The Chaos Chasers MC: Melvin

Originaltitel: Melvin (The Chaos Chasers MC Book 6)
Übersetzer: Svenja Ohlsen

Erschienen: 09/2023
Serie: The Chaos Chasers MC
Teil der Serie: 6

Genre: Contemporary Romance, Motorcycle Club Romance, New Adult, Romantic Thrill
Zusätzlich: Thriller

Location: USA, Texas


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-610-2
ebook: 978-3-86495-611-9

Preis:
Print: 16,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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The Chaos Chasers MC: Melvin


Inhaltsangabe

Melvin

Fast ein Jahr.

So lange warte ich schon darauf, dass meine Gefühle für die hinreißende junge Frau, zu der Chloe geworden ist, nachlassen. Einige meiner Brüder würden wahrscheinlich sagen, dass ich mich nach ihren smaragdrünen Augen sehne und mir wünsche, dass Chloe mich endlich wahrnimmt. Vielleicht will ich gar nicht, dass das Verlangen, das in mir brodelt, auch nur ein bisschen nachlässt.

Nein, es gibt kein Vielleicht. Was es allerdings gibt, ist das Verbotsschild, das um ihren Hals hängt. Ich respektiere ihren Vater zu sehr, um seiner Tochter nachzustellen. Aber ich bin auch nur ein Mensch, und mit guten Vorsätzen kommt man nicht weit.

Chloe

Ich kann sehen, wie Melvin mich beobachtet. Jedes Mal, wenn wir zusammen sind, trifft mich sein dunkler und doch sanfter Blick. Trotzdem tut er sein Bestes, um mich zu ignorieren. Entweder das, oder mein Herz spielt mit meinem gesunden Menschenverstand.

Ich bin in Melvin verliebt, seit er mir vor drei Jahren zu Hilfe geeilt ist und mir den Verstand und vielleicht auch das Leben gerettet hat. Wenn nur die Angst vor Zurückweisung nicht zu groß wäre. Eine erfahrenere Frau als ich hätte diesen gut aussehenden Biker vielleicht durchschauen können.

Aber ich weiß, was ich will, wenn es um Melvin geht. Starke Schultern, eine breite Brust, wahnsinnig gut geformte Bauchmuskeln und wirres dunkles Haar, durch das meine Finger streichen möchten.

Ich wünschte nur, ich wäre mutig genug, die Initiative zu ergreifen.

Bist du bereit für ein weiteres atemberaubendes Abenteuer? Dann schnall dich an, denn C.M. Marin wird dich mit dem Chaos Chasers Motorcycle Club ein sechstes und letztes Mal auf eine wilde Fahrt mitnehmen!

Über die Autorin

Die Autorin C.M. Marin schreibt romantische Motorcycle Club-Liebesromane mit Krimi-Faktor sowie zeitgenössische Liebesromane. Sie ist durch und durch ein Kleinstadtmädchen. Ruhe und Natur sind alles, was sie wirklich braucht … solange dort auch eine Kiste voller Bücher sowie eine große Auswahl...

Weitere Teile der The Chaos Chasers MC Serie

Leseprobe

Melvin

Ohrenbetäubende Musik bringt die Wände beinahe zum Wackeln. Der Club ist so laut und lebendig wie schon lange nicht mehr. Nicht, dass ich mich an der Ruhe störe, die hier herrscht, seit meine Brüder sesshaft geworden sind. Ich finde es sogar gut, dass nicht mehr jedes Wochenende eine Dauerparty ist, mit Alkohol und Frauen in Hülle und Fülle. Aber eine gelegentliche Feier, so wie heute Abend, ist immer schön.
Die Jungs von der Albuquerque-Charter sind vor ein paar Stunden angekommen. Sie scheinen sich prächtig zu amüsieren, zumindest, wenn man sieht, wie Lucas, ihr Vizepräsident, mit einer der Stripperinnen rummacht,...

...die wir für die Unterhaltung heute Abend engagiert haben. Meine Brüder und ich haben den ganzen Abend über abwechselnd hinter der Bar gestanden und unzählige Drinks ausgeschenkt. Das wäre eigentlich die Aufgabe des Prospects, wenn wir schon dazu gekommen wären, uns einen zu suchen. Um es gelinde auszudrücken: Es macht mir keinen Spaß, wieder in die Rolle des Barkeepers zu schlüpfen. Nicht nur, weil ich meine Tage als Prospect nicht vermisst habe, seit ich vor anderthalb Jahren davon Abschied genommen habe, sondern auch, weil das Servieren von Getränken erfordert, dass meine Augen auf besagte Drinks fixiert sind, obwohl sie eigentlich auf etwas anderes gerichtet sein sollten. Jemand anderen. So sehr ich mir auch bewusst bin, dass ich nicht jede von Chloes Bewegungen mit meinem Blick verfolgen sollte, so habe ich das doch den größten Teil des Abends getan.
Dass Chloe heute Abend hier ist, ist eine Premiere. Sie war noch nie bei einer unserer Partys dabei. Der reichlich fließende Alkohol, die Stripperinnen, die gelegentlichen heftigen Knutschereien, manchmal auch schlichtweg sexuelle Berührungen, sind der Grund, warum diese Partys kein Ort für ein minderjähriges Mädchen sind. Aber sie ist jetzt achtzehn und man hat ihr offensichtlich erlaubt, sich heute Abend hier aufzuhalten. Ich habe sie in den letzten Stunden im Auge behalten und bin verdammt dankbar, dass keiner unserer jüngeren Gäste sie angemacht hat. Noch nicht. Obwohl ich keinen Zweifel daran habe, dass Brent jedem einzelnen von ihnen klar gemacht hat, dass seine Tochter tabu ist.
Wahrscheinlich ist sie hier, weil sie morgen mit uns mitfahren will.
Auf meinem Motorrad.
Das ist richtig. Sie wird während der zweistündigen Fahrt zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung, die von einem Club im Süden organisiert wird, auf meinem Bike sitzen. Brent hat mich gefragt, ob es mir etwas ausmachen würde, wenn sie mit mir fährt. Auf diese Weise kann er sein eigenes Motorrad nehmen und mit Fi fahren. Cody hat angeboten, meinen Truck zu nehmen, damit Max und Jo auch mitkommen können, und Jo hat gefragt, ob sein bester Freund ebenfalls mitkommen kann. Da ich es nicht ausschlagen wollte, fragte mich Brent, ob ich Chloe auf meinem Motorrad mitnehmen könnte.
Damit bin ich mehr als einverstanden, machen wir uns nichts vor. Wie ein verdammtes Kind vor Heiligabend hatte ich letzte Nacht Schwierigkeiten, einzuschlafen. Ist es eine gute Idee, Chloes Körper für ein paar Stunden an meinen Rücken geschmiegt zu spüren? Die Antwort ist ein klares Nein. Werde ich jede Sekunde der Nähe, nach der ich mich in den letzten Monaten immer mehr gesehnt habe, in mich aufsaugen? Das ist ein klares Ja.
Endlich habe ich keinen Barkeeperdienst mehr. Chloe sitzt an der Bar und unterhält sich mit Lana. Sie versteht sich gut mit Blanes Freundin. Lana ist seit ein paar Monaten hier und beide sind gute Freundinnen geworden.
Gott, ist dieses Mädchen schön. Genau wie bei der Hochzeit von Cam und Nate trägt sie ihr Haar offen. Ich bin es eher gewohnt, ihre Mähne hochgesteckt zu sehen, in einem hohen Pferdeschwanz oder einer Art Dutt. Heute Abend fallen ihre goldenen Locken in leichten Wellen über ihre Schultern, die Spitzen reichen bis zu ihren Brüsten, die von der einfachen grünen Bluse, die sie über ihrer engen dunkelblauen Jeans trägt, perfekt umhüllt sind. Mein Gott, wie kann ein Mädchen nur so süß und gleichzeitig so wild wirken? Ihr Körper schreit förmlich nach Sex und sie scheint sich dessen nicht einmal bewusst zu sein.
Die Couch senkt sich plötzlich neben mir, die Bewegung rüttelt mich leicht auf und lenkt meinen Blick von Chloe ab. Lucas muss mit der Stripperin fertig sein, denn er macht es sich neben mir bequem, den Unterarm auf die Armlehne gestützt und ein Glas mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit in der Hand.
„Eine verdammt gute Nacht“, erklärt er, bevor er einen Schluck Schnaps kippt.
Lucas ist ein großer Mann mit langem Haar, das ich bisher nur zu einem engen Dutt am Hinterkopf zusammengebunden gesehen habe. Mit seiner großen Statur und seinen dunklen Augen ist er für jeden, der ihn nicht kennt, zweifellos ein furchteinflößender Mann.
„Danke, Bruder“, sagt Jayce, der auf der Armlehne der gegenüberliegenden Couch sitzt.
„Es ist schon zu lange her, dass wir zusammengefahren sind“, fügt er zurecht hinzu. „Und eine Spritztour, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln, ist ein Pluspunkt.“
„Ja“, stimmt Ben zu, der sich zu uns gesellt und sein eigenes Getränk in der Hand hält. „Wir müssen diese Fahrten öfter planen, jetzt, wo niemand mehr da draußen ist, der sich mit uns anlegen will“, fügt er hinzu, als Colleen sich zu ihm stellt.
Er zieht sie automatisch näher zu sich und küsst sie kurz.
„Wie ich sehe, habt ihr jetzt alle eine Old Lady hinten auf euren Motorrädern“, sagt Lucas und zwinkert Colleen zu.
„Er hat keine“, korrigiert Ben ihn und sein Gesicht verzieht sich zu einem verdammt breiten, selbstgefälligen Grinsen, als er mit dem Finger in meine Richtung zeigt.
Wenn man bedenkt, dass er Chloe seit Cams und Nates Hochzeit nicht mehr erwähnt hat, dachte ein naiver Teil von mir, dass er darüber hinweg ist. Aber so wie er unser Gespräch nicht vergessen zu haben scheint, muss er auch bemerkt haben, dass ich mich nicht an Chloe herangewagt habe.
„Ja?“ Lucas Gesicht verzieht sich zu einem verwirrten Stirnrunzeln. „Ich habe dich heute Abend nicht mit ihr gesehen, aber bist du nicht mit …“
„Nein.“ Ich falle ihm ins Wort. „Ich bin mit niemandem zusammen. Keine Old Lady“, füge ich sicherheitshalber hinzu, auch wenn die überflüssige Wiederholung nicht gerade förderlich für meine Glaubwürdigkeit ist.
Als ich gespürt habe, dass er gleich Chloes Namen aussprechen wird, habe ich reagiert, anstatt rational zu denken. Wenn man bedenkt, dass meine Brüder und ihre Mädchen mein Interesse an ihr bemerkt haben – obwohl Faszination wohl zutreffender wäre – kommt mir plötzlich der Gedanke, dass es für alle anderen genauso offensichtlich sein könnte. Selbst wenn Brent nicht Teil dieser beunruhigenden, kleinen Diskussion ist, ist er auch nicht weit von uns entfernt und hängt mit Karl, Grant und ein paar seiner Männer am Billardtisch herum.
Ich schwöre, es ist ein verdammtes Wunder, dass er mir noch keine Knochen gebrochen hat. Das bedeutet, dass er keinen Verdacht geschöpft hat, und ich bin entschlossen, es auch weiterhin dabei zu belassen.
„Ooo…kayyy.“ Lucas kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, aber er muss wohl spüren, dass ich unbedingt von dem Thema Old Lady loskommen will, denn er lenkt rücksichtsvoll davon ab. „Also, wie läuft das Geschäft?“
„Das Geschäft läuft gut“, antwortet Jayce wahrheitsgemäß, obwohl er nicht ins Detail geht, wahrscheinlich, weil Colleen bei uns steht. „Wir denken sogar, dass es an der Zeit ist, ein paar neue Prospects einzustellen. Wir brauchen in Zukunft mehr Leute an Bord. Wir müssen uns so schnell wie möglich darum kümmern.“
„Ich verstehe.“ Lucas nickt nachdrücklich. „Wir haben vor ein paar Monaten drei Prospects aufgenommen. Da immer mehr Mitglieder Familien gründen, war das ein Muss. Bisher scheinen sie alle vertrauenswürdig zu sein, aber wir werden sehen, wie es auf lange Sicht läuft.“
Meine Brüder reden weiter, aber ich höre ihnen letztlich nicht mehr zu, ihre Worte treten in den Hintergrund, als mein Blick wieder auf Chloe fällt, gerade rechtzeitig, um sie die Küche betreten zu sehen. Was meine Aufmerksamkeit noch mehr erregt als ihr anmutiger Gang, ist die Tatsache, dass ihr ein Mitglied, von dem ich glaube, dass er Conrad heißt, nachfolgt.
Ich bin auf den Beinen, bevor mein Gehirn sich daran erinnert, dass es mir helfen soll, Dinge zu durchdenken, bevor ich handle. Die nächsten Worte meiner Brüder helfen mir auch nicht, mich zu beruhigen und mich wieder hinzusetzen.
„Er hat ein Auge auf Brents kleines Mädchen geworfen, stimmt’s?“, fragt Lucas meine Brüder, als ich mich von unserer kleinen Gruppe wegbewege.
Ben, das Arschloch, antwortet ihm bereitwillig. „Er schmachtet schon seit Monaten nach ihr.“
Aber das Grinsen in seiner Stimme stört mich nicht so sehr wie die Tatsache, dass Chloe und dieser Typ hinter einer geschlossenen Tür verschwinden.
Scheiße, verdammt. Ich verliere meinen Verstand. Jegliche Vernunft entgleitet mir in Windeseile. Vielleicht ist sie bereits weg. Verdampft. Als ich die Küche betrete, habe ich Angst, dass mein gesunder Menschenverstand niemals mehr wiederkehrt. Was noch verrückter ist als meine derzeitige Stimmung, denn es geschieht ja nichts weiter in der Küche, außer, dass Chloe über das kichert, was Conrad zu ihr gesagt hat. Sie hat ihren Blick auf den Tresen gerichtet, während sie etwas tut, das ich wegen Conrads breitem Körper nicht sehen kann, aber selbst die Tatsache, dass sie ihn nicht ansieht, beruhigt mich keineswegs. Ich grüble immer noch darüber nach, ob ich mir sicher bin, dass nichts passiert. Mein Verstand scheint nicht in der Lage zu sein, sich darüber klar zu werden, denn ich erstarre direkt auf der Türschwelle. Als sie ihm einen Teller mit einem Stück Kuchen reicht und er sich nach dem Dank abwendet, kann ich aufatmen.
Ich sehe Chloe an, die sich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank holt, als Conrad mir beiläufig sagt: „Hey, Bruder. Tolle Party.“
Ohne die Irrationalität zu bemerken, die von mir Besitz ergriffen hat, klopft er mir auf die Schulter, als er an der Tür ankommt, und ich nicke ihm automatisch zu, als ich einen Schritt zur Seite mache, um ihn hinausgehen zu lassen.
Seine Stimme lässt Chloe den Kopf in meine Richtung drehen, nachdem sie den Kühlschrank geschlossen hat, wobei sie sanft lächelt.
Sie ist so unglaublich schön, dass es schwerfällt, überhaupt zu atmen. Das sollte ich ihr auch sagen, wenn ich den Mund aufmache. Aber als ich dann spreche, merke ich, dass die Worte, die ich herausbringe, nur aufgrund meines derzeitigen fehlenden Verstandes äußere.
„Interessierst du dich für diesen Kerl?“
Der gleiche Schock, den ich empfinde, als ich meine eigenen Worte höre, wischt ihr Lächeln fort und weitet gleichzeitig ihre schönen grünen Augen. Aber sie fasst sich schnell wieder und ich sehe, wie sie trotzig die Arme über ihrer verführerischen Brust verschränkt.
Chloe ist das süßeste Mädchen, das ich kenne. Sie spielt sich nie in den Vordergrund, ich würde nicht einmal wissen, dass sie da ist, wenn ich nicht jedes Mal, sobald wir im selben Raum sind, nur sie ansehen könnte. Sie äußert nie unerwünschte Meinungen und nimmt immer Rücksicht auf die Gefühle anderer. Aber ihre Freundlichkeit bedeutet nicht, dass sie schwach ist, ihre zusammengekniffenen Augen und angespannten Schultern verraten, dass sie über meine Frage nicht erfreut ist.
Und verdammt, das würde ich auch nicht von ihr erwarten. Die Frage, die von Gott weiß woher kam, war so ein dummer Schachzug, dass ich mir dafür selbst den Arsch aufreißen könnte, und bevor sie überhaupt etwas sagt, schwillt der Stolz in meiner Brust durch den Wandel in ihrer Miene.
„Conrad ist näher am Alter meines Vaters als an meinem“, beginnt sie, und es kostet mich all meine Willenskraft, trotz der Empörung, die ihren zuvor strahlenden Ausdruck überschattet, nicht zu bemerken, wie süß ihre Stimme klingt. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber zu schwärmen, wie hypnotisierend dieses Mädchen ist, selbst wenn sie wütend ist. „Ich erinnere mich sogar daran, dass er mich als Kind Huckepack genommen hat. Gerade eben hat er mich nur gefragt, ob noch ein Stück Zitronenkuchen für seine schwangere Frau übrig sei. Also, so nett er auch ist, ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht interessiert bin.“ Daraufhin geht sie mit anmutigen, aber entschlossenen Schritten zur Tür und hält neben mir inne, bevor mein Gehirn auf die schlaue Idee kommt, ihr Platz zu machen. Sie ist so nah, dass sie meine Schulter streift und mir ihr berauschender Vanilleduft in die Nase steigt. „Wenn du jetzt keine dummen Fragen mehr hast, werde ich nach oben gehen und mich schlafen legen. Gute Nacht, Melvin.“
Meine kleinen grauen Zellen arbeiten eifrig daran, einen Weg zu finden, doch noch ein Wort herauszubekommen, aber Chloe lässt mir nicht viel Zeit dafür. Sie ist in Windeseile aus der Tür und jetzt kann mein Gehirn nur noch die erbärmliche Szene wiederholen, die mich als eifersüchtiges Arschloch darstellt. Ich weiß nicht, wann ich so geworden bin, aber es ist offensichtlich passiert.

Chloe

Trotz meiner schwarzen Skinny-Jeans, die sich wie eine zweite Haut an meine Beine schmiegt, und der Lederjacke, die meine Arme bedeckt, fröstelt es mich von Kopf bis Fuß, während Melvin mit seinem Motorrad einen weiteren Kilometer zu unserem Ziel zurücklegt. Da die Junisonne auf uns niederbrennt, seit wir aus dem Club herausgefahren sind, hat das Frösteln nichts mit der Temperatur zu tun, sondern mit dem Muskelprotz, an dem ich mich festhalten muss. Okay, müssen ist vielleicht die falsche Wortwahl. Sicher, ein fester Griff um ihn ist notwendig, wenn ich nicht will, dass ich auf dem Asphalt unter uns meine letzte Ruhestätte finde. Die Nähe zu Melvins athletischem Körper ist nicht gerade das, was ein Mädchen bei klarem Verstand als Qual bezeichnen würde. Das Gefühl in meinem Bauch erinnert mich an das Kribbeln, das mich vor zwei Tagen in der Werkstatt durchströmte. Die Schmetterlinge fliegen immer schneller in meinem Bauch und das lodernde Feuer brennt immer heißer in Teilen von mir, die noch nie von jemandem erweckt worden sind. Doch unsere Nähe beschränkt sich nicht nur auf das leichte Berühren unserer Hände wie neulich. Heute erreicht sie eine ganz neue Ebene. Zumindest für mich. Meine Vorderseite ist gegen Melvins festen Rücken gedrückt, was die Schmetterlinge und das Feuer um das Zehnfache ansteigen lässt. Seine Nähe, die Mischung aus Holz- und Zitrusduft, die von seinem Duschgel stammen muss, erwecken meinen ganzen Körper, und das Verrückte daran ist, dass Melvin nicht einmal etwas tut. Mit seinen tiefen Augen, die jedes Mal eine unglaubliche Intensität ausstrahlen, wenn er mich ansieht, blickt er mich gerade nicht einmal an. Seine Hände, schwielig und doch so sanft in ihren Berührungen, streifen meine auch nicht. Dennoch bin ich noch aufgeregter als vor zwei Tagen. Sowohl mein Körper als auch mein Verstand sind von einer Anziehungskraft entflammt, gegen die ich keine Macht habe. Eigentlich würde ich alles dafür geben, dass Melvin sein Motorrad hier auf dem Standstreifen der Autobahn anhält, um mich zu küssen.
Das Verlangen meines Körpers nach seiner Berührung sollte ich allerdings bekämpfen. Mit allen Mitteln, um genau zu sein. Nach der letzten Nacht sollte ich mich nicht nach irgendeiner Art von Kontakt zwischen uns sehnen. Mir vorzuwerfen, ich hätte Interesse an einem verheirateten Mann, war völlig unangebracht. Meine Eltern haben mich besser erzogen als so. Aber viel schlimmer war, dass Melvin dachte, ich wäre die Art von Mädchen, die den Ehemann einer anderen Frau anbaggert – noch dazu den Freund meines Vaters – während seine schwangere Frau im Nebenzimmer auf ihn wartete. Gott, das wäre eine verdammt gute erste Party mit dem Club geworden. Das wäre eine tolle Art und Weise gewesen, die offizielle Zustimmung meines Vaters zu meinem Eintritt ins Erwachsenenleben zu feiern.
Melvins absurdes Verhalten hätte meine heftige Reaktion auf ihn dämpfen sollen, aber mein Körper spielt verrückt. Meine Verärgerung über ihn trägt nicht dazu bei, meine neu erwachten Hormone zu zügeln. Die armen Dinger zappeln so sehr in meinem Blut, dass ich sie schon fast hören kann, wie sie mich anflehen, sie frei agieren zu lassen. Aber so sehr mich meine Hände auch anbetteln, dass ich ihnen erlaube, sich zu bewegen, weil ich unbedingt Melvins ausgeprägte Bauchmuskeln spüren will, so sehr arbeitet das gute Mädchen in mir daran, die unanständigen Instinkte zu zügeln, die sich immer tiefer unter meine Haut schleichen. Ich halte mich einfach an ihm fest und genieße die Fahrt, die bald zu Ende sein wird.
Das Wetter ist herrlich. Die Landschaft, die mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbeizieht, leuchtet unter der Sonne, die am wolkenlosen Himmel brennt. Ich hätte nichts dagegen, noch eine weitere Stunde dieser perfekten Tour zu genießen, bevor mein Hintern allmählich eine Pause einfordert. Als wir alle die nächste Ausfahrt nehmen, bin ich ein wenig enttäuscht, dass das Ziel noch näher ist, als ich dachte. Nach ein paar weiteren Kilometern in langsamerem Tempo kommen wir in der Nähe eines weitläufigen, grünen Parks an, der einen großen Teich umgibt, dessen Wasser in der Morgensonne herrlich glitzert. Unzählige Stände sind über die Wiese verstreut und viele Menschen tummeln sich bereits im Park.
Wir fahren auf einen riesigen Parkplatz, auf dem bereits Dutzende von Autos und Motorrädern geparkt sind, und suchen uns einen freien Platz, an dem wir uns versammeln.
„Frühstück?“, schlägt Jayce mit seiner Baritonstimme vor, die alle anderen übertönt, und alle stimmen seinem Vorschlag gerne zu.
„Lasst uns nachsehen, ob der Food-Truck von vor zwei Jahren noch da ist, mit den verschiedenen Omeletts“, schlägt mein Vater vor.
„Oh ja, die waren köstlich“, stimmt Mama zu, wir gehen alle los und mischen uns unter die Menge.
Meine Eltern haben mich im Laufe der Jahre zu mehreren dieser Veranstaltungen mitgenommen und sie haben immer Spaß gemacht. Wer genießt nicht gern Live-Musik, einen Jahrmarkt und schlendert dann an den unzähligen Ständen vorbei, an denen alle möglichen selbstgemachten Dinge verkauft werden? Zu allem Überfluss ist das Ganze auch noch für einen guten Zweck.
Als wir die Straße überqueren und uns unter die Leute mischen, sehe ich, wie mein Vater auf einen Truck zeigt. Offenbar hat er gefunden, wonach er gesucht hat.
Eine leichte Berührung streichelt meinen nun nackten Arm und verursacht eine Gänsehaut auf meiner Haut, bevor Melvins tiefe, brummende Stimme meinen Blick von den Festivitäten vor uns zu seinem Gesicht schweifen lässt.
„Ich möchte mich für letzte Nacht entschuldigen“, sagt er, sobald wir uns in die Augen sehen. Das Bedauern, das ich darin lese, genügt mir, um ihm weiter zuzuhören. „Ich hätte nicht sagen sollen, was ich gesagt habe. Ich war ein Arschloch und es tut mir leid.“
Da ich spüre, dass er fertig ist und auf das wartet, was ich zu sagen habe, antworte ich, indem ich seiner Wortwahl zustimme. „Du hast dich wie ein Idiot verhalten. Aber ich weiß deine Entschuldigung zu schätzen. Ich nehme sie an.“
Mit einem sanften Lächeln versichere ich ihm, dass ich ihm vergebe. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die einen ewigen Groll hegen, vor allem, wenn ich weiß, dass der Typ, der gestern Abend in der Küchentür stand, nicht der ist, der er wirklich ist. Außerdem muss ich zugeben, dass das Aufblitzen von Eifersucht in seinen dunklen Augen ein angenehmes Gefühl in meiner Brust ausgelöst hat, auch wenn sein Verhalten an Beleidigung grenzte.
Seine Lippen spitzen sich, als wolle er etwas sagen, aber es kommen keine Worte über sie, bevor er sie schließlich wieder schließt. Da ich nicht weiß, was ich dem bereits Gesagten noch hinzufügen soll, halte ich ebenfalls den Mund. Ich kann ihn nicht fragen, was seine unvernünftige Reaktion zu bedeuten hatte. Aber das nun folgende Schweigen, lässt das Thema wie einen riesigen Elefanten im Raum erscheinen. Ich wünschte, ich könnte das Eis brechen, das so dringend gebrochen werden muss, aber ich bin hier nicht in meinem Element. Was soll ich denn jetzt sagen? Hey, fühlst du dich zu mir hingezogen oder lässt mich mein gestörtes Gehirn Dinge sehen, von denen ich wünschte, sie wären wahr?