Haven Brotherhood: Tempted & Taken

Originaltitel: Men of Haven: Tempted & Taken
Übersetzer: Julia Weisenberger

Erschienen: 02/2020
Serie: Haven Brotherhood
Teil der Serie: 4

Genre: Contemporary Romance, Romantic Thrill
Zusätzlich: Dominanz & Unterwerfung

Location: USA

Seitenanzahl: 428


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-425-2
ebook: 978-3-86495-426-9

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Haven Brotherhood: Tempted & Taken


Inhaltsangabe

Es gibt keinen Code, den Knox Torren nicht knacken kann. Wenn es darum geht, Informationen auszugraben, kennt er keine Grenzen - vor allem dann nicht, wenn jemand seiner Familie in die Quere kommt. Aber eine Fahnderin mit lückenhafter Vergangenheit stellt ein unlösbares Mysterium für Knox dar. Seit ihrem ersten Zusammentreffen will er die Geheimnisse der Blondine mit dem russischen Akzent lüften.

Darya Volkova lebt seit Jahren unter einer falschen Identität. Auf der Suche nach einem Arbeitgeber, der sie aus ihrem bisherigen gefährlichen Leben befreit, hat sie Knox im Visier, den besten Hacker der Branche. Von ihrem ersten Treffen an entwickelt sich etwas viel Intimeres als eine rein berufliche Verbindung, denn Darya spürt, dass sie nicht nur von Knox' Computerkenntnissen angezogen wird. Und Knox hätte sicherlich nie erwartet, Darya das zu geben, was er noch nie zuvor einer Frau geschenkt hat, nämlich seine Liebe.

Als Darya von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, ist sie wild entschlossen, Knox und seine Familie nicht in Gefahr zu bringen, selbst wenn sie dafür erneut weglaufen muss. Doch das wird Knox nicht zulassen. Er ist bereit, sie zu retten und als sein Eigentum zu brandmarken. Er setzt alles daran, dass derjenige, vor dem Darya flieht, seine Frau nie wieder berühren kann ...

Über die Autorin

Die aus Oklahoma stammende Mutter zweier hübscher Töchtern ist attestierte Liebesromansüchtige. Ihr bisheriger Lebenslauf spiegelt ihre Leidenschaft für alles Neue wider: Rhenna Morgan arbeitete u.a. als Immobilienmaklerin, Projektmanagerin sowie beim Radio.

Wie bei den meisten Frauen ist ihr Alltag von morgens...

Weitere Teile der Haven Brotherhood Serie

Leseprobe

XXL-Leseprobe bei Book2Look

Drei harte Klopfgeräusche erklangen gegen Daryas Eingangstür, rissen sie aus einem tiefen Schlaf und ließen sie senkrecht in die Höhe schießen. Ihr Herz hüpfte, während sie blinzelte und versuchte, ihren Blick zu fokussieren. Das weiche Morgenlicht fiel durch die Vorhänge in ihr Schlafzimmer und verlieh ihrem Zimmer einen gedämpften Glanz. Das Geräusch des Verkehrs vom Highway ertönte aus der Ferne, doch sonst war alles ruhig. Friedlich.
Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht. Vielleicht hatte sie das Klopfen geträumt. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie durch einen Albtraum geweckt wurde, aber nach sechs Monaten...

...ohne einen hatte sie gehofft, dass sie endlich aufgehört hätten.
Sie sank auf den Rücken, rollte sich zum Nachttisch und tastete nach ihrem Handy. Ihre liebste Wolfszeichnung leuchtete auf dem Sperrbildschirm. Über dem Raubtier mit dem schwarzen Fell, das einen Vollmond anheulte, war hell 7:02 Uhr zu lesen.
Es musste ein Traum gewesen sein. Sie hatte nie Besucher, außer dann und wann einen Handwerker, und die klopften nicht so früh an der Tür. Sie legte sich wieder zurück, kuschelte sich auf die Seite und schob die Hand unter ihr Kissen, während ihr die Augen zufielen.
Klopf. Klopf. Klopf.
Sie riss die Lider auf und hielt das Handy in ihrer Hand so fest, dass es knirschte. Das war auf keinen Fall Einbildung gewesen. Ihr Puls beschleunigte sich zu einem Trabtempo. Sie schwang die Beine unter den kühlen Laken hervor und schnappte sich ihren kuscheligen grauen Bademantel vom Boden, wohin er irgendwann in der Nacht gerutscht war. Sie schlich sich ins Wohnzimmer und achtete darauf, kein Geräusch zu machen. Ruslan konnte es nicht sein. Zu klopfen war einem Mann wie ihm fremd.
Aber er könnte auch einen Hinweis erhalten haben, wo sie lebte, und wollte sie nun herauslocken. Er mochte arrogant sein, doch er war nicht so dumm, dass er ungewollte Aufmerksamkeit auf sich lenken würde. Sie verknotete ihren Gürtel mit festem Griff, legte die Handflächen sanft gegen die kalte Tür und erhob sich auf die Zehenspitzen, um durch den Spion sehen zu können.
Sonnenlicht drang über den Horizont im Osten und erzeugte um denjenigen, der draußen stand, einen strahlenden Heiligenschein. Der Mensch dort hob wieder die Hand, um erneut zu klopfen, und blockierte damit die Strahlen der Sonne, sodass sie sein Gesicht erkennen konnte.
Knox.
Seine Knöchel trafen wieder auf das dicke Holz und sie sprang zurück. Die übertragene Vibration schoss so kraftvoll wie Elektrizität durch ihren Körper.
„Einen Augenblick, bitte.“ Sie zuckte wegen ihrer so deutlich erschöpften Stimme zusammen und kämmte sich mit den Fingern durch die Haare. So viel dazu, einen vernünftigen zweiten Eindruck zu hinterlassen. An den meisten Tagen trug sie kein ausgeprägtes Make-up, aber zumindest hätte sie gern ein wenig davon aufgetragen, wenn sie sich ihrem möglichen zukünftigen Boss gegenübersah. Selbst nach fast drei Jahren in Amerika musste sie noch den Drang des Großteils der russischen Frauen abschütteln, sich vorzubereiten und schick zu machen, bevor sie sich in die Öffentlichkeit begab.
Positiv war allerdings, dass ihr kurzer Bademantel niedlich war, da Silber in die graue Chenille gearbeitet war, und ihre Streichholzfigur verdeckte. Sie öffnete den Türriegel, wappnete sich mit einem tiefen Atemzug und setzte dann ein breites Lächeln auf, als sie die Tür aufmachte. „Hallo.“
Knox drehte sich um, die Hände in die Hüften gestemmt und mit einem Stirnrunzeln auf dem Gesicht, das sie ernsthaft darüber nachdenken ließ, ob es eine gute Idee gewesen war, die Tür zu öffnen.
Bis sich seine Mimik änderte.
Eine mickrige Sekunde verstrich, und das Raubtier auf ihrer Türschwelle verwandelte sich vom ungeduldigen Passanten zum fokussierten Jäger. Langsam und gleichmäßig wanderte sein Blick an ihr hinab und die Hitze darin war heißer als der stickigste Nachmittag in Texas. Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf den tiefen Ausschnitt ihres Bademantels, und einen Augenblick lang hätte sie schwören können, dass ihm klar geworden war, dass sie nichts darunter trug.
Ihre Brüste fühlten sich schwer an und ihre Brustwarzen verhärteten sich unter dem weichen Stoff. Sie packte den Kragen über ihrem Herzen, um die Reaktion ihres Körpers zu verbergen, der viel zu bereit zu sein schien. „Ist alles okay?“
Ob die Heiserkeit in ihrer Stimme oder die Frage selbst seine Konzentration unterbrach, wusste sie nicht, aber sein Blick schoss zu ihrem, und seine Stimme klang so tief und grollend, als ob es ihm schwerfiele, überhaupt zu sprechen. „Ich habe Sie aufgeweckt.“
„Ich habe gestern bis spät gearbeitet.“ Okay, die letzte Stunde, bevor sie eingenickt war, hatte sie mit einigen Spielzeugen und einer ganzen Menge sexueller Frustration verbracht, allerdings musste er das nicht erfahren. Sie trat weit genug zurück, um ihn hereinzubitten. „Möchten Sie hereinkommen? Ich kann Kaffee machen.“
Er sah zum Parkplatz, runzelte die Stirn, als ob er sich fragte, ob es vernünftig war, hier zu sein, und fuhr sich durch sein bereits wirres Haar. Statt abzulehnen, wie sie es erwartet hatte, trat er über die Türschwelle. „Kaffee ist vermutlich eine gute Idee.“
Sie schloss die Tür hinter ihm und verbrachte einen Moment damit, ihn ungestört anzustarren, während er ihre Wohnung betrachtete. Ein Hauch seines subtilen, aber sexy Geruchs umgab ihn, intensive Schwarze Johannisbeere gemischt mit rauchigem Holz, das sie an kalte Winternächte denken ließ, die man eng und schweißnass an einen Liebhaber gekuschelt im Bett verbrachte. Sein dunkelblaues T-Shirt war ein wenig zerknittert und zeigte etwas, das aussah wie ein Neonschild für Bierreklame, auf dem stand: Lebe jeden Tag, als ob Taco-Dienstag wäre. An jedem anderen hätte das vermutlich albern gewirkt, aber an ihm war es niedlich.
Und irre sexy.
Sie zwang sich, sich aus diesem visuellen Schwelgen zu reißen, eilte in die Küche und begann damit, Kaffee zuzubereiten.
„Sorry, dass ich Sie geweckt habe“, sagte er. „Ich schlafe nicht besonders viel. Manchmal vergesse ich, dass der Rest der Welt nicht unter diesem Problem leidet.“
Sie warf einen Blick über die Schulter.
Er stand da, die Hände in die Hüfte gestemmt, und starrte auf das Winterwolf-Bild, das JJ ihr an ihrem ersten Weihnachtsfest in Amerika geschenkt hatte. Obwohl Knox’ Aufmerksamkeit nicht direkt auf sie gelenkt war, entströmte ihm regelrecht Energie. So viel sogar, dass sie nicht genau wusste, ob es eine kluge Idee war, ihn mit noch mehr Koffein vollzupumpen. Er sah aus, als ob er bereits drei Kannen Kaffee und dazu ein paar Red Bull intus hätte. „Schon okay. Mein Wecker hätte in gut dreißig Minuten sowieso losgelegt.“
Sobald sie auf den Startknopf gedrückt hatte, wandte er sich ihr zu, was in ihr die Frage wachrief, ob er nicht die ganze Zeit alle ihre Bewegungen beobachtet hatte. Er kam näher und sah sich um, als ob er sich jeden Zentimeter ihrer Wohnung einprägen wollte. Er schaute zum Schlafzimmer und sein Schritt stockte ein winziges bisschen, sobald ihm das ungemachte Bett auffiel. Aber er erholte sich rasch, erwiderte ihren Blick und deutete mit einem Ruck seines Kopfes auf den Stuhl, der an ihrem Tisch stand. „Nehmen Sie Platz.“
„Es wäre unhöflich, mich zu setzen, während Sie stehen.“ Sie wies auf das Sofa hinter ihm. „Wir können uns dort niederlassen, wenn Sie möchten.“
Er grinste, stützte die Schulter gegen die Wand, die ihre Einbauküche vom Wohnzimmer trennte, und verschränkte die Arme. „Falls Sie jedes Mal diskutieren, wenn ich Ihnen sage, Sie sollen etwas tun, wird mein Unterricht nicht besonders lang dauern.“
„Aber …“
„Ich bin nicht der Typ, der auf dem Sofa hockt und sich unterhält. Ich breite mich dort aus. Üblicherweise mit einem Computer oder einem Spielcontroller in den Händen. Da ich Sie kaum kenne und mein Laptop draußen im Auto ist, werde ich mich nicht auf Ihren makellosen Kissen ausbreiten und es mir gemütlich machen. Zumindest noch nicht. Und jetzt nehmen Sie Platz.“
Sie verkniff sich den Kommentar, dass sie kein Hund war, doch es gelang ihr nur knapp.
Das offene Lächeln, das er ihr zuwarf, zeigte ihr, dass dieser Gedanke trotzdem bei ihm angekommen war. „Sicher, dass Sie mit mir arbeiten wollen?“
Sie hob eine Augenbraue, stampfte förmlich zu ihrem Stuhl und pflanzte ihren Hintern darauf, tat es allerdings seitlich, damit sie ihn weiterhin direkt ansehen konnte.
Seine Aufmerksamkeit richtete sich auf den Saum ihres Bademantels, der ihr nun bis zur Mitte des Oberschenkels reichte, und sein Lächeln verrutschte.
Einen Moment lang konnte sie nicht atmen. Sie konnte sich nur auf ihren ansteigenden Puls und die Nässe zwischen ihren Beinen fokussieren. So, wie er sie ansah, die Intensität seines Blicks – sie konnte sich fast seine Berührung vorstellen, warm und selbstsicher zwischen ihren Knien, an der Innenseite ihrer Schenkel hinauf, bis er ihr Geschlecht umfasste.
Er stieß sich von der Wand ab und wanderte zum Küchentresen, wodurch er glücklicherweise diesen Augenblick zerstörte, bevor sie noch etwas Dummes tat – wie ihren Bademantel zurückzuschlagen und sich selbst um das Problem zu kümmern.
„Am besten sage ich Ihnen gleich, dass ich verdammt tonangebend bin“, erklärte er. „Es gibt eine bestimmte Art, wie ich die Dinge handhabe. Nichts Halbgares.“ Er öffnete den Schrank direkt über ihrer Kaffeemaschine und nahm sich eine Tasse, als ob er schon tausend Mal hier gewesen wäre.
Sie setzte sich aufrechter auf ihren Stuhl. „Woher wussten Sie, wo die Tassen stehen?“
„Warum haben Sie sie direkt über die Kaffeemaschine gestellt?“
„Weil es dort am praktischsten ist.“
Er sah zu ihr zurück, grinste und schloss die Schranktür. „Daher wusste ich es.“ Er besah sich ihre saubere Theke. „Milch oder Zucker für Sie?“
„Ich kann mir selbst einschenken.“
„Das habe ich nicht gefragt. Ich habe gefragt, ob Sie Milch oder Zucker nehmen.“
„Weder noch, ich bevorzuge ihn schwarz.“
„Ist der Grund dafür, dass Sie kein Schleckermaul sind oder dass Sie es eilig haben, zum Wesentlichen zu kommen?“
Sie schluckte. Sein Tonfall ließ sie sich fragen, ob sie immer noch von ihren Vorlieben bezüglich Kaffee sprachen oder über etwas weitaus Persönlicheres. „Ich würde gerne zum Wesentlichen kommen.“
Er nickte, aber seine Lippen zuckten, als ob er gegen ein weiteres Lächeln ankämpfte. Er drehte sich um, stemmte die Hüfte gegen die Theke und legte die Hände um den Rand der Arbeitsfläche. „Wo waren wir?“
„Sie sind rechthaberisch und machen nichts Halbgares“, sagte sie, bevor ihr Kopf die schnippische Antwort zurückhalten konnte.
Jetzt versuchte er nicht einmal, das Grinsen zu verbergen. „Als Jason von meinen Tugenden geschwärmt hat, hat er dabei auch erwähnt, dass ich arrogant bin, zwanghaft organisiert, kontrollsüchtig und neugierig auf eine Art, die Ihnen garantiert innerhalb einer Woche auf die Nerven gehen wird?“
„Ich kann Ihnen versprechen, dass ich weitaus arrogantere und kontrollsüchtigere Männer als Sie kennengelernt habe. Und ich bin davon überzeugt, dass ich Ihre Fähigkeiten, was das Organisieren angeht, toppen kann, wenn ich die Gelegenheit bekomme. Falls Sie also versuchen, mich zu verschrecken, wird Ihnen das nicht gelingen. Sofern Sie das Risiko mit mir nicht eingehen wollen, sagen Sie das laut und deutlich und gehen Sie, aber ich höre nicht auf, bis ich Erfolg habe. Das einzig Unsichere ist der Pfad, auf dem ich dorthin gelangen werde.“
Sie wusste nicht, was für eine Reaktion sie auf ihre Ansprache erwartet hatte. Vielleicht Überraschung. Auf jeden Fall Ärger. Immerhin hatte er an diesem Morgen alle ihre Knöpfe gedrückt, daher war eine Retourkutsche nur fair. Aber stattdessen nickte er ihr knapp zu. „Gute Antwort. Gott weiß, dass Sie diese Einstellung brauchen werden, damit Sie die nächsten Monate überstehen.“
Hinter ihm spuckte und gurgelte die Kaffeemaschine, bevor sie fertig war.
Knox drückte sich von der Theke ab, drehte sich um und zog die Kanne von der Warmhalteplatte. „Vermutlich haben Sie Ihre E-Mails noch nicht gecheckt, da ich Sie geweckt habe, aber Sie werden darin drei Links zu verschiedenen Trainingsprogrammen finden, die ich für Sie eingerichtet habe.“
„Wirklich?“ Sie fuhr zu ihrem Computer herum und wackelte mit der Maus, um ihren Bildschirm wieder zum Leben zu erwecken. „Bevor ich letzte Nacht ins Bett gegangen bin, war noch nichts da.“
„Wie gesagt, ich schlafe nicht besonders viel.“ Hinter sich hörte sie, wie ein paar Tropfen auf die heiße Platte fielen und zischten, nachdem er die Kanne entfernt hatte. „Das ist zusätzlich etwas, an das Sie sich gewöhnen müssen. Ich erledige die meisten Überprüfungen von Codes über Nacht, daher sollten Sie damit rechnen, früh am Morgen Input zu erhalten.“
Sie klickte sofort auf seine E-Mail, nachdem sie in ihrem Posteingang aufgetaucht war, und rief den ersten der Trainingslinks auf. In ihrem Browser öffnete sich eine Seite mit mindestens fünfzehn Modulen und zu ausführlichen Beschreibungen, um sie zu verarbeiten, während er ihr über die Schulter sah.
Das Rascheln von Kleidung ertönte, dann erklang seine Stimme näher. „Wenn Sie mit mir arbeiten wollen, gibt es zwei Hürden, die es zu überwinden gilt. Als Erstes will ich, dass Sie alle Module des ersten Kurses bearbeiten, die ich aufgelistet habe, und mir den Mustercode dazu bis siebzehn Uhr am Freitag schicken. Schaffen Sie es bis dahin, ohne aus dem Fenster zu springen oder mich anzurufen, um mir abzusagen, hole ich Sie am Samstagabend für die zweite Hürde ab.“
Er stellte den Kaffee direkt neben ihrer Hand auf den Tisch, zog seinen Geldbeutel aus der hinteren Hosentasche und förderte eine Visitenkarte daraus zutage. Er wackelte ein paarmal damit, dann legte er sie neben die Tasse. „Wenn Sie mit der weißen Flagge wedeln wollen, ist hier meine Nummer.“
Es dauerte sehr lange, bis ihr Gehirn wieder aufholte, denn das reine Arbeitspensum dessen, was er von ihr innerhalb von zwei Tagen zu beenden verlangte, brachte sie vollkommen durcheinander. Für die Module, die sie davor erledigt hatte, hatte sie zweimal so lange gebraucht, und sie würde eine Shoppingtour ohne Limit bei Neiman Marcus darauf verwetten, dass er das wusste.
Knox starrte auf sie hinab. Das markante Charisma, das ihn umgab, loderte doppelt so heiß, und eine deutliche Herausforderung funkelte in seinen Augen. „Glauben Sie, dass Sie das schaffen?“
Vielleicht. Sie würde komplett auf Schlaf und möglicherweise auch auf Essen verzichten müssen, aber das würde sie ihm niemals sagen. „Auf jeden Fall.“
„Gut.“ Er wandte sich ab und schlenderte zur Tür.
„Sie gehen?“
„Ja“, sagte er, ohne zurückzublicken.
„Aber Sie haben Ihren Kaffee nicht getrunken.“
„Der ist für Sie. Vertrauen Sie mir. Sie werden ihn brauchen.“
Er öffnete die Tür.
Sie sah auf seine Karte neben ihrer Kaffeetasse. Was hatte er von Samstag und einer zweiten Hürde gesagt? Sie stand hektisch auf. „Moment.“
Er hielt inne, die Tür bereits halb hinter sich geschlossen, eine Hand immer noch um den Türknauf gelegt, und blickte mit erhobenen Augenbrauen zu ihr zurück.
„Was ist die zweite Hürde?“
Einer seiner Mundwinkel krümmte sich verrucht, das Versprechen eines Bad Boys und ein teuflisches Vergnügen in einem. „Sie treffen meine Brüder.“

 

Knox schob seine Harley auf einen freien Parkplatz vor JJs Wohnung und schaltete den Motor aus. Um zwanzig Uhr an einem Samstagabend war die Welt um ihn herum alles andere als still, aber sie wirkte zahm durch die Abwesenheit des kehligen Dröhnens seines Motorrads. Er lächelte vor sich hin und eilte die Stufen hinauf. Der heutige Abend würde auf jeden Fall spannend werden. JJ hatte nicht nur den Code aus der ersten Aufgabe erstellt, die er ihr zugeteilt hatte, sondern sie hatte ihn sogar zwei Stunden vor der Zeit geschickt.

Knox,
mein Code befindet sich im Anhang. Hürde Nummer eins ist gemeistert. Da ich davon ausgehe, dass die Qualität Ihren hohen Anforderungen gerecht wird oder sie übertrifft, bin ich bereit, mich Hürde Nummer zwei morgen um zwanzig Uhr zu stellen.
Mit freundlichen Grüßen
JJ

Oh ja. Er hatte ihr auf jeden Fall mit seinem Besuch am Dienstagmorgen Feuer unterm Hintern gemacht. Was für ihn richtig beschissen war, weil ihr Eigensinn ihn verdammt noch mal anmachte. Besonders wenn er gekoppelt war mit ihrem irrwitzigen Grips und der ausgeprägten Intelligenz.
Allerdings hatte es einen Grund gehabt, weshalb er ihr Temperament angestachelt hatte, und das hatte genauso geklappt, wie er es sich erhofft hatte. Es würde noch lange dauern, bis sie sich ihren Lebensunterhalt mit dem Entwickeln von Apps verdienen könnte, und der beste Weg, wie er ihr helfen konnte, war eine gute altmodische Herausforderung.
Er klopfte mit den Knöcheln gegen die alte Holztür und besah sich den Highway in der Ferne. Sosehr er es auch zuzugeben hasste, er hatte in den vergangenen paar Tagen viel zu viel Zeit damit verbracht, sich an den Moment zu erinnern, als er das letzte Mal hier gestanden hatte. Oder genauer gesagt, an das Bild von ihr in diesem kurzen Bademantel, der einen perfekten Blick auf ihre sündhaft langen Beine erlaubte. Auf keinen Fall hatte sie etwas darunter getragen. Er hatte es schon vermutet, als sie den Kragen zwischen ihren Brüsten gepackt und ihn hereingebeten hatte, aber nachdem er erkannt hatte, wie viel von ihren Schenkeln zu sehen war, sobald sie sich an ihren Tisch gesetzt hatte, war er ganz sicher gewesen. Dass es ihm gelungen war, nicht auf die Knie zu fallen, sich ihre Oberschenkel über die Schultern zu legen und ihre Pussy mit der Zunge zu bearbeiten, bis sie schrie, war ein verfluchtes Wunder.
Der Türriegel wurde zurückgeschoben und die Tür geöffnet.
Verdammt.
Apropos wunderschöne Frau … Warum er ihr nicht gesagt hatte, was sie anziehen sollte, wusste er nicht, aber ihr Anblick war die fehlende Kommunikation definitiv wert. Sie trug ein dünnes weißes Oberteil, einen enganliegenden schwarzen Fick-mich-Rock und dazu passende hohe Schuhe.
Er wartete nicht auf eine Einladung, sondern trat vor und nahm sich viel Zeit, während er sie von oben bis unten betrachtete. „Sie sehen großartig aus.“
Interessanterweise zögerte sie bis zuletzt, bevor sie zur Seite ging und ihn vorbeiließ, und wenn er sich nicht täuschte, schürzte sie die Lippen mit einem kaum verborgenen Grinsen. „Danke. Obwohl ich hoffe, Sie vergeben mir, dass ich mir vor allem wegen Ihrer Brüder Mühe gegeben habe, nicht wegen Ihnen.“

Und da war er wieder, ihr Eigensinn. Er war unter einer höflichen und formellen Antwort verborgen, aber die Schärfe war nichtsdestotrotz vorhanden gewesen. Das war so was von heiß.
Die Fernbedienung zu ihrem Fernseher lag an einem Ende ihres Kaffeetisches aus Glas, perfekt parallel zum Rand. Als ob ihre Klugheit, ihre Frechheit und ihr Sex-Appeal nicht reichten, jetzt musste sie sogar noch sein zwanghaftes Bedürfnis nach Ordnung übertreffen. Seufzend umrundete er den Tisch, nahm sich die Fernbedienung und machte es sich auf ihrem Sofa bequem. „Süße, wenn sie Ihnen dank Ihres Akzents nicht aus der Hand fressen, werden Sie ihnen mit Ihren Beinen den Rest geben. Das einzige Problem ist, dass Sie da, wo wir hingehen, viel legerer gekleidet sein müssen.“
Sie runzelte die Stirn, betrachtete ihre Kleidung und sah dann wieder zu ihm. „Aber Sie sagten, es sei ein Vorstellungsgespräch.“
„Nein, ich sagte, Sie würden meine Brüder treffen. Das ist ein großer Unterschied. Bei unserem Ziel und der Art, wie wir dorthin gelangen, würde ich sagen, es wäre vernünftig, den Rock loszuwerden und sich in Jeans zu schmeißen. Dazu noch Stiefel, wenn Sie welche haben.“
„Stiefel?“
Er drückte auf den Anschaltknopf und bekämpfte den Drang, die Füße auf den Kaffeetisch zu legen. Bequemlichkeit war das Eine, aber die saubere Oberfläche zu beschmutzen, wäre ein echt übler Zug, selbst wenn er darauf aus war, durch sein überhebliches Verhalten etwas professionelle Distanz zu schaffen. „Ja. Welche auch immer Sie haben. Oder zumindest geschlossene Schuhe, falls Sie keine Stiefel besitzen.“
„Warum?“
Er scrollte durch das Programm und runzelte die Stirn. Sie besaß nur einfaches Kabelfernsehen. Das würde er ändern müssen. Vorausgesetzt, sie erhielt von den Jungs erhobene Daumen und alles schritt voran. Allerdings würden Filmabende noch in weiter Zukunft liegen, so beschäftigt, wie er sie halten würde. Er wählte CNN und drehte die Lautstärke herunter. „Obwohl Sie wie eine Gangsterbraut aussehen würden, wenn Sie diese Stöckelschuhe hinten auf meinem Bike tragen, helfen sie nicht besonders dabei, Ihre hübschen Zehen zu schützen.“
„Ihr Bike?“ Es waren nur zwei Worte, aber dadurch änderte sich ihr ganzes Wesen, denn die scharfe und kampfbereite Geschäftsfrau wurde zu einem Kind am Weihnachtsmorgen. „Damit meinen Sie ein Motorrad, richtig? Keinen Drahtesel?“
Aus irgendeinem blödsinnigen Grund zeigte ihm seine Fantasie das lächerliche Bild, wie er auf seinem alten, gebrauchten Geländefahrrad in die Pedale trat und sie auf seinem Lenkrad saß. „Das hängt davon ab, ob Ihr Enthusiasmus sich eher auf die motorisierte Variante konzentriert oder Sie mehr auf personenbetriebene Fortbewegungsmittel stehen.“
Das Lächeln, das sie ihm schenkte, war blendend. Reines, ungetrübtes Vergnügen. „Ich habe eine große Vorliebe für Motorräder.“
Fuck.
Ihr Akzent war schon sexy, wenn sie ihn mit ihrer Eigenwilligkeit herausforderte, aber gemischt mit dieser Heiserkeit war er geradezu tödlich. Gott sei Dank saß er und war ausgestreckt, sodass sein Schwanz genug Platz hatte, um etwas anzuschwellen, sonst wäre es verdammt ungemütlich. „Sind Sie begeistert, weil Sie bereits damit gefahren sind oder weil Sie es wollen?“
„Bisher habe ich es noch nie getan, aber ich wollte es schon immer probieren.“
Das war ja eine erfreuliche Eröffnung. Er würde ihren Körper an seinen gepresst fühlen und ihr ein erstes Mal schenken. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Er neigte den Kopf in Richtung ihres Schlafzimmers und betete, dass sie in ihrer Begeisterung so abgelenkt war, dass ihr entging, wie sehr er sich darauf freute, zumindest in einer Hinsicht derjenige zu sein, der ihr die Unschuld nahm. „Dann legen Sie einen Zahn zu. Wir müssen dafür sorgen, dass Sie bereit sind loszufahren.“

Hinter Knox Torren auf einer Harley zu sitzen, musste den ersten Platz auf Daryas Beste-Erlebnisse-aller-Zeiten-Liste einnehmen. Alles wirkte so viel näher. So viel lebendiger und greifbarer als aus der Sicherheit ihres Autos heraus. Die Brust an seinen Rücken gepresst und ihre Arme um seine kräftigen Bauchmuskeln geschlungen, während sich der rauschende Wind mit seinem intensiven männlichen Duft mischte, das war der reine Himmel auf Erden. Ein außergewöhnlicher Rausch.
Knox lehnte sich in eine Kurve, die sie über eine große Kreuzung führte, und lenkte sie in Richtung eines Parks auf der anderen Seite des Highways, in dem sich mindestens tausend Menschen befanden. Ein gut gepflegter Rasen, an beiden Seiten eingerahmt von schlanken Boulevard-Eichen und altmodischen Straßenlaternen, erstreckte sich über die Länge von zwei Blocks der Stadt. Am weitesten entfernten Ende war eine große Bühne aufgebaut worden, und ihre roten, blauen und weißen Lichter pulsierten im Takt der Musik, die sogar noch über das Röhren des Motorradmotors hörbar war.
Sie lächelte und schlang die Arme fester um Knox. JJ hätte das hier geliebt. Jede Sekunde davon. Obwohl, so, wie sie JJ kannte, wäre sie nicht zufrieden gewesen, einfache Mitfahrerin zu sein. Nein, nach zehn Minuten Fahrt hätte sie den Plan entwickelt, ein eigenes Motorrad zu kaufen, und kurz danach ihre erste Solo-Tour in die Tat umgesetzt. Nichts hatte JJ jemals zurückgehalten. Nicht ihre Ängste und sicherlich nicht ihre Vergangenheit – was der Hauptgrund gewesen war, weshalb sie so darauf bestanden hatte, Darya, bis zu dem Tag, an dem sie gestorben war, zu helfen.
Viel zu schnell lenkte Knox sie beide in eine Reihe von anderen Motorrädern, die auf einem improvisierten Parkplatz standen. Die anderen hatten eine ähnliche Größe wie seines, aber keines besaß dieses trendige Aussehen. Sie bestanden aus glänzendem Chrom und waren protzig, doch seines war schlank, schlicht und auf Professionalität ausgelegt dank der dunkelbraunen Farbe und der mattschwarzen Rohre. Er drosselte den Motor, und der donnernde Klang eines Blues-Titels erklang, um die Leere zu füllen.
Das hier war also ein Live-Konzert. Direkt vor der Bühne standen die Leute dicht an dicht und Schulter an Schulter, aber weiter entfernt gab es Gruppen von Besuchern, die Klappstühle aufgebaut oder Decken ausgebreitet hatten, um die Show zu genießen. Am faszinierendsten war die Verschiedenartigkeit der Anwesenden. Jung, alt und alles dazwischen. Gesellschaftlicher Status schien hier nicht zu zählen. Als ob alle Vorurteile der Welt in dieser Nacht ausgesetzt worden wären und einfach jedem die Arme entgegengestreckt hätten.
Knox wandte den Kopf, um ihr ein Grinsen zuzuwerfen. „Wenn Sie absteigen, bringe ich Sie hinein, statt dass Sie es vom Parkplatz aus genießen müssen.“
„Oh. Stimmt. Entschuldigung.“ Sie legte die Hände auf seine Schultern, unterdrückte gerade noch das Bedürfnis, das Gefühl der Muskeln unter ihren Handflächen auszukosten, und machte sich daran, sich wieder in eine aufrechte Haltung zu bringen. Dankenswerterweise geriet ihr Absteigen weniger ungelenk als das Aufsteigen. Allerdings war sie nach diesem aufregenden Ritt so aufgeputscht vom Adrenalin, dass sie vermutlich von der Maschine hätte schweben können, wenn sie es sich in den Kopf gesetzt hätte.
In der Sekunde, in der sie den Sitz frei machte, trat Knox den Ständer nach unten, stellte das Motorrad ab und schwang wie ein moderner Cowboy das Bein über den hinteren Teil.
Vielleicht war es die Energie um sie herum oder das ehrliche Lächeln, das er ihr schenkte, als er sich umdrehte und die Schlüssel in die Tasche seiner abgetragenen Jeans steckte. Aber in einem überwältigenden Augenblick drangen all die Gefühle, die sie seit dem Tag, an dem JJ gestorben war, sorgfältig verborgen gehalten hatte, an die Oberfläche und schoben jedes Fünkchen gesunden Menschenverstand und Anstand zugunsten ungetrübter Dankbarkeit zur Seite.
Sie war nicht allein. Für diesen einen Moment hatte sie Gesellschaft, war lebendig, in Sicherheit und frei und sah sich dem Versprechen einer neuen und aufregenden Zukunft gegenüber. Sie stolperte nach vorn, umfasste Knox in einer engen Umarmung und sagte heiser: „Danke.“
Seine Arme legten sich um sie, zuerst langsam und sanft, dann immer stärker. Als ob er den Sturm, der sie erfasst hatte, bemerkt und ihr Bedürfnis, sich zu verankern, gespürt hätte.
„Ich glaube, es muss nicht extra betont werden, dass mir Ihre Art, sich zu bedanken, gefällt.“ Er glitt mit seinen Händen an ihrer Wirbelsäule entlang, bis eine zwischen ihren Schulterblättern und die andere am unteren Ende ihres Rückens ruhte. Nicht auf ihrem Hintern, aber so tief, dass ihr Körper erwachte und sich eine ganz andere Verbindung wünschte. Als er sprach, war seine Stimme leise und kratzig. „Ich glaube allerdings nicht, dass das eine gute Idee ist, wenn ich Ihr Boss sein soll.“
So schnell, wie sie die Kontrolle verloren hatte, drang die Realität wieder in ihr Bewusstsein, und sie versuchte, sich ihm zu entziehen.
Er hielt sie weiter fest und zwang ihre Hüften enger an seine.
Er wollte sie. Wenn die Hitze in seinen Augen von der Farbe von Gewitterwolken das noch nicht deutlich genug machte, ließ die beeindruckende Erektion, die er an sie drückte, keinen Zweifel mehr zu. Ihr Herzschlag fühlte sich so kräftig an, dass er mit dem steten Dröhnen der Basstrommel konkurrierte, und obwohl sie versuchte, ihre Stimme mit einer ungezwungenen Lockerheit zu versehen, hörte sie sich atemlos und heiser an. „Es tut mir leid. Ich war bloß … so glücklich.“
„Genau wie ich jetzt. Sehr.“ Sein Blick fiel auf ihre Lippen, und er atmete langsam und tief ein, aber statt sich den Kuss zu holen, den sie sich erhoffte, lockerte er seinen Griff und schob sie von sich. „Ich bin nur einfach nicht bereit, diese Grenze mit jemandem zu überschreiten, der meine Angestellte sein will.“
„Natürlich.“ Sie nickte und brachte mehr Abstand zwischen sie. Sie hasste die ungemütliche Lage, in die sie sie beide mit ihren Handlungen gebracht hatte. Logisch betrachtet war ihr der Grund für diese Abgrenzung klar. Er war ein Geschäftsmann, und zwar ein überaus kreativer, angetriebener und erfolgreicher. Wenn es um Knox ging, schien ihr Hirn sie leider kaum mit gesundem Menschenverstand zu versorgen. „Sie sollten wissen, dass ich das nicht auf unangebrachte Weise gemeint habe. Meine Familie war sehr offen darin, ihre Zuneigung zu zeigen, daher neige ich dazu, es genauso zu handhaben. Manchmal passiert das impulsiv. Ich wollte nicht, dass Sie sich unbehaglich fühlen.“
Er kam näher und überwand damit den Abstand, den sie geschaffen hatte. „Das Letzte, was mir als Beschreibung einfallen würde, wenn Sie in meiner Nähe sind, ist unbehaglich. Überwältigt vielleicht. Auf jeden Fall hingerissen und bereit. Doch selbst wenn ich willens wäre, Geschäftliches und Vergnügen miteinander zu vermischen, wäre ich nicht die Art Mann, mit der man das tun sollte. Ich kenne Sie erst ein paar Tage, aber ich habe genug gesehen und gespürt, um zu wissen, dass Sie viel mehr verdienen als das, was ich bereit bin, einer Frau zu geben. Verstehen Sie?“
Nicht wirklich. Ihre Instinkte, was Menschen anging, waren selten falsch, und alles, was sie ihr über Knox sagten, war, dass er nicht nur vertrauenswürdig, sondern auch zutiefst loyal und fürsorglich war. Allerdings war es ihr unmöglich, irgendetwas rational zu durchdenken, wenn er ihr so nahe war. Sie nickte knapp und professionell und zwang sich, seinen Blick zu erwidern. „Vollkommen.“
Er bedachte sie mit seinem Killerlächeln und deutete mit einer Kopfbewegung in Richtung der Menge. „Gut, dann sorge ich dafür, dass Sie eine Tour erhalten, und anschließend schauen wir, ob wir meine Familie finden.“
Die Tour bestand aus einem gemächlichen Spaziergang vorbei an fünf verschiedenen Barbecue-Ständen, die ihr das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen, einem überfüllten Bierzelt und drei weiteren Ständen, die sich auf Wein, Alkohol und Band-Merchandise spezialisiert hatten. Je näher sie der Bühne kamen, desto stärker dröhnte die Musik durch sie hindurch und desto dichter wurde die Menge, aber während der gesamten Zeit schwieg Knox, führte sie hierhin und dorthin und ließ sie jedes Detail in sich aufsaugen.
Nahe dem Zentrum der Veranstaltung befand sich ein durch ein Seil abgetrennter Bereich mit runden Tischen und einer privaten Bar in der Mitte. Knox legte die Hand auf ihren unteren Rücken, zeigte in Richtung der Abtrennung und beugte sich vor. „Dorthin geht’s.“
Zu ihrer Linken stieß ein kräftiger Mann mit schulterlangem grau meliertem Haar ein bellendes Lachen aus, löste sich aus einer Gruppe von Männern, die genauso robust gekleidet waren wie er, und trat direkt vor sie.
Bevor sie ihm aus dem Weg gehen konnte, wechselte Knox’ Hand von ihrem Rücken zu ihrer Hüfte, zog sie rasch aus der Bahn des großen Mannes und schirmte sie vor jeglichem Kontakt ab.
Der grobschlächtige Kerl hob entschuldigend die Hände, besah sie sich und schenkte Knox ein Lächeln voller Zähne. „Hey, Knox, hab mich schon gefragt, ob ich dich hier treffe.“ Sein Blick glitt zurück zu Darya, die er noch einmal etwas langsamer betrachtete, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder Knox zu. „Suchst du nach deiner Truppe?“
Knox schüttelte den Kopf. „Nein. Ich habe sie bereits im VIP-Bereich entdeckt.“
„Das ist vermutlich der Vorteil davon, dass Axel derjenige ist, der dieses Ding hier auf die Beine gestellt hat, oder?“
„So ähnlich.“ Knox verstärkte den Griff seiner Hand, die immer noch an ihrer Hüfte lag. „JJ, das hier ist Seth. Seth, das ist meine Freundin JJ Simpson.“
Freundin? Das war eine interessante Wortwahl für eine Vorstellung. Vielleicht besser als Bekannte oder Kollegin, aber trotzdem nicht das, was sie erwartet hatte.
„Mann, du hast eine Menge Freundinnen, und jede von ihnen ist heiß.“ Seth streckte eine große Hand aus. Starke Schwielen bedeckten die Haut und zwei klobige Silberringe zierten seine Finger. Ein Wirrwarr von Tribal-Tattoos schlängelte sich an seinem Unterarm hinauf. „Schön, dich kennenzulernen.“
Sein Griff, als sie ihre Hand in seine legte, war überraschend sanft für einen dermaßen großen Mann. „Gleichfalls.“
Er hielt ihre Finger weiterhin besitzergreifend fest, während er Knox abschätzend ansah, dann ließ er die Hand sinken und wich zurück. „Bleibt ihr ein Weilchen?“
„Zumindest bis die Band fertig ist.“ Knox neigte den Kopf auf eine Weise, die zeigte, dass das Gespräch beendet war, und schob Darya in Richtung des reservierten Bereichs. „Lass mich JJ unterbringen, dann können wir uns später etwas unterhalten.“
„Ja, das werden wir. Verlass dich drauf.“ Damit zwinkerte Seth ihr zu und wandte sich wieder dorthin, wo er hatte hingehen wollen, bevor er ihren Pfad gekreuzt hatte.
„Ist Seth ein Freund von Ihnen?“, fragte sie, während sie sich durch die Menschen schoben.
„Eher eine Bekanntschaft. Er arbeitet für einen Kerl, der Geschäfte mit meinem Bruder Jace macht.“
Bevor sie sich erkundigen konnte, welche Art von Arbeit jemand ausübte, der so hart aussah wie Seth, erreichten sie den Eingang zum reservierten Bereich. Zwei Männer bewachten das Tor, beide in enganliegenden schwarzen T-Shirts, auf deren Rücken in großen Buchstaben Security stand. Statt sie nach ihren Namen oder Ausweisen zu fragen, wie sie es erwartet hatte, warf der Mann mit der mokkafarbenen Haut und den schulterlangen Dreadlocks Knox ein vertrautes Lächeln zu und hob seine Hand, damit er einschlagen konnte. „Hey, Mann. Hab mich schon gefragt, wann du auftauchst.“
Knox grüßte ihn und zeigte ein ganz anderes Level an Vertrautheit als das, was ihn offensichtlich mit Seth verband. „Hey, Ivan. Hätte nicht erwartet, dich heute Nacht bei der Drecksarbeit zu sehen.“
Ivan zuckte mit den Achseln und rieb sich mit dem Handrücken über das Kinn. „Du weißt doch, wie es läuft. Axel brauchte Hilfe, also habe ich sie angeboten.“
Sie wechselten einen Blick, den sie nicht richtig entziffern konnte, der aber voller Bedeutsamkeit war.
„Das zählt alles“, sagte Knox. „Diese Zeit abzuleisten, ist es am Ende wirklich wert.“
„Schon klar.“ Er wies mit dem Kopf in Richtung eines Tisches knapp hinter der privaten Bar und den Essensverkäufern, die für die VIPs bereitstanden. „Deine Truppe ist direkt geradeaus. Hab viel Spaß.“
Knox nahm ihre Hand in seine, übernahm die Führung und nickte diversen Menschen entlang des Wegs zu oder grüßte sie mit erhobener Hand.
„Sie kennen eine Menge Leute“, sagte sie hinter ihm.
Er sah zu ihr zurück und grinste. „Meine Brüder kennen eine Menge Leute. Wenn es nach mir ginge, würde ich vermutlich nie hinter meinem Computer auftauchen.“
Als sie sich dem Tisch näherten, auf den Ivan gedeutet hatte, lockerte Knox seinen Griff. Die Band beendete ihren Song und verkündete, dass sie nach einer kurzen Pause zurück sein würden, und die Menge antwortete darauf mit tosendem Applaus.
Eine tiefe, grollende Stimme erklang von Knox’ anderer Seite. „Ich dachte schon, wir müssten Beckett auf die Suche nach dir schicken.“
Sie beugte sich etwas vor, um herauszufinden, wer gesprochen hatte, als Knox zurücktrat, sodass ihr Blick dadurch den ganzen Tisch erfassen konnte. Der Eindruck war überwältigend. Obwohl sie jeden von ihnen auf dem Foto betrachtet hatte, das sie vom Bericht einer Rally früher im Jahr gespeichert hatte, waren die Männer, die Knox seine Brüder nannte, im wahren Leben doppelt so beeindruckend. Neben dreien von ihnen saßen gleichermaßen schöne Frauen mit glücklichen und zufriedenen Gesichtsausdrücken.

 

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