Der Pirat und das Mädchen
von Ivy Paul

Erschienen: 07/2017

Genre: Historical Romance
Zusätzlich: Dominanz & Unterwerfung, Vanilla

Location: Karibik, Piratenschiff

Seitenanzahl: 324


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-300-2
ebook: 978-3-86495-301-9

Preis:
Print: 12,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Der Pirat und das Mädchen


Inhaltsangabe

Magdalena O’Heara wird von ihrem Vater in die Karibik geschickt, um dort gegen ihren Willen den Gouverneur einer der Inseln, Don Bernardino, zu heiraten. Doch ausgerechnet ihr Schiff wird während der Überfahrt vom Piratenkapitän Brian Dempsey, dem Schrecken der Karibik, überfallen.
Im Getümmel der Schlacht verkleidet Magdalena sich als Schiffsjunge und schließt sich den wilden Piraten an.
Sie wird der private Kabinenjunge für den Kapitän und es dauert nicht lange, bis Brian herausfindet, dass Magdalena in Wahrheit eine bezaubernde junge Frau ist. Er geht auf ihre Maskerade ein und während ihn ihre Unschuld immer mehr zu reizen beginnt, ist Magdalena von dem Piratenkapitän fasziniert.
Doch dann findet Brian heraus, dass Magdalena die Verlobte seines Todfeindes Bernadino ist …

Ein romantisch-leidenschaftlicher Piratenroman für Fans von Filmen wie „Der rote Korsar“.

Über die Autorin

Ivy Paul wurde 1975 in der schönen Patrizierstadt Augsburg geboren und lebt dort mit ihrer Familie.
Neben ihrer großen Leidenschaft dem Schreiben begeistert sie sich fürs Seife sieden, dem Anrühren duftender Cremes und der veganen Ernährung. Sie schätzt Whiskey, die...

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Leseprobe

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Magdalena torkelte erschöpft in die Kapitänskabine und hoffte, nicht noch weiter arbeiten zu müssen. Sie war nach der Plackerei im Unterdeck vollkommen ausgelaugt, selbst das Bier, das ihr Sam zur Stärkung gereicht hatte, verhalf ihr nicht wieder zu Kräften. Sie wollte sich nur noch hinlegen und schlafen. Unter Garantie würde sie heute Nacht nicht einmal merken, ob sie auf dem Boden oder im Bett eines Königs liegen würde. Da war sie sich sicher.
Tatsächlich befand sich der Captain in seiner Kajüte, und mit ihm am Tisch saßen Ian Thurston und Akono sowie der Koch, der sie...

...beim Eintreten sofort zu erkennen schien und sie böse anfunkelte. Offenbar nahm er es ihr immer noch übel, dass sie unaufgefordert die Kombüse betreten hatte.
Der Blick des Captains stach förmlich auf ihrer Haut, und sie war unsagbar froh, dass sie sich daran erinnert hatte, was er über Sauberkeit und Körperpflege gesagt hatte, und sich am Oberdeck gewaschen hatte. Meerwasser war zwar sicher nicht dafür vorgesehen, vermutete sie, immerhin war es nicht einmal dann trinkbar, wenn man es zum Bierbrauen verwendete oder mit Wein verdünnte, aber sie traute sich auch nicht jemanden zu fragen. Dass sich die Piraten mit Meerwasser wuschen, war ihr bisher nicht aufgefallen, aber sie konnte nicht zulassen, dass sich Black Brian dazu veranlasst sah, ihr die Kleider vom Leib zu reißen, weil sie schmutzig war. Kurz schoss ihr die Überlegung durch den Kopf, wie es Xander schaffte, dieser Zwangsmaßnahme zu entgehen, doch dann war der Gedanke auch schon wieder vergessen, denn sie war einfach zu erschöpft, um zu denken.
Sie verharrte unsicher, weil sie nicht wusste, wie sie angesichts der Männer reagieren sollte, die wohl eine Unterredung abhielten. Doch da kam Leben in die anderen Männer.
„Wir haben soweit alles besprochen, meine Herren.“ Black Brian machte eine aufscheuchende Handbewegung. Die drei nickten und wandten sich um.
Magdalena stand wie zur Steinfigur erstarrt, bis Mr Thurston, Akono und der Koch, oder Smutje, wie man auf einem Schiff sagte, worüber Sam sie aufgeklärt hatte, die Kajüte verlassen hatten. Sam hatte überhaupt viel geredet. Ihr klingelten schier die Ohren von den ganzen Erzählungen, mit denen er sie unterhalten hatte. Er stammte ursprünglich aus Boston, hatte dann auf einem Piratenschiff angeheuert, war aber in der Hoffnung, mit seinem Lohn aus den Kaperfahrten eine Kneipe aufmachen zu können, in Nassau von Bord gegangen. Doch aus einem Abend Auf-den-Putz-Hauen war ein ganzer Monat geworden, den er volltrunken mit den Huren Nassaus verbracht und jede einzelne Dublone ausgegeben hatte, die er zuvor verdient hatte. So musste er sich auf dem nächstbesten Schiff verpflichten, das ihm zusagte. Und das war die Revenge von Black Brian gewesen.
Sam war voll der Verehrung für den Captain, diesen Mann, der auf einer heiligen Mission schien, der ein kluger Stratege und ein gewitzter Schauspieler war und der es verstand, sich einen Ruf zu schaffen, der ihn grausamer als Captain Kidd und Blackbeard zusammen darstellte. Einen Ruf, der es unnötig machte, allzu viel Blut zu vergießen und erbarmungslos zu sein, weil alle bereits vor Furcht zitterten, wenn sie seine Flagge entdeckten.
„Setz dich, Bursche“, befahl der Captain, während sich die Tür hinter den anderen Männern schloss. „Du bist harte Arbeit nicht wirklich gewohnt“, stellte er mit hochgezogenen Augenbrauen fest.
Magdalena ließ sich auf einen Lehnstuhl plumpsen und griff nach der Schale mit Suppe, die ihr der Captain mit gönnerhaftem Grinsen zuschob.
„Glaub nicht, dass mich dein elendiger Anblick erweichen kann und ich dir deine Strafe erlassen werde. Du wirst sie voll auskosten dürfen.“
Zu müde, um sich in irgendeiner Weise zu äußern, schob sie sich einen Löffel kalte Suppe in den Mund und merkte, wie ihr die Augen zufielen.
Nur noch am Rande nahm sie wahr, wie ihr Stuhl mitsamt ihrer selbst zurückgezogen und sie dann hochgehoben wurde. Danach verschwamm alles in seligem Vergessen.

Magnus wirkte wie ein Zombie, eines jener Geschöpfe, über die die Sklaven Haitis nur im Flüsterton sprachen. Schlurfende Wesen, die kaum mehr lebendig waren. Hätte Brian sich mittlerweile nicht in einen gewissen Zorn hineingesteigert, der daher rührte, so an der Nase herumgeführt worden zu sein, hätte er über Magnus lachen müssen. Vor allem, nachdem der arme Junge über dem Teller eingeschlafen war. Selten hatte Brian etwas Jämmerlicheres gesehen. Aber es würde Magnus nun eine Lehre sein, das nächste Mal überlegte er sicher zweimal, ob er sich auf einen Kampf einlassen wollte.
Als er ihn hochhob, merkte Brian, dass Magnus kaum schwerer als ein Kind war. Er überlegte, wo er den Schlafenden ablegen könnte, und entschied sich, ihn gnädiger Weise in seinem Bett schlafen zu lassen. Er legte ihn ab und musste dann die Bettdecke unter ihm hervorziehen. Die Hose des Jungen rutschte dadurch über die Hüften und der Saum des Hemdes wurde sichtbar. Nun erinnerte sich Brian wieder an seinen Verdacht, nein, an seine Überzeugung, dass Magnus in Wahrheit kein Junge, sondern eine Frau war, die sich Männerkleidung angezogen hatte.
Die Gelegenheit war günstig und so hob Brian neugierig das Hemd. Er riskierte einen Blick, sah aber nur den weißen Stoff irgendeines Kleidungsstückes, das er in dem düsteren Licht der Kajüte nicht näher identifizieren konnte. Brian ließ das Hemd fallen und steckte stattdessen seine Hand in die Hose des Jungen. Da war nichts, nicht der kleinste, mickrigste Schwanz. Dennoch forschten Brians Finger weiter, als wollte er sich vergewissern, dass Magnus nicht deformiert und der Penis falsch gewachsen war. Da war nichts.
Natürlich nicht. Brians Hand tastete sich vor, erreichte die samtige Stelle, an der sich der Kitzler verbarg, und widerstand dem Versuch, dort intensivere Berührungen vorzunehmen oder zwischen die samtweichen Schamlippen zu gleiten, um ihre Spalte zu erkunden, zum Beispiel. Magnus seufzte im Schlaf und Brian zog seine Hand zurück. Fassungslos und mit steigendem Zorn sah er auf das Mädchen, das in seinem Bett lag und sich für einen Jungen ausgab. Eine formvollendete Schauspielerin und Lügnerin!
Er wusste nicht, wie er jetzt vorgehen sollte. Dem Ruf nach, der ihm anhing, hätte er ihr die Kleider vom Leib reißen und sie seinen Männern vorwerfen sollen, nachdem er selbst sie ausgiebig geschändet hatte.
Das war jedoch nicht das, was er tun würde. Es lag ihm nicht, gewalttätig zu sein oder Schwächere zu missbrauchen. Doch einen derartigen Betrug würde er nicht durchgehen lassen. Es verlangte ihn nach der ganzen Wahrheit, und, fast noch drängender, nach dem Körper der jungen Frau in seinem Bett. Er verharrte in der Betrachtung der mysteriösen „Magnus“ und überlegte, ob er sie zur Rede stellen sollte. Jetzt, wo er wusste, dass sie eine Frau war, schien es ihm eindeutig. Die zarten Gliedmaßen und die ganz und gar untypischen Bewegungen für einen Mann – selbst ein Junge bewegte sich anders, kantiger, ausladender. Der Schwung ihres Nackens, dort, wo die Schultern in den Hals übergingen, der natürlich keinen deutlich sichtbaren Adamsapfel besaß. Sein Blick wanderte über die fein gemeißelten Gesichtszüge in dem etwas breiten, aber aparten Gesicht, den Halbmondbögen aus schwarzen Augenbrauen und den vollen, sinnlichen Lippen, die ihm schon öfter in den letzten Tagen den Schweiß hatten ausbrechen lassen.
Ihre Lider flatterten, und so verkniff sich Brian einen Blick in den Ausschnitt des Hemdes. Er wollte nicht riskieren, dass sie erwachte und erkannte, dass er ihre Scharade durchschaut hatte. Nicht, solange er noch nicht wusste, wie er reagieren wollte, wie er sie bestrafen würde.
Je länger er da stand und auf sie hinabsah, umso verlockender schien ihm der Gedanke, sie zu testen. Wie lange würde sie es durchhalten, einen Mann darzustellen? Die harte Arbeit an Bord zu bewältigen, stets auf der Hut zu sein und sich wie ein Mann zu benehmen? Brian verspürte finstere Zufriedenheit in sich aufsteigen. Es würde ihm ein Vergnügen sein, ihre Schamgrenze auszureizen, denn, wie er bereits bemerkt hatte, war sie recht prüde. Jetzt wusste er auch, warum.
Er zog sich aus und legte sich schlafen. In sein Bett, neben Magnus.

Wärme umfing Magdalena. Sie lag in einem Bett, weich und gemütlich, sodass sie sich, gefangen in Halbschlaf und Wohlbehagen, nach Zuhause zurückversetzt glaubte. Sie rekelte sich, glitt mit den Händen über die glatten Baumwolllaken, seufzte und erschnupperte einen herben Seifengeruch, den sie im ersten Moment ihrer Schlaftrunkenheit der Bettwäsche zuordnete. Dann fühlte sie neben sich eine Bewegung. Irritiert hielt sie inne und tastete, immer noch in schläfrige Gleichgültigkeit versunken wie in einem Kokon, der ihr Schutz und Sicherheit versprach, nach der Ursache. Nach einer erschreckend geringen Distanz stießen ihre Fingerspitzen auf nackte Haut.
Sie zog ihre Hand zurück, als hätte sie sich verbrannt. Für einen kurzen und zugleich unendlich lang erscheinenden Schockmoment lag sie erstarrt da. Dann flogen ihre Hände an ihren eigenen Körper und tasteten ihn ab, während ihre Augen die Ergebnisse ihrer Betastungen bestätigt wissen wollten.
Sie war bis auf Schuhe und Strümpfe vollständig bekleidet, lediglich ihr Hemd war aus der Hose gerutscht und hatte sich im Schlaf hochgeschoben, aber mehr als ein Streifen Bauch blitzte unter dem Stoff nicht hervor.
Die Frage nach der anderen Person im Bett wagte Magdalena kaum zu stellen, doch sie wusste, dass sie diese Überprüfung nicht vernachlässigen durfte. Sie musste sehen, wer da bei ihr im Bett lag, obwohl sie es bereits ahnte. Sie war in der Kapitänskajüte, und es konnte nur eine Person geben, die dort im Bett liegen würde.
Sie drehte ihren Kopf und erkannte den friedlich schnarchenden Piratenkapitän neben sich. Die weiße Decke gab seinen ehrfurchtgebietenden Oberkörper ihrer Betrachtung frei. Obwohl ihr die Schamesröte ins Gesicht stieg, wandte sie sich nicht ab, sondern nutzte die Gunst der Stunde und musterte ihn aufmerksam. Seine Muskeln waren beeindruckend. Auf der Brust waren einige längst verheilte Narben von erlittenen Verletzungen zu entdecken. Sie konnte sich gerade noch zurückhalten, eine besonders fies wirkende unterhalb des Rippenbogens zu berühren. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten und ließ ihren Blick nach oben gleiten, in diesem Moment nicht sicher, ob sie wagen sollte, unter die Bettdecke zu blicken und sich zu vergewissern, ob er darunter ebenso nackt war. Also bewunderte sie sein Aussehen oberhalb der Decke.
Für sie war sein Gesicht das schönste, das sie je zu sehen bekommen hatte. Sie konnte nicht verstehen, warum er, ausgerechnet er, Black Brian, der Schrecken der Karibik, eine solche Faszination auf sie ausübte und sie so wenig ängstigte. Sein kantiges Kinn erzählte von einem starken, unbeugsamen Charakter und Entschlossenheit. Die Lippen hingegen waren wie geschaffen dafür, ein Mädchen mit süßen Küssen und verlockenden Liebesschwüren einzuwickeln. Seine Nase war ein wenig schief und hatte am Nasenrücken einen leichten Knick, so als wäre sie einmal gebrochen worden. Im Gegenzug waren die Wangenknochen ein Anblick, für die jede Frau töten würde.
Magdalena war froh, dass er schlief, so konnte sie ihn ausgiebig betrachten, wenn auch die Musterung seiner Augen dadurch ausgeschlossen war. Sie wusste, dass seine Augen ebenso dunkel waren wie sein Haar, ein intensives Braun, fast schon schwarz, und wenn er einen betrachtete, dann war es, als könnte er bis auf den Grund der Seele seines Gegenübers blicken. Ein letztes Mal bewunderte sie sein Gesicht, bemerkte die entspannten Züge, die dunklen Schatten seines Bartwuchses, und ignorierte das sehnsüchtig verlangende Herzklopfen, das sie dabei überfiel.
Sie holte tief Luft und fasste Mut. Neugierig und unsicher, ob sie überhaupt sehen wollte, was sich ihren Blicken gleich bieten würde, hob sie den Rand der Bettdecke an. Ein kurzer Moment, dann hatten ihre Augen alles erfasst, was sie herausfinden wollte. Sie hielt die Decke weiterhin in ihren Händen, zögerte und sah erneut darunter, da sie vermutlich nicht oft die Gelegenheit erhalten würde, einen nackten Mann zu begutachten. Also riskierte sie einen neuen Blick. Die Geschlechtsorgane eines männlichen Menschen waren von unspektakulärem Aussehen. In Form und Größe einer Leberwurst ähnlich, wie sie der Schlachter ihres Heimatdorfes Clifford Village an der Decke herabhängen ließ. Natürlich hing der Schwanz nicht, sondern ruhte auf Brians Schamhügel, sodass die wohlgeformte Spitze wie ein Hinweispfeil auf den Bauchnabel zeigte. Magdalena hob ihre Hand, sah darauf und wieder auf den Penis, ihre Hand schien an Länge mit dem Schaft identisch zu sein. Sie lüpfte die Decke ein wenig mehr und versuchte, einen weiteren Blick auf den Hautsack zu erhaschen, der unter dem Schwanz lag.
„Du darfst ihn gern anfassen, wenn du möchtest“, vernahm sie in diesem Moment Brians Stimme.
Schockiert und schamerfüllt, bei derartiger Unverfrorenheit ertappt worden zu sein, fuhr Magdalena zurück und wollte aus dem Bett springen, als Brian sie eisern am Handgelenk packte. Im Schwung gebremst, kippte sie ein wenig nach vorn, Brian entgegen. Magdalenas Hals schien rau und trocken, ihre Wangen brannten und ihr Blick flackerte.
„Es ist nicht so, wie es aussieht“, krächzte sie und brauchte mehrere Anläufe dafür.
„Wonach sieht es denn aus?“, erkundigte sich Brian fast schon freundlich, doch ihre Hand ließ er nicht los, was Magdalenas Panik schürte. Verzweifelt versuchte sie, sich aus seinem Klammergriff zu befreien.
„Ich … ich …“ Sie verstummte, weil ihr nicht einmal eine halbwegs plausible Ausrede in den Sinn kam.
„Nachdem du so intensiv geguckt hast, fass ruhig hin!“, sprach er und drückte ihre Hand auf seinen Schwanz.
Eigentlich hätte Magdalena gedacht, vor Schreck bewusstlos zu werden, so wie es sich für eine wohlerzogene junge Dame schickte. Stattdessen nahm sie jedes kleinste Detail an Empfindung überdeutlich wahr, nun, wo sie ihn berührte. Die Wärme, die Weichheit der Haut, die Mulden und Erhebungen, das Beben unter der Haut und wie Brians Atem rauer wurde und er seinen Unterleib gegen ihre Hand presste. Sie ertappte sich dabei, wie sie streicheln, ertasten wollte, was sie eben noch betrachtet hatte, aber dann wurde ihr bewusst, was sie da tat. Bedeutend schlimmer war für sie lediglich, dass Brian sie für einen Jungen hielt. Es verwirrte und irritierte sie mehr, als sie zu sagen in der Lage war.
Sie riss sich endlich los und sprang so hektisch vom Bett, dass sie auf den Boden stürzte. Der Schmerz, der durch ihr Knie schoss, ließ sie kurz aufstöhnen, dann rappelte sie sich auf.
Brian stand neben dem Bett und starrte Magdalena an.
Sie zwang ihre Augen, oberhalb seines Halses zu verharren. Noch immer glaubte sie, seine Wärme und samtige Härte unter ihrer Handfläche zu fühlen. Sie konnte nicht glauben, zu was er sie da gezwungen hatte. Um einiges verwerflicher schien ihr, dass es ihr gefallen hatte. Es hatte sie fasziniert und ein seltsam fremdes, aber anregendes Gefühl in sich aufsteigen lassen. Vielleicht war sie ein verdorben liederliches Geschöpf, das der Earl aus eben diesem Grund weggeschickt hatte. Deswegen und weil seine Gemahlin ganz genau um Magdalenas Charakterschwäche gewusst hatte, ehe sie selbst sie erkannt hatte. Sie konnte sich des Schreckens nicht erwehren, der nun durch ihre Glieder zuckte. Wenn der Captain sie für so eine Person hielt? Und dazu obendrein einen Sodomiten, da er ja nicht wissen konnte, dass sie eine Frau war? Ihr wurde übel.
Captain Black grinste und wirkte nicht, als hätte ihn die Begebenheit im Bett eben verstört. Zumindest nicht so sehr und nicht auf dieselbe Weise wie sie. Er schien eher teuflisch zufrieden und gebieterisch zugleich. Mit einem Räuspern wandte Magdalena sich ab und überlegte, wie sie ihm entkommen könnte, ehe er noch auf die Idee verfiel, sie auf das Geschehene anzusprechen oder mehr von ihr zu verlangen. Schlagartig kam ihr in den Sinn, dass sie sich in größere Bedrängnis gebracht hatte, als sie geglaubt hatte.
Sie wich Richtung Tür. „Sir, ich werde hinunter zu den Kanonen gehen. Der Kanonier erwartet mich bestimmt.“ Plötzlich wurde sie sich des Drucks in ihrer Kehle bewusst, jenes Gefühl, das einen überkam, wenn ein Heulkrampf sich Bahn brechen wollte.
Der Captain musterte sie reglos und nickte dann zu ihrer Erleichterung. „Geh, Magnus, deine Strafe ist noch nicht verbüßt.“
Der Aufruhr in ihrem Innern ließ sie förmlich über den Flur fliegen, und die Nässe in ihren Augen kam garantiert nur davon, dass ihr der Seewind entgegenwehte.
Niemand hielt sie auf, natürlich nicht, denn als jüngstes Mitglied an Bord und nicht ganz freiwillig auf dem Schiff beäugte man sie sicher mit Misstrauen. Dass sie noch kampfunerfahren war, mochte ein weiterer Grund sein. Keiner käme zu ihr, um sie nach ihrem Wohlergehen zu fragen, keiner, um herauszufinden, weshalb sie so aufgewühlt wirkte. Zum Glück! Sie wollte sich nicht damit auseinandersetzen, dass und ob es eine gute Idee wäre, sich Freunde unter der Besatzung zu schaffen. Sie hätte auch nicht gewusst, wie sie mit den Männern nähere Bekanntschaft schließen könnte.
Außerdem hatte sie im Augenblick völlig andere Sorgen als die, sich die Mannschaft gewogen zu machen. Sie musste mit Xander sprechen. Die Frau schien bereits eine ganze Weile an Bord verbracht zu haben und könnte ihr die eine Frage beantworten, die sie sonst niemandem zu stellen wagte, ohne dass es Gerüchte geben und ein falscher Eindruck erweckt würde.

Sam, der Kanonier, lag in seiner Schlafkoje, einem viereckiger Kasten, der unerfreulicherweise an einen Sarg einfachster Ausführung erinnerte, und schnarchte laut.
Magdalena blieb stehen und überlegte, ob sie ihn wecken sollte. Er hatte sein Holzbein abgeschnallt und hochkant zwischen Strohmatratze und Kistenrand geklemmt. Der Stumpf lag nackt und bloß auf der Matratze und Magdalena erkannte einige gerötete Druckstellen auf der Haut. Ansonsten war die Amputation eine sichtlich ordentliche und saubere Arbeit gewesen.
Der Seemann verfügte über einen gesegneten Schlaf, denn als sie ihn anstieß, schnappte er nur hörbar nach Luft und schnarchte weiter. Also drehte Magdalena sich um und versuchte, in dem düsteren Laderaum Xander ausfindig zu machen. Darauf hoffend, dass sie sich nach wie vor in den Ecken herumtrieb, um weitgehend unsichtbar zu bleiben. Magdalena vermutete, dass dies ihre Art war, unerkannt zu bleiben, und vermutlich hatte sie das so auch schon eine ganze Weile geschafft.
„Suchst du mich?“ Die Stimme war nur ein Wispern und Magdalena fuhr erschrocken herum. Tatsächlich stand Xander hinter ihr. Sie musste sich auf sprichwörtlich leisen Sohlen angeschlichen haben, denn Magdalena war sicher, die Frau auf dieser Seite des Decks nicht gesehen zu haben, als sie es mit Blicken inspiziert hatte.
„Vielleicht“, meinte Magdalena wortkarg. „Kann ich mit dir sprechen? Vertraulich?“
Xander grinste und entblößte eine von Tabaksaft fleckige Zahnreihe. „Klar, aber denk dran, verpfeifst du mich, mach ich dich kalt.“ Trotz des Lächelns wirkte sie abweisend, entschlossen und gefährlich. Magdalena würde sich hüten, die Frau zu hintergehen oder zu denunzieren.
„Ich habe nicht den Hauch eines Interesses daran, dich zu verraten. Solange du mich nicht verrätst“, fügte sie hastig hinzu, worauf die andere grinste und eine Ladung Tabaksaft ausspie. „Na, dann erklär mir, was dich so sehr juckt, dass du mir hinterherläufst.“
Ganz eindeutig hatte die Gesellschaft unter rauer Männlichkeit Xanders Jargon gefärbt, aber vielleicht war dies auch nur Teil ihrer Tarnung.
„Ich will lediglich wissen, ob der Captain Männer den Frauen vorzieht“, platzte Magdalena heraus, ehe sie es eleganter formulieren konnte.
Xander starrte sie sprachlos an, um dann in schallendes Gelächter auszubrechen. Sie schlug sich die Hand vor den Mund und kämpfte gegen ihren Heiterkeitsausbruch an, bis sie es in ein Husten verwandelte. Sie wischte sich mit dem Hemdsärmel über das Gesicht, was jedoch nur dazu führte, dass sie noch schmutziger aussah als zuvor.
„Schätzchen, Black Brian würde sich wohl eher den Schwanz abschneiden, als ihn im Arsch eines Kerls zu versenken“, meinte sie amüsiert. Sie musterte Magdalena abschätzend. „Juckt’s dich in seiner Gegenwart im Puderdöschen?“
Magdalena benötigte einige Momente, um zu begreifen, wovon die andere redete, doch dann stieg Empörung in ihr auf. „Natürlich nicht!“
Das heisere Lachen Xanders klang höhnisch. „Glaub ich dir sofort!“ Sie drehte sich um und verschwand nach draußen.
Zurück blieb eine ratlose und zugleich verwirrte Magdalena.