3)
Übersetzer: Julia Weisenberger

Erscheint: 12/2022
Serie: Demon Horde MC
Teil der Serie: 3

Genre: Contemporary Romance, Motorcycle Club Romance

Location: USA, Tacoma


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-562-4
ebook: 978-3-86495-563-1

Preis:
Print: 16,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Demon Horde MC: Outlaw Ride


Inhaltsangabe

Der hartgesottene Biker Clint Remmick ist seinen Clubbrüdern des Demon Horde MC treu ergeben. Er hat hart daran gearbeitet, seine Spielsucht in den Griff zu bekommen, und er scheut kein Risiko, um seinen Brüdern zu helfen. Als sich jedoch der Gesundheitszustand seiner Großmutter verschlechtert, zieht er aus dem Clubhaus aus, um sich um sie zu kümmern. Um seinen Aufgaben im MC weiterhin gerecht zu werden, stellt er die Krankenschwester Jo ein. Damit, dass Jo auch ihn kurieren würde, hat er nicht gerechnet. 

Jo Smith arbeitet gerne für die süße alte Anne Remmick und ist besonders fasziniert von ihrem tätowierten Bad-Boy-Enkel. Clints hartes Äußeres macht ihr ein wenig Angst, aber sie fühlt sich trotzdem zu dem sexy Biker hingezogen. Bald brennt sie darauf, die Distanz zwischen ihnen zu verringern.

Als Clint und seine Clubbrüder einen gefährlichen Job in Reno erledigen müssen, ist Jo die perfekte Tarnung. Während die Lust zwischen Jo und Clint brodelt setzt Clint alles daran, Jo vor den Feinden des Demon Horde MC zu beschützen. Aber als Clint von einem rivalisierenden Club gefangen wird, muss Jo ihn retten … und ihre Beziehung.

Abschlussband der Demon Horde MC-Trilogie

Über die Autorin

Sarah Hawthorne lebt im pazifischen Nordwesten, wo sie zu viel Kaffee trinkt, viele Urlaube plant und Liebesromane schreibt. Zu ihren natürlichen Lebensräumen gehören ihr Garten und die örtliche Bibliothek. Sarah Hawthorne hat einen Bachelor-Abschluss von der California State Polytechnic University of...

Weitere Teile der Demon Horde MC Serie

Leseprobe

Jordan

Es war eine Woche her, seit ich Clint geküsst hatte, und es fiel mir schwer, ihn aus dem Kopf zu bekommen. Heute Abend hatte ich mir ein Kreuzworträtsel besorgt, um nicht an ihn zu denken. Während ich es löste, bemerkte ich, dass Nanas Spielshows liefen, aber sie noch nicht eingeschlafen war. Normalerweise schlief sie zu diesem Zeitpunkt bereits tief und fest.
Ich lächelte sie an. „Du bist sehr spät auf, Nana.“
„Nun, du hast mir versprochen, dass du mir zeigen würdest, was du bei deinem Date tragen wirst.“ Sie zwinkerte mir vom Liegesessel aus zu. „Da werde ich nicht vorher...

...einschlafen.“ Mein Date? Ich erinnerte mich an mein letztes Gespräch mit Clint. Hatte er für heute Abend etwas geplant? Dann piepte mein Telefon. Ich hatte einen Kalendereintrag: Date mit Tomas. „Oh nein!“ Ich sprang von der Couch auf. „Ich muss mich fertig machen.“
Ich lief in mein Zimmer und überlegte, was ich tun sollte. Bei allem, was mit Clint passiert war, hatte ich vergessen, dass ich mich letzte Woche mit Tomas verabredet hatte. Ich sollte einfach absagen. Die Tatsache, dass mir unsere Verabredung völlig entfallen war, war nicht gut. Ich fühlte mich viel mehr zu Clint hingezogen, dem Typen, den ich nicht haben konnte, als zu Tomas, der eine gute Wahl für mich wäre.
Ich nahm das Handy, um abzusagen, aber ich erstarrte. Ich wohnte mit Clint zusammen und er war mein Chef. Eine Beziehung mit ihm zu versuchen, war so ziemlich das Dümmste, was ich tun konnte. Ich brauchte diesen Job und dieses Zimmer, zumindest bis zum Abschluss meines Studiums. Vielleicht würde mir ein Date mit Tomas helfen, Clint zu vergessen. Ich holte mein rotes Kleid heraus und begann, mich fertig zu machen.
„Ich bin zu Hause“, hörte ich Clint vom Flur aus sagen. Ich hatte ihn um einen freien Abend gebeten, gleich nachdem Tomas mich zu einem Date eingeladen hatte. Verdammt. Clint erinnerte sich an meine Verabredung, selbst wenn ich es nicht konnte.
„Hey“, rief Clint durch meine Tür. Er klopfte leise. „Ich bin zu Hause, ich kümmere mich um Nana. Den Rest der Nacht hast du frei.“
Ich öffnete langsam die Tür. „Danke.“
„Verdammt“, sagte er und ließ seine Stiefel auf den Teppich fallen. „Oh Shit.“ Er hob seine Schuhe auf und warf einen kurzen Blick auf mein Kleid. Es war trägerlos, und obwohl ich es bei Goodwill gekauft hatte, war es so geschnitten, dass es jede Kurve umschmeichelte. „Hast du was Lustiges vor? Gehst du mit den Mädels aus oder so?“
„Eigentlich …“ Ich holte tief Luft. „Ich habe ein Date.“
„Ein Date?“ Sein Lächeln verschwand und plötzlich war sein Gesicht frei von jeder Emotion. Er trat einen Schritt zurück und nickte. „Natürlich hast du ein Date. Also, viel Spaß.“
„Warte.“ Ich ergriff seinen Arm, als er sich abwandte. „Das war, bevor das alles passiert ist … bevor wir uns geküsst haben.“
„Wirklich, Jo, es ist in Ordnung.“ Er lächelte. Aber ich kannte Clints Lächeln und dieses hier erreichte nicht ganz seine Augen. Dort spiegelte sich Schmerz wider und ich war der Grund dafür. „Es ist ja nicht so, als wäre da etwas zwischen uns. Du solltest mit ihm ausgehen. Ich hoffe, du hast eine schöne Zeit.“
Aber da war etwas zwischen uns. Oder etwa nicht? Er ging in sein Zimmer und stellte seine Stereoanlage an und ich hielt meine Tränen zurück. Das war dumm von mir. Ich war diejenige gewesen, die ihn abgewiesen hatte. Ich hatte mit Tomas die sichere Wahl, der Möglichkeit etwas mehr mit Clint zu erleben, vorgezogen. Es war meine Entscheidung und vielleicht hatte ich einen Fehler gemacht.
„Jo?“, rief Nana aus dem Wohnzimmer. „Du wolltest mir doch dein Kleid zeigen.“
Ich war fast bereit. Mein Haar war wie üblich unordentlich hochgesteckt, also bändigte ich es zu einem etwas schickeren Dutt. Lippenstift, Schuhe, und ich war in Rekordzeit fertig. Nana gefiel mein Outfit und sie half mir sogar, ein paar lose Haarsträhnen hochzustecken. Wir saßen beide auf der Couch und warteten darauf, dass Tomas auftauchte. Ich konnte auf keinen Fall mit ihm ausgehen – das wäre nicht fair. Ich würde die ganze Nacht damit verbringen, mich zu fragen, ob Clint enttäuscht war. Tomas verdiente eine Frau, die bei der Verabredung geistig anwesend war. Ich würde es ihm behutsam beibringen müssen, wenn er mich abholte. Ich konnte Nana natürlich nicht sagen, dass der einzige Mann, den ich daten wollte, ihr Enkelsohn war.
„Ist er attraktiv?“, fragte sie und meinte damit Tomas. „Klug?“
Ich lachte und dachte stattdessen an Clint. „Ja. Beides.“
„Das ist eine gute Kombination. Mein Richard war auch so.“
„Erzählst du mir von Richard?“, fragte ich.
Nana lächelte und fuhrwerkte eine Weile an meinem Haar herum. Ihr Gesichtsausdruck zeigte mir, dass sie sich an etwas erinnerte. „Er war lieb und geduldig.“ Sie errötete. „Er war ein sehr guter Küsser. Das ist sehr wichtig in einer Ehe. Heutzutage macht man natürlich alles, bevor man heiratet. Man weiß, ob sie gut küssen können oder nicht. Aber damals wussten wir das nicht. Es war einfach Glück bei der Auswahl. Du kennst mich als alte Frau, aber ich war auch mal jung – wie du.“
„Oh, Nana!“ Ich ergriff ihre Hände. „Ich halte dich für eine sehr dynamische Frau. Du wirkst gar nicht so alt, wie du bist.“
„Ach.“ Nana lachte. „Du bist gut zu mir. Ich wünschte nur, ich wüsste einen Weg, dich in der Familie zu behalten.“
„Du bist so süß“, erwiderte ich, beugte mich vor und küsste Nanas Wange. „Ich denke, ich werde auf der Veranda auf Tomas warten. Ich will ihn dir und Clint nicht vorstellen. Das macht man einfach nicht beim ersten Date.“
Ich schnappte mir meine Jacke und setzte mich draußen auf den Verandastuhl. Nur wartete ich nicht auf Tomas, sondern darauf, dass Clint herauskommen und etwas sagen würde. Irgendetwas. Oder vielleicht könnte ich diejenige sein, die sich entschuldigte. Es tut mir leid, dass ich dich geküsst, dich abgewiesen und dann ein Date mit einem anderen Kerl vereinbart habe. Du bist derjenige, den ich wirklich will.
Ich bezweifelte, dass er mir glauben würde.

 

Clint

Ich kam nach Hause und stellte fest, dass Jo ein Date hatte – mit jemandem, der nicht ich war. Es war eine verflucht harte Realität, der ich mich stellen musste. Ich hatte meine gottverdammten öligen Stiefel auf den Teppich fallen lassen, weil sie so heiß aussah. Dann war mir mein verficktes Herz in die Kniekehlen gesunken, als sie mir mitteilte, dass sie ein Date mit einem anderen Kerl hatte.
Die letzte Nacht war so unglaublich toll gewesen, dass sie mich bis ins Mark erschüttert hatte. Ich hatte, was sie betraf, nichts zu sagen, und sie war frei, sich zu verabreden, mit wem auch immer sie wollte, aber ich hatte nicht erwartet, dass mir das gleich am nächsten Tag um die Ohren gehauen werden würde. Verdammt!
Nachdem Nana ins Bett gegangen war, zappte ich durch die Sender. Es war einundzwanzig Uhr und es kam nichts Vernünftiges mehr. Ich hätte einen der kleinen Rollermotoren aus der Werkstatt mitbringen und ihn in der Garage umbauen sollen. Ich versuchte, mich auf das Krimidrama zu konzentrieren, das gerade lief, aber irgendetwas stimmte nicht. Das Licht auf der Veranda war nicht an. Ich hatte es für Jo angelassen, damit sie es hell hatte, wenn sie von ihrem Date nach Hause kam. Nicht, dass ich darauf gewartet hätte oder so.
Ich schnappte mir eine Ersatzglühbirne und trat vor die Tür. Das war seltsam. Als ich begann, die Glühbirne herauszuschrauben, war sie bereits lose.
„Mit dem Licht ist alles in Ordnung.“
Jo saß in der schattigen Ecke der Veranda. Sie war in ihren Mantel eingewickelt und ich konnte den Rock ihres roten Abendkleides um ihre Knie herum sehen.
„Oh.“ Ich schraubte die Glühbirne wieder ein und das Licht flackerte auf. „Was machst du denn hier draußen? Solltest du nicht mit wie-heißt-er-noch unterwegs sein?“
„Er ist nicht aufgetaucht.“ Ihre Stimme zitterte ein wenig. Es verbargen sich Tränen darin.
„Ach, Fuck, tut mir leid.“ Ich setzte mich neben sie auf den anderen Terrassenstuhl. „Vielleicht ist er irgendwo im Verkehr stecken geblieben und konnte nicht anrufen?“ Ich wollte mich nicht für das Arschloch entschuldigen, aber es hätte ja passieren können.
Ein blaues Licht blinkte auf, als sie ihr Handy einschaltete. „In seiner SMS steht: 'Meine Frau will noch nicht, dass ich mich verabrede.'“ Sie klappte das Telefon zu. „Er ist schon seit fast einem Jahr geschieden. Klingt, als wäre seine Ex-Frau eifersüchtig und er könnte sich nicht lösen.“ Sie seufzte. „Ich wollte eigentlich gar nicht mit ihm ausgehen, aber es tut trotzdem weh. Ich schätze, ich klinge albern. Ich sollte dieses Kleid ausziehen. Vielleicht gehe ich sogar früh ins Bett.“ Ihre Stimme klang hohl. Traurig.
Shit. Ich musste etwas tun.
„Ich führe dich aus.“ Nicht das. Verdammt noch mal. „Nur als Freunde. Heute Abend, damit du das schöne Kleid nicht verschwendest. Ich meine … Ich schätze, du kannst es wieder tragen, also ist es nicht verschwendet. Aber ich könnte dich heute Abend zum Essen einladen. Nur so als ein Freundschaftsdate.“
Verfluchte Scheiße. Ich war ein Idiot. Ein verschwendetes Kleid? Ein Freundschaftsdate? Sie hatte mir schon einmal einen Korb gegeben. Ich hätte einfach den Mund halten sollen, anstatt wie ein Vollidiot zu klingen.
Wir saßen zusammen in der Stille. Ich war verdammt froh, dass sie nichts über meinen blöden Wortschwall sagte.
„Ich verspreche, dass ich nur versuche, dein Freund zu sein, nicht mehr.“
Sie starrte auf ihr dunkles Handy. Nach einer Weile sah sie mich endlich an und lächelte.
„Wir können Nana nicht alleinlassen.“ Sie zuckte mit den Achseln. „Aber es war wirklich süß von dir, es anzubieten.“
„Seit langer Zeit hat mich niemand mehr süß genannt.“ Ich lächelte. „Das liegt an der Weste.“
Sie begann zu kichern. Ich wusste, dass ich ihre Aufmerksamkeit hatte.
„Bleib einfach hier sitzen.“ Eine Million Dinge gingen mir durch den Kopf. „Gib mir dreißig Minuten und wir gehen auf ein Date.“

 

Jordan

„Okay.“ Clint kam wieder auf die Veranda hinaus. „Bist du bereit für unser Date?“
Er hatte sich umgezogen. Die Weste war verschwunden und stattdessen trug er ein hübsches Hemd. Es spannte ein wenig zu sehr über seine Schultern – ich erschauderte, als ich daran dachte, wie sie nackt aussahen. Statt einer Jeans hatte er eine schwarze Hose gewählt. Ich wohnte nun schon seit fast einem Monat in seinem Haus und hatte ihn noch nie so gesehen.
„Ich beiße nicht.“ Er lachte.
Ich blinzelte. Er hatte die Hand ausgestreckt, um mir aus dem Verandastuhl hoch zu helfen, und ich war zu sehr damit beschäftigt gewesen, seine Kleidung zu betrachten, um es zu bemerken. Ich ergriff sie und er half mir auf die Beine – es war wie damals, als wir getanzt hatten.
Er hatte geduscht; ich konnte seine immergrüne Seife riechen. Aber da war noch etwas anderes, etwas Würziges. Ich brauchte einen Moment, doch dann wurde es mir klar – Motoröl. Er roch nach Wald und Motoröl.
„Madame?“, fragte er und bot mir seinen Arm an.
Ich schob die Hand in seine Armbeuge, sah zu ihm auf und lächelte. Ich war eine schöne Königin mit einem gutaussehenden König an meiner Seite.
Die Küche war umgestaltet worden. Weingläser und hübsches Silberbesteck waren für zwei Personen auf einem weißen Tischtuch gedeckt. Drei Kerzen in der Mitte erhellten die Dunkelheit.
„Oh“, hauchte ich, während er mich zum Tisch führte.
Er zog einen Stuhl für mich heraus. Sobald ich Platz genommen hatte, kam er mit zwei vollen Tellern zurück. Steak und gebackene Kartoffeln. „Ich hoffe, du magst dein Fleisch medium“, sagte er und stellte das Essen vor mir ab. „Ich war mir nicht sicher.“
„Das ist zu viel, Clint“, flüsterte ich, als er sich neben mich setzte. „Ich weiß nicht, wie du das alles so schnell geschafft hast.“
„Stell keine Fragen, genieß es einfach.“ Er grinste und schenkte mir ein großes Glas Wein ein.
Ich nickte, aber es fiel schwer, mich zu konzentrieren, während mir das Steak auf der Zunge zerging. Ich schloss die Augen.
„Das ist wunderbar“, sagte ich, öffnete wieder die Augen und schnitt das nächste Stück ab. „So ein gutes Fleisch habe ich seit Jahren nicht mehr gegessen.“
„Tun wir mal so, als wäre das ein Blind Date“, schlug er vor. „Warum erzählst du mir nicht von dir …“
Er verstummte und wartete offenbar darauf, dass ich einen Namen nannte. Ich blinzelte. Er tat so, als ob wir uns völlig fremd wären.
„Mein Name ist Cheryl und ich bin Krankenschwester.“ Ich wischte mir den Mund mit meiner Serviette ab. Das könnte lustig werden. Vielleicht sogar lustiger als mein erstes Date mit Tomas gewesen wäre. Der heutige Abend würde reine Fantasie sein. „Wie heißt du?“
„John.“ Er zwinkerte, weil er das Spiel durchschaute. „Ich entwerfe Autos.“
Clint sprach eine Zeitlang über das Auto, das er entworfen hatte. Ich versuchte, ihm zu folgen, aber er warf mit einer Menge technischer Fremdwörter um sich. Nach einer Weile genoss ich einfach den Klang seiner Stimme, die mich umgab.
„Und jetzt, wo mein Auto fertig ist, muss ich es lackieren.“ Er lehnte sich zu mir heran. „Was ist deine Lieblingsfarbe?“
„Lila.“ Ich lachte. „Ich bin mir nicht sicher, ob das für einen Sportwagen richtig ist.“
„Wenn du lila magst, dann wird das Auto lila werden.“ Clint grinste und nahm einen Schluck von seinem Wein. „Also gut, du bist dran. Was für eine Art von Krankenpflege machst du?“
Ich verschluckte mich ein wenig an meinem Wein. Verdammt. Das blöde Spiel, das ich erfunden hatte, war eine schlechte Idee. Ich wollte nicht, dass mein Chef dachte, ich würde meinen Job nicht mögen. Es gab nur eine Antwort, die ich geben konnte.
„Ich arbeite in der Geriatrie.“ Ich straffte die Schultern. „Ich leite ein Pflegeheim.“
Er nickte und wir aßen schweigend. Das Spiel hatte sich zwischen uns verändert. Das Steak war nicht mehr butterweich, es wurde in meinem Mund zu Asche.
„Willst du wirklich in einem Pflegeheim arbeiten?“, fragte er.
„Ja“, antwortete ich. Das Wort klang nicht einmal in meinen Ohren überzeugend.
„Komm schon, Jo.“ Er stocherte in seiner Kartoffel herum, bevor er schließlich zu mir aufsah. „Ich habe gespielt – jetzt bist du dran. Willst du wirklich in der Geriatrie arbeiten? Wenn ja, dann ist das in Ordnung, aber ich glaube nicht, dass du das wirklich willst.“
Er legte sein Messer weg und seufzte. Er war fertig. Er würde gehen, weil ich aufgehört hatte, unser Spiel zu spielen. Das bisschen Magie und Spaß waren vorbei. Ich wollte, dass er blieb. Ich wollte reden und mich besonders fühlen – ein wenig länger. Es gab nur einen Weg, das zu erreichen. Ich musste ihm sagen, was ich wirklich mit meinem Leben anfangen wollte, und ihn nicht wie meinen Arbeitgeber behandeln.
„Ich möchte in der Chirurgie arbeiten. Vielleicht in der Notaufnahme“, platzte es aus mir heraus.
„Notaufnahme, ja?“ Ein Lächeln breitete sich langsam auf seinen Lippen aus. „Erzähl mir davon.“
Ich weiß nicht, wie lange ich redete, aber es war eine Weile. Ich erzählte ihm von meiner Freiwilligenarbeit, die ich letzten Sommer bei einem Herzchirurgen geleistet hatte, und davon, wie sehr ich den Nervenkitzel mochte, den Adrenalinstoß, den man bekam, wenn man im Operationssaal arbeitete. Wir aßen zu Ende und es gab Käsekuchen zum Nachtisch.
„Oh.“ Ich sah auf meinen leeren Teller hinunter. „Ich habe die ganze Nacht geredet.“
Er streckte seine Hand aus und ergriff meine. Zuerst wollte ich mich mit einem Ruck aus seinem Griff befreien. Seine Haut war rau und schwielig, aber warm und beruhigend.
„Es hat mir gefallen, von deinen Träumen zu hören.“ Er drückte meine Finger. „Ich weiß, dass das alles nur vorübergehend ist, doch ich hoffe, du fühlst dich wohl, wenn du mit mir redest. Ich möchte dein Freund sein.“
„Ich möchte auch deine Freundin sein.“ Ich war selbst überrascht – ich wollte wirklich mit ihm befreundet sein. Dann gähnte ich. „Oh, es tut mir leid. Es ist nur ein bisschen spät.“
Wir lachten beide und standen auf. Ich war müde. Ich blieb selten länger als bis zweiundzwanzig Uhr auf, und es war schon fast Mitternacht. Ich wollte nicht, dass diese Nacht zu Ende ging. Aber alles Magische endete irgendwann, also griff ich nach dem schmutzigen Geschirr.
„Lass es“, sagte Clint und berührte meine Schulter. „Lass das die Kellner erledigen. Ich würde dich gerne nach Hause bringen.“
„Aber wir sind doch zu Hause.“ Ich sah mich verwirrt um.
Clint lachte und legte meine Hand in seinen Ellbogen, so wie er es zu Beginn des Abends getan hatte. „Ich bringe dich zu deiner Tür.“
Wir machten uns auf den Weg von der Küche durch das Wohnzimmer und den Flur hinunter. Ich wollte, dass es ewig so weiterging. Unsere Körper waren nah beieinander, aber berührten sich nicht, und ich konnte die Stärke seines Armes spüren, während wir gingen. Zum ersten Mal wünschte ich mir, das Haus wäre eine Villa, damit wir länger zusammen sein könnten. Nach wenigen Augenblicken blieben wir vor meiner Zimmertür stehen.
„Der Abend hat mir wirklich Spaß gemacht“, sagte ich und drehte mich zu ihm um. „Danke, dass du mir das Gefühl gegeben hast, etwas Besonderes zu sein.“
„Du bist etwas Besonderes“, flüsterte er. „Kein Date wäre vollständig ohne einen Gute-Nacht-Kuss. Was sagst du dazu?“
Den wünschte ich mir mehr als alles andere. Ich wollte spüren, wie sich seine Arme um mich schlangen und er mich nie wieder losließ. Aber er war mein Arbeitgeber. Ich durfte nicht gefeuert werden und ohne Geld dastehen. Jobs mit Wohnmöglichkeiten waren rar gesät. Ich konnte einfach nicht meine Sicherheit aufs Spiel setzen.
Aber verdammt, ich wollte unbedingt einen Kuss.
Ich nickte und bot ihm meine Wange an. Das wäre in Ordnung. Es würde mich die ganze Nacht wärmen müssen, während ich über alles nachdachte, was mir entgangen war.
Er beugte sich vor und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Ich hätte fast vor Schmerz aufgeschrien. Es war die Art von Kuss, die man von seinem Bruder bekam – geschlossene Lippen, ohne Leidenschaft. Doch dann erstarrte er. Sein Atem und sein Mund waren heiß an meiner Wange.
„Jo?“, krächzte er, als würde es ihm wehtun, meinen Namen auszusprechen.
Er stellte keine Frage, er bat um Erlaubnis. Gott, ich wollte es. Ich wollte es wirklich mit ihm. Wenn ich mich entschied, ihn zu küssen, würde ich mich auf unbekanntes Terrain begeben. Der Versuch, eine Beziehung zu meinem Chef aufzubauen, mit dem ich bereits zusammenlebte, war für mich so ungewohnt. Was, wenn es in die Hose ging? War eine tolle Zeit im Bett wirklich all das wert, wofür ich gearbeitet hatte? Ich könnte riskieren, dass ich meinen Job so kurz vor dem Abschluss verlor.
Meine andere Möglichkeit war, die Selbsterhaltung zu wählen. Ich kannte diese Art der Entscheidung wie meine Westentasche und bisher hatte sie mir gute Dienste geleistet. Ich würde meinen Abschluss machen und Krankenschwester werden. Aber ich würde Clint nicht küssen können.
Vor zwei Tagen wäre mir die Wahl noch leicht gefallen. Ich hatte immer meine eigene Zukunft und meine Träume über Beziehungen und Liebe gestellt. Das war die einzige Art, wie ich überlebt hatte. Ich legte meine Hand auf seine Brust, um ihn daran zu hindern, mich erneut zu küssen.
„Ich hatte heute Abend Spaß.“ Ich sah ihm in die Augen und wusste nicht, was ich sagen oder wie ich meine Gründe erklären sollte. „Gute Nacht.“
Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare und schüttelte den Kopf. „Gute Nacht, Jo“, sagte er, als er in sein Zimmer ging.
Ich stand allein auf dem leeren Flur und war enttäuscht. Ich würde meinen Abschluss als Krankenschwester und einen Job haben. Das waren doch die wichtigen Dinge im Leben, oder? In diesem Moment war ich mir nicht sicher.

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