Cowboy sucht Frau: Cowboy sucht Frau

Erschienen: 06/2015
Serie: Cowboy sucht Frau
Teil der Serie: 2

Genre: Contemporary Romance, Romantic Comedy
Zusätzlich: Vanilla, Western Romance

Location: USA

Seitenanzahl: 316


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-159-6
ebook: 978-3-86495-160-2

Preis:
Print: 12,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Cowboy sucht Frau: Cowboy sucht Frau


Inhaltsangabe

Das Liebeskarussell auf der Blueberry Ranch dreht sich gewaltig, doch statt sich für die Kandidatinnen zu interessieren, konzentrieren sich die beiden Coleman-Brüder viel lieber auf ihre Streitereien mit Jane und Rachel.
Als der beunruhigte Senderchef Jason Finch mit seiner verhassten Chefredakteurin Rebecca Olson auf der Ranch auftaucht, ist das Chaos perfekt und nichts läuft mehr so, wie es anfangs geplant war ...

Teil 2 des Zweiteilers "Cowboy sucht Frau".

Über die Autorin

Die Autorin wurde 1977 in einer schwäbischen Kleinstadt geboren und lebt heute glücklich mit Mann und Kind in einem idyllischen Dörfchen nahe der Donau. Lange Jahre arbeitete sie als Erstkraft in der Parfümerie einer Einzelhandelskette. Ein Beruf, den sie für...

Weitere Teile der Cowboy sucht Frau Serie

Leseprobe

Jason Finch drückte das Gaspedal seines Porsche Cayenne durch und überlegte, wie viele Jahre Knast er sich einhandeln würde, wenn er Rebecca mit Steinen beschwert im nächsten Fluss versenkte. Sie nervte, und das so penetrant und nachhaltig, dass er ihre quengelnden Kommentare einfach nicht ignorieren konnte. Mittlerweile bereute er, sie dazu gezwungen zu haben, ihn auf diesem Trip zu begleiten.
Nachdem er ihre Wohnung verlassen hatte, um im Wagen auf sie zu warten, kam sie schon nach zehn Minuten runter, in Jeans und schlichtem weißen Shirt. Sie setzte sich wortlos neben ihn auf den Beifahrersitz, nachdem sie ihren Koffer hinten...

...im Rückraum verstaut hatte. Zuerst war sie recht still gewesen, doch sobald sie Denver hinter sich gelassen hatten, ging das endlose Gemecker los. Über die Größe seines Wagens, seinen Fahrstil, das Wetter, selbst die Sonne störte sie, weil sie ihre Sonnenbrille vergessen hatte.
Anfangs schaffte er es wegzuhören. Sie schmollte, legte dann aber mit neuer Energie los und beschwerte sich über alles mögliche. Erst fuhr er zu schnell, dann wieder zu langsam, dann war ihr zu heiß, im nächsten Augenblick wieder zu kalt. Als Nächstes gefiel ihr sein bevorzugter Musiksender nicht und sie wechselte andauernd die Kanäle, meistens, kurz bevor das betreffende Lied zu Ende war. Ein unbefriedigendes Gefühl, als würde man jemanden zwingen, kurz vor dem Orgasmus aufzuhören und wieder von vorn anzufangen.
Rebecca Olson machte ihn rasend und seine Geduld hing an einem dünnen Faden, so ausgelaugt, wie er sich gerade fühlte. Immerhin war er erst gegen sechs Uhr früh in seiner Wohnung angekommen, völlig übermüdet und mit einer Stinkwut im Bauch, weil sie einfach abgereist war, ohne ihm wenigstens eine kurze Nachricht zu hinterlassen.
Nachdem er die Anzüge gegen ein paar freizeittauglichere Kleidungsstücke ausgetauscht hatte, war er sofort zu ihr gefahren, und nun befanden sie sich bereits auf der Interstate Richtung Castle Rock. Mit etwas Glück würden sie gegen halb zehn in Cherry Springs ankommen.
„Du weißt schon, dass du zu schnell unterwegs bist?“
Ihr süffisanter Tonfall machte ihn rasend, doch er zwang sich zu einer gelassenen Antwort. „Wenn du das sagst, dann wird es wohl so sein.“
Nicht, dass sie das in irgendeiner Weise tangiert hätte, sie stichelte einfach weiter. „Weißt du, die Regierung hat die Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht umsonst eingeführt.“
Okay, das reichte. „Das ist mir scheißegal“, knurrte er ungnädig und betete um Selbstbeherrschung, damit er nicht anhielt und ihr den hübschen Hals umdrehte.
„Hast du eine Ahnung, wie viele Schadstoffe du mit so einem riesigen Auto in die Luft schleuderst?“
Okay, er war nur einen Fingerbreit davon entfernt, sie am Straßenrand auszusetzen.
„Könntest du vielleicht mal die Klappe halten? Ich muss mich konzentrieren.“
„Tu das mal, ich bin mir nämlich sicher, dass du dich verfahren hast“, erwiderte sie unüberhörbar selbstzufrieden.
Seit er irgendwo falsch abgebogen war und ziemlich planlos durch die Gegend fuhr, hegte er die gleiche Befürchtung, aber er hätte sich eher selbst kastriert, als das zuzugeben. Nun bereute er seinen Spleen, aus Prinzip kein Navigationsgerät im Auto zu haben. Jason war ein überzeugter Gegner dieser Dinger, weil er die Meinung vertrat, ein echter Mann müsse auch ohne technische Hilfsmittel in der Lage sein, sich zurechtzufinden. Früher gab es so was auch nicht und die Leute erreichten trotzdem ihr Ziel. Dass er selbst sein Vermögen mit Computerspielen und moderner Technik erwirtschaftet hatte, spielte für ihn keine Rolle. Ein echter Kerl brauchte keinen Wegweiser. Punkt.
Doch seit sie kurz nach Castle Rock von der Interstate auf eine Landstraße abgebogen waren, hatte er das Gefühl, ständig im Kreis zu fahren. Rebecca war natürlich intelligent genug, um das zu merken, und die fehlende Beschilderung frustrierte ihn zusätzlich. Innerlich verfluchte er diese verdammte Fernsehsendung. Er könnte jetzt gemütlich auf seiner Dachterrasse frühstücken und von dort aus den Ausblick auf Denver genießen. Stattdessen gondelte er hier in dieser gottverlassenen Gegend herum und musste sich Rebeccas endlose Tiraden anhören.
Gleich darauf hörte er sie wohlig Seufzen. Misstrauisch warf er einen Blick auf sie und keuchte entgeistert auf. Rebecca hatte ihre Schuhe ausgezogen und ihre nackten Füße auf die edle Ablage seines Cayenne gelegt.
Unschuldig grinste sie ihn an. „Du hast doch nichts dagegen, oder?“
Er schluckte eine böse Bemerkung herunter, weil er sich vor ihr keine Blöße geben wollte. Also tat er so, als wäre alles in bester Ordnung und starrte stur nach vorn, auch wenn es in ihm rumorte. Ruhig, lass dich nicht von ihr provozieren.
„Sag mal, wann willst du eigentlich zugeben, dass du dich verfahren hast?“, fragte sie ihn plötzlich und strich sich mit einem feinen Lächeln eine rote Haarsträhne hinters Ohr. Seine Antwort bestand aus einem vernichtenden Blick, doch sie ließ sich keineswegs davon beirren und grinste. „Ehrlich, du kannst es ruhig zugeben, da ist doch nichts dabei. Ich sehe dir doch an, dass du überhaupt keine Ahnung hast, wo wir sind.“
Ihr vermeintlich freundlicher Tonfall täuschte ihn nicht. Sie machte sich über ihn lustig. Verdammt. Er war müde, sein Magen beschwerte sich knurrend über das fehlende Frühstück und seine Blase drückte fürchterlich. Der Drang zu pinkeln wurde immer unangenehmer, und wenn sie die Blueberry Ranch nicht bald erreichten, würde er sich wohl einen hübschen Baum suchen müssen.
Gereizt nahm er eine Hand vom Steuer und fuhr sich durch das kurz geschnittene schwarze Haar. Früher hatte er es lang getragen. Seine Mitschüler hatten ihn deswegen immer als Hippie beschimpft und ihn ausgelacht, während sich die anderen Jungs alle diese einheitlichen Kurzhaarschnitte zugelegt hatten, die zu jener Zeit so in gewesen waren. Auch die dicke Brille hatte er zwischenzeitlich gegen Kontaktlinsen ausgetauscht und er fragte sich, ob Rebecca ihn ohne diese Veränderungen erkannt hätte. Immerhin waren seitdem viele Jahre vergangen; auch sie hatte sich optisch verändert, das Haar trug sie kürzer und ihre Gesichtszüge hatten den weichen Schwung der Jugend verloren. Was sie nur noch attraktiver machte.
Nein, sie würde mich wahrscheinlich trotzdem nicht erkennen, dachte er und schluckte ein verbittertes Lachen herunter. Rebecca hatte ihn nie richtig wahrgenommen, bis auf diesen einen verhängnisvollen Nachtmittag, der sein ganzes Leben unwiderruflich verändert hatte. Heute war er ein anderer Mensch, sowohl optisch als auch charakterlich.
Mit dem Jungen von damals verband ihn rein gar nichts mehr, noch nicht einmal der Name. Wie sollte sie also ihn mit dem blassen, schüchternen Nerd von damals in Verbindung bringen? Absolut unmöglich.
Jason verlor sich für einen kurzen Moment in der Vergangenheit, ehe er mit einer Spur Ironie in der Stimme auf ihre Behauptung antwortete.
„Liebe Rebecca, es kann keine Rede davon sein, dass ich mich verfahren habe. Es dauert nicht mehr lange, ehe wir die Ranch erreichen“, log er schamlos und hoffte, dass er wenigstens in die richtige Richtung fuhr.
„Du schwindelst doch!“, antwortete sie ohne Zögern. „Sobald wir an einem Haus oder einer Tankstelle vorbeifahren, frage ich nach dem Weg, dann hat dieses Drama endlich ein Ende.“
„Einen Teufel wirst du tun!“, fuhr er sie an und sie stieß völlig unerwartet einen Schrei der Verzweiflung aus.
„Herrgott noch mal, warum weigert ihr Kerle euch immer, nach dem Weg zu fragen? Es wird dir schon kein Zacken aus der Krone brechen, wenn du ein wenig Hilfe in Anspruch nimmst, wenn du schon zu geizig bist, um dir ein Navigationsgerät für deinen superteuren Luxusschlitten zu leisten.“
Jason konnte es natürlich nicht auf sich sitzen lassen, dass sie ihn so offen anblaffte. Er war immer noch ihr Boss, und sie behandelte ihn wie einen blöden Idioten. Genau wie damals …
„Wenn du deine Leute besser im Griff hättest, dann wäre ich gar nicht gezwungen, mich durch diese Einöde zu kämpfen, Madame!“
Rebeccas Nasenflügel bebten. „Du wolltest mich doch unbedingt mitnehmen und hast mir keine Wahl gelassen. Also lass deine miese Laune gefälligst an jemand anderem aus. Und wenn du anfängst, mir Unfähigkeit in meinem Beruf zu unterstellen, dann lernst du mich erst richtig kennen.“
„Drohst du mir etwa?“ Er gab sich Mühe, gelassen zu klingen, doch in ihm drin brodelte es gewaltig. Er wusste nicht, ob er sie küssen oder ihr lieber den süßen Hintern versohlen sollte.
Sie lächelte spöttisch. „Wenn du dich von einer Frau bedroht fühlst, nur weil sie ihre Meinung sagt, dann hast du größere Probleme, als ich dachte, Finch.“
Ihre Lästerei ging ihm gegen den Strich, seine Hände zitterten und er hatte Mühe, den Wagen in der Spur zu halten. Sogar seine Stimme bebte, als er weitersprach. „Ich schwöre dir eines, Rebecca. Wenn wir auf der Ranch sind und ich auch nur annähernd das Gefühl bekomme, dass diese Sendung zum Scheitern verurteilt ist, dann streiche ich dir sämtliche Gelder für die Produktion und schicke alle nach Hause. Ist das klar? Und weißt du, was ich dann machen werde?“
„Ich bin sicher, du wirst es mir gleich sagen“, antwortet sie patzig, doch in ihren Augen lag ein wacher Ausdruck. Sie machte sicher nicht den Fehler, ihn zu unterschätzen.
„Ich schmeiß dich aus dem Sender“, teilte er ihr mit und lächelte kalt.
Sie zuckte nicht mal mit der Wimper, sondern lachte lauthals.
„Kannst du mir bitte sagen, was daran so witzig sein soll?“, brüllte er haltlos und konnte es nicht fassen. Da drohte er ihr mit Rausschmiss und sie kicherte, als hätte sie zu viel Gras geraucht. Diese Frau war eindeutig verrückt.
Nachdem sie sich ein klein wenig beruhigt hatte, wischte sie sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln und bedachte ihn mit einem milden Blick, der ihn nur noch mehr aufbrachte. Verdammt, sie sah nicht mal ansatzweise eingeschüchtert aus! Ziel verfehlt, Finch!
„Jason, wir wissen doch beide, dass du viel zu scharf auf mich bist, um mich zu entlassen.“
Sie sagte das mit einer Ruhe, die ihn verblüffte und herausforderte. „Es stimmt, du reizt mich durchaus, aber nicht genug, um dich länger als nötig in meiner Nähe zu ertragen.“
Rebecca hob nur die Augenbraue leicht an. „Du spielst mit mir, Jason, das ist mir in New York klar geworden. Du wirst mich nicht feuern. Nicht, bevor du das hast, was du willst, und ich schwöre dir, ich kriege noch raus, was genau das ist.“
Ihre Stimme floss förmlich über vor Spott, und Jason wurde noch wütender. Sie drehte den Spieß einfach um und stellte sich als unfehlbar dar. Sie hatte sich wirklich kein bisschen verändert, war nach wie vor arrogant und von sich selbst überzeugt. Nichtsdestotrotz war er von ihrer Scharfsinnigkeit beeindruckt. Man durfte eben nie den Fehler begehen und seinen Gegner unterschätzen. Genau das hatte er getan und kassierte prompt die Quittung dafür. Sie ahnte, dass etwas faul war, tappte aber noch im Dunklen, und das würde er sich zunutze machen.
„Du täuschst dich, Herzchen. Die Sache im Hotel war ein bedauerlicher Ausrutscher, mir war langweilig und du warst eben verfügbar. Und was deinen Job angeht … du bist nur noch Programmchefin, weil ich es so will. Denkst du wirklich, wenn ich ernsthaft versucht hätte, dich loszuwerden, dann wärst du noch da? Wach auf, Rebecca! Wenn ich es wirklich darauf anlegen würde, wärst du innerhalb weniger Stunden weg.“
Sie verdrehte die Augen.
„Träum weiter, Jason. Du und deine Anwälte, ihr habt mir lange genug das Leben schwer gemacht, aber mein Vertrag ist eindeutig und wasserdicht. Wenn ich dem Sender nicht vorsätzlich schade, bleibe ich dir noch die nächsten fünf Jahre erhalten. Also hör auf, mir zu drohen, und konzentrier dich lieber auf die Straße. Da vorn steht übrigens ein Wagen am Straßenrand. Vielleicht bist du einmal im Leben vernünftig und fragst den Fahrer nach dem Weg. Sonst kommen wir nie in Cherry Springs an.“
Sie hatte recht und er wusste das. Doch die Schwierigkeiten bei der Produktion konnten seine Ausgangsposition stärken und sie mundtot machen. Möglicherweise reichte es nicht, um sie nicht feuern, aber er konnte ihre Kompetenzen beschneiden. Vielleicht würde er sie zu seiner persönlichen Assistentin machen? Sie könnte Kaffee kochen, Kopien machen, die er gar nicht brauchte, und irgendwelche stupiden Botengänge für ihn erledigen. Es steigerte seine Laune beträchtlich, sich das vorzustellen, und mit ein bisschen Glück würde Rebecca Olson bald schnurren wie ein zahmes Kätzchen, anstatt mit gesträubtem Fell die Krallen an ihm zu wetzen.
„Du bist ja auf einmal so ruhig?“, lästerte sie selbstzufrieden.
„Ich habe nur an die Zukunft gedacht und daran, dass ich noch nicht mal ansatzweise meine Möglichkeiten ausgeschöpft habe, um dir das Leben zur Hölle zu machen.“
Sie würdigte diesen Kommentar nicht mit einer Antwort und er hielt den Wagen an. Neugierig besah er sich den roten Dodge Laramie.
„Da rührt sich niemand“, meinte sie. „Vielleicht solltest du lieber weiterfahren, das kommt mir komisch vor.“
Er warf ihr einen langen Blick zu. „Hast du Angst um mich?“
Rebeccas empörtes Schnauben amüsierte ihn. „Quatsch, ich bin nur vorsichtig. Man hört doch so viel.“
Jason grinste verstohlen in sich hinein und drückte die Wagentür auf.
„Was hast du denn jetzt vor?“, fragte Rebecca aufgeschreckt.
„Ich werde nachsehen, was da los ist. Vielleicht braucht ja jemand Hilfe“, erklärte er ruhig und sah, dass sie sich hektisch abschnallte.
„Warte, ich komme mit!“, rief sie aus und murmelte etwas leiser: „Dass Männer immer die Helden spielen müssen. So was Idiotisches.“
Gemeinsam pirschten sie sich an den Wagen heran. Nachdem Rebecca einen Blick auf das schlafende Pärchen werfen konnte, entfuhr ihr ein wenig damenhafter Fluch.
Sie klang entsetzt, während er am liebsten gejubelt hätte, doch in Anbetracht der Tatsache, dass das Pärchen da drin schlief und er die beiden nicht zu Tode erschrecken wollte, ließ er es bleiben. Da drinnen saßen bzw. schliefen eng umschlungen Rachel Parker und einer der Coleman-Brüder. Die beiden wirkten sehr vertraut, beinahe wie ein Pärchen. Kein Wunder, dass Ms. Billings so beunruhigende Nachrichten verschickt hatte. Der Kerl bändelte anscheinend lieber mit einem Mitglied des Fernsehteams an, anstatt sich um eine der Kandidatinnen zu bemühen. Wenn das keine wundervollen Nachrichten waren!
Grinsend wandte er sich an Rebecca. „So, jetzt bin ich gespannt, ob du mir das“, er deutete auf Rachel und den schlafenden Cowboy, „erklären kannst.“
„Ich bin sicher, es ist nicht so, wie es aussieht.“
Rebeccas mühsam herausgepresste Rechtfertigung brachte ihn zum Lachen. „Ach ja? Ich hätte dich nicht für so naiv gehalten.“
Endlich hatte er Rebecca da, wo er sie haben wollte, und er kostete seinen Triumph weidlich aus. Aus dieser Sache würde sie sich nicht so einfach herauswinden können, und obwohl sie in diesem speziellen Fall gar nichts dafür konnte, würde das auch für sie und ihre Stellung im Sender weitreichende Konsequenzen haben. Manchmal spielte das Leben eben doch fair.
„Ich würde sagen, du bist in echten Schwierigkeiten.“ Grinsend beobachtete er, wie die Insassen des Wagens sich langsam rührten.
„Sie wachen auf“, erklärte er und fügte hinzu: „It’s showtime, Baby.“

Rachel kuschelte sich dichter an die unbekannte Wärmequelle und schnurrte fast vor Behagen. Sie schlief beinahe wieder ein, als sie unsanft an der Schulter gerüttelt wurde. „Hey, Rachel, wach auf!“, flüsterte eine Männerstimme ganz dicht an ihrem Ohr. Sie knurrte unwillig.
„Lass mich in Ruhe, ich will weiterschlafen!“
Trotzig kniff sie die Augen noch fester zusammen, fest entschlossen, sich nicht aus ihrer schläfrigen Stimmung reißen zu lassen. Noahs Brust war der bequemste Ort, den man sich vorstellen konnte, und sie wollte dieses Gefühl der Geborgenheit noch ein wenig länger genießen.
„Rachel, meine Beine sind eingeschlafen und wir sind nicht mehr allein. Neben dem Wagen steht ein komisches Pärchen und starrt uns an.“
Obwohl sie langsam klarer im Kopf wurde, interessierte sie das nicht die Bohne.
„Dann lass sie doch starren, die gehen schon wieder weg.“
„Rachel Parker, steig von meinem Schoß runter!“, donnerte Noah. „Die Frau da draußen sieht aus, als wollte sie jeden Augenblick die Wagentür eintreten.“
Okay, jetzt war an Schlaf nicht mehr zu denken. Tief beleidigt rutschte sie von ihm runter und warf einen flüchtigen Blick auf das ominöse Pärchen. Sofort wünschte sie sich, sie hätte eher auf Noah gehört.
„Oh Scheiße …“, entfuhr es ihr.
Rachel schluckte, als sie in das unheilverkündende Gesicht ihrer Chefin blickte. Rebecca stand nur einen Meter entfernt vor dem Dodge und wirkte alles andere als fröhlich. Und sie war nicht allein. Neben ihr befand sich Jason Finch, der sich wahrscheinlich innerlich die Hände rieb.
„Kennst du die beiden?
Rachel nickte langsam und konnte sich ungefähr ausmalen, wie verfänglich diese Situation auf Außenstehende wirken musste. Es würde mehr als nur eine gute Ausrede nötig sein, um die Sache hier zu erklären. Sie wandte sich um zu Noah, der immer noch auf eine Erklärung wartete.
„Der Mann da draußen ist Jason Finch, der Besitzer des Senders, und die Frau heißt Rebecca Olson. Sie ist die Programmchefin und für die ganze Produktion verantwortlich. Sie wollen bestimmt nach dem Rechten sehen.“
Sie schluckte schwer und überlegte fieberhaft, wie sie die Sache erklären sollte, ohne die Produktion zu gefährden. Wenn Finch ernsthaft glaubte, sie hätte etwas mit Noah – was ja auch irgendwie der Wahrheit entsprach – dann war die Sache gelaufen. Jane würde ausflippen und ihr wahrscheinlich die Freundschaft aufkündigen.
„Verdammte Scheiße“, schimpfte sie.
Noah fing an, breit zu grinsen. „Dir ist schon klar, dass ich dich jetzt in der Hand habe, kleine Lady?“
Misstrauisch kniff sie die Augen zusammen. „Wie meinst du das?“
„Das ist doch ganz einfach. Du bist in einer verfänglichen Situation, die wir ganz leicht aufklären könnten, sofern ich das will“, meinte er dermaßen selbstzufrieden, dass sie ihm am liebsten einen kräftigen Tritt in den Hintern verpasst hätte. Jetzt wurde ihr alles klar. Dieser miese Schürzenjäger wollte sie erpressen!
„Was verlangst du?“
„Ich will ein Date, Rachel. Ansonsten schmücke ich unseren kleinen Ausflug mit ein paar harmlosen Andeutungen aus.“
Er grinste dreckig und ihr lief die Zeit davon, da sich Rebecca und Finch sicher fragten, warum sie immer noch im Wagen saßen, anstatt auszusteigen und die peinliche Situation aufzuklären. Rachel gab nach, für den Moment!
„Na gut, du kriegst dein blödes Date, aber ich schwöre dir, du wirst keinen Spaß haben, und wenn ich mit dir fertig bin, dann will dich nicht mal mehr dein blöder Bulle haben, Noah Coleman.“
Nach dieser wenig ermutigenden Prophezeiung stieg sie aus, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen. Der würde schon sehen, was er davon hatte! Hatte sie letzte Nacht nicht klar und deutlich gesagt, dass sie keine Affäre wollte? Aber Mr. „Ich kann sie alle haben“ glaubte, ein lächerliches Date mit ihm würde reichen, um ihren Widerstand zu brechen.
Sie lief, noch etwas steif, auf ihre beiden Vorgesetzten zu und versuchte dabei, möglichst kein Schuldbewusstsein auszustrahlen. Ob Rebecca ihr glauben würde, war irrelevant, Finch galt es zu überzeugen, und sie wollte wirklich nicht diejenige sein, die alles in den Sand setzte, weil sie in einem schwachen Moment den grünen Augen und den Schmeicheleien von Noah Coleman erlegen war.
„Mr. Finch, Rebecca, wie schön, Sie beide zu sehen“, grüßte sie respektvoll.
Ihrer Chefin war das egal, sie kam sofort zur Sache.
„Ich will eine Erklärung, und das sofort“, fauchte sie und verschränkte die Arme vor der Brust.
Rachel fühlte sich nicht wohl in ihrer Haut. „Falls du darauf anspielst, dass ich mit Mr. Coleman in seinem Wagen übernachtet habe, dann kann ich das erklären.“
Sie merkte ja selbst, wie unglaublich trivial sich das anhörte. Rachel blickte in den Himmel, als ein lang gezogener Schrei erklang. Über ihrem Kopf kreiste ein Adler auf der Suche nach seiner Beute. Jetzt fehlte nur noch stimmungsvolle Mundharmonikamusik, um diese Situation passend zu untermalen. Sie kam sich vor wie ein Outlaw, der von zwei Kopfgeldjägern zur Verantwortung gezogen wurde. Glücklicherweise lenkte Noah ein wenig von ihrer verkrampften Begrüßung ab, denn er war ihr gefolgt und stellte sich direkt neben sie.
„Hi, ich bin Noah Coleman. Rachel hat eben erzählt, sie seien die großen Bosse aus Denver.“
Rebecca ergriff ein bisschen überrumpelt seine Hand und schüttelte sie. Zumindest schien seine offene Art gut bei ihr anzukommen und Rachel hegte die Hoffnung, er könnte überzeugend genug sein, um ihr – und damit auch Jane – den Arsch zu retten. Er begrüßte auch ihren Boss mit einem festen Händedruck. „Mr. Finch, nehme ich an. Ich schätze, Sie kommen, um nach dem Rechten zu sehen.“
Jason Finch nickte und fixierte Rachel, die automatisch die Schultern hängen ließ, in dem vergeblichen Bemühen, sich möglichst klein zu machen.
„So sieht’s aus. Und wohl keinen Tag zu früh, wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf.“
Oh, oh, er war definitiv auf Krawall gebürstet, das konnte übel ausgehen. Noah durfte keinen Fehler machen, und wehe, er erlaubte sich auch nur eine anzügliche
Andeutung, die missinterpretiert werden konnte. Sie warf ihm einen Blick zu, von dem Gary immer behauptete, sie könnte damit sogar Steine pulverisieren.
Sag jetzt bloß nichts Falsches, Coleman. Sonst kastrier ich dich mit bloßen Händen, dachte sie angespannt.
Zu ihrer allergrößten Erleichterung blieb er total ruhig. „Es gibt keinen Grund zur Sorge, Mr. Finch. Mir ist letzte Nacht der Sprit ausgegangen und keiner von uns hatte ein Handy dabei. Ich habe mir keinen Quickie mit ihrer Kamerafrau gegönnt, falls Sie das befürchten sollten.“
Goooott, musste er so frei heraus reden und Finch überhaupt erst auf solche Ideen bringen? Tatsächlich glaubte dieser Noah kein Wort, sondern grinste süffisant.
„Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass sie ohne vollen Tank durch die Gegend fahren. Erst recht nicht in einer so einsamen Gegend.“
Sie waren geliefert. Rachel schrieb im Kopf schon die ersten Bewerbungen. Noah kratzte sich indessen verlegen am Kopf.
„Ich weiß, wie blöd das klingt, aber es war tatsächlich so. Diese vielen Frauen auf der Ranch machen mich nervös“, erklärte er in verschwörerischem Tonfall und zwinkerte Finch zu. „Ich sag Ihnen was, da ist eine hübscher als die andere.“
Finch zeigte sein Pokerface; der Kerl ließ sich nicht in die Karten schauen und bohrte gnadenlos weiter. „Und wie kommt die gute Ms. Parker zu Ihnen ins Auto?“
„Gestern Abend waren wir alle in der Stadt feiern. Ms. Parker wurde schlecht, und da ich noch nichts getrunken hatte, habe ich sie gefahren. Dass wir mitten auf der Strecke liegen bleiben, war so nicht geplant.“
„Und die Umarmung?“
Rachel knirschte mit den Zähnen. Finch wollte es aber ganz genau wissen.
„Die Nächte hier sind verdammt kalt, außerdem war es bequemer so“, behauptete er lässig.
Rachel war gegen ihren Willen beeindruckt. Der Kerl konnte wirklich lügen wie gedruckt. Naja, wenn man es ganz genau nahm, war ja nur ein Teil davon gelogen. Die Sache mit dem Sprit entsprach der Wahrheit und gelaufen war tatsächlich nichts. Jedenfalls nicht sexuell. Noah Coleman hatte sich letzte Nacht wie ein wahrer Ehrenmann verhalten und sie nicht angerührt.
Nun meldete sich Rebecca zu Wort und schenkte ihrem Boss ein katzenhaftes Grinsen. „Damit wäre die Angelegenheit ja geklärt und die Dreharbeiten können weiter gehen wie geplant. Oder haben Sie irgendwelche Einwände, Mr. Finch?“
Dafür erntete Rebecca ein säuerliches Lächeln. Oh weh, die beiden befanden sich eindeutig auf dem Kriegspfad. Es fehlte nicht mehr viel und die angespannte Situation zwischen Rebecca und Finch würde sich zu einem offenen Schlagabtausch entwickeln. Spätestens dann, wenn sie die Ranch aufsuchten und herausfanden, wie es tatsächlich um die Dreharbeiten stand. Finch hob mit unnachahmlicher Arroganz die dunklen Augenbrauen, die blauen Augen glitzerten eisig.
„Wir werden ja sehen, wie es sich weiterentwickelt. Ich würde sagen, wir helfen Mr. Coleman mit etwas Sprit aus und fahren ihm dann hinterher.“
Rachel atmete auf. Der schlimmste Schaden war vorerst abgewendet, trotzdem fühlte sie sich sehr unwohl, als sie Rebeccas bohrenden Blick auf sich fühlte. Auch wenn sie nach außen hin friedlich wirkte, würde die Sache noch ein Nachspiel für sie haben.
Wie ein geprügelter Hund schlich sie zurück zum Wagen und betete, dass wenigstens bei Jane alles glatt lief. Sonst konnten sie gleich ihre Koffer packen und abreisen, und aus einem bestimmten, knapp 1,90 Meter großen Grund, wollte sie das auf gar keinen Fall.