Jameson Force Security Group: Codename: Sentinel

Übersetzer: Ute Heinzel; Daniela Mansfield Translations

Erschienen: 02/2020
Serie: Jameson Force Security Group
Teil der Serie: 2

Genre: Contemporary Romance, Romantic Thrill

Location: USA, Washington


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-399-6
ebook: 978-3-86495-400-9

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Jameson Force Security Group: Codename: Sentinel


Inhaltsangabe

Die Fähigkeiten, die ich während meiner Zeit beim Secret Service in Washington erworben habe, haben mich zu einem verdienten Mitarbeiter der Jameson Force Security Group gemacht. Aber als der Präsident mich bittet, seine Nichte zu beschützen, rase ich auf der Überholspur zurück zum Oval Office.

Barrett Alexander ist mehr als brillant - die renommierte Energiewissenschaftlerin steht kurz vor einem Durchbruch, der die Welt verändern wird. Das hat sie leider auch zum Ziel einer Terrorzelle gemacht. Während Barrett nicht glauben will, dass sie sich ernsthaft in Gefahr befindet, ist der Präsident nicht bereit, mit ihrem Leben zu spielen und beauftragt mich, Barrett zu beschützen.

Als die Bedrohung zunimmt, tauche ich mit Barrett unter. Gefahr, Isolation und Anziehung sorgen dafür, dass wir uns näher kommen, als ich es jemals für möglich gehalten hätte. Und mir wird bewusst, dass mein Wunsch, Barrett vor ihren Verfolgern zu schützen, längst nicht nur ein Job für mich ist ...

Über die Autorin

Seit ihrem Debütroman "Off Sides" im Januar 2013, hat Sawyer Bennett mehr als 30 Bücher von New Adult bis Erotic Romance veröffentlicht und es wiederholt auf die Bestsellerlisten der New York Times und USA Today geschafft.
Sawyer nutzt ihre Erfahrungen...

Weitere Teile der Jameson Force Security Group Serie

Leseprobe

XXL-Leseprobe bei Book2Look

Barrett

Es ist schwer, genervt zu sein, weil Onkel Jon heute mit mir zu Abend essen will. Es ist eine seltene Freude, dass er vorbeikommt, denn ganz egal, wie beschäftigt ich auch sein mag, er ist noch eine Million Mal mehr beschäftigt.
Wo er doch der Anführer der freien Welt ist.
Aber ich bin trotzdem etwas verärgert, denn um ihn in meinem Haus in D.C. willkommen zu heißen, musste ich die Arbeit vorzeitig verlassen, und ich verlasse die Arbeit nie vorzeitig.
Die Arbeit ist mein Leben.
Der Grund meiner Existenz.
Die Gesamtheit meines Seins.
Einige...

...werden sagen, ich sei vielleicht ein wenig besessen.
Aber ich hatte nicht früher gehen müssen, um den Secret Service in Empfang zu nehmen, damit er eine Sicherheitsdurchsuchung durchführen kann. Nicht dass irgendjemand berechtigterweise glauben würde, dass ich eine Bedrohung für meinen Onkel darstelle oder in meiner Garderobe im Flur vielleicht ein skrupelloser Mörder lauert für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Präsident zufällig vorbeischaut.
Nein, die Durchsuchung wurde durchgeführt, während ich noch tief in die Arbeit versunken war.
Aber ich musste trotzdem früher Feierabend machen, denn wenn Onkel Jon sich bei seinem hektischen Terminplan die Zeit nimmt, mich zu besuchen, würde ich ihm auch sein Lieblingsessen kochen.
Thunfischauflauf.
Nein, es ist nicht glamourös, aber Tante Janet mag keinen Thunfisch – zumindest nicht aus der Dose –, also bekommt er dieses Gericht nur, wenn ich es für ihn zubereite. Es ist auch so ziemlich das einzige, das ich kochen kann.
Ich blicke auf die Küchenuhr, dann luge ich in den Ofen. Die Oberschicht aus zerbröselten Kartoffelchips ist schön braun und ich muss zugeben … es wird gut sein, ein selbst gekochtes Mahl zu sich zu nehmen. Die meisten meiner Mahlzeiten esse ich an meinem Schreibtisch im Labor und sie bestehen nur aus einem Müsliriegel oder einem Proteinshake.
Und das ist leider ebenfalls meistens auch mein Frühstück und Mittagessen.
Aber ich stehe so kurz vor dem Durchbruch und funktioniere derzeit nur mit reinem Adrenalin. Ich arbeite, und ich arbeite hart. Wenn ich nach Hause komme, für gewöhnlich gegen Mitternacht, bin ich wie erschlagen und falle normalerweise mit dem Gesicht zuerst ins Bett. Aber um sechs klingelt schon wieder der Wecker, ich gehe kurz joggen und duschen, und danach bin ich schon wieder unterwegs, um weitere sechzehn Stunden zu schuften.
Stellen Sie sich das einmal vor … kostenlose Energie für die ganze Welt. Arme Länder könnten fließend Wasser und Wärmequellen haben, Bewässerungsanlagen für die Landwirtschaft betreiben und medizinische Gerätschaften in den Krankenhäusern installieren, um Krankheiten zu diagnostizieren und zu behandeln.
Meine Türklingel ertönt und reißt mich aus meinen Träumen über all die guten Dinge, die ich mit meiner Arbeit tun kann. Ich schaue auf die Uhr und frage mich, wer es wohl sein könnte.
Sieben Uhr abends.
Wie kann es denn schon sieben sein?
Ich trage immer noch die Kleidung, die ich bei der Arbeit anhatte. Ich ziehe mich bequem an, nicht modisch, und die dunkelgrauen Leggings und die hellblaue Bluse sind nicht so schick, wie sie sein sollten, um den Präsidenten zu begrüßen. Meine schmutzigen, weißgrauen Turnschuhe haben ebenfalls schon bessere Zeiten erlebt.
Ich weiß, dass mein Haar furchtbar aussieht. Es beginnt immer in einem kurzen Pferdeschwanz, doch weil mir irgendwann stets der Pony in die Augen fällt und mich stört, schiebe ich ihn mit einer Haarklammer nach hinten. Das ist mein »heiß und zerzaust«-Look, wie mein Forschungsassistent Derrick gern sagt.
»Ach, was soll’s«, murmele ich und befühle meinen Kopf, nur für den Fall, dass ich aus irgendeinem Grund ein riesiges Vogelnest darauf herumtrage. Ich beuge mich oftmals über meinen Computer und drehe und zwirbele mit den Fingern verwirrt in meinen Haaren herum, was meine Frisur noch heißer und zerzauster macht.
Als es noch einmal klingelt, laufe ich in Windeseile zur Tür, wobei meine Turnschuhe auf dem Hartholzboden quietschen.
Ich entriegele das Bolzenschloss, drücke die Klinke herunter und öffne mit einem Lächeln auf dem Gesicht die Tür. »Onkel Jon –«
Die Worte bleiben mir im Hals stecken, als ich sehe, dass mein Onkel mit zwei mir unbekannten Männern vor meiner Tür steht. Hinter ihnen befinden sich zwei Leibwächter, die ich an ihren klassischen dunklen Anzügen und den Knöpfen im Ohr erkenne.
»Barrie«, sagt mein Onkel liebevoll und nennt mich bei dem Kosenamen, den ich verabscheue. Als Kind wurde ich so gerufen, doch jetzt fühle ich mich damit wie ein Pornosternchen aus den Siebzigerjahren. Trotzdem akzeptiere ich seine warme Umarmung und koste sie länger aus als notwendig, weil wir uns schon so lange nicht mehr gesehen haben.
Als er sich von mir löst, bedeutet er den Männern auf der Veranda einzutreten. »Ich hoffe, es macht dir nichts aus, aber ich habe zwei Gäste mitgebracht, die ich dir vorstellen muss.«
Die beiden Männer betreten mein Haus, die zwei Leibwächter folgen ihnen. Aber als mein Onkel die Hand hebt, halten sie an. »Wenn Sie beide bitte draußen auf der Veranda warten könnten.«
»Aber Sir«, protestiert einer der Leibwächter.
»Ich bin ausreichend geschützt, Gentlemen«, ist alles, was er sagt, bevor er ihnen die Tür vor der Nase zumacht. Er deutet auf den ersten Mann, einen großen blonden mit warmen braunen Augen und einem modischen Kinnbart. »Barrett … das ist Kynan McGrath. Ihm gehört ein Unternehmen namens Jameson Force Security.«
Das weckt leicht mein Interesse und ich schüttele ihm zur Begrüßung die Hand.
Der andere Mann tritt nach vorn. Bevor mein Onkel etwas sagen kann, stellt er sich bereits vor. »Ich bin Cruce Britton. Ich arbeite für Kynan.«
Als wir uns die Hand geben, schrillt eine Glocke in meinem Kopf, denn auch wenn ich sein Gesicht nicht erkenne, ist mir sein Name dafür umso bekannter. »Sie gehörten einmal zum Secret Service. Sie haben meinem Onkel das Leben gerettet.«
Cruce nickt mir zur Bestätigung zu und zieht die Mundwinkel leicht nach oben – es scheint, als sei er eher peinlich berührt als belustigt.
Mein Onkel atmet auf dramatische Weise tief ein und reibt sich dabei über den Bauch. »Das Abendessen riecht köstlich, Liebling. Ich bin am Verhungern.«
Argwöhnisch verschränke ich die Arme vor der Brust. »Was ist hier los? Bist du in Gefahr oder so etwas?«
Mein Onkel blinzelt, dann lacht er nervös. »Natürlich nicht, aber wie wäre es, wenn wir uns in die Küche begeben und du uns etwas von deinem berühmten Thunfisch-Nudelauflauf servierst?«
»Onkel Jon«, murmele ich warnend. Ich habe nicht die Geduld abzuwarten, bevor ich erfahre, ob etwas nicht stimmt oder ich mir Sorgen um ihn machen sollte.
»Ich schwöre, es geht mir gut«, versichert er mir, dann eilt er in die Küche. Kynan folgt ihm und lässt mich mit Cruce im Flur stehen.
Zuvor hat er keinen einschüchternden Eindruck gemacht, doch jetzt sieht er tatsächlich etwas überwältigend aus. Er ist einige Zentimeter größer als der andere Kerl und ich muss den Kopf weit in den Nacken legen, um zu ihm aufzusehen. Sein Haar ist dunkel, ordentlich zurückgekämmt und er trägt einen kurzen Bart.
Seine Augen sind jedoch beunruhigend. Ein helles Kristallblau, das mich zu zerschneiden scheint, während er mich anblickt.
Er ist ein unfassbar attraktiver Mann. Intensiv ist das Wort, das ich wählen würde, um ihn zu beschreiben. Tatsächlich ist sein Gesichtsausdruck besorgt, und das weckt in mir den Verdacht, dass mein Onkel in Gefahr ist.
Cruce macht eine Geste mit der Hand, womit er mir wortlos bedeutet, ich möge in die Küche gehen und er wird mir folgen. Ich wechsele jedoch nur die Position und stelle mich zwischen ihn und den Flur, der in die Küche führt.
»Was geht hier wirklich vor sich?«, frage ich. »Warum ist der Mann hier, der meinen Onkel gerettet hat? In welcher Gefahr befindet er sich?«
Cruce taxiert mich und scheint meine Fähigkeit zu bewerten, schlechte Nachrichten zu verkraften. Ich stelle mich seinen prüfenden Blicken, werde dann jedoch frustriert, als er an mir vorbei zu dem Ort sieht, an dem mein Onkel und Kynan stehen, weil es den Anschein hat, als würde er seine Antwort aufschieben.
Stattdessen bin ich erstaunt, als er sagt: »Er ist nicht derjenige, der in Gefahr ist. Du bist es und ich bin hier, um dich zu beschützen.«

»Ich verstehe nicht«, sage ich zum dritten Mal. Alle drei Männer sitzen an meinem Küchentisch und nehmen sich einen Nachschlag von meinem Thunfischauflauf. Ich habe kaum zwei Bissen herunterbekommen, denn mein Magen wehrt sich derzeit gegen die Vorstellung, Nahrung in sich aufzunehmen.
Da mein Onkel sich gerade eine Gabel voll mit Nudeln und cremigem Thunfisch in den Mund schiebt, blicke ich zu Kynan, dem das Unternehmen gehört, das beauftragt wurde, mich zu beschützen. »Bis wir den vollen Umfang dessen, was geplant wird, herausgefunden haben, müssen wir vom Schlimmsten ausgehen.«
»Und du denkst, sie werden mich entführen?«, frage ich, obwohl sie mir das bereits gesagt haben.
»Es ist die logische Schlussfolgerung«, antwortet Kynan. »Dass sie dich irgendwohin verschleppen und dazu zwingen, die Formel für sie fertigzustellen.«
»Aber ich würde mich weigern«, stelle ich klar.
»Sie würden dich zwingen«, sagt Cruce leise und die Überzeugung in seiner Stimme lässt mir einen Schauer über den Rücken laufen.
Aber nein … ich kann nicht hinnehmen, was sie mir sagen. »Das macht keinen Sinn. Ohne die Fähigkeit, sie zu testen, ist die Formel nichts wert, und Fusionsreaktoren gibt es nicht im Supermarkt zu kaufen.«
»Stimmt«, sagt Kynan, geht dann jedoch dazu über, meine Blase zum Platzen zu bringen. »Aber es existieren zahlreiche fremde Länder und Terrororganisationen, die das Geld und den Zugang zu den benötigten Materialien besitzen.«
»Und du willst jemanden zu meinem Schutz anstellen?«, frage ich. Dieses Mal wende ich mich mit der Frage an meinen Onkel, der immer noch an seinem letzten Bissen herumkaut.
Er schluckt, dann wischt er sich mit einer Serviette den Mund ab. »Nur so lange, bis wir herausgefunden haben, wer diese Leute sind, und sie unter Kontrolle haben. Aber bis dahin kann ich kein Risiko eingehen –«
»Bei der Arbeit stehe ich bereits unter Schutz«, werfe ich ein und unterbreche ihn mit einer ungeduldigen Handbewegung. »Und wenn du jemanden dazu abstellen musst, um mich nach Hause zu begleiten, dann ist das in Ordnung. Aber ich brauche niemanden –«
»Es ist bereits beschlossene Sache, Barrie«, sagt mein Onkel und bei seiner Eigenmächtigkeit knirsche ich mit den Zähnen.
»Ich bin erwachsen, Onkel Jon«, fauche ich. »Du kannst mir nicht vorschreiben –«
»Ich bin dein Präsident – derjenige, der dafür sorgt, dass dein Unternehmen die nötigen Geldmittel für deine Forschung bekommt«, knurrt er und beugt sich auf seinem Stuhl mir gegenüber nach vorn. »Und du wirst den Schutz annehmen, den ich einstelle.«
Ich schlucke hörbar und schäume innerlich vor Wut, aber im Stillen muss ich zugeben, dass er mich soeben ziemlich eingeschüchtert hat.
Sein Gesichtsausdruck wird jedoch wieder sanft und er greift über den Tisch nach meiner Hand. »Aber gestehe einem überfürsorglichen Onkel das hier bitte zu, ja, Liebling? Ich mache mir wegen dieser Drohung wirklich große Sorgen. Es könnte zwar sein, dass sich alles als heiße Luft erweist, doch du würdest einem alten Mann dabei helfen, nachts ruhig zu schlafen, wenn du es nur zulässt, dass diese Männer dich eine Zeit lang beschützen. Okay?«
Ich seufze lange und kapitulierend auf.
Denn so, wie er sich gerade eben ausgedrückt hat, würde ich niemals etwas tun, das ihm Angst bereitet.
»Okay, schön«, murmele ich, nehme meine Gabel in die Hand und spieße eine Nudel damit auf. »Aber wie genau sieht dieser ›zusätzliche Schutz‹ aus?«
»Du wirst jeden Tag von zwei Männern zur Arbeit gebracht und wieder nach Hause begleitet werden«, antwortet Kynan für ihn. »Selbstverständlich werden wir unseren Plan in den kommenden vierundzwanzig Stunden etwas anpassen und ich vermute, dass Bebe und unser Neuzugang Dozer ebenfalls in die Sache involviert sein werden. Aber das Gleiche gilt auch für die Arbeit … zwei Männer werden sich dauerhaft vor deinem Labor befinden.«
»Aber mein Gebäude ist sicher«, protestiere ich, weil ich das Gefühl habe, sehr viel Aufwand und Kosten zu verursachen. »Jeder, der hineingeht, benötigt eine besondere Autorisierung und eine Einlasskarte, um Zutritt zu bekommen.«
»Nichts ist absolut sicher«, erwidert Kynan und ich werfe Cruce einen Blick zu. Er hat bereits fertig gegessen und beobachtet wortlos unseren Austausch. Ich frage mich, warum er überhaupt hier ist, wo er doch bisher kaum etwas gesagt hat. »Leute können gekauft werden. Geld ist ein mächtiges Überzeugungsmittel. Mit der richtigen Vorbereitung würde es jemandem nicht schwerfallen, sich Zutritt zu diesem Gebäude zu verschaffen.«
Ich hebe verständnisvoll den Kopf. »Okay … das macht Sinn. Und hier in meinem Haus?«
»Nachts werden zwei Männer draußen Wache stehen«, antwortet Kynan, bevor er zu Cruce nickt. »Und er wird immer an deiner Seite sein – drinnen wie draußen –, wenn du nicht bei der Arbeit bist.«
»Was?«, entfährt es mir. Ich setze mich kerzengerade auf meinem Stuhl hin und lasse die Gabel scheppernd auf den Teller fallen. »Nein. Auf gar keinen Fall. Das hier ist mein Zuhause –«
»Und Cruce wird hier bei dir bleiben«, befiehlt Onkel Jonathan mit tiefer Stimme, die keinen Widerspruch duldet. »In dieser Welt ist er der Mensch, dem ich am meisten vertraue, dein Leben zu beschützen, Barrett. Und ich werde mich nicht vom Gegenteil überzeugen lassen.«
Ich lasse den Blick zu Cruce wandern, der mich direkt ansieht. Nicht trotzig, aber definitiv auch nicht verständnisvoll. Ich kann an seinem Gesichtsausdruck erkennen, dass er den Auftrag, den er von meinem Onkel erhalten hat, bereits angenommen hat.
Missmutig stehe ich von meinem Stuhl auf und klinge ein wenig wie ein ungezogenes Gör. »Ich muss das Bett im Gästezimmer frisch beziehen.«
»Setz dich«, befiehlt mein Onkel und ich lasse mich zurück auf das Kissen des Küchenstuhls plumpsen. Er lächelt mich verständnisvoll an. »Ich weiß, dass es störend für dich ist, Barrett, und ich weiß auch, wie sehr du in deine Arbeit vertieft bist. Aber deine Sicherheit ist wichtiger als jede verdammte Formel, mit der sich Fusionsenergie herstellen lässt.«
»Ich verstehe«, sage ich knapp und versuche, ihm mit Respekt zu begegnen, da er mein Onkel und mein Präsident ist. »Aber es muss mir nicht gefallen.«
Seufzend lehnt Onkel Jon sich auf seinem Stuhl zurück. »Nein, ich denke, das muss es nicht.«
Es wird still. Sehnsüchtig schaut Onkel Jon auf seinen leeren Teller, während Kynan an seinem Eiswasser nippt. Cruce starrt mich weiterhin an, aber es fällt mir schwer, seinen Blick zu erwidern.
»Denkst du, du könntest mir etwas von dem Auflauf einpacken, damit ich ihn mit nach Hause nehmen kann?«, fragt mein Onkel hoffnungsvoll.
Ich kann nicht anders und fange an zu lachen, denn ich weiß, dass trotz der ernsthaften Gespräche, die wir heute Abend geführt haben, mein Thunfisch-Nudelauflauf immer noch seine oberste Priorität ist. Einen Moment lang vergesse ich meine Sorgen und freue mich, dass ich ihn etwas glücklicher machen konnte.
Kurze Zeit später, nachdem ich Onkel Jon die Reste des Auflaufs eingepackt habe, er mit Kynan auf meine Veranda hinausgetreten ist und Cruce zurückgelassen hat, holt mich die Wirklichkeit wieder ein. Ich habe jetzt einen Mitbewohner, ob ich will oder nicht.
Und um es ganz deutlich zu sagen … ich will nicht. Er ist viel zu intensiv und störend.
Ich persönlich bin der Meinung, dass alle überreagieren. Meine Arbeit ist theoretisch und nicht viel wert, bis sie getestet werden kann. Was bedeutet, dass ich nicht sehr viel wert bin.
»Pass auf dich auf, Barrett«, flüstert Onkel Jon, als er mich in die Arme nimmt und mit der anderen Hand den Plastikbehälter mit dem Auflauf fest umklammert. »Ich werde mich bald bei dir melden.«
»Ich liebe dich«, sage ich, denn das tue ich, auch wenn ich mit seiner Entscheidung nicht glücklich bin.
»Ich liebe dich auch, Kleines«, antwortet er.
Ich warte nicht, bis die Fahrzeugkolonne losfährt. Stattdessen mache ich nur leise die Tür zu und schließe hinter mir ab.
An meinen Gast gewandt nicke ich die Treppe hinauf. »Komm mit. Ich zeige dir das Gästezimmer.«
Cruce ist still, als er mir folgt. Oben angekommen wenden wir uns nach rechts in die entgegengesetzte Richtung meines Schlafzimmers. Das kleine Gästezimmer ist nur spärlich eingerichtet, weil ich kein Freund davon bin, Besuch zu bekommen. Ich zeige auf das Bett und sage: »Ich muss es eigentlich gar nicht frisch beziehen. Ich habe nur diese eine Garnitur und darin hat noch niemand geschlafen.«
»Schon in Ordnung«, antwortet er lässig.
»Das Bad ist rechts auf dem Flur und dort im Schrank findest du saubere Handtücher«, füge ich hinzu.
»Danke«, sagt er. Diese blauen Augen durchbohren mich und bringen mich dazu, meinen Blick zu senken. »Meinst du, ich könnte heute etwas von deinen Waschsachen benutzen?«
Ich fahre mit dem Kopf nach oben, während ich Bilder von ihm in meiner Dusche sehe. Unter diesem Anzug befinden sich versteckte Muskeln, die unter meiner Brause sehr hübsch aussehen würden.
Moment! Was? Wo um alles in der Welt ist dieser Gedanke denn hergekommen? Ich habe so schon keinen Mann mehr betrachtet, seit … scheiße, ich kann mich an das letzte Mal nicht mehr erinnern. Und vielleicht sind es auch nicht diese durchdringenden blauen Augen, die mich verunsichern. Vielleicht ist es das Gesamtpaket.
Cruce Britton ist groß, stark und hat das Gesicht eines Engels. Darüber hinaus hat er meinem Onkel auf ziemlich dramatische Weise das Leben gerettet, was ihn damals zum Helden der Nation gemacht hat. Und jetzt befindet er sich in meinem Haus und will meine Dusche benutzen.
»Meine Sachen sollten morgen hier eintreffen«, erklärt er und ich blinzele dümmlich. Ich versuche immer noch herauszufinden, warum seine Muskeln mich faszinieren. Er senkt den Kopf, um mir in die Augen zu blicken. »Als ich nach Washington kam, wusste ich nicht, dass ich bleiben würde, deswegen habe ich nichts gepackt. Aber zwei meiner Kameraden, Bebe und Dozer, kommen morgen her und bringen mir meine Sachen vorbei.«
»Du brauchst zwei Kameraden, um dir deine Sachen bringen zu lassen?«, frage ich. »Wie lange hast du denn vor zu bleiben?«
Lachend legt Cruce den Kopf in den Nacken. »Sie bringen mir nur einen Koffer, kommen aber, um uns bei der strategischen Planung zu helfen. Zusätzlich zu deinem Schutz werden wir versuchen herauszufinden, wer es auf dich abgesehen hat, bevor sie zuschlagen.«
»Oh«, murmele ich und gehe langsam zur Tür. »Dann werde ich dir einige Toilettenartikel holen, die du bis morgen benutzen kannst. Ich bin sofort zurück.«
Ich drehe mich um, denn ich muss etwas Abstand zwischen uns bringen. Er ist zu verdammt anziehend, ganz besonders, seit ich meinen Verstand an Orte habe wandern lassen, an die er sich besser nicht begeben hätte.
Und hey … wer hätte das gedacht … ich habe soeben drei volle Minuten nicht über Fusionsreaktionen nachgedacht.

Cruce

Dozer fühlt sich gleich nach der Ankunft bereits wie zu Hause. Er hat die Anzugjacke ausgezogen und die Ärmel hochgekrempelt, während er an Barretts Herd steht. Er macht Marsala-Hühnchen und hat eine ihrer Schürzen umgebunden. Auf der Vorderseite steht geschrieben: »Kommen wir zum Chemischen«.
Kynan und Bebe sitzen an Barretts Küchentisch. Bebe tippt wie wild auf ihrem Laptop herum, während ich an der Wand lehne und Fingertricks mit einem Küchenmesser anstelle. Es hilft mir beim Nachdenken.
Dozer und Bebe sind gegen Mittag angekommen und Barrett hatte uns ihr Haus geöffnet, damit wir die beste Strategie ausarbeiten konnten, um sie in Sicherheit zu wissen. Danach war sie, begleitet von zwei Jameson-Mitarbeitern, zur Arbeit gefahren.
Kynan hat insgesamt acht Leute abgestellt – sechs aus Las Vegas und zwei aus dem neuen Büro in Pittsburgh, ich nicht eingeschlossen. Von den acht sind zwei Männer mit ihr bei der Arbeit und zwei vor ihrem Haus, wenn sie sich zu Hause aufhält. Ich bin nachts mit ihr im Haus und beschütze sie außerhalb der Arbeitszeiten an jedem anderen Ort. Für Jonathan Alexander wird es sehr teuer werden, aber um Barrett zu beschützen, scheut er keinerlei Kosten.
Abgesehen davon … niemand von uns weiß so recht, was wir tun sollen, weil wir nur sehr wenige Informationen zur Verfügung haben. Zu diesem Zeitpunkt sind wir uns nicht einmal sicher, ob eine glaubhafte Bedrohung besteht.
Das ist etwas, das ich zur Sprache bringe, als wir die Lage besprechen. »Eine einzige Nennung ihres Namens von zwei niederen Waffenhändlern in Oman. Es ergibt keinen Sinn.«
»Ich habe ein wenig über Fusionsenergie gelesen«, sagt Dozer, als er das Hühnchen anschwitzt und dabei am Herd seltsamerweise in seinem Element zu sein scheint. Dieser Mann hat sehr viele verschiedene Facetten. »Nichts, was ich finden konnte, weist darauf hin, dass Barretts Forschung auch auf Waffen angewendet werden könnte. Könnte es sich also nicht einfach nur um einen Irrtum handeln?«
Seufzend lehnt Kynan sich auf dem Stuhl zurück und blickt zur Decke, während er laut nachdenkt. »Für gewöhnlich wird Chatter von Geheimdienstanalysten angesichts der Qualität und Häufigkeit bewertet. Wir haben nichts von dem hier, außer einer einzigen Nennung ihres Namens von Leuten, die, wie es scheint, keine Verbindung zum Energieterrorismus haben.«
»Warum wurde dann überhaupt darauf aufmerksam gemacht?«, fragt Bebe, ohne ihren Blick vom Bildschirm abzuwenden.
»Alle Familienmitglieder des Präsidenten stehen auf einer Überwachungsliste«, sage ich. »In dem Moment, in dem einer ihrer Namen erwähnt wird, wird dieses Gespräch für die Auswertung bevorzugt behandelt.«
»Dann schnappt euch die beiden Waffenhändler und sprecht mit ihnen«, schlägt Dozer vor, als er sich vom Herd wegdreht. »Es ist euer einziger Anhaltspunkt.«
Als Kynan und ich uns anblicken, fällt es Dozer auf.
»Was denn?«, fragt er neugierig. »Ist sprechen in diesem Geschäft das falsche Wort? Hätte ich verhören oder foltern sagen sollen?«
Kynan schüttelt den Kopf. »Diese Männer sind unser einziger Anhaltspunkt, aber das zu tun, was du vorschlägst, ist nicht so einfach, wie du denkst. Zuerst müssen wir sie ausfindig machen, aber solche Männer bleiben nicht an einem Fleck. Es besteht die Möglichkeit, dass sie sich an einem weitaus gefährlicheren Ort als Oman aufhalten. Zusätzlich zu den Schwierigkeiten, diese Kerle zu schnappen, müssten wir einen sicheren Ort finden, an den wir sie bringen könnten, um sie zu befragen.«
»Wie dem auch sei«, sage ich, um das Hauptproblem zusammenzufassen, »das zu planen würde Wochen dauern.«
»Vielleicht länger, als Barrett überhaupt hat«, murmelt Dozer, bevor er sich wieder zum Herd umdreht.
»Aber wir werden es planen«, verkündet Kynan, als er von seinem Stuhl aufsteht. Er geht zum Kühlschrank, öffnet ihn und nimmt eine Flasche Wasser heraus. »Wir wissen nicht, wann oder ob überhaupt ein Zugriff stattfinden wird, deswegen werden wir bis dahin alles vorbereiten, um die Waffenhändler zu verfolgen. Rachel stellt für mich ein Team in Las Vegas zusammen. Dozer … ich werde dich dorthin schicken, um ihnen bei der Planung zu helfen.«
»Verstanden«, antwortet er und gießt Wein in die Pfanne, um das Hühnchen abzulöschen. Ich muss zugeben, es duftet verdammt gut.
Bebe blickt von ihrem Laptop auf. »Also, das neue Sicherheitssystem für dieses Haus ist online und funktioniert. Die Kameras sind so eingestellt, dass sie sich automatisch auf das Gesicht von jedem fokussieren, der sich dem Gebäude von außen nähert, und es dann durch die Gesichtserkennungssoftware schicken. Ich habe sie so programmiert, dass die Jameson-Gesichter außen vor gelassen werden, um zu viele überflüssige Meldungen zu vermeiden.«
Ein langes, lautes Piepen ertönt aus Bebes Computer. Sie blickt darauf und auf ihrem Gesicht breitet sich langsam ein Lächeln aus. »Barrett ist zu Hause.«
Wir hören das Kratzen ihres Schlüssels im Bolzenschloss, das Öffnen der Haustür und dann leise Schritte, die in Richtung Küche kommen.
Barrett biegt um die Ecke und blickt sich unsicher in der Küche um. Ich hatte sie gebeten, früher nach Hause zu kommen, damit wir uns mit ihr unterhalten können, und sie war darüber nicht gerade erfreut.
Ich stoße mich von der Wand ab, lege das Messer auf die Arbeitsplatte und stelle Dozer und Bebe vor. Barrett nickt ihnen zu, bevor sie ihren Aktenkoffer und ihre Handtasche auf der Arbeitsplatte ablegt.
»Ich hoffe, du hast Hunger.« Dozer strahlt, als er Barrett ein Glas Wein aus der Flasche einschenkt, die er bereits vor einer Weile geöffnet hat, damit er atmen kann. Er reicht es ihr und sie nimmt es schweigend an.
Dann führt er sie am Arm zum Küchentisch und zieht galant einen Stuhl für sie heraus. »Du entspannst dich jetzt einfach und ich werde dir das beste Marsala-Hühnchen servieren, das du in deinem Leben jemals gegessen hast.«
»Oh, ich habe keinen Hunger«, erwidert sie, dann schiebt sie das Glas Wein von sich. »Und ich habe heute Abend auch noch eine Menge Arbeit vor mir, deshalb –«
»Du musst etwas essen«, sage ich und meine Stimme hat etwas von einem Befehlston. Sie sieht aus, als würde sie gleich umkippen. Ihr Gesicht ist fahl und sie hat dunkle Ringe unter den Augen. Ihr Haar ist zerzaust. Der Großteil ist aus dem Pferdeschwanz herausgefallen, zu dem sie es zusammengebunden hatte, und ihr Pony ist mit einer schief sitzenden Haarspange aus der Stirn nach hinten geschoben. Seltsam, obwohl sie so müde aussieht, ist sie auf eine natürliche Art auch sehr hübsch, so als sei sie gerade erst aufgestanden.
Aber sie ist offensichtlich erschöpft und braucht zweifellos etwas Nahrung. In der vergangenen Nacht hat sie nur etwa vier Stunden geschlafen und ich weiß es, weil ich zwischen meinen leichten Nickerchen zahlreiche Male in ihrem Haus die Runde gemacht habe. Sie hat den Großteil der Nacht in ihrem Arbeitszimmer verbracht, bei dem es sich eigentlich um das Wohnzimmer ihres kleinen Hauses handelt.
Dozer hat sich der Sache bereits angenommen und stellt einen Teller mit Marsala-Hühnchen vor sie auf den Tisch. »Iss, hübsche Doktorin«, sagt er … zugegeben mit sehr viel Charme, der zu wirken scheint, denn sie lächelt und nimmt das Besteck in die Hand.
Dozer richtet für alle anderen ebenfalls das Essen auf Tellern an und schenkt sich selbst, Bebe und Kynan Wein ein. Ich lehne ab, weil ich im Dienst bin. Alle außer mir essen am Tisch. Ich ziehe es vor, meine Mahlzeit an der Arbeitsplatte einzunehmen, damit ich Barrett beobachten kann. Sie isst systematisch kleine Bissen, während sie still zuhört.
»Wenn es eine Weile dauern sollte, bis wir diese Händler ausfindig machen«, sagt Dozer, als er in sein Hühnchen schneidet, »sollten wir unsere Aufmerksamkeit auf diejenigen konzentrieren, die am wahrscheinlichsten von Barretts Forschung profitieren. Ich könnte mir ausländische Regierungen und Privatunternehmen vorstellen, aber meine Recherche von gestern Abend scheint zu ergeben, dass China das Land ist, welches den größten Fortschritt in dieser Technologie macht. Vielleicht wollen sie sich einen letzten Vorteil verschaffen.«
»Oder vielleicht die, die überhaupt keinen Fortschritt machen«, schlägt Bebe vor.
Dann geht Dozer dazu über, eine langatmige Abhandlung über die Komplexität der Prüfung dieser Art von theoretischer Forschung zu halten. Sie beinhaltet sehr viele lange Wörter, hilft uns aber im Wesentlichen, uns auf den Hauptverdächtigen auf der Liste der potenziellen Täter zu konzentrieren.
Barrett ist von Dozers Wissen ganz offensichtlich beeindruckt, was sie dazu bringt, ihre ganz eigenen Theorien hinzuzufügen. Schon bald schweifen die beiden ab und sprechen einen Dialekt, den der Rest von uns nicht versteht. Trotzdem tippt Bebe wie wild auf ihrem Laptop herum und macht sich Notizen, während sie ihre Mahlzeit ignoriert.
»Gibt es irgendeine andere Form der Hilfe, die wir von der Regierung erwarten können?«, erkundigt sich Bebe. »Irgendwelche anderen Agenturen, die ich anschreiben kann, um diese Sachen hier mit Querverweisen zu versehen?«
Kynan schüttelt den Kopf. »Zu diesem Zeitpunkt wurde es noch nicht mit einer hohen Priorität versehen. Der Präsident sagte, es stünden keine anderen Mittel zur Verfügung, solange wir nicht etwas finden, um die Sache voranzutreiben.«
»Und bis dahin …«, verkündet Kynan frustriert, »warten wir also.«
»Barrett …«, sage ich, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie dreht sich zu mir um und blickt mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. »Abgesehen von zu Hause und deiner Arbeit, welche anderen Orte suchst du sonst noch auf? Du hättest beobachtet werden können, als du deine Erledigungen gemacht hast, und Bebe hat ein spezielles Talent dafür, sagen wir mal, Videofeeds zu hacken.«
Barrett scheint über meine Frage nachzudenken, bevor sie mit den Schultern zuckt. »Eigentlich gehe ich nirgends hin.«
Ich lächele und verstehe, dass hier Geduld angebracht ist. »Wo erledigst du deine Lebensmitteleinkäufe?«
»Online«, antwortet sie, als wäre dies der einzige Ort, an dem man Lebensmittel kaufen kann. »Und ich bekomme sie geliefert.«
»Anziehsachen?«
»Online«, antwortet sie.
»Apotheke?«
»Online.«
»Du bist eine ziemliche Einsiedlerin«, sagt Bebe anerkennend, denn sie ist genauso. Ihre Nase steckt auch immer in ihrem Computer, wenn sie nicht zu Hause mit ihrer Mutter und ihrem Sohn Zeit verbringt. Trotz ihrer neu gewonnenen Freiheit vom Gefängnis geht Bebe nirgendwo hin. Ich weiß es, denn sie blickt sich ständig um, aus Angst vor den Leuten, die sie dazu gezwungen haben, die Regierungscodes zu stehlen.
»Ich arbeite und ich schlafe«, entgegnet Barrett steif. »Aber ich finde mein Leben erfüllend, auch wenn die anderen das nicht verstehen.«
»Ach, Mädchen«, sagt Bebe und hält Barrett ihre Faust hin, die unbeholfen mit ihrer eigenen dagegen boxt, »ich verstehe dich.«
Barrett scheint nach dem Essen etwas belebter zu sein. Sie schiebt ihren Stuhl zurück und erhebt sich. Auf ihrem Gesicht breitet sich ein sanftes Lächeln aus, als sie auf Dozer hinabblickt. Ihr ähnlicher Intellekt muss dabei geholfen haben, die Verbindung zu festigen, die mit dem Marsala-Hühnchen begonnen hat. »Danke für das Abendessen und die genialen Ideen, von denen du mir erzählt hast.«
Sie nickt Bebe und Kynan zu, bevor sie sich an mich wendet. »Ich werde noch etwas arbeiten, es sei denn, ihr braucht mich immer noch.«
»Danke, dass wir heute dein Haus benutzen konnten«, sagt Kynan, der ebenfalls aufsteht. »Wir werden uns schon bald auf den Weg machen.«
»Bleibt, so lange ihr wollt«, antwortet sie höflich, obwohl es offensichtlich ist, dass ihr die Störung ihrer Privatsphäre nicht gefällt.
»Außerdem«, fährt er ein wenig zögerlich fort, »vergiss nicht, dass du in zwei Tagen an diesem Staatsessen im Weißen Haus teilnehmen musst. Ich wollte dich nur wissen lassen, dass du auf dem Weg dorthin und wieder zurück zusätzlichen Schutz erhältst, aber Jameson ist der Zutritt nicht erlaubt –«
Barrett winkt ab. »Oh, dort werde ich nicht hingehen. Ich hasse solche Sachen und habe viel zu viel –«
»Du gehst«, bestimme ich. Sie fährt mit dem Kopf zu mir herum und kneift die Augen zusammen. Ich ignoriere ihren Gesichtsausdruck. »Es ist wichtig für uns, dass du daran teilnimmst. Die Tatsache, dass du nirgends hingehst und eine ziemlich durchschaubare Routine hast, wird es sehr schwierig machen, deine potenziellen Entführer zu identifizieren. Wenn deine Routine etwas gestört wird, erhalten wir vielleicht mehr Chatter über dich.«
»Na schön«, presst sie hervor und ihre Frustration ist deutlich zu hören. »Aber ich finde es dämlich. Meine Theorien sind nicht viel wert. Ganz egal, was ihr denkt, meiner Meinung nach ist das alles Zeitverschwendung.«
Meine Güte, ich hoffe wirklich, dass sie damit recht hat.
Barrett dreht sich auf dem Absatz um und marschiert aus der Küche. Ich fackele nicht lange, sondern folge ihr den Flur entlang, durch die Eingangshalle und ins Wohnzimmer, das sie in ein spärlich eingerichtetes Arbeitszimmer umgewandelt hat. So wie es aussieht, braucht sie nicht mehr als ihren Laptop und ein großes Whiteboard, auf dem sie Formeln notiert.
»Bist du okay?«, frage ich, als ich am Eingang anhalte und mich gegen die Wand lehne.
Sie lässt sich mit einem Schnauben an ihrem Schreibtisch nieder und wischt sich die Ponyfransen aus der Stirn, die nicht mehr dort sind, weil sie sie bereits zurückgeschoben hat. Ihr entfährt ein Seufzer und sie sagt entschuldigend: »Sieh mal … ich möchte nicht undankbar sein. Ich funktioniere einfach nicht gut, wenn meine Routine durcheinandergebracht wird. Alles ist ein wenig anstrengend und wirkt sich auf meine Konzentrationsfähigkeit aus. Ich hatte bei der Arbeit einen schlechten Tag, weil ich mich nicht konzentrieren konnte, und ich bin mir nicht sicher, ob dieser ganze zusätzliche Schutz wirklich notwendig ist.«
»Ich verstehe das«, sage ich und betrete zögerlich das Zimmer. Aus irgendeinem Grund fühlt es sich falsch an, in das Heiligtum einzudringen, in dem sie ihre Ideen entwickelt. »Deine Arbeit ist dir wichtig.«
»Nicht bloß wichtig«, korrigiert sie mich, »sie ist mein Leben.«
»Wie schon gesagt … ich verstehe das. Ich habe das alles auch schon durchgemacht. Ich verurteile dich nicht. Aber du musst verstehen, dass dein Leben in Gefahr sein könnte. Dein Onkel tut das Richtige, indem er diesen Aufwand betreibt, um dich zu beschützen. Hoffentlich wird es sich als keine große Sache herausstellen. Sollte es aber so sein, dass mehr dahintersteckt, passe ich auf dich auf. Mit mir wird dir nichts passieren, das verspreche ich.«
Sie lächelt mich freudlos an und legt dann den Kopf schief. »Warum hast du den Secret Service verlassen? Es hat dir doch offensichtlich Spaß gemacht. Und du warst sehr gut in deinem Job. Du scheinst deinen vorherigen Beruf so behandelt zu haben, wie ich es mit meinem tue … du hast ihm die oberste Priorität im Leben eingeräumt.«
Ich nicke und lächele, als ich mich daran erinnere, wie einfach es war, die Entscheidung zu treffen, diesen Job aufzugeben. »Mir ist klar geworden, dass ich in diesem Arbeitsfeld alle meine Ziele erreicht habe.«
Barrett schnaubt. »Du meinst, meinem Onkel das Leben zu retten?«
Ich lache. »Ja … das war schon irgendwie der Höhepunkt meiner Karriere.«
Sie neigt den Kopf und ihr Lächeln verblasst ein klein wenig. »Also … danke, dass du für meine Sicherheit sorgst. Auch wenn es nervig ist, ich weiß es zu schätzen.«
»Gern geschehen«, antworte ich, bevor ich einige Schritte zurücktrete in der Absicht, ihr Wohnzimmer zu verlassen. Doch als ich mich gerade umdrehe, schießt mir plötzlich ein Gedanke durch den Kopf. »Was wirst du tun, nachdem du deine Ziele erreicht hast?«
Sie hatte ihre Aufmerksamkeit bereits dem Computer zugewandt, blickt mich aber, ohne zu zögern, an. Sie zuckt mit den Schultern und zieht leicht amüsiert die Mundwinkel nach oben. »Vielleicht zum Frisör gehen.«
Verdammt, das hoffe ich nicht. Diese unordentlichen blonden Haare sind wunderbar so, wie sie sind.
»Oder mir vielleicht Urlaub nehmen«, murmelt sie und ihre Augen nehmen einen verträumten Ausdruck an. »An das letzte Mal kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern.«
Es sollte irgendwo in den Tropen sein. Ich wette, sie würde in einem Bikini umwerfend aussehen.
Sie blickt mich wieder an und lächelt verlegen. »Vermutlich würde ich mir einfach nur ein weiteres Arbeitsziel setzen. Einen neuen Forschungsbereich ergründen. Ein anderes Rätsel finden, das ich lösen kann.«
Ja … so wenig ich auch über Barrett weiß, ist es dennoch offensichtlich, dass sie genau das in ihrem Leben braucht. Abgesehen von Urlauben und Frisörbesuchen liebt sie das, was sie tut. So wie es aussieht, ist sie verdammt gut in ihrem Job, wenn es Menschen gibt, die ausreichend Interesse an ihrem Intellekt haben, um sie zu entführen.
Aber mein Versprechen an sie war echt … mit mir wird ihr nichts passieren.

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