Cowboy sucht Frau: Cowboy sucht Frau

Erschienen: 06/2015
Serie: Cowboy sucht Frau
Teil der Serie: 1

Genre: Contemporary Romance, Romantic Comedy
Zusätzlich: Western Romance

Location: USA

Seitenanzahl: 296


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-157-2
ebook: 978-3-86495-158-9

Preis:
Print: 12,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

Erhältlich bei u.a.:

und allen gängigen Onlinehändlern und im Buchhandel

Cowboy sucht Frau: Cowboy sucht Frau


Inhaltsangabe

Jesse und Noah Coleman sind zwei richtig harte Cowboys und denken gar nicht daran, ihr Junggesellendasein aufzugeben. Grund genug für Mutter Brenda härtere Geschütze aufzufahren: Sie meldet die beiden bei der TV-Kuppelshow „Cowboy sucht Frau“ an.
Kurz darauf kreuzen die selbstbewusste Fernsehredakteurin Jane, die rigorose Kamerafrau Rachel und die süße Visagistin Hayley auf der Blueberry Ranch auf – und von dem Moment an versinkt das Leben der Brüder im Chaos! Während Hayley sich Hals über Kopf in den Tierarzt Trent Morrison verguckt, müssen sich Jane und Rachel mit Jesse und Noah herumschlagen. Vor allem der attraktive Jesse macht Jane mit seinem unmöglichen Benehmen das Leben schwer.
Und nicht nur die drei Frauen wirbeln das ruhige Junggesellendasein der Männer ordentlich durcheinander, sondern auch die zimperlichen Kandidatinnen mischen ordentlich mit und sorgen für haufenweise Ärger!

Teil 1 des Zweiteilers "Cowboy sucht Frau".

Über die Autorin

Die Autorin wurde 1977 in einer schwäbischen Kleinstadt geboren und lebt heute glücklich mit Mann und Kind in einem idyllischen Dörfchen nahe der Donau. Lange Jahre arbeitete sie als Erstkraft in der Parfümerie einer Einzelhandelskette. Ein Beruf, den sie für...

Weitere Teile der Cowboy sucht Frau Serie

Leseprobe

So tief in Gedanken versunken, bekam Jane gar nicht mit, dass sie angehalten hatten, und griff sich erschrocken an die Brust, als plötzlich Hayley in den Transporter stieg und sich neben sie auf den Sitz quetschte.
„Hey Mädels, alles klar bei euch?“ Sie wartete eine Antwort gar nicht ab, sondern lehnte sich mit einem glückseligen Seufzen zurück. „Freut ihr euch auch so sehr auf die nächsten zwei Wochen? Ich sag euch, ich habe in den letzten Tagen die Minuten gezählt und …“
Bei „Minuten“ schaltete Jane ihre Ohren erst mal auf Durchzug und versuchte eine bequemere Sitzposition zu finden. Zu...

...dritt wurde es ganz schön eng hier drin, doch Hayley schien sich nicht daran zu stören, dass sie etwas dichter zusammenrücken mussten, und plapperte unermüdlich weiter. Die Aussicht, die nächsten Tage mit Kühen, Rindern und anderem Getier verbringen zu können, versetzte sie in Hochstimmung. Eigentlich war ihre Naturverbundenheit eher ungewöhnlich für eine Visagistin. Von jemandem, der sich berufsbedingt tagtäglich mit Schönheit und Äußerlichkeiten beschäftigte, hätte man wohl eher eine Vorliebe für Lifestyle-Produkte und Modelabels erwartet.
„Okay, Ladys!“, rief Rachel aufgekratzt und machte sich bereit, ihre alte Lady wieder zu starten. „Wir müssen über die Interstate 25 S bis nach Castle Rock, und von dort aus sind es noch ungefähr 30 Meilen bis Cherry Springs. Wenn der Verkehr mitspielt, kommen wir am späten Vormittag dort an.“
Jane schnaubte. „Mit der Klapperkiste musst du schon die doppelte Zeit einplanen, und vergiss nicht den Trailer. Warum schleppen wir den überhaupt mit? Die Ausrüstung wird doch mit dem Einsatzwagen des Senders vor Ort gebracht.“
Rachels Wangen röteten sich und sie wich Janes Blick aus. Ein alarmierendes Signal …
„Rachel Parker, du sagst mir jetzt auf der Stelle, was es mit diesem Trailer auf sich hat, oder ich schwöre dir, ich skalpiere dich und hänge deine geliebten blonden Haare als Wipfel an den Satellitenmast des Senders.“
Die Drohung zeigte Wirkung und Rachel, die sonst kein Blatt vor den Mund nahm, wirkte auf einmal ziemlich kleinlaut. „Also, es ist so … ich habe die Hotelreservierungen storniert, weil ich und Hayley der Meinung waren, es wäre lustiger, wenn wir alle zusammen im Trailer übernachten.“
„Du hast was getan?“
Hayley versuchte die Lage zu entschärfen, ehe Jane die arme Rachel über die Windschutzscheibe nach draußen beförderte.
„Jane, nicht sauer werden! Das war meine Idee und du darfst mich dafür auch gerne anbrüllen.“
Sofort danach hielt sie sich in Erwartung eines Donnerwetters die Ohren zu und starrte Jane aus riesengroßen blauen Augen an. Nicht zum ersten Mal hatte Jane das Gefühl, dass die süße Hayley längst nicht so hilflos war, wie sie immer tat, und ihre unschuldige Ausstrahlung zu ihrem Vorteil nutzte. Sie schloss die Augen und zählte langsam bis zehn.
„Eins … zwei … drei … vier …“
„Sei nicht sauer, Jane“, warf Hayley erneut ein. Sie klang wirklich zerknirscht. „Wir hätten es dir vorher sagen müssen, aber wir wussten auch, dass du bestimmt nie einverstanden gewesen wärst, und deswegen hielten wir es für das Beste, wenn wir dich vor vollendete Tatsachen stellen.“
Zutiefst beleidigt verschränkte Jane die Arme vor der Brust und weigerte sich, auch nur eine ihrer Freundinnen anzusehen. „Du hast völlig recht“, sagte sie erbittert und fühlte sich total hintergangen. „Ihr hättet mich verdammt noch mal fragen müssen. Echte Freunde übergehen einander nicht.“
Erst ein zartes Stupsen an ihrer Schulter veranlasste sie dazu, ihren Kopf doch zur Seite zu drehen. Hayleys klare blaue Augen wirkten ganz verschleiert vor lauter schlechtem Gewissen, und sie sah aus, als würde sie jeden Augenblick in Tränen ausbrechen.
„Es tut mir leid“, wiederholte sie und holte zitternd Luft. „Es ist wirklich allein meine Schuld. Rachel wollte dich von Anfang an einweihen, aber ich habe sie dazu überredet, es bleiben zu lassen. Du weißt doch, wie schwer es ist, mir etwas abzuschlagen, wenn ich anfange zu betteln. Aber dass es dich so sehr trifft, hätte ich nicht gedacht. Ich schwöre dir, wir machen so etwas nie wieder. Lass uns wieder Freunde sein. Bitte!“
Jane seufzte und begegnete Hayleys zerknirschtem „Ich habe es doch nicht so gemeint“-Blick mit einer gewissen Nachsicht. Wie meistens, wenn sie etwas ausgefressen hatte, konnte Jane ihr auch diesmal nicht böse sein. „Ich verzeihe dir, aber ich schwöre dir, eines Tages wirst du jemanden treffen, bei dem diese Kleinmädchentour nicht zieht.“
„Dieser Jemand existiert nicht“, erwiderte Hayley total überzeugt und lehnte sich zufrieden zurück. Leise fing sie an „Old MacDonald had a farm“ zu summen und schien das kleine Drama von eben schon vergessen zu haben. Unangenehme Dinge schob sie nur zu gern weit von sich. Rachel, die den Disput wortlos verfolgt und Denver endlich hinter sich gelassen hatte, fuhr auf die Interstate und die drei verfielen in einträchtiges Schweigen, während das urbane Stadtbild nach und nach durch eine ländlich geprägte Umgebung ersetzt wurde.
Nach etwas über einer Stunde war Hayley die Erste, die ihre Sprache wiederfand, und deutete mit dem Finger auf einen unbestimmten Punkt links von ihrer Seite.
„Oh Mädels, schaut doch“, schrie sie begeistert und hüpfte auf ihrem Sitz auf und ab.
Jane, die ohnehin keinen sonderlich robusten Magen besaß und schon die ganze Zeit über gegen Reiseübelkeit ankämpfte, betete, dass das flaue Gefühl in ihrem Bauch bald nachließ. „Könntest du mal aufhören, hier so rumzuspringen?“, würgte sie gepresst hervor, „ich kotz sonst Rachels alte Lady voll.“
Hayley saß augenblicklich still, doch ihre Begeisterung hielt ungebrochen an. „Sorry, Jane, aber ich finde die Kühe da hinten so toll. Schau mal, wie viele das sind! Das sind bestimmt Hunderte.“
„Das sind keine Kühe, Schätzchen, sondern Rinder“, korrigierte Rachel gutmütig.
„Ist das nicht dasselbe?“, fragte Hayley irritiert und wirkte ehrlich verwirrt. Statt einer Antwort erntete sie nur belustigtes Kichern. Selbst Jane vergaß für einen Moment ihren grummelnden Magen und grinste, zumindest bis Rachel hart in die Bremsen trat und sie beinahe durch die Scheibe flog. Sicherheitsgurte suchte man in der alten Lady nämlich vergeblich.
„Sag mal, spinnst du? Hat man dir in der Fahrschule nicht beigebracht, dass man nicht grundlos eine Vollbremsung einlegt?“, rief sie empört und verpasste Rachel mit dem Ellenbogen einen Stoß in die Seite. Die nahm das kommentarlos hin und grinste derart selig, dass Jane ihrem faszinierten Blick folgte und den Grund für den unerwarteten Stopp entdeckte.
„Oh, là, là, wen haben wir denn da?“, murmelte sie anzüglich und taxierte den heißen Typen, der gerade an einem endlos lang erscheinenden Zaun herumhantierte und dabei eine sehr männliche Figur abgab. Gerade bückte er sich über einen aufgeklappten Metallwerkzeugkoffer, der neben ihm auf dem Boden stand. Janes Lippen verzogen sich zu einem entzückten Lächeln, als sich dabei sein Hintern konturengetreu unter der Jeans abzeichnete. Für so einen Anblick konnte man in dieser Einöde schon mal die Verkehrsregeln missachten.
„Habt ihr jemals so einen Arsch gesehen?“, fragte Rachel in dieser Sekunde andächtig und leckte sich über die Lippen.
Jane schüttelte grinsend den Kopf. „Nicht in letzter Zeit“, erwiderte sie wahrheitsgetreu und ließ den Anblick dieses strammen Mannsbilds weiter auf sich wirken. Hayley hingegen verstand die ganze Aufregung nicht und runzelte die Stirn. Ihr wäre wohl eine Herde Schafe lieber gewesen.
„Können wir wieder weiterfahren?“
Rachel sah sie an, als hätte sie nicht alle Tassen im Schrank. „Bist du irre? Nicht ohne diesem Schnittchen ‚Guten Tag‘ zu sagen“, antwortete sie und drückte die Wagentür auf.
Jane seufzte. „Du willst dich jetzt nicht ernsthaft mit ihm unterhalten, oder?“
Ihre Freundin drehte sich kurz um und grinste verschwörerisch. „Oh, ich muss Mr. Fass-meinen-Hintern-an unbedingt nach dem Weg fragen. Wir wollen uns doch so kurz vor dem Ziel nicht verirren?“
Jane stöhnte auf, auch wenn sie Rachel durchaus verstehen konnte. Aber bei dem Tempo würden sie es nicht mal bis zum Einbruch der Dunkelheit auf die Ranch der Colemans schaffen und sie hatten noch so viel mit der Familie zu besprechen.
„Du bist unmöglich!“, schimpfte sie, was Rachel nicht im Mindesten beeindruckte.
„Sorry, Liebes, aber wenn ich schon zwei Wochen in der Pampa verbringen muss, solltest du einer hart arbeitenden Kamerafrau auch ein bisschen Spaß gönnen. Herrgott, schau dir den Kerl doch an! Ich muss unbedingt herausfinden, wie der Bursche heißt.“
„Wir sind nicht zum Vergnügen da“, stellte Jane klar.
„Das eine muss das andere doch nicht ausschließen.“
Das war der Nachteil, wenn man mit Arbeitskolleginnen befreundet war. Sie hörten einfach nicht auf einen. Rachel drehte ihr einfach den Rücken zu und schnurrte: „Komm zu Mama, Baby.“
Dann machte sie sich auf den Weg und lief mit schwingenden Hüften geradewegs auf dieses Prachtexemplar muskulöser Vollkommenheit zu.

Rachels Herz hämmerte wie verrückt, und ein unbestimmtes Gefühl der Erwartung breitete sich in ihr aus, denn je näher sie ihm kam, umso besser gefiel ihr dieser Typ, der in seinen tiefsitzenden Jeans und dem muskulösen Oberköper aussah, wie ein Unterwäschemodel. .
Er war auf jeden Fall deutlich größer als sie selbst, was allein schon einen Pluspunkt bedeutete, und der Anblick seines nackten Oberkörpers, der schweißglänzend das Sonnenlicht reflektierte, löste eigenartige Zuckungen in ihrem Magen aus. Er zog sich lustvoll zusammen, und sobald ihre hungrigen Augen abwärts glitten und an seinen schmalen Hüften hängen blieben, hätte sie nur zu gern die Hände nach ihm ausgestreckt, um ihm die Jeans von seinem Luxuskörper zu schälen. Heiliger Strohsack, so ein Kerl mitten im Nirgendwo war vergleichbar mit einem Jackpot in der Lotterie. Wenn er jetzt auch noch Anstand und Manieren besaß, dann würde sie nicht lockerlassen, bis sie sich unter ihm auf einem zerknüllten Laken wand.
Bitte sei kein Macho, betete sie stumm vor sich her. Denn die Sorte konnte sie auf den Tod nicht ausstehen und mied sie, so gut es nur ging.
Sie kam näher, noch immer wandte er ihr den Rücken zu, während er das Werkzeug verstaute. Seine Bewegungen wirkten wie aus einem Guss, seine Muskeln arbeiteten gleichmäßig unter der gebräunten Haut und verrieten, wie durchtrainiert und diszipliniert er sein musste, um so einen Körper zu besitzen. Bier saufen und haufenweise Burger essen war da nicht drin. Und seine Schultern … an denen konnte sich Frau anlehnen, wenn es ihr nicht gut ging, oder sie konnte sich an ihnen festklammern, während sie auf ihm saß und …
Stopp, Rachel, das geht jetzt zu weit, rief sie sich zur Ordnung. Endlich drehte er sich um, entdeckte sie und sie sah, wie sich sein sinnlicher Mund zu einem erfreuten Lächeln verzog. Leider konnte sie den oberen Teil seines Gesichts unter dem breitkrempigen Hut nicht erkennen, aber sie sah sehr wohl den dunklen Bartschatten auf seinem Kinn und die verführerisch geschwungene Unterlippe. In die biss er gerade hinein und sie reagierte prompt auf diesen erotischen Anblick.
Rachel spürte ein sachtes Kribbeln zwischen ihren Schenkeln, ihre Körpertemperatur stieg. Sie würde sich ganz schön anstrengen müssen, damit er nicht gleich mitbekam, wie scharf sie ihn fand. Schließlich galt es als ungeschriebenes Gesetz, dass man es den Kerlen nicht so leicht machen sollte, und doch schaffte sie es nicht, ihre übliche Coolness auszustrahlen. Sie stand da wie ein sabbernder Teenager und ihr feuchtes Höschen erinnerte sie daran, dass sie etwas entspannenden Sex bitter nötig hatte. Am besten mit ihm.
Rachel vertiefte sich so sehr in seinen Anblick, dass der Klang seiner Stimme sie total aus der Bahn warf.
„Hallo Schönheit, was führt dich in diese Gegend?“
Rau, tief und wahnsinnig sexy. Prickelnde Schauer breiteten sich auf ihren bloßen Armen aus und sie war bereit, alles stehen und liegen zu lassen, um diesen Prachtburschen anzufallen. Was ihm wohl nicht entging, denn seine Mundwinkel bogen sich wissend nach oben und er grinste dermaßen anzüglich und überheblich, dass ihr schlagartig klar wurde, dass sie es hier mit einem ausgewachsenen Macho zu tun hatte. Ihre Begeisterung kühlte sich deutlich ab und sie schenkte ihm ein unpersönliches Lächeln.
„Ich wollte Sie eigentlich nur nach dem Weg fragen“, meinte sie mit frostigem Unterton. Locker hakte er die Daumen in seinen Gürtel und spitzte anzüglich den schönen Mund
„Tja, kleine Lady, falls Sie nach Cherry Springs wollen, dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Falls Sie aber eine Reise in den siebten Himmel bevorzugen, dann könnte ich Ihnen einen Freifahrtschein besorgen.“ Er grinste noch breiter. „Mit mir als Ihrem persönlichen Reiseleiter.“
Oha, da fand sich aber einer besonders originell. Warum konnten gut aussehende Männer nicht gleichzeitig nett sein? Kerle wie er setzten ihre Attraktivität ein wie eine Waffe und wenn sie das Wild erlegt hatten, zogen sie weiter, auf der Suche nach der nächsten Beute. Sie war wirklich nicht scharf auf eine feste Beziehung, aber mit einem Frauensammler, der auf eine Straße voller gebrochener Herzen zurückblickte, wollte sie sich auch nicht abgeben. Außerdem nagte die Betitelung ihrer Person an ihrem Stolz. Kleine Lady? Hatte er sie noch alle?
Er schob den Hut ein Stück nach hinten und sie sah zum ersten Mal sein Gesicht. Alter Schwede …
Rachel vergaß den Grund für ihre Verärgerung und bekam auf einmal Schwierigkeiten beim Atmen. Grüne Augen, so tiefgründig schimmernd wie ein kühler Bergsee. Er war nicht hübsch im landläufigen Sinne, aber sein kantiges Gesicht mit dem entschlossenen Kinn, gepaart mit diesem hollywoodreifen Zahnpastalächeln, machten ihn unglaublich attraktiv. Und sein großzügig geschnittener Mund konnte sicher noch anderes, als nur überheblich zu grinsen. Genau das war der Punkt, der sie gegen ihn aufbrachte. Diese verdammt Arroganz, mit der er ihr begegnete. Sie war doch kein unschuldiges Greenhorn, das sich von einem hübschen Gesicht und ein paar Muskelpakten einwickeln ließ!
Na warte, Cowboy, du wirst noch dein blaues Wunder erleben.
Hoheitsvoll richtete sie sich zu ihrer vollen Größe von immerhin 1,75 Meter auf und lächelte, als wäre sie die Eiskönigin höchstpersönlich. Selbst der größte Idiot würde dieses Lächeln richtig deuten und verstehen, dass man ihn und sein Auftreten scheiße fand.
„Glauben Sie mir, in den siebten Himmel schaff ich es auch ohne Ihre freundliche Mithilfe. Dafür brauch ich nur einen funktionstüchtigem Vibrator und aufladbare Batterien. Sie werden sich also jemanden anderen zum Begatten suchen müssen. Und falls Sie keine Frau finden, die auf Ihren plumpen Charme hereinfällt, dann läuft hier bestimmt irgendwo ein armes Rind herum, das sich einsam fühlt.“
Rachel fragte sich, ob sie nicht einen Tick zu weit gegangen war, doch er lachte nur und wirkte kein bisschen entmutigt. Er stellte sich sogar noch breitbeiniger hin, als wollte er sie dazu auffordern, ihm in den Schritt zu greifen. Rachel knirschte mit den Zähnen. Diese Kerle … sie waren doch alle gleich. Hatten nur das Eine im Kopf.
„Hätten Sie vielleicht die Güte, mir zu verraten, mit wem ich das Vergnügen habe?“
Sie bemühte sich um einen hochnäsigen Tonfall, um diesem Neandertaler zu zeigen, dass er mit einer emanzipierten Frau nicht so umspringen konnte wie mit seinen Rindern. Schließlich war sie eine Lady, verdammt noch mal!
„Ich wüsste nicht, von welchem Interesse mein Name für Sie ist“, erwiderte er gedehnt und stemmte die Hände in die schmalen Hüften. So sahen seine Schultern noch breiter aus, und sie hasste, hasste, hasste sich, weil ihr der Anblick weiche Knie bescherte. „Sie haben mich ja schon recht passend als Cowboy betitelt“, ergänzte er. „Warum belassen wir es nicht dabei?“
Das hörte sich längst nicht mehr so lässig an, und sie grinste in sich hinein. Daher weht also der Wind, dachte Rachel. Er ist eingeschnappt …
„Oh bitte, pflegen Sie ruhig weiter Ihren Verfolgungswahn. Ich kann auch weiterleben, ohne Ihren Namen zu kennen, aber wenn wir uns hier schon so nett unterhalten, wären Sie vielleicht so freundlich und sagen mir, wie ich am geschicktesten zur Blueberry Ranch komme?“
Die Veränderung, die in seinem Gesicht vor sich ging, überraschte sie nun doch. Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen und sein Mund verzog sich misstrauisch. „Die Blueberry Ranch? Was wollen Sie denn von den Colemans?“
Okay, er kannte die Familie. Ob er für sie arbeitete? Plötzlich fiel ihr Blick auf den Wagen, der einige Meter entfernt am Seitenrand parkte. Leise pfiff sie durch die Zähne, als sie das teure Gefährt betrachtete. Heiliger Strohsack! Sie musste im Autoparadies gelandet sein. Ein Dodge Laramie 3500. Diese rotmetallic lackierte Kiste hatte an die 310 PS und würde bei entsprechender Strecke sogar einen Porsche abhängen können. Er musste einen ganz schön vertrauensseligen Chef haben, wenn er diesem eingebildeten Kerl so einen Wagen anvertraute.
„Hat Ihr Boss keine Angst, dass Sie dieses Prachtstück in eines seiner Felder setzen?“
Schweigend starrte er sie an und verschränkte die Arme demonstrativ vor der Brust. Sein Bizeps wölbte sich verlockend nach oben und ihr wurde mit jeder Sekunde wärmer, sodass sein unfreundliches Schweigen für sie zweitrangig wurde. Stattdessen wurde sie von erotischen Fantasien überrannt. Rachel stellte sich vor, wie sie mit der Zunge über diese stahlharten Muskeln fuhr. Erst die auf seinem Bauch, dann würde sie jede Vertiefung erkunden und sich langsam zu seinem Brustbein hocharbeiten, um sich dann seinen flachen Brustwarzen zu widmen. Ihre Fingernägel würden sich in seine Seiten krallen und tiefe Kratzspuren hinterlassen und spätestens, wenn sie ihm in den Hals biss, würde er sie mit einem Knurren unter seinem mächtigen Körper begraben und sie um den Verstand vögeln …
Total gefangen in ihrer erotischen Fantasie, merkte sie nicht, dass Jane und Hayley ihr gefolgt waren und sich links und rechts von ihr positionierten. „Rachel, ist alles in Ordnung?“
Janes immer leicht rauchig klingende Stimme klang besorgt.
„Ja, ja, natürlich“, stotterte Rachel ertappt und räusperte sich. Sie war entsetzt darüber, wie schnell sie die Kontrolle über ihre Gedanken verloren hatte, nur weil sich ihr verräterischer Körper so sehr von diesem ungehobelten Klotz angezogen fühlte. Zeit, sich vom Acker zu machen, wie man so schön sagte, bevor sie den letzten Rest an Stolz einbüßte und sich ihm an den Hals warf. Sie räusperte sich mehrfach, ehe sie Jane antwortete. „Ich wollte nach dem Weg fragen, aber offensichtlich hat es ihm die Sprache verschlagen“, informierte sie ihre Freundinnen und warf ihm ein herablassendes Lächeln zu. „Lasst uns fahren, bevor wir noch mehr Zeit vertrödeln.“
Sein Mund kräuselte sich spöttisch. „Ich wünsche euch noch eine gute Fahrt“, meinte er unvermittelt. „Haltet euch einfach geradeaus, nach ungefähr zwei Meilen kommt eine Abzweigung, der müsst ihr folgen und schon erreicht ihr die Ranch der Colemans.“
Rachel hatte nicht damit gerechnet, dass er sich noch so kooperativ zeigen würde, und lächelte ihn zögernd an. Er erwiderte ihr Lächeln nicht und starrte Löcher in ihre Stirn, ohne auch nur eine Miene zu verziehen. So ein Arsch, dachte sie wütend und drehte sich auf dem Absatz um. Sie stampfte zurück zu ihrem Transporter, dicht gefolgt von Jane und Hayley, als er plötzlich etwas hinterherschrie. „Hey, kleine Lady!“
Sie blieb stehen und drehte sich noch einmal nach ihm um. „Was gibt es denn noch, Cowboy?“
Er sah sie merkwürdig intensiv an. „Ich schätze, wir sehen uns noch.“
„Nicht, wenn ich es verhindern kann“, rief sie zurück, was ihn zum Lachen brachte. Es war dumm, doch dieses Geräusch löste ein ungewolltes Glücksgefühl in ihr aus. Energisch öffnete sie die Fahrertür und setzte sich hinters Steuer. Natürlich konnte sie sich einen letzten Blick in seine Richtung nicht verkneifen und sah, wie er eine spöttische Verbeugung andeutete.
Verdammt, er machte sie rasend! Rachel würdigte ihn keines Blickes und wartete ab, bis ihre Freundinnen ebenfalls im Wagen saßen, dann fuhr sie los.
„So ein eingebildeter Affe, dämlicher Prolet“, flüsterte sie dabei unablässig und ärgerte sich maßlos über ihren galoppierenden Herzschlag.
„Er war wohl nicht ganz das, was du erwartet hast.“
Für diese Bemerkung warf sie Jane einen mörderischen Blick zu. „Du hast ja keine Ahnung, selbst die blöden Rinder auf der Weide haben bessere Manieren als er. Hoffen wir nur, dass die Coleman-Brüder ein paar Gehirnzellen mehr besitzen, sonst sind wir alle geliefert.“
Hayley, die das ganze Theater bislang stumm verfolgt hatte, wirkte ein wenig peinlich berührt. „Also, ich will ja nicht meckern, aber wir sind noch nicht mal richtig angekommen und schon hast du Ärger mit einem Einheimischen. Habt ihr schon mal was von Höflichkeit gehört?“
„Er hat angefangen“, verteidigte sich Rachel schmollend.
Jane zuckte nur mit den Schultern und murmelte etwas von dämlichen Cowboys und sexuell frustrierten Blondinen.
„Du kannst gleich laufen“, quetschte Rachel wütend hervor. Eigentlich war sie nicht sauer auf Jane, sondern eher auf diesen blöden Kerl, weil er zum Ende hin so zugeknöpft reagiert und nicht mehr mit ihr geflirtet hatte. Hayley fing unterdessen erneut an, ein kleines Liedchen zu summen, und Rachel stöhnte gequält auf. Sie besaß wirklich eine Fülle an Talenten, aber verdammt noch mal, Singen gehörte definitiv nicht dazu.
„Du bist eine echte Plage, Hayley Graham. Das ist dir hoffentlich klar?“, murrte Jane und Rachel konnte ihr da nur beipflichten.
Nach einer Weile drosselte sie das Tempo, als nach exakt zwei Meilen besagte Abzweigung auftauchte. Sie bog ab und fuhr die schmale Straße entlang, die man nur mit etwas Kies aufgeschüttet hatte. Sie fuhr auf ein großes Tor zu. Das hölzerne Gestell bildete einen Bogen, auf dem die Aufschrift Blueberry Ranch prangte.
„Sieh mal einer an, wir haben es tatsächlich gefunden“, rief Rachel erleichtert und fuhr nur noch Schrittgeschwindigkeit, sobald sie den Torbogen passiert hatte. Das Haus selbst war noch einige hundert Meter entfernt und wirkte wie ein kleines Puppenhaus. Doch je näher sie kamen, umso mehr offenbarten sich die Größe und der urige Charme des weiß gestrichenen Holzgebäudes. Es besaß zwei Stockwerke und unglaublich viele Fenster. Um zur Eingangstür zu gelangen, musste man drei Stufen erklimmen und befand sich erst mal auf einer überdachten Veranda. Auf der linken Seite stand eine sehr gemütlich wirkende Hollywoodschaukel mit blauen Polstern und davor ein kleiner Tisch. Der obligatorische Schaukelstuhl fehlte natürlich auch nicht.
Wie daheim, dachte sie und verspürte plötzlich eine merkwürdige Sehnsucht nach ihrem eigenen Zuhause, nach ihren Eltern, Geschwistern, Nichten und Neffen, und doch schob sie den nächsten Besuch immer wieder auf, weil sie sich eigentlich nicht mehr als Teil dieser Familie empfand. Allein das betretene Schweigen am Tisch, wenn sie von ihrer Arbeit oder den Orten erzählte, die sie besuchte. Ihre Eltern waren einfache Menschen, Denver und all die anderen Städte dieser Größenordnung jagten ihnen nur Angst ein und sie verstanden nicht, wie man eine behagliche, mit Liebe erfüllte Farm gegen die kalte Fassade eines Wolkenkratzers eintauschen konnte. Manchmal verstand sie das selbst nicht und in ganz dunklen Momenten, wenn sie allein in ihrer Wohnung saß und die Stille an ihren Nerven zerrte, gestand sie sich ein, dass das Leben in der Großstadt auch nicht das Gelbe vom Ei war. Ob sie jemals rausfinden würde, was sie wirklich wollte? Sie fühlte sich hin- und hergerissen, nirgends richtig zugehörig.
Rachel stoppte den Truck und hupte zweimal, um den Colemans zu signalisieren, dass sie Gäste hatten.
„Okay, dann hoffen wir mal, dass wir die nächsten zwei Wochen ohne größere Katastrophen überstehen“, sagte sie und stieg aus dem Wagen.