The Doctor Is In!: Dr. Heartbreaker

Originaltitel: Dr. NEURO
Übersetzer: Joy Fraser

Erschienen: 03/2019
Serie: The Doctor Is In!
Teil der Serie: 3

Genre: Contemporary Romance, Romantic Comedy
Zusätzlich: Reality-Show

Location: New York, USA


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-332-3
ebook: 978-3-86495-333-0

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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und allen gängigen Onlinehändlern und im Buchhandel

The Doctor Is In!: Dr. Heartbreaker


Inhaltsangabe

Mein Name ist Dr. Nick Raines. Nachdem ich in der Vergangenheit aus Egoismus die mir nahestehenden Menschen verletzt und im Stich gelassen habe, ließ ich mich als Leiter der Neurochirurgie des St. Lukes Krankenhaus in New York nieder, um meiner zehnjährigen Tochter Lexi näher zu sein und ihr ein besserer Vater zu werden. Endlich mache ich Fortschritte in der Beziehung zu meiner Tochter, und ich werde alles dafür tun, dass nichts unsere neue Bindung zerstört.

Plötzlich tritt unerwartet die Headhunterin Charlotte Hollis in mein Leben. Extrovertiert, impulsiv und wunderschön ist sie und mir wird klar, wie sehr ich mich nach einer Frau wie ihr gesehnt habe. Vom gemeinsamen Quizabend bis zu leidenschaftlichen Nächten ist es nicht weit. Das Leben könnte nicht schöner sein! Aber dann erfahre ich ein Geheimnis aus Charlottes Vergangenheit, dessen Bekanntwerden mit einem Schlag Lexi aus meinem Leben reißen könnte. 

Es ist eine Schlacht – meine Schlacht: Verstand gegen Herz!

Der dritte und abschließende Teil der "The Doctor Is In!"-Serie des New York Times-Bestseller-Autorenduos Max Monroe.

Über die Autorin

Vor ein paar Jahren schlossen sich zwei Liebesromanautorinnen und langjährige Freundinnen unter dem Pseudonym Max Monroe zusammen, und der Rest ist Geschichte ... Als Max Monroe veröffentlichten sie seitdem mehrere erfolgreiche Contemporary Romances und erklommen die New York Times und...

Weitere Teile der The Doctor Is In! Serie

Leseprobe

 

XXL-Leseprobe bei Book2Look

„Haben Sie auch eine Frau?“
Ich lächelte. Ich hatte gedacht, ich hätte das Funkeln eines Köders im Wasser gesehen, als sie mich herausforderte, die Essenseinladung erneut abzulehnen, aber ich hatte geglaubt, mich zu täuschen. Genau wie beim Sarkasmus war ich völlig aus der Übung beim Flirten.
Ich hatte es total versaut, als Winnie mir damals gesagt hatte, dass sie schwanger war, und ich das Stellenangebot in Kalifornien bekommen hatte. Danach war unsere Beziehung beendet gewesen, und es hatte mich Jahre gekostet, die Zeit nachzuholen, die ich mit meiner Tochter verpasst...

...hatte. Himmel, ich war sogar immer noch dabei und versuchte, unsere Beziehung zu stärken und aufzubauen.
Heranzureifen war ein langer Weg für mich gewesen und ich wollte auf keinen Fall in alte Muster zurückfallen. Ich wollte lediglich meine Tochter, und alles andere war nur Ablenkung.
„Nein.“
„Eine feste Freundin?“
Ich schüttelte den Kopf. „Zurzeit nicht.“
Ich musste zugeben, dass mein Leben momentan etwas einsam war. Ich war nicht immer mit Lexi zusammen, was ich auch nicht verdient hatte. Sie hatte Winnie und Wes und es wurde gut für sie gesorgt. Wenn ich Lexi nicht hatte, hatte ich das Krankenhaus. So funktionierte das. Ich war daran gewöhnt.
Aber die Versuchung namens Charlotte schmeckte verräterisch süß.
„Hm“, brummte sie nachdenklich.
Um die Stille zu füllen, sagte ich: „Man könnte sagen, dass ich mit meinem Beruf verheiratet bin.“
Sie nickte. „Ich habe von euch Arzt-Typen gehört. Vierzigstundenwochen gibt es für euch nicht.“
„Immerhin versuche ich, sie auf sechzig zu beschränken. Das ist normal, oder?“
Sie lachte erneut und der hohe Ton brachte mich zum Grinsen. „Wohl kaum. Aber in der Welt der Medizin wahrscheinlich schon.“
Das Taxi hielt zwischen der 51. und 50. Straße und Charlotte griff in ihre Handtasche, um Geld herauszuholen. Ich drückte ihre Hand.
„Nicht“, sagte ich mit einem Kopfschütteln. „Ich übernehme das.“
Sie rollte mit den Augen, stieg aber trotzdem ohne zu bezahlen aus.
Ich gab dem Fahrer einen Zwanziger. „Behalten Sie den Rest.“ Dann stieg ich ebenfalls aus.
„Oh, danke“, sagte er, schaute auf den Taxameter, auf dem sieben Dollar stand, und dann auf die Zwanzigdollarnote.
„Kommen Sie schon“, rief Charlotte, die inzwischen die Restauranttür offen hielt und dramatisch mit dem Arm gestikulierte.
Die kalte Luft von innen strömte hinaus in die Sommerhitze. Kopfschüttelnd lief ich schneller, als ob sich mein Körper genötigt sah, ihr zu gehorchen, und nahm ihr das Gewicht der Tür ab.
„Gehen Sie“, sagte ich und signalisierte ihr durch ein Nicken, vorzugehen, was sie ohne zu zögern tat.
Ich brauchte einen Moment, damit sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnten, weswegen ich gegen Charlottes Rücken stieß, die angehalten hatte, weil eine Gruppe Gäste vor uns stand. Ihr Hintern prallte gegen meine Hose, und der leichte Lavendelduft ihres Parfüms traf mich wie eine Welle.
Mein ganzer Körper erwachte zum Leben.
Guter Gott! Entspann dich, Nick. Klar ist es eine Weile her, aber … reiß dich zusammen!
Charlotte stellte sich auf die Zehenspitzen und versuchte, über die Gäste hinweg die Hostess zu sehen. Doch trotz der Zwölf-Zentimeter-Absätze war sie immer noch um die fünfzehn Zentimeter kleiner als ich. Ungeduldig griff sie rückwärts nach meiner Hand und zog mich an den wartenden Leuten vorbei.
„Kommen Sie, wir sind spät dran.“
„Spät dran?“, fragte ich. „Wofür denn?“
Sie antwortete nicht, sondern nickte der Hostess zu, ging an ihr vorbei, machte zwei Schritte, wo ich nur einen brauchte, bis sie zwei leere Stühle an einem Tisch neben der Bar fand.
„Hallo“, grüßte sie fröhlich die Fremden am Tisch, die wir gerade überfielen.
Die Leute schienen allerdings nichts dagegen zu haben. Anscheinend war ich der Einzige, der das alles seltsam fand.
„Was geht hier vor?“, wollte ich wissen.
Sie lächelte vergnügt, machte es sich auf einem Stuhl bequem und hängte ihre Tasche über die Lehne. Als sie ihre Hände rieb, erinnerte sie mich an einen fiesen Herrscher.
„Charlotte, was geht hier ab?“
„Herzlich willkommen, Leute!“, rief ein Mann in einer Ecke des Raumes in ein Mikrofon. Er hatte ein Klemmbrett in der anderen Hand.
Charlotte zog ihren Blazer aus und machte es sich gemütlich. Seidige, gebräunte Haut glänzte auf ihrer Brust und den Schultern, und eine fließende weiße Bluse bedeckte den Rest ihres Oberkörpers.
„Ich sehe eine Menge bekannte Gesichter und einige neue, aber ihr seid alle pünktlich. Nur darauf kommt es an. Lasst uns mit dem Quiz beginnen!“
„Charlotte …“
Sie lächelte und ein kleines Achselzucken hob leicht ihre Schultern. „Heute ist Quizabend und endlich habe ich einen guten Partner.“


Charlotte

„Sie haben mich zu einem Quizabend geschleift?“, fragte Nick mit einem schockierten Lachen. Er brachte er sein Haar leicht durcheinander, als er sich mit der Hand über den Kopf strich. Seine tiefbraunen Augen unter den dichten Wimpern weiteten sich. „Bei allem Respekt, Charlotte, ich habe Sie erst vor einer Stunde kennengelernt. Normalerweise lasse ich die Leute mindestens zwei Wochen warten, ehe ich sie gegen meinen Willen irgendwohin begleite“, murmelte er.
Jetzt musste ich lachen. „Die Zeit fließt wie Wasser. Eine Stunde, zwei Wochen, wo ist der Unterschied?“ Ich laberte totalen Blödsinn. „Richtig verrückt ist, dass wir uns noch keinen Teamnamen ausgedacht haben“, sagte ich und führte die Unterhaltung wieder auf die offensichtlichen Prioritäten zurück. „Irgendwelche coolen Ideen?“
„Ich versuche noch, zu verstehen, wie ich hierher geraten bin.“
„Keine Sorge, Nick.“ Ich tätschelte seine Schulter und stand auf. „Ich bin die Königin der brillanten Teamnamen. Entspannen Sie sich einfach und sehen Sie gut aus. Ich kümmere mich um alles andere.“ Ich ließ ihm keine Zeit zu antworten, sondern schlenderte Richtung Quizmaster und nahm einen Stift und einen Quiznotizblock von dem Stapel vor seinem Mikrofon.
„Teamname?“, fragte er.
Ich grinste. „Fleetwood Mac’s sex pants.“
„Cool!“ Der Spielleiter lachte und schrieb unseren Namen auf die Liste. „Erfrischend, mal nicht Trivia Newton John zu hören.“
„Hey“, sagte ich. „Nichts gegen die alten Klassiker.“
Er grinste. „Wie viele Teammitglieder?“
„Zwei“, sagte ich und zeigte auf Nick, der hinter mir saß. „Nur ich und der Neurochirurg, den ich gerade kennengelernt habe.“
Der Mann hob die Augenbrauen fast bis zum Haaransatz. „Sie haben sich gerade erst kennengelernt und er schleppt Sie zu einem Quizabend?“
„Nein. Ich habe ihn angeschleppt.“
„Das ist ja noch besser.“ Er lachte erneut. „Gut, Fleetwood Mac’s sex pants, Sie sind registriert. In fünf Minuten geht’s los.“
„Super.“ Ich grinste und ging zur Bar, um zwei Bier und einen Teller Fingerfood bei einer gutaussehenden, blonden Bedienung zu bestellen.
„Hier ist das Bier.“ Lächelnd schob sie mir zwei Flaschen zu. „Das Essen kommt in zehn Minuten.“
„Vielen Dank.“ Ich schnappte mir die Biere und ging zurück zum Tisch.
Nick schenkte mir ein amüsiertes Lächeln, als ich mich auf den Stuhl setzte und ihm das Bier hinstellte.
„Gut“, begann ich und legte Papier und Stift vor uns ab. „Wir haben das Bier, und etwas zu essen kommt gleich. Ich hoffe, Sie mögen Bar-Snacks.“
„Klingt gut“, antwortete er, aber dann hob er fragend die Augenbrauen. „Moment mal, Sie haben mein Abendessen bezahlt?“
Ich trank einen Schluck Bier und grinste. „Natürlich. Das ist das Mindeste, was ich tun kann, nachdem ich Sie hierhergeschleppt habe.“ Ich nahm den Stift und schrieb unseren Teamnamen oben auf ein Blatt Papier. „Außerdem haben Sie schon das Taxi bezahlt.“
„Fleetwood Mac’s sex pants“, las er vor und lachte. „Ich weiß nichts über Quizabende, aber das ist ein verdammt guter Name.“
Ich grinste und war ein bisschen stolz über das Kompliment. „Es wäre ein noch besserer Bandname, aber ich habe null musikalisches Talent.“
„Ich auch nicht.“
Ein echtes Lächeln zierte Nicks Gesicht, ehe er das Bier an seine Lippen hob und einen großen Schluck nahm. Ich sah ihm aufmerksam dabei zu. Seine Lippen waren voll und sahen weich aus. Ich spürte den Drang, mit dem Finger darüber zu streicheln, um herauszufinden, ob sie sich genauso umwerfend anfühlten, wie sie aussahen.
„Keine Schlagzeug- oder Gitarrenkenntnisse? Ich frage mich langsam, ob Sie überhaupt noch andere Talente haben außer der Chirurgie.“
„Ein oder zwei“, gab er spontan zurück. Der Tonfall passte zu dem wissenden und leicht erhitzten Grinsen, das seine Mundwinkel anhob.
Heilige Sünde! So unschuldig die Worte waren, so voller Sex-Appeal war sein Tonfall. Die Würfel waren gefallen. Ich wollte mit der Zunge über die Lippen dieses Mannes lecken. „Nur ein oder zwei, Dr. Raines?“, neckte ich. Ich musste meine Erregung hinunterschlucken, sonst hätte ich ihn auf peinlichste Weise angefleht oder so etwas.
Zeig mir, dass du in drei Sekunden von null auf hundert bist, oder so etwas in der Art.
„Wenn Sie mehr über meine Talente wissen wollen, sollten Sie die Förmlichkeiten weglassen und zum Du übergehen.“
„Okay“, stimmte ich zu und neigte den Kopf zur Seite, als ich mich näher zu ihm lehnte. „Also, Nick, was sind deine Talente?“
Er lächelte wieder so verdammt sexy, sah mich aber einfach nur an.
Verdammt noch mal, ich glaube, dieser verflucht heiße Doktor flirtet mit mir.
Innerlich betete ich, dass mich mein Bauchgefühl nicht täuschte, und schob all meine Hemmungen beiseite. Es war nicht so lange her, dass ich mit jemandem im Bett gewesen bin. Es ist vor ein paar Monaten gewesen und nur bei einer einzigen Gelegenheit, wenn ich ehrlich bin. Aber es war schon eine Ewigkeit her, dass es mit jemandem gut war.
Dass ich mich zu diesem Mann hingezogen fühlte, war mir mehr als klar.
Er behielt seine Emotionen unter Verschluss, also war es schwer zu sagen, was er fühlte, doch ab und zu sah ich etwas in seinen Augen. Außerdem war er freiwillig mit in diese Bar gekommen. Na gut, mit ein wenig Überredung. Ich runzelte nachdenklich die Stirn. Als er herausfand, dass er bei einem Quiz gelandet war, hatte er dennoch nicht fluchtartig das Lokal verlassen. Das musste etwas bedeuten, oder?
Er schien amüsiert zu sein, als ob er die Spontanität genießen würde.
Angesichts seines perfekt zusammenpassenden hellblauen Outfits – sogar das Ziffernblatt seiner Uhr war blau – und seiner Berufswahl hatte ich das Gefühl, dass Nick etwas Impulsivität in seinem Leben brauchen konnte. Vielleicht war ich zu voreilig mit der Annahme, dass er auch an mir interessiert war, aber ich war auf jeden Fall mehr als fähig, ihm diese Impulsivität zu zeigen.
„Aufgepasst, Quizteams!“, rief der Moderator von einer kleinen Bühne hinten im Raum. „Lasst uns anfangen!“
Die Gäste applaudierten und rasteten verbal aus, was sicherlich am reichlichen Alkoholausschank lag, und alle setzten sich auf ihre Plätze.
Nick hob die Bierflasche an seine Lippen, und ich fragte ihn, ob er bereit sei. In seiner Eile, die Flasche abzusetzen und zu antworten, entkam ihm ein Bierrinnsal, und gütiger Gott … ich war in Versuchung, es ihm wegzuwischen. Nur mit Mühe konnte ich widerstehen. Ich hatte das Gefühl, dass meine Großmutter in Form meines Schutzengels aktiv wurde und den kleinen Teufel in mir verjagte, um meine unsterbliche Seele zu retten.
„Ich glaube, ich bin so bereit, wie ich jemals sein kann“, merkte Nick an.
Zeit, nicht mehr auf das Rinnsal zu starren, Charlotte.
Endlich spürte Nick die Feuchtigkeit und leckte sie mit der Zunge ab.
Oma Hollis, wo bist du jetzt? Der Teufel ist wieder da!
„Ist das dein erster Quizabend?“ Hoffentlich würden mich normale Fragen vor der ewigen Verdammnis retten.
„Ja, ganz sicher.“ Er hob die Flasche an seine Lippen, um noch einen Schluck Bier zu trinken.
Unter Einsatz meiner ganzen Willenskraft wandte ich den Blick von seinem Mund ab und sah ihm stattdessen in die Augen. „Nun, Mr. Gehirnchirurg“, begann ich und grinste frech, „da ich keinen Raketenwissenschaftler als Partner finden konnte, warst du die beste Alternative. Fleetwood Mac’s sex pants zählt auf dich.“
Er stellte die Flasche auf den Tisch und hustete und lachte gleichzeitig. „Du baust gar keinen Druck auf, Charlotte.“
„Stell dich nicht so an“, neckte ich ihn. „Du bist ein verdammter Neurochirurg. Sicherlich wirst du mit dem Druck eines Quizabends fertig. Das kann auf keinen Fall stressiger sein, als jemandes Hirn zu zerschneiden.“
Er grinste. „Im Namen von Fleetwood Mac’s sex pants hoffe ich, dass sie medizinische Fragen stellen werden.“
„Das bezweifle ich stark.“ Ich kicherte.
Seine Augenbrauen hoben sich, als er meinem schrillen Lachen lauschte. Ich war immer schon leicht verrückt, solange ich denken konnte. Als Kind hatte ich versucht, meine Lache zu zähmen und sie netter klingen zu lassen. Als Erwachsene dachte ich dann: Für diesen Mist hat kein Mensch Zeit. Wenn ein Mann nicht mit meiner Lache zurechtkam, konnte er bestimmt auch nicht mit meiner Angewohnheit umgehen, überall in der Wohnung Socken herumliegen zu lassen, bis ich keine sauberen mehr hatte und neue kaufen musste. „Wahrscheinlich geht es eher um Sport, Berühmtheiten und Britney Spears.“
„Wer ist Britney Spears?“
Meine Augen weiteten sich schockiert und mein Leben voller Trivialitäten zog an meinem inneren Auge vorbei. Glücklicherweise verriet ihn sein sexy Grinsen. Dieser Lügner.
„Ich mach nur Spaß“, bestätigte er.
„Gott sei Dank!“ Mit einer Hand auf meiner Brust zeigte ich mit dem Finger auf ihn. „Mach nicht solche Witze. Ich hätte fast einen Herzanfall bekommen.“
„Einen Herzanfall?“, fragte er lachend. „Was für eine Art Quiz ist das hier?“
Ich legte die Hände flach auf den Tisch, senkte die Stimme und tat geheimnisvoll und ernst. „Ein Quiz mit hohem Anspruch.“
„Was passiert, wenn wir verlieren?“
„Das möchtest du nicht wirklich wissen.“
„Verdammt.“ Nick grinste erneut. „Werden wir es lebend hier raus schaffen?“
„Kommt drauf an.“ Ich zuckte die Achseln. „Aber keine Sorge, ich glaube an dich.“
„Ich werde mein Bestes tun, um Fleetwood Mac’s sex pants stolz zu machen.“
Er streckte eine Hand aus und griff mir an die Schulter, wo er eine Haarsträhne von ihrem unkonventionellen Platz unter meinem BH-Träger befreite. Unwillkürlich erschauerte ich bei dem köstlichen Gefühl seiner Finger auf meiner Haut.
„Entschuldige“, sagte er aus irgendeinem unmöglichen Grund. „Es steckte fest.“
Ich war nicht sicher, was ich wunderbarer fand: seinen trockenen Humor und geistreiche Bemerkungen, seine umwerfenden Lippen oder das Gefühl seiner Berührung.
„An die Stifte, Leute. Hier kommt die erste Frage“, kündigte der Moderator an, und ließ uns keine Zeit mehr, um uns zu sammeln. Das war keine Überraschung. Ich kam jede Woche her, und der Quizmaster machte mir an der ganzen Sache am meisten Spaß. Er kam immer gleich auf den Punkt.
„In wie vielen Staffeln von Grey’s Anatomy tauchte Derek Shepherd auf?“
Ich nahm unseren Stift und starrte auf die erste Zeile unseres Antwortbogens. „Okay, also ich glaube, es waren zehn Staffeln, oder doch nur neun? Zehn! Neun! Zehn! Neun! Mist, Charlotte“, murmelte ich zu mir selbst und sah dann Nick an. „Was meinst du?“
„Nun, da ich diese Sendung noch nie gesehen habe, kann ich nur sagen, dass ich keine verfluchte Ahnung habe.“
„Was?“, brüllte ich fast. „Wieso hast du die nie gesehen? Es geht um Ärzte!“
Er lachte. „Wahrscheinlich, weil ich die letzten fünfzehn Jahre in einem echten OP verbracht habe.“
„Heiliger Bimbam.“ Ich seufzte. „Du musst unbedingt mehr rauskommen.“
Er neigte neckend den Kopf zur Seite. „Du meinst, mehr drinnen bleiben und fernsehen.“
„Jetzt ist kein guter Zeitpunkt zum Klugscheißen.“
Er grinste.
„Noch fünfzehn Sekunden!“, rief der Moderator.
„Scheiße“, murmelte ich und zerbrach mir das Gehirn. In Grey’s Anatomy starb praktisch am Ende jeder, aber ich musste mich daran erinnern, wann Dr. Shepherd von Shonda Rhimes erschossen wurde. „Okay, ich glaube wirklich, es waren neun Staffeln. Ja, es waren neun. Okay, ich schreibe zehn hin.“
„Die Zeit ist um! Stifte weglegen!“
Als ich den Stift neben unseren Antwortbogen legte, flüsterte Nick mir zu: „Bist du sicher, dass es nicht elf waren?“
„Halt den Mund.“ Ich schlug ihm verspielt gegen die Schulter und er lachte in sich hinein.
„Frage zwei! Ein bisschen Sport.“
„Oh, gut“, flüsterte ich Nick zu. „Das müsstest du beantworten können.“
„Welcher Coach hatte die meisten Siege in der NFL?“ Das Mikrofon quietschte, als wäre es von der Frage genervt.
Ich nahm den Stift in die Hand und starrte Nick an, auf seine Antwort wartend.
Er lächelte, nahm einen Schluck Bier und zuckte die Achseln. Aber er gab mir keine Antwort.
„Weißt du das?“, fragte ich.
Er schüttelte den Kopf. „Nein.“
Was zum Geier …?
„Wissen Männer nicht alles über Sport?“
„Kann sein, aber ich nicht. Der OP, erinnerst du dich?“
„Wann hast du das letzte Mal einen Sportsender gesehen?“
„Äh …“ Er fasste sich ans Kinn. „Vor ein paar Jahren, glaub ich.“
„Vor ein paar Jahren? Hast du noch nichts von Aufnehmen gehört?“ Er hatte den Anstand zu lachen, obwohl ich ihn beleidigte. „Himmel, wir sollten wohl anfangen zu beten, dass jetzt wirklich medizinische Fragen kommen.“
Er zwinkerte mir zu. „Guter Plan.“
„Fleetwood Mac’s sex pants wird sehr enttäuscht von dir sein.“
Ein herzhaftes Lachen kam ihm über die Lippen und ich musste mitlachen.
„Die Zeit ist abgelaufen!“, rief der Moderator. „Stifte weglegen!“
„Verfluchter Mist“, murmelte ich. „Auf diese Frage haben wir keine Antwort.“
Nick tätschelte meine Schulter. „Keine Sorge, Quizmeisterin. Bestimmt klappt’s bei der nächsten.“
„Aber wohl nicht dank dir.“ Ich versuchte, genervt zu wirken, aber sogar der gespielte Ärger rutschte mir aus den Gesichtszügen, als wäre meine Haut eingeölt. Ich konnte nur lächeln.
„Das stimmt wahrscheinlich zu hundert Prozent“, sagte er grinsend.
„Ich hatte gehofft, dein Allgemeinwissen wäre so gut wie dein medizinisches.“
„Sorry, Charlotte. Sieht so aus, als ob wir verlieren werden.“
Ich musste kichern. „Sag so was nicht! Hol den Defibrillator raus! Es wäre eine Schande, wenn Fleetwood Mac’s sex pants heute schon sterben müsste!“
„Versteh ich. Ich hänge auch an diesem Patienten.“
„Dann lass FMSP nicht sterben! Rette ihn!“
„FMSP?“
„Der Name ist zu lang, um ihn dauernd zu wiederholen“, gab ich zu.
Seine Lippen wurden zu einem entschlossenen Strich und er schlug mit der Hand auf den Tisch. „Komm schon, Charlotte. Wir müssen zusammenarbeiten. Im Namen von Freiheit, Brüderlichkeit und Fleetwood Mac’s sex pants müssen wir unser Land stolz machen und die Quiztrophäe nach Hause holen.“
Ich verengte die Augen und imitierte seinen ernsten Ausdruck. „Tun wir es. Wir zeigen diesen Quizsäcken, wer hier der Boss ist.“
Wir hatten eine große Schnauze, aber das Ergebnis war suboptimal. Die nächsten dreiundzwanzig Fragen liefen genau wie die ersten, und am Ende des Abends, als der Moderator alle Antworten prüfte, hatten wir nur zwei von fünfundzwanzig Fragen richtig beantwortet. Unsere einzig richtigen Antworten drehten sich um mein Wissen über Harry Potter und die Serie Friends.
Frage 12: In welche Farbe verwandelte Hermine an Harrys Geburtstag die Blätter von Weasleys Holzapfelbaum?
Meine richtige Antwort: Gold.
Frage 19: Welchen amtlichen Namen nimmt Phoebe an?
Meine richtige Antwort: Prinzessin Consuela Banana Hammock.
Nick, der verdammte Hirnchirurg, war keine Hilfe. Und damit meine ich, überhaupt gar keine Hilfe. Null. Der Mann hatte kein Allgemeinwissen.
Aber abgesehen davon, dass er Fleetwood Mac’s sex pants einen schlechten Ruf verpasst hatte, konnte ich mich nicht erinnern, jemals mit jemandem so viel Spaß gehabt zu haben.
Nick Raines mochte kein Quiztalent haben, aber er hatte definitiv meine volle Aufmerksamkeit erlangt.

 

Nick

Als ich den Rest von meiner Jacky-Cola im Glas schwenkte und an die Lippen führte, war es dunkel in der Bar und die Luft stickig.
Irgendwann in den letzten fünf Stunden hatte Charlottes Haut einen Schimmer angenommen, den zu ergründen ich nicht aufhören konnte. War Glitter in ihrer Hautcreme, der erst nach Stunden sichtbar wurde, oder war es ihr natürlicher Glanz? Schmeckte er salzig wie Schweiß oder war er so süß wie ihr Duft? Ich hatte mich an den Lavendelgeruch gewöhnt, der von ihrer Aura ausging und mich umschloss, und jetzt, wo es Zeit war, zu gehen, fragte ich mich, ob ich ihn vermissen würde.
„Ich glaube, wir sollten gehen, was?“, überlegte Charlotte laut.
Sie deutete mit einer Kopfbewegung zum Kellner, der den Eindruck machte, als ob er so gern darauf warten würde, dass wir Arschlöcher endlich gingen, wie ich gern einen Eispickel im Schädel haben wollte.
Aus Erfahrung wusste ich, dass ein Eispickel im Schädel nichts Gutes war.
„Sieht ganz so aus. Vielleicht sucht er sich eine Zigeunerin, die uns verflucht, wenn wir nicht bald gehen.“
Charlotte verdrehte die Augen. „Es ist erst elf. Wenn es ihm etwas ausmacht, so lange zu arbeiten, sollte er nicht in einer Bar beschäftigt sein.“
„Es ist Mittwoch. Vielleicht hat er an Wochenenden mehr Geduld.“
„Kann sein.“ Sie zuckte mit den Achseln und führte ihr Weinglas an die roten Lippen.
Ich konnte nicht mehr sagen, wann wir das Biertrinken aufgehört hatten. Wir hatten uns so angeregt unterhalten, dass ich nicht mal mehr wusste, wie viele Drinks ich hatte. Gut, dass ich nicht fahren musste.
„Vielleicht sollte ihm jemand eins über den Pillermann ziehen.“
Ich lachte drauflos und griff nach ihrem Glas. „Okay, vielleicht hast du genug gehabt.“
„Ich vermisse bloß die hübsche Blonde“, murmelte sie niedergeschlagen.
Ich lachte erneut. Ich wusste nicht, von wem sie sprach, aber meine hübsche Blonde saß immer noch vor mir und sprach liebenswert angeheiterte sexuelle Drohungen aus. „Welche hübsche Blonde?“
„Die hinter der Bar gestanden hat. Sie hat mir unser erstes Bier gegeben und war sehr freundlich.“ Sie schnipste mit den Fingern in der Luft. „Das mag ich an Barkeepern. Schneller Alkohol und kein dummes Gelaber.“
„Dir ist klar, dass der Mann dich wahrscheinlich hören kann, ja?“ Ich versuchte, nicht zu grinsen, aber dazu war ich nicht mehr nüchtern genug.
„Na und? Worin liegt der Sinn, jemanden zu beleidigen, wenn er es nicht hören kann?“
So hatte ich das noch nie gesehen, aber wenn ich darüber nachdachte, war es ein gutes Argument. „Okay, stimmt. Aber wir sollten wirklich gehen. Sicher musst du morgen arbeiten. Ich jedenfalls muss.“
„Du bist so furchtbar vernünftig.“ Meine Brust wurde eng bei dieser Beleidigung, aber sie relativierte ihre Aussage schnell. „Das ist gut so. Wahrscheinlich sollte ich viel mehr wie du sein.“
„Ich war nicht immer so“, verriet ich ihr. „Als ich jünger war, hab ich eine Menge Mist gebaut.“
Warum zum Teufel erzählte ich ihr das?
„Ja?“ Sie beugte sich zu mir und legte ihre Hand auf meinen Arm. „Wirklich?“
„Wirklich.“ Ein kalter Schauer rann mir den Rücken hinunter, als ich mich erinnerte, wie sehr ich heute verabscheute, was ich damals getan hatte. „Himmel, ich würde all deinen Respekt verlieren, wenn du das wüsstest.“
Sofort schüttelte sie den Kopf. Ihr langes blondes Haar schwang und die Spitzen streichelten sie knapp oberhalb ihrer Brüste. „Auf keinen Fall. Ich bin sicher, dass ich schlimmer war.“
„Definitiv nicht.“ Ich hatte Winnie verlassen und sie musste unsere Tochter allein großziehen, obwohl ich wusste, wie schwer es für sie war. Es war mir voll bewusst gewesen. Ich sah, wie sie weinte, und hörte, dass sie mir sagte, wie sehr sie mich brauchte, und hatte ihr trotzdem meine Hilfe verweigert.
Ich wusste nicht, wie ich mich dafür nicht hassen sollte.
Damals hielt ich es für das Beste. Ich wollte etwas aus mir machen und für finanzielle Sicherheit sorgen. Ich konnte mir nicht einmal vorstellen, wie sich alles entwickelt hätte, wenn ich geblieben wäre und den Job in Kalifornien ausgeschlagen hätte.
Das Problem daran war, dass ich sehr spät gemerkt hatte, dass Geld nicht alles ist. Erst nach sieben wichtigen Jahren.
Charlotte strahlte Überzeugtheit aus. Sie schloss die Augen, atmete tief durch und öffnete sie wieder. „Ich habe meinen Verlobten am Abend vor der Hochzeit sitzen lassen.“
Mit ihrem einzigen nicht so perfekt sitzenden Zahn nagte sie an ihrer Unterlippe und wartete auf meine Reaktion. Sie rechnete mit meiner Ablehnung, aber ich konnte sie nicht schuldig sprechen. Stattdessen schämte ich mich dafür, dass ich tatsächlich von uns beiden das größere Arschloch war.
Mein Magen drückte, als ich überlegte, was ich sagen sollte. Ob ich ihr die Wahrheit sagen und sie damit eventuell abschrecken sollte, oder ob ich damit leben konnte, es ihr zu verheimlichen.
Nervosität kroch über meine Haut, als die Worte meine Kehle hinaufstiegen und eine Beichte ablegen wollten. Aber als sie bei meiner Zunge ankamen, änderten die Angst und mein innerer rationaler Feigling meine Meinung. Ich kannte diese Frau nicht einmal richtig. Fühlte ich mir von ihr angezogen? Ja. Aber sie war eine Headhunterin und ich ein Arzt, und das war das Einzige, was ich tatsächlich wusste. Ich konnte unmöglich so etwas Intimes über meine Vergangenheit – über die Vergangenheit meiner Tochter – ausplaudern.
„Nun, das ist doch nicht so schlimm“, sagte ich lahm.
Sie nahm es gut auf, Gott sei Dank. Sie lachte laut und hyänenhaft und schlug mir gegen die Schulter. „Na klar, ich bin ein echtes Schätzchen.“
„Ich nehme an, da warst du noch sehr jung. Junge Leute machen allen möglichen Mist.“
Sie zog ihr Glas zu sich, legte die Fingerspitzen um den Stiel und drehte es gedankenverloren. Selbstkritisch schüttelte sie den Kopf. „Mag sein, dass es nicht falsch war, ihn zu verlassen. Wir haben nicht zusammengepasst. Aber die Art, wie ich es getan habe, war schlimm.“ Hilflos zuckte sie mit den Schultern. „Genug von meinen Fehlern. Momentan zählt nur dein kümmerliches Bemühen beim Quiz und dass du dich weigerst, den perfekten neuen Job anzunehmen.“
„Ich hab doch gesagt, dass ich eine Tochter hier habe.“
Sie rollte mit den Augen. „Ja, ja. Das ist so nobel.“
Fast war ich beleidigt. Wenn sie wüsste.
Du hättest es ihr ja sagen können, meinte mein Verstand dazu.
Hatte ich aber nicht. Wahrscheinlich war ich immer noch dasselbe Arschloch. „Komm“, sagte ich. „Ich rufe dir ein Taxi.“
Sie verengte die Augen, streckte leicht die Zungenspitze heraus und leckte sich über die Lippen. „Okay. Aber gib mir bitte wenigstens deine private Telefonnummer. Quizpartner müssen nicht über die Zentrale des Krankenhauses gehen, oder?“
Lächelnd holte ich mein Handy hervor. Sie tat dasselbe. Wir tauschten die Handys aus und tippten unsere Nummern in das jeweils andere ein. Hinter uns begann der Barkeeper, die Lichter auszumachen. Es war wie eine beginnende Sonnenfinsternis, als es nach und nach dunkler wurde.
„Der braucht wirklich mal eins über den Pillermann.“
Ich konnte nicht widersprechen.
Allerdings galt das auch für mich.

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