Salvation: Brennende Herzen

Erschienen: 07/2016

Genre: New Adult

Location: USA, Texas


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-219-7
ebook: 978-3-86495-220-3

Preis:
Print: 12,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

Erhältlich bei u.a.:

und allen gängigen Onlinehändlern und im Buchhandel

Salvation: Brennende Herzen


Inhaltsangabe

Ein glühend heißer Sommer, zwei junge Menschen und eine grenzenlose Liebe.

Der als Bad Boy verschriene Zac Morrison und die adrette, kreuzbrave Cathy Kilbourne sind seit Jahren verfeindet. Als Cathy nach dem Studium in ihre Heimatstadt Milton Oaks zurückkehrt, kreuzen sich ihre Wege erneut und sofort sprühen die Funken zwischen den beiden Streithähnen.
Zac will zunächst nicht wahrhaben, dass die körperliche Anziehung zwischen ihnen immer stärker wird. Schließlich verkörpert die Tochter von Schuldirektor Kilbourne alles, was er verachtet, doch Cathy lässt nicht locker und die beiden verlieben sich unsterblich ineinander. Allerdings entwickeln sich Zacs unstillbarer Freiheitsdrang und die Vergangenheit seines Vaters zur knallharten Bewährungsprobe für das junge Glück. Beide müssen entscheiden, ob sie mutig genug sind, ihre Träume gemeinsam zu verwirklichen - oder ob sie am Ende nicht doch getrennte Wege gehen ...

Über die Autorin

Die Autorin wurde 1977 in einer schwäbischen Kleinstadt geboren und lebt heute glücklich mit Mann und Kind in einem idyllischen Dörfchen nahe der Donau. Lange Jahre arbeitete sie als Erstkraft in der Parfümerie einer Einzelhandelskette. Ein Beruf, den sie für...

Weitere Bücher der Autorin

Leseprobe

Eine Stunde später rollte ich unter dem Wagen wieder hervor. Der routinemäßige Check am Fahrzeug war zufriedenstellend verlaufen und mein Shirt klebte klatschnass geschwitzt an meinem Oberkörper. Stöhnend hievte ich mich hoch und ging mit schwerfälligen Schritten zum mittlerweile gräulich verfärbten Kühlschrank, der leise surrend in der Ecke stand. Die Jalousien in der kleinen Halle waren halb heruntergelassen und hielten zwar das grelle Licht ab, aber keineswegs die erstickende Hitze, die sich durch sämtliche Ritzen stahl. Die Lücken zwischen den Lamellen warfen schraffierte Muster auf den Boden und die schwüle Feuchtigkeit im Raum machte mir jetzt echt zu schaffen.
Im...

...Laufen zog ich mir das Shirt aus, und sobald ich den Kühlschrank erreichte, riss ich die Tür auf. Nach dem ersten Kälteschock fühlte ich die eisige Luft auf meiner Haut. Ich griff mir eine der Wasserflaschen, schraubte sie auf und trank sie innerhalb von Sekunden leer. Nicht so gut wie Bier, aber für den Moment okay. Das Shirt in der einen Hand und die leere Plastikflasche in der anderen drehte ich mich um. Scheppernd landete der Wasserbehälter auf dem Boden, als mein Blick auf die unnahbar wirkende Blondine fiel, die plötzlich mitten in der Werkstatt stand. Heilige Scheiße, entweder hatte ich einen Hitzschlag oder ich blickte gerade tatsächlich auf die selbst ernannte Prinzessin von Milton Oaks. Catherine Kilbourne.
„Hast du dich verlaufen oder wolltest du endlich mal einen echten Kerl aus der Nähe sehen?“
Ich verzog die Lippen zu einem verächtlichen Lächeln, während sie mich seltsam unsicher musterte und dabei nur schwer die Augen von meiner nackten Brust abwenden konnte. Um sie in Verlegenheit zu bringen, ließ ich die Muskeln arbeiten, und die zunehmende Röte auf ihren Wangen bestätigte meine ungebrochene Wirkung auf das weibliche Geschlecht. Die Frauen fuhren auf mich ab. Nicht mal Cathy konnte wegsehen, wenn ich mit nacktem Oberkörper vor ihr stand, und da die ständige Arbeit in einer Werkstatt an den Motoren ziemlich kraftraubend sein konnte, verfügte ich über ein paar ganz ansehnliche Muskeln. Die Kleine kannte wohl nur die mageren Hühnerbrüste ihrer Collegeboys. Ein weiteres Mal ließ ich meine Muskeln zucken und fühlte mich ihr so was von überlegen, sobald sich ihre Augen verschleierten. Schluss mit lustig. Wenn es Miss Sauberfrau die Sprache verschlagen hatte, dann musste ich diesen Vorteil ausnutzen.

Cathy räusperte sich vernehmlich und brachte ihre Gesichtszüge unter Kontrolle. Sie wirkte wieder so unnahbar wie eh und je und trat etwas näher. Dabei blickte sie mir direkt in die Augen – nicht mehr auf meine ausgeprägten Bauchmuskeln oder die Oberarme. Schade eigentlich, es wäre interessant gewesen, wie weit ich dieses Spielchen hätte treiben können. 

„Ich bin hier schon richtig“, antwortete sie und verringerte den Abstand zwischen uns. Ich grinste kalt und begutachtete sie eingehend. Es war schon eine Weile her, seit wir uns das letzte Mal begegnet waren, bestimmt schon zwei Jahre oder mehr. Hier, in der abgedunkelten Werkstatt, umgeben von Autos, Reifen und dem Geruch von Motorenöl, kam sie mir mit ihrem hellblonden, schulterlangen Haar und der zarten, fast schon durchscheinenden Haut vor wie eine überirdische Erscheinung. Sie sagte kein Wort mehr, dafür erwiderte sie meine taxierenden Blicke. Das irritierte mich. Ich gab es ja ungern zu, aber in gewisser Weise schüchterte sie mich ein. Cathy schien immer irgendwie über den Dingen zu stehen, wirkte stets so sauber und adrett. Mit ihrer Anwesenheit erhellte sie diesen verdreckten Ort, als wäre sie ein Silberstreif am Horizont.
Mir waren meine eigenen Gedanken peinlich, genauso wie die unwillkommene Verwirrung, die ihre Gegenwart in mir auslöste. Vor allem, als sie immer näher an mich heranrückte. Trotz der Schwüle in der Halle verströmte sie einen leichten, blumigen Duft, der sich wie ein sanfter Hauch über alles legte, was sich in ihrer Reichweite befand. Dieser verlockende Cocktail aus Frau und lieblicher Unschuld strömte aus sämtlichen Poren ihrer Haut. Als wäre Parfüm etwas für Dummköpfe, die ihr Geld sinnlos aus dem Fenster warfen. Cathys ganz eigene persönliche Note konnte mühelos mit all diesen zusammengepantschten Duftwässerchen mithalten, die massenhaft zu völlig überteuerten Preisen in den Regalen der Kaufhäuser herumstanden. Abwartend sah ich sie an, lauerte darauf, dass sie endlich das Wort ergriff.
Nun, den Gefallen tat sie mir tatsächlich und der Klang ihrer melodischen Stimme fuhr mir direkt in den Schwanz … verdammt noch mal.
„Ich muss sagen, das ist mal ein reizender Empfang nach so langer Zeit“, sie und lächelte, was mich ehrlich gesagt nur noch mehr verwirrte. „Ich freu mich trotzdem, dich wiederzusehen, Zac.“
Bildete ich mir das nur ein oder stieg die Temperatur gerade um ein paar Grad an? Jedenfalls wurde mir noch wärmer. Das wühlte mich dermaßen auf, dass ich ihren verheißungsvollen Augenaufschlag mit klirrender Kälte erwiderte. Eine verführerisch lächelnde Cathy Kilbourne – ich litt ganz sicher unter Wahnvorstellungen.
Verärgert, weil ich mich so irremachen ließ, zog ich meine Augenbrauen zu einer grimmigen Linie zusammen und spürte, wie die leise Ungeduld, die ich schon den ganzen Tag über in mir fühlte, sich zu einem ärgerlich drückenden Knoten in meinem Magen formte.
„Lass den Scheiß, und sag mir einfach, was du hier willst.“
Ich war schlichtweg sauer über ihre Anwesenheit. Wie zum Teufel sollte ich ihr aus dem Weg gehen, wenn sie es nicht genauso handhabte? Mein Blick musste wohl etwas Mörderisches ausstrahlen, denn Cathy brachte sich mit zwei Schritten rückwärts aus meiner unmittelbaren Reichweite. Gleich darauf hob sie die Hände, als wollte sie sich ergeben.
„Meine Güte, Zac, jetzt stell dich nicht so an. Du könntest wenigstens so tun, als ob du dich über meine Rückkehr freust.“
„Soll ich jetzt Freudentänze veranstalten, weil sich die Eisprinzessin von Milton Oaks dazu herablässt, mit mir zu reden?“
Sie runzelte die Stirn. Offensichtlich hatte sie sich eine andere Reaktion erhofft, oder sollte ich lieber sagen: erwartet.
„Ich sehe schon, wir machen genau da weiter, wo wir aufgehört haben. Dabei hatte ich angenommen, du wärst inzwischen erwachsener geworden. Aber du führst dich immer noch auf wie ein Vorstadt-Rambo.“
Scheiße, damit hatte sie mich am Wickel. Ich hasste es, dass mich alle in diese Schublade steckten, nur weil ich vor ein paar Jahren ein bisschen die Kontrolle über mich verloren und Mist gebaut hatte. Doch ich war ja nicht der Einzige gewesen. Nur mir trug man das noch heute nach. Als ob ein paar Schlägereien und Vandalismus gleichbedeutend wären mit einer rabenschwarzen Seele.
Und dann kam dieses blonde Prinzesschen daher und machte sich über mich lustig. Cathy hatte schon immer etwas an sich gehabt, das mich herausforderte und meine Geduld strapazierte. Es war nichts Sexuelles. Dieses kaum benennbare Etwas, das uns miteinander verband, ging viel tiefer. Ich verglich sie gern mit einer wunderschönen und voll erblühten Rose, nach der man die Hand ausstreckte, um sie zu pflücken und ihren betörenden Duft einzuatmen. Doch der Wunsch, diese Reinheit zu berühren, ließ einen nur zu schnell vergessen, wie stechend und verletzend ihre Dornen sein konnten.
Cathys effektivste Waffe war ihre spitze Zunge. Sie war in der Lage, lange und tiefe Kratzer im Selbstbewusstsein eines Mannes zu hinterlassen – ganz sicher eine Eigenschaft, die sie von ihrer schrecklichen Mutter geerbt hatte. Eines musste ich ihr positiv anrechnen: Cathy zielte mit ihren verbalen Spitzen nie unter die Gürtellinie. Ob aus Anstand oder aus falscher Scham heraus, konnte ich allerdings nicht einschätzen. Aber eines wusste ich mit Bestimmtheit: Sie war eine prüde Vorstadtblume in ihrer reinsten Form und somit das Symbol für alles, was ich nicht ausstehen konnte.
Schroff fuhr ich mir durchs Haar. „Du kannst dich hier aufregen, so viel du willst, aber wenn du an einen Ort gehst, an dem du nicht willkommen bist, dann musst du damit rechnen, dass man dich das spüren lässt.“
Entrüstet kräuselte sie die kleine Nase. „Du hast dich wirklich kein bisschen verändert. Ich weiß schon, was du vorhast. Du willst mich in Verlegenheit bringen.“ Hochmütig spitzte sie die vollen Lippen. „Tja, ich muss dich leider enttäuschen. Das wird dir nicht gelingen.“ Nun schenkte sie mir einen hoheitsvollen Blick. „Ich verzeihe dir deine Unverschämtheit.“
Ihr gönnerhafter Ton kotzte mich so an, dass ich sie nur noch sprachlos ansehen konnte. Sie lief derweil in der Werkstatt herum und sah sich um, als würde ihr der Laden gehören. Schließlich blieb sie vor einem Ford mit offener Motorhaube stehen, dann drehte sie sich schwungvoll um. „Stör ich dich etwa gerade beim Arbeiten?“, fragte sie unschuldig.
Sie hatte wohl Lust auf Small Talk. Eine ziemlich sinnfreie Beschäftigung für zwei Menschen, die eigentlich nichts gemeinsam hatten, außer dem gleichen Wohnort.
„Schlaues Mädchen, ich hätte nicht gedacht, dass du so schnell draufkommst“, spottete ich und verschränkte die Arme vor der Brust. „Was sollte ich hier deiner Meinung nach sonst tun? Mich mit Öl einreiben und an den Autos räkeln wie ein Boxenluder?“
Statt auf meinen spöttischen Kommentar einzugehen, ließ sie die Hand verspielt über das Dach des Fords gleiten. Sofort stieg in mir das Bild eben dieser Hand auf, wie sie liebkosend über eine nackte Männerbrust strich. Und zwar über meine. Scheiße.
Ich schluckte und flüchtete mich in mein typisch schnoddriges Verhalten ihr gegenüber, weil ich mit derartigen Fantasien über sie nicht umgehen konnte.
„Hör mal, ich habe noch zu tun. Ich habe keine Zeit für Privatgespräche.“
„Soll ich dir jetzt eine Runde Mitleid spenden, weil du bei dieser Hitze in dieser heißen Halle schuften musst?“, fuhr sie gut gelaunt fort, nahm die Hand vom Autodach und kam dann auf mich zu.
Uns trennte nur noch ein knapper halber Meter, als sie stehen blieb, ein rätselhafter Schimmer lag in ihren eisblauen Augen. Ihr Blick wanderte von meiner nackten Brust zu meinem Hals und blieb auf meinem Gesicht hängen. Mein Magen überschlug sich förmlich, und ich schluckte die plötzlich aufkommende Erregung hinunter, bevor mir ihr nächster Satz endgültig den Boden unter den Füßen wegzog.
„Es ist wirklich schade, dass du mich nicht hierhaben willst, ich dachte nämlich, wir beide könnten das Kriegsbeil begraben und Freunde werden.“
Sie sprach betont liebenswürdig und streckte mir zu meiner Verblüffung die Hand entgegen. Anstatt mich darüber zu freuen, von ihr endlich wie ein Mensch behandelt zu werden, blieb ich misstrauisch. Ich senkte den Kopf und starrte auf ihre zarten Finger. Sollte ich ihr Friedensangebot annehmen und ihr die Hand geben? Ich tendierte eher zu Nein. Cathy war noch nie sonderlich nett zu mir gewesen. Warum fing sie ausgerechnet jetzt an, sich für mich zu interessieren? Nach all diesen Jahren?
Je mehr Zeit verstrich, ohne dass ich ihre ausgestreckte Hand ergriff, umso sichtbarer wich das Lächeln aus ihrem Gesicht. Sie senkte den Arm und verzog die Lippen zu einem spröden Lächeln.
„Dann also nicht. Wie du willst“, presste sie hervor. „Mir hätte gleich klar sein müssen, dass jemand wie du sich nicht an die einfachsten Regeln hält.“
Jemand wie ich? Fing sie wieder mit dem Scheiß an! Es war immer das Gleiche. Mit einem geschickt gestreuten Satz war sie in der Lage, mich dermaßen auf die Palme zu bringen, dass ich innerhalb weniger Sekunden die Fassung verlor. Sogar jetzt, in diesem Augenblick, fraß sich ihr abschätziger Blick in mein Gedächtnis und verankerte sich unauslöschlich in meinem Gehirn.
„Ich scheiß auf deine Regeln, spar dir das Gelaber für deine zukünftigen Schüler. Mir tun die jetzt schon leid, wenn sie dich jeden Tag ertragen müssen.“
Sie holte scharf Luft und grub ihre strahlend weißen Schneidezähne in ihre volle Unterlippe. Der Anblick machte mich irgendwie scharf und lenkte mich erfolgreich von meinem schlechten Gewissen ab, weil meine Bemerkung ziemlich unter der Gürtellinie gewesen war. Allerdings wurde es Zeit für einen ausgedehnten Fick mit Scarlett Newport, wenn ich anfing, sexuelle Erregung wegen Cathy Kilbournes kirschrotem Mund zu empfinden.
„Das war wirklich gemein von dir, Morrison“, quetschte sie mühsam hervor, auf einen Wutanfall wartete ich jedoch vergeblich. Ich fragte mich, was wohl passieren müsste, damit sie all ihre Gefühle einfach mal zulassen und mich anbrüllen würde, so wie es jeder normale Mensch in dieser Situation getan hätte.
„Gemein ist mein zweiter Vorname und du bist eben ein dankbares Opfer“, ätzte ich und versuchte nicht daran zu denken, dass ich mich kein Stück besser verhielt als die Leute, die mir zugesetzt hatten. Genervt, von ihr und vor allem von mir selbst, verdrehte ich die Augen.
„Cathy, wieso hörst du nicht auf, so kindisch zu sein, und sagst, was du willst? Damit wäre uns beiden geholfen.“
„ICH. BIN. NICHT. KINDISCH!“
Okay, so langsam bröckelte die Fassade. „Ach nein? Komisch, das ist irgendwie nicht bei mir angekommen.“ Ich seufzte übertrieben. „Aber was soll’s. Meinetwegen kannst du hierbleiben, bis du Wurzeln schlägst. Ich werde dich einfach ignorieren, das dürfte mir nicht weiter schwerfallen.“
Ich war mir ziemlich sicher, dass sie auf dem Absatz umdrehen und davonrauschen würde. Sekunden verstrichen und sie blieb stehen. Scheiße, was sollte ich jetzt machen? Hilfe suchend sah ich zum Verbindungsfenster. Doch außer der weiß gestrichenen Wand im Hintergrund, behängt mit unzähligen Urkunden aus Ambroses aktiver Zeit als Mechaniker, dem immer noch hoffnungslos überfüllten Schreibtisch sowie dem fest verschlossenen Aktenschrank war nichts zu sehen. Ambrose war ausgeflogen, ohne dass er mir etwas davon gesagt hatte. Demzufolge war ich mutterseelenallein mit einer Person, die ich am liebsten von hinten sah. Allerdings nicht, um ihr auf den Arsch zu glotzen.
Mit steigendem Unbehagen merkte ich, wie Miss Sauberfrau süffisant lächelnd auf meinen Oberkörper glotzte. Mich weiblichen Blicken auszusetzen, machte mir prinzipiell nichts aus, ich schämte mich nicht für meinen Körper und konnte mich sehen lassen. Es war vielmehr der herablassende Zug um ihren Mund, der mich störte, während sie mich einer genauen Musterung unterzog. Das war so typisch für sie. Sie kam hier reingeschlichen, sah aus wie aus dem Ei gepellt und machte ein Gesicht, als hätte sie die Weisheit mit Löffeln gefressen.
Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus. „Hör mal, du hattest deinen Spaß, aber ich kann hier wirklich keine Zuschauer gebrauchen. Entweder sagst du jetzt endlich, was du willst, oder du schwingst deinen Arsch hier raus. Ansonsten sehe ich mich gezwungen, ein bisschen nachzuhelfen.“
Diese Drohung ließ sie völlig kalt.
„Als ob du dich trauen würdest, mich hier rauszuwerfen!“, meinte sie und wiegte sich in selbstgefälliger Sicherheit. „Hunde, die bellen, beißen nicht. Außerdem hast du doch viel zu viel Angst vor deinem Onkel. Dem würde es sicher nicht gefallen, wenn du in seiner Werkstatt handgreiflich wirst.“
Dieses gemeine Biest! Genau das war der Grund, warum ich sie nicht leiden konnte. Ich sparte mir eine passende Antwort und verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust, bis sich mein Bizeps nach außen wölbte. Ihr Blick flatterte kurz zu der Stelle und dann hielt sie plötzlich den Mund und schnappte nach Luft. Aha, anscheinend stand Miss Sauberfrau tatsächlich auf ein paar ordentliche Muskeln.
Während sie kurzzeitig abgelenkt war, nutzte ich die Gelegenheit, um sie genau unter die Lupe zu nehmen. Ich gab es ja ungern zu, aber sie sah gut aus, wenn man die fehlenden Titten unter ihrer Bluse mal außen vor ließ. Mit unfreiwilliger Neugier wanderte mein Blick weiter über sie und ich fällte fachmännisch mein Urteil. Cathy hätte wirklich mehr aus sich machen können, versteckte sich aber hinter ihrem seriösen Auftreten, harmlosen Blusen und braven Röcken. Sie war der Typ Frau, den man seinen Eltern gerne als zukünftige Schwiegertochter präsentierte. Ein bisschen bieder und vor allem unglaublich gewissenhaft. Allerdings hatte sie verdammt aufregende, hellblaue Katzenaugen, die in ihrem ansonsten eher blassen Gesicht herausstachen. Dieser unterkühlte Blick verlieh ihr Sex-Appeal. Sie konnte einen Kerl auf ziemlich unanständige Gedanken bringen, falls man es schaffte, ihren Doris-Day-Style auszublenden.
Sie merkte, dass ich sie abcheckte. „Und, hast du dein Urteil über mein Äußeres schon gefällt oder soll ich mich einmal drehen?“
Oha, sie fuhr also die Krallen aus. Grinsend ergriff ich die Enden des Handtuchs, das noch um meinen Hals hing.
„Nicht nötig, ich habe alles gesehen, was es zu sehen gibt.“
„Bist du dir da wirklich sicher?“
Wow, was wurde denn das? Mühsam löste ich mich aus diesem merkwürdigen Bann und zog die Mundwinkel geringschätzig nach unten.
„Mach dir bloß keine Hoffnungen, Kilbourne. Ich steh nicht auf dich.“
„Oh bitte, als ob ich es darauf anlegen würde, dich anzumachen. So nötig werde ich es nie haben“, schoss sie zurück und in ihren Augen blitzte auf einmal so was wie Temperament auf. Ein krasser Gegensatz zu ihrem sonst so kontrollierten Wesen. Überheblich wie immer stand sie inmitten dieser mit Testosteron geschwängerten Umgebung und wirkte so fehl am Platz wie ein Farbiger auf einer Versammlung des Ku-Klux-Klan. Doch anstatt sich beleidigt zurückzuziehen, drehte sie den Spieß einfach um. Mit ihrer angeborenen Arroganz ließ sie die Augen kritisch über das Chaos hier wandern. Ich verspürte sofort den bescheuerten Drang aufzuräumen und hätte mir dafür am liebsten selber in den Arsch getreten, weil es mir ja egal sein konnte, ob sie die Unordnung hier störte. Ungeduldig sah ich auf die Uhr und registrierte mit Schrecken, wie spät es schon war. Ich hatte gleich Feierabend, außerdem musste die von Ambrose angekündigte Kundin jeden Moment aufkreuzen, um den Wagen abzuholen. Nur machte Cathy leider keine Anstalten zu gehen.
„Sag mal, bist du taub oder brauchst du es schriftlich? Ich möchte, dass du jetzt gehst!“
Gelassen warf sie ihr Haar über die Schultern zurück und tat so, als würde sie interessiert ihre perfekt manikürten Fingernägel betrachten. Gott, sie ging mir ja so was von auf die Nerven …
Ich war so sauer, dass ich schon gar nicht mehr wusste, wohin mit mir selbst. Cathy ging mir unter die Haut, so tief, als wollte sie in mich hineinschlüpfen. Unbehaglich fragte ich mich, wo dieses Gespräch noch enden würde. Wir waren allein hier, niemand weit und breit in der Nähe. Also die besten Voraussetzungen für eine üble Auseinandersetzung, die sich im Moment noch im Anfangsstadium befand. Wieso zum Teufel ging sie nicht einfach? Als sie mir ein blasiertes Lächeln schenkte, verlor ich endgültig die Beherrschung.
„Verdammte Scheiße, verschwinde endlich wieder dahin, wo du hergekommen bist. Du bist hier nicht erwünscht, und wenn es meine Werkstatt wäre, dann würde ich dich packen und an den Haaren rauschleifen, damit ich deinen Anblick nicht länger ertragen muss.“