Wrong-Serie: Right: Er ist doch der Richtige ... oder nicht?

Übersetzer: Linda Mignani

Erschienen: 10/2017
Serie: Wrong-Serie
Teil der Serie: 2

Genre: Romantic Comedy
Zusätzlich: Contemporary, Dominanz & Unterwerfung, Millionärsromanze

Location: USA, Philadelphia

Seitenanzahl: 316


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-318-7
ebook: 978-3-86495-319-4

Preis:
Print: 12,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Wrong-Serie: Right: Er ist doch der Richtige ... oder nicht?


Inhaltsangabe

Meine Zukunft habe ich sorgfältig durchgeplant. Ich habe sogar schon den perfekten Mann gefunden, der es mit mir teilen soll - theoretisch zumindest. Denn ich habe beschlossen, dass der beste Freund meines Bruders mein künftiger Ehemann wird, auch wenn dieser mich nicht beachtet. Aber das ist mir egal, denn ich weiß, dass er der Richtige für mich ist.

Doch dann platzt dieser Fremde einfach unangemeldet mitten in meinen schönen Traum hinein! Er ist für meinen Geschmack viel zu gutaussehend, bestimmend, hartnäckig und sexy, sowie unvorstellbar unverschämt. Das Wort "Regeln" ist ein Fremdwort ihn. Außerdem ist ihm jedes Mittel recht, um mich zu bekommen.

Irgendwie sind wir uns ähnlich. Ich weiß aber nicht, ob mir das gefällt.

Was, wenn der Falsche der Richtige für mich ist?

Teil 2 der "Wrong"-Serie von Jana Aston - übersetzt von Erfolgsautorin Linda Mignani. 

Über die Autorin

Jana Aston hatte einen ziemlich langweiligen Job. Um ihren nächsten Roman zu schreiben, hat sie ihn kurzerhand gekündigt und hofft, dass das keine allzu blöde Idee ist.
In ihrer Freizeit liest sie am liebsten romantische Liebesromane mit einem Hauch Erotik,...

Weitere Teile der Wrong-Serie Serie

Leseprobe

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Ich schäume vor Wut. „Wer macht so etwas? Wer bricht in einen Facebook-Account ein und updated einen falschen Beziehungsstatus?“ Ich telefoniere gerade mit Chloe. Meine Tirade trifft erst auf Stille, dann auf Tränen, und zwar die Art, bei der man so heftig lacht, dass man weint. Genau auf solche! Sie schnappt nach Atem, während ich warte. „Chloe, das ist ernst.“
„Du hast recht. Du hast ja recht.“ Sie stößt einen Atemzug aus und versucht, sich zu beruhigen. „Ehrlich …“, sie räuspert sich, „es ist ziemlich schlimm. Nicht so sehr, wie wenn man irgendwo einbricht und eine Wohnung...

...unerlaubt betritt, aber nah dran, nicht wahr?“
Ich keuche auf. „Oh neiiinnn, das hast du nicht gesagt!“
„Hab ich doch!“ Jetzt lacht sie wieder und ich höre ein dumpfes Geräusch.
Ich bin mir sicher, dass sie vor Lachen vom Bett gefallen ist. Gerade erreiche ich die Eingangstür von Hymer und passiere sie, bestrebt, in Bewegung zu bleiben, obwohl ich keine Ahnung habe, wo mein Ziel ist.
„Ist nicht so schlimm wie, sagen wir mal, ein Fake-Datingprofil für deine Freundin zu erstellen und sie zu einer Verabredung zu schicken, ohne sie darüber zu informieren“, sagt sie todernst, ehe sie wieder einen Kicheranfall bekommt.
Das wird mir noch ewig nachhängen, daher rolle ich mit den Augen, obwohl sie es nicht sehen kann, und jogge die Stufen vorm Gebäude hinunter. „Ich muss los, Chloe, ruf dich später an.“
Den Anruf hätte ich mir auch sparen können. Außerdem habe ich die wichtigste Regel verletzt, die man beachten muss, wenn man sich erfolgreich beschweren will: Man muss sich immer das richtige Publikum dafür aussuchen.
„Ich erhebe Sawyer Camden ganz offiziell zu meiner neuen Lieblingsperson. Ich hoffe, dass ihr glücklich miteinander werdet“, sagt sie in einer Sing-Sang-Stimme, ehe ich auflege.
Ich erreiche die unterste Stufe und halte inne, um meine Jacke zu schließen und nachzudenken. Offensichtlich muss ich mich mit dem arroganten Arschloch unterhalten. Mir wird allerdings bewusst, dass ich keine Möglichkeit habe, um mich mit ihm in Verbindung zu setzen. Auf keiner der Karten stand seine Telefonnummer. Ich weiß nicht einmal, wo genau in Philadelphia er wohnt, und Finn als einzige Person, die mir das sagen könnte, ist gerade zu seiner Vorlesung gegangen. Ich stöhne auf, denn erst jetzt begreife ich, dass auch Finn das Update gesehen hat. Scheiße! Meine Mom wird es ebenfalls entdecken und mir unzählige Fragen stellen, die ich nicht beantworten kann. Wahrscheinlich fügt sie Sawyer bereits zu ihrer Weihnachtsliste hinzu.
Hätte er mich nicht einfach anrufen können? Wie eine normale Person? Wieso habe ich ihn eigentlich noch nicht gegoogelt? Ich bin nicht auf meinem Spielfeld. Was denke ich denn da! Ich kann doch Facebook benutzen. Wenn er sich schon die ganze Mühe gemacht hat … Ich öffne die App auf meinem Telefon und rufe sein Profil auf. Entweder könnte ich ihm eine Nachricht schicken oder herausfinden, womit ich arbeiten kann.
Arbeitet bei Clemens Corp.
Natürlich tut er das. Clemens Corp ist ein Technologieunternehmen, das letztens in den Schlagzeilen war, da es einen Multimilliardendeal mit einem Web-Browser-Projekt für die Unterhaltungsindustrie gemacht. Außerdem haben sie Apps entwickelt, die viele von uns jeden Tag benutzen. GPS-Apps, um seine Kinder oder seinen Partner zu tracken, so was in der Art. In Philadelphia sind sie die angesagtesten Arbeitgeber. Die Nebenleistungen sollen grandios sein. Man darf die Technologien benutzen, ehe sie auf den Markt kommen, es gibt eine kostenlose Cafeteria und Kinderbetreuung vor Ort. Wahrscheinlich hat er die Ressourcen des Unternehmens benutzt, um meinen Account zu hacken, und das Ganze während der Arbeitszeit. Wirklich vorteilhaft für dich, Sawyer. Doch die gute Nachricht ist, dass sich ihr Headquarter am Logan Square befindet und ich genau weiß, wo das ist.
Ich organisiere mir eine Fahrt mit Uber und schicke ein stilles Dankesgebet aus, als die App mir mitteilt, dass das Auto in drei Minuten eintreffen wird. Ich könnte zwar auch laufen, da der Logan Square keine drei Kilometer entfernt ist, doch ich habe es eilig. Und um ehrlich zu sein, will ich gut bei der Ankunft aussehen.
Der Fahrer kommt und wir rasen zunächst Richtung Market Square. Übrigens stimmt er mir zu, dass es unmöglich von Sawyer war, was er mit Facebook abgezogen hat. Das meine ich mit geeignetem Publikum. Außerdem ist es hilfreich, dass er die Hintergrundstory nicht kennt und ich seine Kundin bin – er würde mir wahrscheinlich in allem zustimmen. Dennoch ist es viel befriedigender, als bei Chloe Druck abzulassen.
Wir umrunden die City Hall Station, dann geht’s am JFK Plaza vorbei, ehe wir den Benjamin Franklin Parkway erreichen. Kurz darauf treffen wir am Square ein. Ich danke meinem neuen Freund Tom, hüpfe raus und laufe geradewegs auf die Drehtüren zu. Sobald ich diese verlasse, bemerke ich, dass ich zwei Probleme habe. Zum einen gibt es einen Sicherheitsdienst, sodass ich nicht einfach einen Fahrstuhl nehmen kann. Zum zweiten weiß ich nicht, wo in dem fünfzigstöckigen Gebäude er sitzt. Egal!
Mein Telefon summt. Es ist meine Mom, die nachfragt, ob Sawyer dunkles Fleisch isst, da sie darüber nachdenkt, an Weihnachten einen Braten zu machen. Ich befürchte, dass meine Nasenlöcher sich wirklich aufblähen, als ich zum Schalter der Security laufe und meine Hände auf die Oberfläche schlage.
„Ich muss zu Sawyer Camden. Sofort!“
Das Lächeln verschwindet vom Gesicht des Wachmanns und wird durch einen gelangweilten Ausdruck ersetzt. „Ma´am, wir haben keinen Kundendienst vor Ort. Sie können aber unsere Website besuchen und dort das Kontaktformular benutzen. Es ist nicht zu übersehen.“ Sein Lächeln ist distanziert. „Oder ich kann Ihnen eine Visitenkarte mit unserer 1-800 Nummer geben.“ Er legt die betreffende Karte auf den Schalter.
„Ich brauche keinen Kundendienst, ich muss Sawyer Camden sprechen. Er arbeitet hier und ich will ihn sehen.“ Ich lächele gezwungen und versuche, meinen Frust nicht an dem armen Kerl auszulassen. Ich deute auf das neben ihm stehende Telefon. „Rufen Sie ihn an oder geben mir einen Besucherausweis.“
Er macht keine Anstalten, den Hörer abzuheben, aber er neigt leicht den Kopf, um mir einen genaueren Blick zuzuwerfen, als wäre ich völlig irre und man müsste möglicherweise Maßnahmen wegen mir ergreifen.
„Ma´am, ich muss Sie bitten …“
„Everly!“
Sowohl der Wachmann als auch ich sehen sofort hoch. Die Absätze einer blonden Frau klicken durch das Foyer, während sie auf uns zukommt. „Everly Jensen?“, fragt sie, aber nur aus Höflichkeit und nicht, weil sie sich unsicher ist.
„Ja“, stimme ich verhalten zu. Eindeutig gehört sie hierher.
Der Wachmann nickt ihr zu und murmelt: „Miss Adams.“
Sie trägt eine süße schwarze Jacke zu einem Rock, kombiniert mit einem Paar High Heels, das ich auf der Stelle haben will. Ihr blondes Haar ist zu einem langen Pferdeschwanz gebunden und die Haarspitzen locken sich. Außerdem hat sie einen Unternehmensausweis am Bund ihres Rocks. Sie strahlt mich an und hält mir ihre Hand hin.
„Ich bin Sandra, Mr. Camdens Assistentin. Ich habe Sie nicht erwartet, sonst hätte ich sichergestellt, dass Ihnen der Zutritt gewährt wird. Es tut mir so leid.“ Ihre Entschuldigung wirkt aufrichtig. „Ted“, sagt sie zum Wachmann. „Ich nehme sie mit nach oben und sende Ihnen eine Freigabe zu, die Sie bitte hier unten in den Ordner aufnehmen.“
„Ja, Ma´am.“ Er könnte vom Alter her ihr Vater sein.
Und schon laufen wir durch das Drehkreuz und stehen vor einem Fahrstuhl, an den sie ihren Ausweis hält.
„Er ist in einer Besprechung. Ich bringe Sie rauf und lasse ihn wissen, dass Sie hier sind. Allerdings weiß ich nicht, ob er sofort zu Ihnen kommen kann.“ Ihr Tonfall ist entschuldigend, als wäre ich diejenige, die man stören würde.
Wir steigen gerade in den leeren Aufzug und ich hinterfrage meine Entscheidung, ob es richtig war, unangemeldet auf seiner Arbeit aufzutauchen. Zwar verdient er es, nach dem, was er heute abgezogen hat, doch das hier ist selbst für mich zu schräg. „Hören Sie, ich könnte auch zu einem geeigneteren Zeitpunkt wiederkommen“, schlage ich vor, als der Fahrstuhl anhält.
„Nein, nein.“ Ihre Augen weiten sich alarmiert. „Das macht überhaupt keine Umstände. Versprochen. Ich glaube nicht, dass er glücklich darüber wäre, wenn Sie gehen würden, ohne Hallo zu sagen.“ Jetzt lächelt sie wieder.
Ähm. Okay. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass er glücklich darüber sein wird, wenn ich ihm die Meinung geige, aber da ich schon einmal hier bin …
Die Türen gleiten auf und ein Mann in Sawyers Alter kommt rein. Er trägt Jeans und ein Hemd, dessen Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt sind. Sein Outfit ist ein starker Kontrast zu Sandras. Wahrscheinlich einer dieser Tech-Nerds, die immer damit durchkommen, sich beim Job leger zu kleiden. Er ist allerdings heiß. Auf seiner Nase sitzt eine klobige Nerdbrille, die ihm hervorragend steht. Wenigstens fühle ich mich mit meinen ausgeblichenen Jeans, die in Stiefeln stecken, jetzt nicht mehr so fehl am Platz. Nein, nicht die Stiefel, die ich zwar nicht zurückgeschickt, aber auch noch nicht getragen habe. Außerdem soll es heute angeblich schneien, und daher ist Lands´ End angesagt und nicht Louboutin.
„Sandra“, begrüßt er sie und nickt mir kurz zu.
„Mr. Laurent.“ Ihre Stimme hört sich anders im Vergleich zu gerade an. Ehrfürchtig. Vielleicht ist der Typ wichtig.
Aber da ist noch mehr, vermute ich. Ich beobachte sie, als sie seinen Arsch beäugt, während er auf einen Knopf drückt, um eine Etage auszuwählen. Oh! Sie ist in den sexy Tech-Nerd verschossen. Ob ich helfen kann? Ich liebe es, zu helfen. Die Türen schließen sich und der Aufzug bewegt sich wieder nach oben. Ein angestrengtes Schweigen breitet sich aus. Sie brauchen wirklich meine Unterstützung.
„Sandra, ich finde Ihre Schuhe fantastisch“, sage ich und schaue nach unten. Allerdings sehe ich nicht auf ihre Schuhe, obwohl ich den Kopf nach vorn beuge. In Wahrheit ist es nur ein Trick, um herauszufinden, ob Mr. Lauren die Chance nutzt, um ihre Beine zu beäugen, während wir beide abgelenkt sind.
Er tut es. Was die meisten Kerle machen würden, weil ihre Beine phänomenal sind. Sein Blick ruht jedoch ein wenig länger als nötig auf ihnen, und dann räuspert er sich. Es ist subtil. Auf keinen Fall hat Sandra es bemerkt. Ich überprüfe noch, ob er ohne Ehering ist, und speichere die Informationen, um sie bei Bedarf zu nutzen. Dieser Tag nimmt eindeutig eine neue Wendung.
Der Lift stoppt und wir steigen aus, wobei Mr. Laurent das macht, was Männer machen: Er hält die Türen auf, als ob sie uns sonst zu Tode quetschen würden, falls er sie nicht davon abhält. Es ist nett und ermöglicht ihm außerdem, ihren Hintern zu mustern. Win-Win.
„Ist Sawyer noch in der Chesterfield-Besprechung?“ fragt Mr. Laurent Sandra.
„Ja, Sir. Sie sind im Langhorne-Besprechungszimmer.“
Seine Mundwinkel heben sich zu einem leichten Grinsen, offenbar wegen dem „Sir“. „Sie arbeiten seit zwei Jahren hier, Sandra. Ich glaube, dass ich Sie gebeten habe, mich Gabe zu nennen.“
Ihre Augen weiten sich. Sandra nickt und spricht mit vorgetäuschter Selbstsicherheit. „Natürlich!“ Sie hebt ein wenig den Kopf. „Gabe.“
Er sieht sie noch eine Sekunde an und verschwindet dann in der entgegengesetzten Richtung von uns. Sandra führt mich nach rechts, durch einen breiten Korridor und an einem Besprechungszimmer mit einer Glaswand vorbei, ehe ich mich nicht mehr beherrschen kann.
„Zwei Jahre?“
Wir laufen in einer effizienten Geschwindigkeit und Sandras Pferdeschwanz wippt bei jedem Schritt. Sie marschiert gleichmäßig weiter, dreht jedoch ihren Kopf zu mir, um mich anzusehen. „Wie bitte?“
„Das …“, ich deute zu ihr und dann in die Richtung, in die Gabe verschwunden ist, „geht bereits seit zwei Jahren so?“ Ich bin skeptisch. Niemals kann das die ganze Zeit ungestillt vor sich hin geköchelt haben.
Sie blinzelt mehrere Male und öffnet den Mund, schließt ihn allerdings wieder, bis sie sagt: „Verzeihung?“
Ich habe sie eindeutig aus der Bahn geworfen, und sie weiß nicht, wie sie mit einer Inquisition nach Everly-Art umgehen soll. Der Korridor endet an einer Ecke und geht in einen weiteren über, doch wir stoppen hier und treten in eine Art Foyer ein. Nachdem ich mich kurz umgesehen habe, vermute ich, dass es ihr Arbeitsplatz ist. Ein Pullover hängt über einem Stuhl und ein pinkfarbener Notizblock liegt auf dem Schreibtisch, vor dem zwei Stühle stehen. Ein kleines Sofa befindet sich neben einer Flügeltür, die wahrscheinlich in Sawyers Büro führt. Ganz schön schick.
„Darf ich Ihnen die Jacke abnehmen?“
Ich ziehe sie aus und reiche sie ihr. Anschließend zupfe ich die Ärmel meines Pullovers bis zu meinen Fingerspitzen runter. Sandra hängt meine Jacke in einen Schrank, die nahe der Tür steht, und bietet mir einen Sitzplatz an.
„Sie können hier warten.“ Dann fragt sie mich, ob ich etwas trinken möchte, und ich verneine. Sandra verschwindet, um Sawyer darüber zu informieren, dass ich da bin.
In dem Moment, als sie weg ist, betrete ich das angrenzende Büro. Bodentiefe Fenster säumen die ganze Breite. Ich trete an eines heran und presse meine Stirn gegen das Glas. Heilige Scheiße! Die Aussicht von hier ist der reine Wahnsinn. Wir müssen in der obersten Etage sein. Der Logan Square wirkt von hier aus größer, als man es annehmen würde. Der von Gras umsäumte Brunnen ist leicht auszumachen. Doch die Autos im Kreisverkehr wirken winzig. Ich drehe mich um und betrachte den Raum, der mindestens die vierfache Größe meines Zimmers im Wohnheim hat. Auch hier stehen vor dem riesigen Schreibtisch zwei Stühle. Es existiert noch ein separater Sitzbereich mit einem Sofa und Sesseln an der Wand, wo ein Kühlschrank hinter dekorativen Wandpaneelen versteckt ist. Außerdem gibt es eine Kochnische. Ich schaue mir den Inhalt des Kühlschranks an, nicht weil ich etwas will, sondern weil ich neugierig bin. In ihm ist Diet Sun Drop, und das liebe ich fast genauso sehr wie neue Schuhe, also schnappe ich mir eine Dose und laufe hinüber zum Schreibtisch. Hier zögere ich für einen Augenblick. Das kann nicht Sawyers Büro sein, oder doch? Es ist wirklich beeindruckend.
Sandras Arbeitsplatz ist genau davor, daher muss es ihm gehören. Ich kaue kurz auf meiner Unterlippe herum und lasse mich dann auf den Schreibtischsessel fallen. Es gibt einen Desktop-Computer, der aber ausgeschaltet ist. Das ist okay, denn ich liebe es mehr, körperlich herumzuschnüffeln. Auf der Tischplatte liegt nicht viel, bloß ein Kugelschreiber und ein paar Post-it. Sehr enttäuschend. Heutzutage ist einfach alles digital, also werden die spannenden Dinge auf seinem Rechner sein. Ich stelle den Softdrink ab und öffne eine Schublade. Auch dort ist nichts drin. Wie ärgerlich.
„Hast du etwas Interessantes gefunden?“
Es ist Sawyer.
Natürlich!
„Nein.“ Ich gebe der Schublade einen Stoß, damit sie zugeht, stehe auf und starre ihn wutentbrannt an. Ich werfe mein Haar über die Schultern und mache mich bereit, auf ihn loszugehen. „Was stimmt mir dir nicht? Du hast meinen Account bei Facebook gehackt. Das ist nicht in Ordnung, Sawyer! Meine Mutter schickt mir schon Nachrichten und will wissen, was du an Weihnachten essen möchtest“, zische ich. „Ich werde dich umbringen.“
Er grinst und schließt dann die Bürotür, das Klicken laut genug, dass ich es quer durch den Raum hören kann.
„Pass mal auf, du Spinner. Ich weiß nicht, wie du normalerweise deine Beziehungen beginnst, aber was du getan hast? Ist nicht okay.“
„Ich musste deine Aufmerksamkeit wecken. Ich würde sagen, dass es funktioniert hat.“
„Meine Aufmerksamkeit?“ Meine Augenbrauen schießen förmlich nach oben. „Probier das nächste Mal ein Telefon, Sawyer.“
Er zuckt mit den Schultern und läuft auf mich zu. „Du hast mir nie deine Nummer gegeben.“
Stöhnend kneife ich in meinen Nasenrücken. „Das, was du getan hast, war einfacher, als meine Nummer zu kriegen?“
„Ich kann nicht behaupten, dass es schwierig war.“
Ausatmend schüttele ich den Kopf. „Ist das dein Büro?“ Zweifelnd sehe ich mich erneut um.
„Ist es.“ Mittlerweile hat er sich auf der anderen Seite des Schreibtisches positioniert. Er steckt seine Hände in die Hosentaschen. Er trägt einen Anzug, der ihm teuflisch gutsteht. Ich lasse meinen Blick über seinen Körper gleiten und versuche nicht einmal, es zu verbergen. Wozu auch? Bei diesem Kerl macht das keinen Sinn. Es ist offensichtlich, dass ich ganz ich selbst sein kann, und was immer ich ihm an den Kopf werfen werde, wird er einfach lachend wegstecken.
„Bist du hier jemand Wichtiges?“, frage ich und mache eine Handbewegung, die das Gebäude umfasst.
„Spielt das eine Rolle? Ich will nur für dich wichtig sein“, sagt er aufrichtig, während er mich mit einem festen Blick ansieht.
„Dein Bruder freut sich wirklich für uns, Sawyer.“ Meine Stimme ist leise und jegliche Kampfeslust ist verschwunden. „Er glaubt, dass ich dich gezähmt habe, oder irgendeinen anderen Unsinn. Musst du gezähmt werden?“
„Miss Beverly Cleary Jensen“, beginnt er, doch ich unterbreche ihn auf der Stelle.
„Oh Gott. So tief bist du gegangen? Hast du dir meine Geburtsurkunde angesehen? Niemand nennt mich Beverly.“
„Deinen Pass. Ich wollte sicher sein, dass du einen hast.“
„Klar. Das ist auch total normal.“ Ich verschränke die Arme vor der Brust und frage mich, ob er wirklich so ein Riesenaufreißer ist. Angeberisches Büro. Höllisch attraktiv. Die Bemerkungen von Finn und die Warnung von Eric, dass er sich von mir fernhalten soll. Ich wette, dass er hier schon Sex hatte.
„Ja, ich hatte in meinem Büro bereits Sex“, sagte er und beantwortet meine unausgesprochene Frage. „Ich wollte es nicht für unser erstes Mal vorschlagen, da ich nicht weiß, wie laut du bist.“ Er gestikuliert Richtung Tür. „Da draußen arbeiten viele Menschen, aber wir können es versuchen, falls du willst.“
Ich kommentiere das Gesagte mit einem Schnauben. Der Kerl ist so verflucht selbstsicher. „Das glaube ich dir gern. Ich wette, dass Frauen sich für dich über deinen Schreibtisch beugen.“ Ich lehne mich verführerisch nach vorn und platziere meine Hände auf der Oberfläche. „Oh, Sawyer, er ist so groß. Er passt nicht rein. Das stammeln sie bestimmt. Doch hier ist eine Eilmeldung für dich: Sie lügen, da er immer passt.“
Stumm erträgt er die Show, aber dann breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus und seine Augen funkeln belustigt. „Ich mag dich wirklich.“
Was? Ich habe gerade sein Teil beleidigt und er macht mir ein Kompliment. Argwöhnisch beäuge ich ihn. Er umrundet den Schreibtisch, und während er das tut, drehe ich mich um. Er steht so dicht vor mir, dass sich unsere Zehenspitzen fast berühren. Da er viel größer ist als ich, bin ich gezwungen, den Kopf nach hinten zu neigen oder stattdessen seine Brust anzustarren. Der Knopf seines Hemdes ist keine zwanzig Zentimeter von mir entfernt. Ich verspüre den eigenartigen Drang, meine Finger darübergleiten zu lassen, doch ich widerstehe der Versuchung. Aber ich lasse mir Zeit, bis ich ihm in die Augen sehe. Ich benetze meine Lippen mit der Zunge, verinnerliche sein Kinn auf meinem Weg nach oben. Ich habe da so ein Ding mit einer gutaussehenden männlichen Kinnpartie. An dieser Körperstelle könnte ich Stunden verbringen, dabei mit einem Knabbern am Ohrläppchen beginnen, um mich anschließend weiter vor zu arbeiten. Seine Haut fasziniert mich, diese Andeutung von Bartstoppeln, die Textur, wenn er die Kiefer aufeinanderbeißt. Gibt es dafür eine Bezeichnung? Als ich endlich in seine Augen sehe, sind seine verschleiert. Er umfasst meinen Nacken mit den Fingern einer Hand, sein Daumen unter meinem Kinn, und dann sind seine Lippen auf meinen. Dieses Mal habe ich es erwartet, im Gegensatz zum letzten Mal. Doch es ändert nichts an dem Kribbeln, das mir bei seiner Berührung durch den Körper läuft.
Ich gleite mit den Händen unter sein Jackett, bis sie auf seinem Brustkorb liegen, der sich warm unter meinen Handflächen anfühlt, sodass ich über sein Hemd streichele, begierig, die Umrisse zu erkunden. Inzwischen ist mein Hintern auf dem Schreibtisch und meine Beine sind um seine Taille geschlungen, doch er reißt sich von mir los. Ich brauche einen Moment, um den Geschehnissen zu folgen, unsicher, wie ich überhaupt auf die Tischplatte gekommen bin.
Sawyer räuspert sich, wobei er sein Sakko gerade zieht. Es ist zwar das Heißeste, was ich je bei einem Mann gesehen habe, jedoch will ich, dass er es auszieht. Er zupft an den Manschetten seines Hemds, dann an seiner Krawatte und ich lande wieder in der Realität. Ich erkenne, wie schnell unser Zusammentreffen außer Kontrolle geraten ist. Das Zurechtziehen seiner Hose bestätigt diese Annahme. Und zur Hölle! Ich kann bereits jetzt sehen, dass er, ungeachtet meiner Spötteleien, bestimmt schon ein ehrlich gemeintes „Er passt nicht in mich hinein“ gehört hat.
Ich setze mich aufrecht und Sawyer hält mir die Hand hin, um mir beim Hinstellen zu helfen.
„Ich hole dich um 19 Uhr ab“, flüstert er nah an meinem Ohr, sodass sein Atem mich erschauern lässt.
Ich nicke, denn zu keiner Zeit wollte ich das hier ablehnen. Ich war chancenlos.
„Ich schlafe heute Nacht nicht mit dir, nur damit du es weißt.“ Er streicht mir eine Haarsträhne hinters Ohr.
Wie bitte?
„Ich will, dass du mich zuerst respektierst“, fährt er fort, wobei sein Blick sehr verhalten ist.
„Das ist nicht dein Ernst!“, platzt es aus mir, einen Moment, bevor er anfängt zu lachen.
Er zwinkert mir zu und kneift meinen Po, lässt mich wissen, dass er mich bloß ärgert. Gott sei Dank. Ich bin von dem Herumgemache so erregt. Außerdem hatte ich seit einigen Monaten keinen Sex, da ich mich während meiner „Ich-will-dass-Finn-sich-in-mich-verliebt-Mission“ mit niemandem getroffen habe. Deswegen benehme ich mich bestimmt auch so durchgeknallt.
Sawyer öffnet die Tür. Sandra lehnt an ihrem Schreibtisch und wirkt, als ob sie bereit wäre, an ihren Fingernägeln zu kauen. Sie richtet sich auf und ein beunruhigter Ausdruck läuft über ihr Gesicht. „Mr. Camden, sie wollen dringend das Meeting zum Abschluss bringen.“ Ihr Telefon klingelt, sodass sie kurz dorthin schaut und dann wieder zu Sawyer. Sie ist viel zu jung, um so nervös zu sein.
„Sagen Sie ihnen, dass ich auf dem Weg bin.“ Er scheint überhaupt nicht besorgt darüber zu sein, dass man auf ihn wartet. Er legt seine Hand auf meine Lendenwirbel und geleitet mich durch die Tür. Sie schmiegt sich groß und fest an meinen Rücken, wobei die Wärme durch meinen Pullover dringt, sodass ich Sawyer zurück in sein Büro schubsen und Sandra sagen will, dass sie all seine Anrufe abweisen soll. Doch Sawyer hat „Heute Nacht“ in mein Ohr geflüstert und ist bereits im Korridor verschwunden. Verdammt, er wird einem Anzug aber auch wirklich gerecht.