Immer nur du: Immer nur du - Teil 1

Erschienen: 11/2015
Serie: Immer nur du
Teil der Serie: 1

Genre: Contemporary Romance, New Adult
Zusätzlich: Vanilla
Seitenanzahl: 184


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-203-6
ebook: 978-3-86495-204-3

Preis:
Print: 9,90 €[D]
ebook: 2,99 €[D]

Erhältlich bei u.a.:

und allen gängigen Onlinehändlern und im Buchhandel

Immer nur du: Immer nur du - Teil 1


Inhaltsangabe

Können aus besten Freunden auch Liebende werden?
Kelly und Josh sind seit frühester Kindheit eng miteinander verbunden. Seelenverwandte, die täglich eine Dosis vom anderen brauchen, um glücklich zu sein. Nur als Mann für gewisse Stunden kommt er nicht in Frage, bis Kelly nach einer Enttäuschung feststellen muss, dass auch sie nicht immun ist, gegen Joshs rauen Sexappeal.
Verzweifelt versucht sie die neuen Gefühle für ihn zu ignorieren, um die Freundschaft zu ihm nicht zu gefährden. Außerdem ist Josh längst vergeben und will seiner Freundin Vanessa einen Heiratsantrag machen. Wird es für Kelly trotzdem ein Happy End geben?

Teil 1 des Zweiteilers "Immer nur du".

Über die Autorin

Die Autorin wurde 1977 in einer schwäbischen Kleinstadt geboren und lebt heute glücklich mit Mann und Kind in einem idyllischen Dörfchen nahe der Donau. Lange Jahre arbeitete sie als Erstkraft in der Parfümerie einer Einzelhandelskette. Ein Beruf, den sie für...

Weitere Teile der Immer nur du Serie

Leseprobe

Der Rest des Vormittags verlief ruhig und ohne besondere Vorkommnisse. Shannon ließ mich zum Glück in Ruhe und werkelte in der Küche herum. Ein klein wenig bereute ich meinen Ausbruch vom Morgen, aber Shannon ging mir einfach auf die Nerven mit ihrem Gefasel über die wahre Liebe. Alle Caspary-Frauen sahen es als ihre hochheilige Pflicht an, Männer und Frauen, die in ihren Augen zusammengehörten, zu ihrem Glück zu verhelfen. Total verrückt, aber sie waren schon seit Generationen so schräg drauf, dass keiner das infrage stellte. Um ehrlich zu sein, gab es einige Frauen in Harmonville, die dem Urteil einer Caspary...

...mehr vertrauten als ihren eigenen Gefühlen, was ich persönlich total ablehnte. Ich wollte diejenige sein, die bestimmte, wem ich meine Liebe schenkte. Niemand, auch Shannon nicht, war in der Lage, in mein Herz zu schauen.
Die einzig Normale in dieser Familie war meine Kollegin Jenny. Auch sie gehörte zum Caspary-Clan – sie war eine Cousine von Shannon –, doch bislang war sie noch nicht von diesem „Kuppel-Virus“ befallen und machte sich hin und wieder sogar darüber lustig, indem sie sich als schwarzes Schaf bezeichnete. Sie glaubte genauso wenig wie ich daran, dass Shannon und die anderen irgendwelche übersinnlichen Kräfte besaßen. Wahrscheinlich war es vielmehr eine Form von selbsterfüllender Prophezeiung. Wenn man jemandem lange genug einredete, dass etwas der Wahrheit entsprach, dann glaubte man irgendwann daran.
Nach einer kurzen Pause erwartete ich die ersten Mittagsgäste und verlor mich in Fantasien über Kyle Harmon, der seine Leidenschaft für Brünette entdeckte und mich endlich als weibliches Wesen wahrnahm. Gedankenverloren verrichtete ich meine Arbeit und überhörte sogar das Klingeln der altmodischen Türglocke, die uns immer den Eintritt eines Gastes ankündigte. Erst als sich eine schwere Hand auf meine Schulter legte, fuhr ich wie vom wilden Affen gebissen herum und schlug gegen Joshs muskulösen Brustkorb, der mir die Sicht nahm.
„Bist du irre? Du hast mich zu Tode erschreckt, du Armleuchter!“
Er grinste nur über meinen liebevollen Empfang. „Kann ich was dafür, wenn du mit offenen Augen träumst und mich nicht kommen hörst?“
Spielerisch schlug ich ihm meinen Lappen um die Ohren. In Ermangelung eines schlechten Gewissens lächelte er mich frech an und wich dem Lumpen problemlos aus. In seinen türkisgrünen Augen funkelte der Schalk, als er sich wieder in meine Nähe traute und mich freundschaftlich auf die Wange küsste. Ich spürte ein elektrisierendes Kribbeln, das sich auf meiner Haut ausdehnte. Oh Gott, nicht schon wieder. Seit einigen Monaten passierte so was immer wieder und so langsam machten mir die körperlichen Reaktionen auf seine Nähe wirklich Sorgen. Das Gefühl ignorierend, musterte ich sein attraktives Gesicht.
„Du bist ziemlich früh dran heute“, stellte ich fest. Wenn er mich mittags besuchte, dann meistens gegen eins; so zeitig tauchte er hier höchst selten auf.
Er hob lässig die breiten Schultern, die unter seinem weißen Shirt ziemlich beeindruckend aussahen.
„Was soll ich sagen? Ich hab’s einfach nicht ohne dich ausgehalten“, scherzte er und warf einen bedeutungsvollen Blick Richtung Küche. Die Tür bewegte sich ein wenig, was nur bedeuten konnte, dass Shannon dahinter stand und lauschte. War ja klar!
Ich sah ihm dabei zu, wie er sich einen Stuhl heranzog und sich verkehrt herum draufsetzte. Während er die Arme überkreuz auf der Lehne ablegte und mich mit schief gelegtem Kopf treuherzig ansah, schmolz ich innerlich dahin. Manchmal konnte ich kaum fassen, wie sehr mir dieser Kerl ans Herz gewachsen war! Ein Leben ohne Josh Whittaker konnte ich mir einfach nicht vorstellen, allein der Gedanke daran war furchterregend. Deswegen ängstigte mich ja seine Beziehung zu Vanessa so sehr. Sie saugte wie eine Zecke seine Liebe aus ihm raus, und für mich würde irgendwann nichts mehr übrig bleiben.
„Ganz schön ruhig hier“, meinte er und sah sich um.
„Ist ja erst kurz nach zwölf. Warte noch eine Viertelstunde, dann ist die Bude voll. Die kommen immer alle auf einmal.“ Einen Schritt näher an ihn herantretend, schenkte ich ihm einen skeptischen Blick. „Sag mal, du bist doch nicht hier, um dich über die Anzahl der Gäste zu unterhalten.“
Er senkte kurz den Kopf und wirkte ein klein wenig verlegen. Eine dunkle Strähne fiel ihm dabei in die Stirn. Seine Haarfarbe war nicht dunkel genug, um sie als schwarz zu bezeichnen, aber auch nicht hell genug für braun. Man konnte die Farbe wahrscheinlich am ehesten mit einem italienischen Espresso vergleichen. Eine weitere Strähne gesellte sich zu der ersten und streifte den oberen Rand seiner Augenbraue.
Josh schob sie mit einer ungeduldigen Handbewegung zurück und zwinkerte mir zu. Wieso er das tat, erschloss sich mir nicht, vielleicht, weil ich ihn gerade anstarrte wie ein mondsüchtiges Schaf, aber Herrgott, selbst ich musste zugeben, dass Josh unglaublich gut aussah mit seinen kantigen Gesichtszügen und dem scharf geschnittenen Mund. Eher schmallippig, aber die fehlende Fülle verlieh seinen harmonischen, beinahe schön zu nennenden Gesichtszügen eine Härte, die ihn umso attraktiver wirken ließ.
Schnell verdrängte ich diesen Gedanken. Das fehlte noch, dass ich anfing, in Gedanken über Joshs optische Vorzüge zu philosophieren. Wenn Shannon das mitbekam, wäre ich geliefert. Das würde sie mir bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag unter die Nase reiben.
„Spendierst du einem hart arbeitenden Mann einen Kaffee?“
Seufzend nickte ich, weil er meine Frage nach dem Grund seines Hierseins offenbar noch nicht beantworten wollte. Also führte er tatsächlich etwas im Schilde, und das gefiel mir nicht. Ich war kein Freund von Überraschungen.
„Klar doch“, meinte ich locker und lief hinter die Theke. Aus irgendeinem Grund schwang ich aufreizend die Hüften, genau wie Kyles Eroberungen das immer taten. Sobald mir klar wurde, wie ich mich gerade verhielt – vor den Augen meines ältesten, liebsten und vor allem platonischen Freundes – stolperte ich fast über meine eigenen Beine, so eilig hatte ich es, diesen Blödsinn einzustellen.
Was zur Hölle …?
Ich erhaschte einen kurzen Blick auf Joshs offen stehenden Mund, bevor er sich mit leicht geröteten Wangen abwandte und scheinbar interessiert auf sein Handy starrte. Oh Gott, hatte er sich gerade vorgestellt, wie mein Arsch nackt aussah oder wieso wich er meinem Blick aus? Zumindest würde das den rosigen Hauch auf seinen Wangenknochen erklären. Herrje, es musste ihm doch megapeinlich sein, mich in dieser Weise wahrzunehmen, aber er war eben auch nur ein Mann und was blieb ihm anderes übrig, wenn ich arschwackelnd wie ein Fünfzigerjahre-Pin-up-Girl vor ihm her stolzierte? Entweder hatte mir Shannons Gerede das Hirn vernebelt oder die Caspary-Frauen brauten doch irgendwelche Liebestränke, die sie den Leuten heimlich untermischten. Anders konnte ich mir diesen Aussetzer nicht erklären.
Mit zitternden Händen schenkte ich Josh einen Filterkaffee ein. Er mochte das Vollautomatengebräu nicht und trank ihn immer auf die althergebrachte Weise. Ich schmiss drei Stück Würfelzucker hinterher – er fuhr total auf Süßes ab –, rührte um und verfeinerte alles mit einem Schuss Milch. Ich trug die Tasse zu seinem Tisch. Sobald ich sie vor ihm abgestellt hatte, warf ich einen flüchtigen Blick auf die Straße. Erstaunlicherweise war noch immer kein Gast in Sicht, also zog ich mir einen Stuhl heran, um mich für ein paar Minuten zu ihm zu setzen.
„Willst du was essen?“, fragte ich, als er schweigend auf seine Hände starrte. Das Handy hatte er in der Zwischenzeit weggesteckt. Seine Einsilbigkeit machte mir langsam Sorgen. Sonst hatte er immer einen lockeren Spruch auf den Lippen.
„Josh? Du kommst zu einer total unüblichen Zeit, du sprichst nicht mit mir. Was ist los?“
Er seufzte und verschränkte die Hände hinter seinem Hinterkopf. Sein schwarzes Shirt spannte sich dabei über seinem Brustkorb und seine Armmuskeln wölbten sich beeindruckend nach außen. Gott, war ich froh, zu sitzen, ich konnte förmlich spüren, wie mir bei diesem Anblick die Knie weich wurden. Wir gingen bei schönem Wetter oft zusammen schwimmen, draußen am See. Ich kannte jede Linie und jeden Muskel seines Körpers. Deswegen erstaunte mich meine heftige Reaktion auf den Anblick seines Bizeps.
„Ich will nichts essen, ein Kaffee reicht völlig, danke.“ Er sah auf und wirkte ziemlich schuldbewusst.
Gleich darauf wurde mir auch klar, warum.
„Ich bin eigentlich nur da, um dir für heute Abend abzusagen.“
Er zog die Schultern ein als erwartete er ein Donnerwetter, doch ich war gar nicht fähig, etwas anderes zu empfinden als bodenlose Enttäuschung. Heute war Mittwoch, unser Filmabend, und sobald ich das vorfreudige Funkeln in seinen Augen entdeckte, wusste ich genau, was los war. Vanessa würde zu Besuch kommen. Das bekam ich auch gleich darauf bestätigt.
„Nessas Reiseroute wurde geändert und ihr Flug nach New York wurde abgesagt. Sie wird gegen Abend hier sein.“ Joshs Augen bettelten um mein Verständnis. „Wir haben so wenig Zeit füreinander. Sei nicht sauer. Wir holen das nach, wenn sie wieder weg ist. Okay?“
Tja, was sollte ich darauf noch antworten? Die Wahrheit konnte ich ihm ja schlecht sagen, ohne ihm seine Freude zu verderben.
„Na klar, ich versteh das. Genieß deine Zeit mit ihr, ich kann mir die Filme auch allein ansehen“, erwiderte ich mit aufgesetzter Fröhlichkeit, doch tief in mir drin machte sich Frust breit, weil ich schon wieder hinter ihr zurückstecken musste. Natürlich war das egoistisch. Um ehrlich zu sein, verbrachte ich viel mehr Zeit mit Josh als Vanessa und ich hatte eigentlich noch keinen echten Grund, mich zu beschweren. All die Bedenken und Ängste, die in mir brodelten, fanden nur in meinem Kopf statt und doch konnte ich mich nicht dagegen wehren, mich zurückgesetzt zu fühlen. Abgesehen davon verdarb sie mir mit ihrer bloßen Anwesenheit die Laune und förderte meine Minderwertigkeitskomplexe.
Ich sah sie vor mir: schick und adrett in ihrer dunkelblauen Stewardessenuniform, ihr Lächeln wie immer vollkommen und die blonden Locken fielen ihr perfekt frisiert um die zierlichen Schultern. Neben ihr fühlte ich mich immer wie eine hässliche Missgeburt, dabei sah ich gar nicht so übel aus. Nur leider erwiesen sich Vergleiche mit Joshs Freundin als pures Gift fürs Selbstbewusstsein.
Vanessa konnte optisch mit jedem Topmodel mithalten, während ich, vom Kopf bis zu den Zehennägeln, das typische All-American-Girl verkörperte. Josh bekam immer ganz glasige Augen, sobald er auf Vanessas riesige Brüste starrte, während meine kaum ein B-Körbchen ausfüllten. Ich hätte jede Wette gehalten, dass bei ihr ein Schönheitschirurg nachgeholfen hatte, obwohl sie steif und fest behauptete, ihre Oberweite sei echt. Na klar …
„Tja, wenn deine Freundin mal Zeit für dich erübrigen kann, musst du das natürlich ausnutzen“, meinte ich und versuchte mit aller Kraft, mich nicht noch weiter in meine Enttäuschung hineinzusteigern. Leider konnte ich mir einen bissigen Tonfall nicht verkneifen, dementsprechend verschnupft reagierte er.
„Was sind denn das auf einmal für Töne? Das klingt ja fast so, als würdest du sie nicht mögen.“
Worauf du deinen süßen Arsch verwetten kannst, Josh Whittaker!
Nichtsdestotrotz versuchte ich, die Wogen zu glätten. „Das stimmt doch gar nicht“, log ich ihm zuliebe und hatte deswegen auch kein schlechtes Gewissen. Wie gern hätte ich ihm die Wahrheit gesagt, doch ich wollte ihn nicht vor eine Wahl stellen. Ich ahnte, dass ich in diesem Fall den Kürzeren ziehen würde, und solange sie ihn glücklich machte, musste ich sie akzeptieren, auch wenn das bedeutete, dass sie mich Stück für Stück aus seinem Leben drängte.
Ich rieb mir über die Gänsehaut, die sich bei diesem Gedanken auf meinen Armen ausbreitete, und lächelte ihn beschwichtigend an. „Hör mal, ich bin nicht begeistert, dass ich den Abend allein verbringen muss, und ja, ich bin ein wenig eifersüchtig, weil sie dich heute ganz für sich hat. Aber das ist allein mein Problem und ganz sicher kein Weltuntergang. Mach dir keinen Kopf und genießt eure traute Zweisamkeit.“
Noch nie war mir eine Lüge schwerer gefallen und noch nie war ich besser darin gewesen, ihn zu täuschen.
„Großartig. Dann steht einem schönen Abend nichts mehr im Weg“, meinte er und blickte frech grinsend zwischen seine Beine, um zu verdeutlichen, auf welche Weise er die kommende Nacht gerne verbringen wollte.
Automatisch folgte ich seinem Blick. Eine Welle peinlicher Verlegenheit trieb mir die Hitze auf die Wangen, beim Anblick der deutlich sichtbaren Ausbuchtung unter seiner Jeans. Bis zum heutigen Tag hatte ich mir über seinen Penis noch nie Gedanken gemacht und nun …
Wieder spürte ich dieses Kribbeln auf meiner Haut, so wie vorhin, nach dem brüderlichen Kuss auf meine Wange. Das waren jedoch nicht die einzigen Reaktionen, die mir zu schaffen machten. Plötzlich fiel es mir schwer, normal zu atmen. Gegen meinen Willen beeindruckten mich die äußerlich sichtbaren Ausmaße seiner Anatomie. Selbst ohne Erektion wölbte sich die Vorderfront imposant nach außen und ich fragte mich doch allen Ernstes, in welchen Dimensionen sich sein männlichstes Körperteil größentechnisch bewegte …
Sein herzhaftes Lachen riss mich aus der versunkenen Begutachtung seines Schritts. Mein Kopf ruckte aufwärts und ich ertrug tapfer sein breites Grinsen und das belustigte Funkeln in seinen Augen. Nach so vielen Jahren Freundschaft gab es eigentlich nicht mehr viel, was mir ihm gegenüber peinlich gewesen wäre, doch nachdem ich mich dazu hatte hinreißen lassen, seinem besten Stück meine gesamte Aufmerksamkeit zu schenken, erglühte ich wie ein Feuerball. Klar, dass er das lustig fand. Oder schockierend. Vielleicht auch beides.
Seine Lippen zuckten belustigt. Er beugte sich vertraulich über den Tisch und schenkte mir einen ziemlich anzüglichen Blick.
„Wenn du wirklich so neugierig bist“, fing er an und verbiss sich nur mühsam ein Lachen, „dann kann ich ihn dir gerne mal zeigen.“