Haven Brotherhood: Haven Brotherhood: Down & Dirty

Originaltitel: Men of Haven: Down & Dirty
Übersetzer: Julia Weisenberger

Erscheint: 08/2020
Serie: Haven Brotherhood
Teil der Serie: 6

Genre: Contemporary Romance, Soft-SM / BDSM
Zusätzlich: Rockstar Romance

Location: USA, Texas, Dallas


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-483-2
ebook: 978-3-86495-484-9

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Haven Brotherhood: Haven Brotherhood: Down & Dirty


Inhaltsangabe

Die Haven Brotherhood: Wilde Leidenschaft und unnachgiebige Loyalität, besonders wenn es um ihre Frauen geht.

Axel McKee gab seine Musikkarriere vor Jahren auf, begrub seine Träume vom Scheinwerferlicht und baute stattdessen mit seinen Brüdern ein Imperium auf. Er ist ein dominanter Mann in allen Bereichen seines Lebens, auch im Schlafzimmer.

Dann kam Lizzy. Ihre Präsenz springt von der Bühne ins Herz eines jeden, der sie singen hört. Axel will sie. Will ihr helfen und mit ihr zusammenarbeiten ... Aber vor allem soll sie ihm gehören.

Doch Lizzy ist ein gebranntes Kind, und ihr Vertrauen zu gewinnen wird Axels bisher größte Herausforderung. Wenn er diese wilde, hartnäckige, talentierte Frau dazu bringen kann, die Leidenschaft und Fürsorge zu sehen, die er ihr bietet, könnte er die Chance auf einen neuen Traum bekommen - das Rampenlicht mit der Frau zu teilen, die er liebt.

Der sechste und letzte Teil der Haven Brotherhood-Reihe. 

Über die Autorin

Die aus Oklahoma stammende Mutter zweier hübscher Töchtern ist attestierte Liebesromansüchtige. Ihr bisheriger Lebenslauf spiegelt ihre Leidenschaft für alles Neue wider: Rhenna Morgan arbeitete u.a. als Immobilienmaklerin, Projektmanagerin sowie beim Radio.

Wie bei den meisten Frauen ist ihr Alltag von morgens...

Weitere Teile der Haven Brotherhood Serie

Leseprobe

Als ob allein das Gespräch ihn herbeschworen hätte, wählte Beckett genau diesen Augenblick, um durch den Bogen hereinzukommen. Wie immer trug er eine Levi’s, die aussah, als ob sie schon seit zehn Jahren ihren Dienst verrichtet hätte, und eines dieser teuren T-Shirts, das sich an jeden definierten Muskel schmiegte. Diesmal war es einen Hauch dunkler als eisblau und ließ seine umwerfend blauen Augen regelrecht aus seinem markanten dunklen Gesicht stechen. Zweifellos war die Baumwolle das Beste, was man mit Geld kaufen konnte, was sie die Faust ballen ließ, weil sie unbedingt selbst darüberstreicheln und die harte Wärme darunter spüren wollte.

.../>Unglücklicherweise wurde diese Fantasie durch die klassisch schöne Blondine an seiner Seite, die ihren Arm um seine Taille gelegt hatte, im Keim erstickt. „Und dort, meine russische Freundin, ist Grund Nummer drei. Wann hast du ihn das letzte Mal zweimal hintereinander mit derselben Frau gesehen?“
Darya seufzte und warf Beckett einen traurigen Blick zu, der von Geheimnissen und Mitgefühl sprach. „Ja, aber hast du jemals darüber nachgedacht, warum du keine ein zweites Mal siehst?“
Hatte sie. Unzählige Male. Doch dieses Thema mit jemand anderem als Beckett zu erörtern, roch zu sehr nach Highschool, und sie wäre ein Trottel, wenn sie es in einem privaten Gespräch mit ihm aufbringen würde. Das war zu intim. Ein erster Schritt in Richtung einer Unterhaltung, die nur für mehr Intimität sorgen würde – und Gott wusste, sie brauchte nicht noch mehr Anziehungskraft, wenn es um ihn ging. „Das Handbuch für schlaue Mädchen sagt, dass Männer, die nicht über Date Nummer eins hinauskommen, nicht dazu neigen, sich häuslich niederzulassen. Nenn mich altmodisch, aber ich hab’s nicht in mir, ein Zwischenstopp in seinem niemals endenden Hüpfen durch die Betten zu sein. Selbst wenn ich wirklich überfällig bin, ein enthusiastisches Hüpfen meinerseits einzulegen.“
Statt über ihren Witz zu lachen, wie sie es normalerweise tun würde, wandte Darya den seelenvollen Blick aus ihren blauen Augen Gia zu und sah sie lange Augenblicke bedächtig an. Als sie das Wort ergriff, war ihre Stimme leise und voller Gefühl, was an diesem geräuschvollen Ort deplatziert wirkte. „Ich habe im vergangenen Jahr viel über Knox und seine Brüder gelernt. Darüber, was es bedeutet, eine Familie zu haben. Und bei einer Sache kannst du dir vollkommen sicher sein – an ihnen ist viel mehr als das, was an der Oberfläche zu sehen ist.“
Ohne ihre Handlung zu überdenken, ließ Gia ihren Blick zurück zu Beckett und seinem Date gleiten. Die Frau war wirklich wunderschön und jemand, den man in einem Town-&-Country-Artikel erwarten würde – bis hin zu dem Sommerkleid an ihrem schlanken Körper und dem dezenten Make-up. Sie war alles, was Gia nicht war. Das vollkommene Gegenteil. Und doch fühlte sich Daryas Aussage irgendwie wie der Schlüssel zur Büchse der Pandora an.
Am Ende des Tisches schlug Beckett einem der Männer auf die Schulter, drehte sich um und sah ihr in die Augen. „Hey, G. Ich habe mich schon gefragt, ob du es herschaffst.“
„Ich würde Darya doch nicht mit euch allein lassen.“ Wie ihr Gehirn es schaffte, inmitten dieses neuesten Puzzles eine Antwort hinzubekommen, war ihr ein Rätsel. So schwer es ihr auch fiel, sie neigte den Kopf in Richtung der Frau neben ihm. „Gut, dass du jemanden mitgebracht hast, um das Gleichgewicht ein wenig zu wahren. Es wäre schon hart gewesen, wenn nur wir zwei gegen den Rest von euch hätten antreten müssen, aber mit drei gegen zehn ist es ein Kinderspiel – IQ-technisch gesehen.“
Sein schnelles Grinsen kombiniert mit der Art, wie er die Frau enger an sich zog, trieb sich wie eine stumpfe Klinge zwischen ihre Rippen, doch sie behielt ihr Lächeln an Ort und Stelle wie festgetackert.
Nachdem ihr die Frau vorgestellt worden war, an die sie sich nicht erinnern würde, sie eine Menge höflichen Geplänkels hinter sich gebracht und dreißig Minuten damit verbracht hatte, zu versuchen, Beckett nicht anzustarren, stellte Gia ihre leere Bierflasche zur Seite und erhob sich. „Ich gehe mal zur Bar. Will einer von euch noch was?“
Beckett hielt mitten in einem Satz zu Decker inne und blickte zu Gia. „Warum? Tiffany kommt gleich mit einer weiteren Runde.“
Tiffany. Richtig. So hieß die Kellnerin. „Weil ich mich entschieden habe, zu etwas Stärkerem zu wechseln, und nicht will, dass sie doppelt laufen muss, wenn ich meinen Hintern bewegen und mich selbst drum kümmern kann.“
Nicht gerade die überzeugendste Antwort, mit der sie hätte kontern können. Aber zuzugeben, wie schwer es ihr fiel zu beobachten, wie liebevoll Beckett seine Begleitung dicht an sich drückte und mit dem Daumen über ihre bloße Schulter strich, wäre auch nicht in Ordnung gewesen.
Die Wartezeit an der Bar war glücklicherweise lang. Die Anzahl von Besuchern, die Schulter an Schulter auf die Gelegenheit wartete, zu bestellen, verschaffte ihr die Zeit, sich zu entspannen und wieder runterzukommen. Warum sie sich damit quälte, in Becketts Nähe zu verweilen, wusste sie nicht. Das war, wie ihre Lieblingsschokolade zu kaufen, sie auf der Theke liegen zu lassen und sich zu weigern, sie zu essen, um für ihren Job fit zu bleiben.
Sie war der Versuchung überdrüssig. Zumindest für heute Abend. Ein weiterer Drink und sie könnte sich verabschieden, ohne als Spaßbremse zu gelten, wie die Jungs sie sonst immer gerne bezeichneten.
Die Barkeeperin nahm endlich Blickkontakt mit ihr auf, auf die nonverbale Weise, die besagte, dass sie bereit war, Gias Bestellung entgegenzunehmen. Aber Judds Stimme erklang, bevor Gia den Mund öffnen konnte. „Also bist du nicht abgehauen.“
Gia schaffte es gerade noch, ihren Kopf nicht frustriert sinken zu lassen, und behielt den Blick auf die Barkeeperin gerichtet. „Einen Tequila.“
Mit einer Geschmeidigkeit, die sie überraschte, glitt Judd zwischen sie und den Biker, der den Barhocker neben ihr besetzte. „Decker hat eben versucht, mit mir um zwanzig Kröten zu wetten, dass du auf kürzestem Weg hier rausgerannt bist.“
Statt ihm ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden, beobachtete Gia die Barkeeperin. „Du hast nicht eingeschlagen?“
„Natürlich nicht. Ich kenne dich besser.“ Er legte die Hand auf ihren unteren Rücken und kam ihr so nah, dass seine gesenkte Stimme sich wie eine Liebkosung anhörte. „Ganz im Ernst. Geht es dir gut? Du wirkst aufgewühlt.“
Dieser verdammte Judd. Wirklich, er war ein netter Kerl. Kultiviert. Gut aussehend. Eine laufende Ken-Puppe mit einer geschmeidigen und warmen Stimme. Und er hatte recht. Sie kannten einander bereits sehr lang.
Sie drehte sich weit genug, dass er keine Wahl hatte, als die Hand an ihrem Rücken zu senken, und stemmte den Ellbogen auf die Bar. „Du weißt schon, dass du, egal, was meine Eltern dir erzählen, nicht den Babysitter für mich spielen musst? Ich bin ein großes Mädchen.“
Sein schnelles Grinsen zeigte seine perfekten weißen Zähne, aber sie erinnerte sich noch daran, wie er als vorpubertärer Teenager eine Zahnspange getragen hatte – einer der Vorteile, dass sie Nachbarn gewesen waren, so lange sie sich erinnern konnte. „Wer hat was von Babysitten gesagt? Vielleicht ist das einfach meine Art, dir zu zeigen, dass ich nicht aufgebe.“
Diesmal ließ sie wirklich den Kopf hängen und seufzte und kniff die Augen dabei fest zusammen. Diese Unterhaltung hatte sie unzählige Male geführt. Nicht nur mit Judd, sondern auch mit ihren Eltern, die sich seit ihrer Highschoolzeit sicher waren, dass sie und Judd füreinander bestimmt wären. „Judd, du weißt, wie ich darüber denke.“
„Öl und Wasser“, sagte er mit dem üblichen unerschütterlichen Lächeln in der Stimme. „Ein nicht zusammenpassendes Paar. Es ist nicht richtig, Arbeit und Vergnügen miteinander zu mischen. Ja, ich glaube, ich weiß alle Argumente auswendig.“ Sein warmer Finger strich von unterhalb ihres Ohrs ihren Kiefer hinab zu ihrem Kinn, um sanft ihr Gesicht anzuheben. „Ich hasse es, dich so traurig zu sehen. So allein. Kannst du nicht mal darüber nachdenken? Wir kennen einander. Wir haben die gleichen Interessen und ergänzen einander besser als die meisten Paare, die schon seit Jahren zusammen sind.“
Oh, sie hatte darüber nachgedacht. Besonders zu Beginn, als ihrer beider Eltern sich gegenseitig darin übertroffen hatten, Szenarien zu entwerfen, in denen sie zufällig zusammentrafen. Eine gemeinsame Anstrengung, die die Tochter von Atlantas erfolgreichstem Strafverteidiger mit dem Goldjungen des Firmenpräsidenten eines der weltweit führenden Transportunternehmen verkuppelt hätte.
Judd war die einfache Lösung. Er war so bequem wie mit Lammwolle gefütterte Hausschuhe mitten im Winter. Mit dem Strom zu schwimmen und zu sehen, wie sich die Dinge entwickelten, wäre der einfachere Weg, sicher, aber sie konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass etwas fehlte. Dass ein wichtiges Detail in ihrer Beziehung ein wenig verdreht und nicht im Lot war. Am Ende war sie von Atlanta nach Dallas gezogen, nur um ein bisschen Freiraum zu bekommen.
Und dann hatte sie Beckett getroffen.
Wenn sie sich vorher noch nicht im Klaren gewesen war, was sie bezüglich der Verbindung zwischen zwei Menschen wollte, so hatte Beckett ihre Ideale erhöht. Ja, er hatte sie nicht bemerkt, aber er hatte ihr mehr als deutlich gemacht, was sie wollte, wenn sie sich endlich mit jemandem einließ. Dieses Wirbeln tief in ihrem Magen. Das Knallen und Knistern der Elektrizität, wann immer ihr Jemand in einen Raum kam. Doch mehr als das wollte sie Respekt. Gegenseitigen Respekt. Der Art, wie ihn ihre Eltern nie gehabt hatten, oder den sie verloren hatten, bevor Gia sich an seine Existenz hatte erinnern können.
Aber vielleicht hatte sie falsch gelegen. Vielleicht existierte diese Art der Beziehung nicht. Oder vielleicht war sie einfach nicht für sie bestimmt. „Erinnerst du dich an diesen Sportwettbewerb in der Highschool?“
„Den, bei dem du auf der Zielgeraden vor mir eingeschert bist und mir fast den Arsch vor allen anderen aufgerissen hast? Ja, daran erinnere ich mich.“
„Das bin ich, Judd. Ich bin verfickt wettbewerbsorientiert.“
Er zuckte angesichts der Vulgarität zusammen. Oder angesichts dessen, was ihre Mütter als Vulgarität bezeichnen würden. Für sie war es mehr die Verstärkung einer Aussage. Ein subtiles Ausrufezeichen, um ihre Botschaft rüberzubringen, ohne zu schreien. „Du warst wochenlang sauer auf mich, aber ich werde immer dieses Mädchen sein.“
Judd kam näher und schob seine Hand mit der Vertrautheit langjähriger Liebhaber die Kurve ihrer Hüfte entlang. Er war nicht so groß wie Beckett und auf jeden Fall nicht so muskulös, doch in diesem Augenblick fühlte sie sich winzig. Feminin. Und das hatte sie seit langer Zeit nicht mehr.
„Ich war achtzehn Jahre alt und hatte das Ego eines Teenagers. Ich verspreche dir, der Mann, der ich heute bin, stellt sich jeder Herausforderung, die du ihm bietest.“
Gott, es war verführerisch. Geschätzt zu werden. Berührt. Selbst wenn sie tief im Inneren wusste, dass es nirgendwohin führen würde. Alles, was sie tun müsste, war, sich vorzubeugen, die Hände auf seine Brust zu legen und zu beten, dass er übernehmen würde.
„Sag mir, dass du einen verdammt guten Grund hast, deine Hand auf sie zu legen.“
Beckett.
Seine Stimme war nicht laut gewesen, in ihr hatte aber die gleiche Kraft wie die eines heftigen Sturms mitgeschwungen. Es reichte, dass die Männer an beiden Seiten von ihr ihre Unterhaltungen unterbrachen und sich ein wenig zurückzogen.
Sie wusste nicht, ob sie Gott für diese Unterbrechung danken oder das volle Shotglas, das die Barkeeperin vor sie gestellt hatte, über Becketts Kopf schütten sollte. So oder so war sie verdammt – es war nur eine weitere Nacht mit dem üblichen Spiel. Sie hatte während der Zusammenarbeit mit Männern wie Beckett und Judd gelernt, dass das, was keiner Antwort am nächsten kam, das Beste war. Es war schwer für einen Kerl, das Gefühl zu haben, sein Ego würde gestreichelt oder verletzt, wenn man ihm von Anfang an keinen Ansatzpunkt dafür gab.
Sie schlug spielerisch Judds Hand weg und drehte sich zu ihrem Shot, wodurch sie die Situation mit einem Mir egal entschärfte. „Kümmere dich nicht um Judd. Der macht nur Blödsinn.“ Sie kippte den Tequila runter, hob das Glas zum Nachfüllen zur Barkeeperin und sah dann zu Judd. „Stimmt doch, oder?“
Wie immer behielt Judd einen gelassenen Gesichtsausdruck bei, aber seine gebräunte Haut zeigte einen Hauch Rot, und in seinen Augen brannte etwas, das allein verspiegelte Gläser hätten verbergen können. Er erwiderte Gias Blick, und seine Augen verengten sich bloß minimal, bevor er Beckett ansah. „Ja.“ Er blickte zurück zu Gia und schnaubte. „Ich habe nur Blödsinn gemacht. Und wie immer meine Zeit verschwendet.“ Damit drehte er sich um und hob das Kinn in Richtung Beckett. „Hab viel Spaß mit deinem Date.“
Die Barkeeperin stellte ein frisches Shotglas auf die Betonoberfläche, als Beckett sich an den Platz schob, den Judd gerade frei gemacht hatte.
Gia ignorierte ihn und tippte auf den Fleck neben ihrem Glas. „Ich brauche ein paar mehr hiervon.“
„Nein, braucht sie nicht.“ Beckett griff nach dem Shot, aber Gia packte sein Handgelenk, bevor er ihn erreichte, und starrte die Barkeeperin böse an.
„Es geht ihn einen feuchten Kehricht an, was ich trinke“, brachte sie, ohne zu knurren, heraus. „Wenn ich also sage, dass ich ein paar mehr davon brauche, meine ich ein paar mehr. Danach sehen wir weiter.“ Sie beäugte den älteren Biker, der zu ihrer Rechten saß und offensichtlich die Show genoss. „Das hängt so ziemlich davon ab, wie die nächsten fünf Minuten verlaufen.“

Beckett hämmerte kräftig genug gegen die Tür zur Damentoilette, dass die Scharniere protestierten und der verschrammte Türknauf klapperte. Selbst bei dem Krawall, den er veranstaltete, war er kaum hörbar dank der Party, die jetzt in der Hauptbar richtig in Schwung kam. „Darya, mach die gottverdammte Tür auf.“
„Alter, wenn du wegen einer betrunkenen Frau diese Tür kaputt machst, wird dir Jace monatelang deswegen in den Ohren liegen.“ Knox, den Becketts Wut überhaupt nicht juckte, lehnte eine Schulter gegen die Wand neben der Toilette und verschränkte die Arme. „Entspann dich einfach. Darya schafft das mit Gia.“
Dass Darya sich um eine sturzbesoffene Frau kümmerte, war nicht das Problem. Es waren die Schuldgefühle, die gerade sein Gewissen als Sandsack missbrauchten, die ihm Schwierigkeiten bereiteten. Aber dieses kleine Detail würde er weder Knox noch jemand anderem verraten. „Hast du gesehen, wie viel verdammten Tequila sie getrunken hat? Verflucht, nicht mal ich könnte so viel trinken, und ich bin sechzig Kilogramm schwerer als sie.“
„Ja, das war echt abgedreht. Ich habe noch nie miterlebt, dass sie sich auf so harten Alkohol gestürzt hat. Aber du musst zugeben, sie ist eine freundliche Betrunkene.“
Das war eine Untertreibung. Sie hatte ihren privaten Tisch hinten in der Bar zugunsten einer Meute neuer Freunde zurückgelassen, die sie vorn gewonnen hatte. Innerhalb von dreißig Minuten hatte sich nicht nur jeder verdammte Biker hier in sie verliebt, sondern ihr darüber hinaus seine ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt. Das war auch der Grund gewesen, weshalb er Katy ganz dreist wegen einer angeblichen Sicherheitskrise angelogen und ihr einen Privatwagen bestellt hatte, der sie nach Hause bringen sollte, damit er in Gias Nähe bleiben konnte. Entweder das, oder er würde den Hals jedes Mannes umdrehen, bevor er die Bar verließ.
Die Toilettentür öffnete sich mit einem Knarzen und Darya hielt sie mit einem in einen High Heel geschmiegten Fuß offen. Der böse Blick, den sie Beckett zuwarf, hätte ihm an jedem anderen Abend ein schlechtes Gewissen gemacht, er konnte jedoch nur Erleichterung empfinden angesichts des Anblicks von Gia, die aufrecht stand und einigermaßen gesund aussah. Ihr Blick war allerdings glasig und der Arm, den sie um Darya gelegt hatte, war alles, was sie in der Senkrechten hielt, aber ihre Wangen waren gerötet und ihr schiefes Grinsen versprach, dass sie gerade nicht litt.
„Ich hatte genug zu tun, ohne dass du alle fünf Sekunden gegen die Tür gehämmert hast“, sagte Darya. Ihr russischer Akzent war viel ausgeprägter als üblich und enthielt eine ziemliche Menge an Frustration.
„Ich habe mir Sorgen gemacht.“ Beckett trat vor, um ihr Gia abzunehmen und deren Gewicht selbst zu tragen.
Darya hob eine Hand und hielt ihn auf, bevor er die Bewegung beenden konnte. „Was hast du bitte vor?“
„Ich bringe sie heim und bleibe bei ihr, bis sie ihren Rausch ausgeschlafen hat.“
„Nein, wirst du nicht. Ich habe ihr versprochen, dass ich mich um sie kümmere.“
„Wann?“
Knox wählte diesen Moment, um sie beide nicht länger anzugrinsen, sondern sich von der Wand abzustoßen. „Ich glaube, es war irgendwann zwischen dem fünften und dem sechsten Shot. Es gab auch ein paar gemurmelte Schwüre, die ich nicht genau verstanden habe, aber ich denke, es ging darum, jeden mit einem Paar Eier zu töten, also sei vorsichtig, Bruder.“
Und hier war der Beweis, dass er richtig üble Scheiße gebaut hatte. „Sie ist sauer auf mich. Ich war der Grund, also muss ich es wieder in Ordnung bringen.“
So, wie Darya die Lippen schürzte, in einer Mischung aus Wut und der Überzeugung, im Recht zu sein, bestätigte sie seine Vermutung, ohne dass ein einziges Wort gesprochen werden musste.
Knox andererseits hatte keine Ahnung. „Moment, wieso zum Teufel warst du der Grund für etwas?“ Sein Blick fiel auf Gia. „Was habe ich verpasst?“
Gia wählte genau diesen Augenblick, um aus ihrem glücklichen Nebel aufzutauchen, und sah Beckett stirnrunzelnd an. „Er war mein Schwanzblockierer.“ Die Falte zwischen ihren Augenbrauen vertiefte sich, als sie versuchte, sich auf Knox zu konzentrieren. „Oder heißt das nur so, wenn ein Kerl das bei einem anderen Typen macht? Oh, Moment!“ Sie lächelte zu Darya auf. „Er war meine Muschelklemme!“
Darya lachte und verlagerte ihr Gleichgewicht, um Gias schwankende Balance auszugleichen. „Ein Pussyschreck.“
„Er war ein Klitörfaktor“, schoss Gia zurück.
„Und jetzt wissen wir, was in der Toilette so lange gedauert hat.“ Knox winkte Darya aus dem Raum. „Komm schon, Engel. Wir verteilen die Aufgaben so, dass alle zufrieden sind. Du fährst Gias Auto nach Hause. Ich folge dir in meinem Wagen und Beckett kann Gia in seinem heimbringen.“
„Aber ich habe es ihr versprochen.“
„Und Gia hat bereits einmal gekotzt. Wohin soll sie als Nächstes ihren Mageninhalt entleeren? In ihr Auto oder in Becketts?“
„Becketts“, gab Gia mit dieser Ernsthaftigkeit zurück, die nur Betrunkene an den Tag legen konnten. „Definitiv Becketts.“
Das Grinsen, das Darya Beckett zuwarf, hätte ihm Angst einjagen sollen. Verdammt, allein die Vorstellung, dass jemand in seine Corvette kotzte, hätte ihn unter normalen Umständen dazu gebracht, wie ein Schulmädchen loszuflennen. Aber zumindest wäre er in der Lage, Gia in nächster Nähe zu haben, bis er wusste, dass sie in Sicherheit war. „Siehst du? Und schon haben wir einen Plan. Und jetzt komm, meine Hübsche. Bringen wir dich nach Hause.“
Er beugte sich vor, um sie hochzuheben, doch Gia stolperte aus seiner Reichweite. „Du trägst mich auf keinen Fall. Ich bin keine Memme!“
Übersetzung: Selbst in betrunkenem Zustand war sie davon überzeugt, dass viele ihrer Kollegen nach wie vor Dampf abließen. Aber es fiel ihm schwer, ihr deshalb Vorwürfe zu machen. Die Kerle machten ihr immer das Leben schwer, was ihn schon ein- oder zweimal fast dazu gebracht hätte, die Hälfte von ihnen zu schlagen. „Du bist keine Memme. Ich muss nur dichter an dich ran, damit ich dir dabei helfen kann, die Balance zu halten. Das ist alles. Niemand wird etwas vermuten.“
Sie verkrampfte die Hand auf dem Waschbecken und warf ihm einen misstrauischen Blick zu. „Versprochen?“
„Pfadfinderehrenwort.“
Knox lachte leise. „Nur für die Akten: Beck war nie bei den Pfadfindern, obwohl er mal Böller in ein paar Zelten von Typen angebracht hat, die ihn in der sechsten Klasse aufgezogen haben.“
„Nicht hilfreich“, murmelte Darya, streckte dann aber die Hand aus, um Gia zu Beckett zu führen. „Komm, meine Liebe. Zeit, dich heimzubringen.“
Am Ende war es weniger Aufwand, als er erwartet hatte, sie zu seinem Auto zu schaffen. Vielleicht waren es die Jahre der Wachsamkeit in einer von Männern dominierten Branche, oder reine Sturheit, die es ihr erlaubten zu überspielen, wie betrunken sie wirklich war. Er wusste es nicht. Aber als sie an der ersten Ampel in Lower Greenville standen, war sie vollkommen ausgeknockt.

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