Liebe kann man nicht kaufen: Begehren

Erscheint: 12/2017
Serie: Liebe kann man nicht kaufen
Teil der Serie: 1

Genre: Contemporary Romance
Zusätzlich: Millionärsromanze

Location: USA, Seattle

Seitenanzahl: 408


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-324-8
ebook: 978-3-86495-325-5

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Liebe kann man nicht kaufen: Begehren


Inhaltsangabe

Die alleinerziehende Maxine weckt das Interesse des High Society-Schönlings Ashton Hunter. Für einen One-Night-Stand ist sie sich jedoch zu schade und so lässt sie ihn eiskalt abblitzen. Frustriert versucht Ash die unnahbare Schöne mit Geld zu ködern. Eine Beleidigung für die bodenständige junge Frau. Ihre Würde will Maxine trotz finanzieller Schwierigkeiten niemals aufgeben. Nur wie lange kann sie diesem skrupellosen Verführer widerstehen? Ashton scheint besessen von dem Wunsch, sie zu besitzen - und ihre Gegenwehr weckt seinen Jagdinstinkt erst recht ... 

Teil 1 der "Liebe kann man nicht kaufen"-Trilogie.

Über die Autorin

Die Autorin wurde 1977 in einer schwäbischen Kleinstadt geboren und lebt heute glücklich mit Mann und Kind in einem idyllischen Dörfchen nahe der Donau. Lange Jahre arbeitete sie als Erstkraft in der Parfümerie einer Einzelhandelskette. Ein Beruf, den sie für...

Weitere Teile der Liebe kann man nicht kaufen Serie

Leseprobe

Ich wischte gerade die Oberfläche eines reservierten Tisches ab, da vernahm ich direkt hinter mir den geringschätzigen Kommentar einer Frau.
„Ash, warum sind diese Bedienungen immer so lahm? Man sollte Aaron sagen, was für unfähiges Personal er sich da ins Haus geholt hat.“
Entrüstet drehte mich um und stand mehreren Personen gegenüber. Im ersten Moment hatte ich jedoch nur Augen für die ziemlich attraktive Frau, die so abfällig ihr Urteil über meine Arbeit abgegeben und sicher in ihrem ganzen Leben noch nie einen Lappen in die Hand genommen hatte. Die Rothaarige musterte mich wie ein ekliges Insekt, und meine...

...Empörung wandelte sich in Unbehagen. Eingeschüchtert von der offenen Ablehnung, die mir von ihr entgegenschlug, nahm ich die anderen nur schemenhaft wahr. Trotzdem versuchte ich, mir meine Verunsicherung nicht anmerken zu lassen, schluckte meinen Ärger runter und lächelte sie freundlich an. Aaron verhielt sich immer fair, doch der Gast war für ihn König und ich musste durchaus in Betracht ziehen, dass er mich über die Klinge springen ließ, wenn sich jemand unzufrieden zeigte.
„Entschuldigen Sie die Verzögerung, Madame. Sie können den Tisch sofort besetzen.“
Ich ratterte diesen Satz hinunter, darauf bedacht, zwar bedauernd, aber nicht allzu unterwürfig zu erscheinen. Wer sich wie ein Opfer verhielt, wurde erst recht getriezt. Das hatte ich während meiner Zeit im Service schnell lernen müssen.
„Ja, ist schon gut“, erklärte sie zu meiner grenzenlosen Erleichterung. „Wischen Sie endlich zu Ende, damit wir uns setzen können! Ich habe keine Lust, hier rumzustehen wie eine Vollidiotin.“
Das kriegst du auch im Sitzen gut hin, schoss es mir spontan durch den Kopf. Sollte ich jemals viel Geld besitzen, würde ich die Menschen nicht so von oben herab behandeln. Jeder verdiente Respekt, egal, ob arm oder reich. Ich beugte mich noch mal über den Tisch, zog die letzten Kreise mit dem Tuch und richtete mich wieder auf. Als ich mich umdrehte, erstarrte ich wie vom Blitz getroffen, denn nun nahm ich auch die anderen bewusst wahr. Zwei Frauen, drei Männer. Einer von ihnen stach wie ein funkelnder Diamant aus dem Trupp heraus und sein Anblick traf mich völlig unvorbereitet. Neben der Rothaarigen stand der schönste Mann, den ich jemals gesehen hatte. Mein Kopf fühlte sich total leer an. Ich versuchte verzweifelt, meinen Herzschlag unter Kontrolle zu bringen, sobald sich unsere Blicke kreuzten. Jadegrüne Augen dominierten seine attraktiven Züge. Die hohen Wangenknochen verliehen den Konturen eine gewisse Schärfe und sein Mund … ich unterdrückte ein Seufzen … wirkte durch das halbe Lächeln verführerisch und spöttisch zugleich.
„Ich glaube, sie ist jetzt fertig.“
Oh Allmächtiger! Seine seidenweiche Stimme ließ unzählige Schauer über meine Haut kriechen. Sie klang schmeichelnd, aber auch ziemlich gelangweilt. Dennoch schwang unverkennbar männliche Autorität darin mit. Der Kerl ließ sich von niemandem etwas sagen, das ahnte ich instinktiv. Zur Salzsäule erstarrt sah ich dabei zu, wie er den rechten Arm um die schmale Taille der rothaarigen Hexe schlang. Besitzergreifend und bestimmend, was mir ein unbehagliches Gefühl vermittelte. Er behandelte sie wie sein Eigentum. Zu meiner großen Überraschung ließ sie sich das gefallen und mutierte direkt vor meinen Augen zu einem zuckrigen Weibchen. Sie lächelte zu ihm auf und rieb unauffällig die Hüfte an seiner Seite. Er beachtete sie gar nicht weiter und widmete mir seine gesamte Aufmerksamkeit.
Ein langsames Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Sachte streichelte er über die Hüfte seiner Begleiterin, und obwohl er gerade eine andere Frau liebkoste, brannte sich sein Blick in meinen. Innerhalb von Sekunden gab er mir das Gefühl, mutterseelenallein mit ihm zu sein. Die Geräusche rückten in den Hintergrund, selbst die unzähligen Menschen nahm ich nur noch verschwommen wahr und musterte ihn genauso eingehend, wie er es bei mir tat.
Das respektlose und geradezu anzügliche Lächeln auf seinen schön geformten Lippen verlieh ihm die Ausstrahlung gelangweilter Dekadenz. Er war groß, schätzungsweise um die 1,85 Meter. Damit überragte er mich um gute zwanzig Zentimeter. Wie ferngesteuert wanderte mein Blick über seine Gestalt, ich registrierte jedes noch so kleine Detail. Ein moderner Haarschnitt sorgte dafür, dass die mokkabraunen Strähnen lässig um seinen Kopf lagen. Nicht zu lang, nicht zu kurz. Die Farbe harmonierte perfekt mit seinem leicht gebräunten Teint. Seine Schultern waren breit, der restliche Körper wirkte allerdings eher athletisch und agil und nicht übertrieben kräftig. Dennoch konnte man erahnen, dass sich unter seinem schwarzen Hemd eine klar definierte Muskulatur verbarg. Alles in allem versprühte er mörderischen Sex-Appeal, männlich markant, gepaart mit klassischer Eleganz.
Ein James-Bond-Typ, schoss es mir durch den Kopf, während mir sein intensiver Blick die Hitze in die Wangen trieb. Bevor ich mich komplett lächerlich machte, brach ich den Augenkontakt ab und trat zur Seite, damit sich die Gruppe setzen konnte. Er und die Rothaarige waren in Begleitung von drei weiteren Personen. Einer davon sah dem Bond-Typ ähnlich, doch die Parallelen bezogen sich nur auf das Gesicht. Er war insgesamt etwas massiger gebaut und noch ein Stückchen größer. Außerdem besaß sein Lächeln eine Wärme, die dem Bond-Typen total abging. Vielleicht waren sie Cousins oder sogar Brüder. Der Große war auch der Einzige in der Gruppe, der mich freundlich und nicht überheblich anlächelte. Neben der Rothaarigen stand ein blonder Kerl mit schmierigem Grinsen, der eine aufgetakelte Schwarzhaarige im Arm hielt. Die beiden beachteten mich nicht, sondern hatten nur Augen füreinander.
Sie schoben sich an mir vorbei, um endlich den ersehnten Sitzplatz in Beschlag zu nehmen. Der Bond-Typ streifte mich dabei seitlich und die plötzliche Berührung jagte einen Blitz durch meinen Unterleib. Entsetzt über seine Wirkung auf mich atmete ich tief ein und wurde von der nächsten warmen Welle überwältigt, als ich seinen männlich-herben Geruch wahrnahm. Verwirrt über meine heftige Reaktion wartete ich ab, bis alle Platz genommen hatten, und rang mir ein unpersönliches Lächeln ab. „Was kann ich euch bringen?“
Der attraktive Fremde mit den grünen Augen grinste mich süffisant an. „Wenn du uns deinen Namen verrätst, sagen wir dir auch, was wir trinken wollen.“
Was interessierte ihn mein Name? Ich ließ mir nicht anmerken, wie sehr mich seine Art verstörte, und beantwortete seine Frage. „Ich heiße Maxine.“
„Maxine …“ Er zog die Buchstaben in die Länge. Die Art und Weise, wie er ihn aussprach, hatte etwas Schlüpfriges an sich. „Ein hübscher Name“, stellte er anschließend fest und musterte mich erneut abschätzend. Seine Lippen verzogen sich zu einem trägen Grinsen. „Du bist also heute Abend für unseren Tisch zuständig.“
Ich nickte langsam und blieb auf der Hut. Trotz seiner Anziehungskraft war er mir nicht ganz geheuer. Konnte er nicht einfach bestellen, einen dummen Spruch ablassen und mich dann wieder ignorieren?
Unbehaglich wand ich mich, weil er nicht aufhörte, mich anzüglich zu mustern.
„Ash, hör auf, sie zu ärgern. Du siehst doch, wie unangenehm es ihr ist, wenn du sie so anstarrst.“
Der Einwand kam von dem großen Dunkelhaarigen, der mich vorhin so nett angelächelt hatte. Er warf diesem Ash – vermutlich die Abkürzung von Ashton oder Ashley – einen warnenden Blick zu.
Der ignorierte das völlig. Stattdessen fixierte er mich mit brütender Intensität, bis ich das Verlangen verspürte, möglichst schnell, möglichst weit wegzurennen. Vor ihm, seinen Blicken und der merkwürdigen Macht, die er über mich ausübte. Noch nie hatte es ein Mann geschafft, mich derartig aufzuwühlen. Mit rasender Geschwindigkeit baute ich eine Mauer auf, um mich zu schützen. Obwohl ich es hier mit einem übersättigten und von sich selbst überzeugten Frauenhelden zu tun hatte, konnte ich mich seinem zweifelhaften Charme nicht ganz entziehen. Leider war ich doch empfänglich für sein Äußeres und die Überlegenheit, die er ausstrahlte.
„Ich denke, dass Maxine“, er schien es auszukosten, meinen Namen auszusprechen wie eine Liebkosung, „genau weiß, wie solche Unterhaltungen ablaufen.“
Mir wurde klar, worauf er anspielte. Die Begutachtung meiner Person erstreckte sich nicht nur auf mein Gesicht. Mit einer Dreistigkeit, für die mir die Worte fehlten, betrachtete er auch den Rest meiner Figur. Mit anzüglich gekräuselten Mundwinkeln, wohlgemerkt. Mir wurde heiß vor Scham, als sich seine Blicke an meinen Brüsten festsaugten. Sein nächster Satz kühlte meine Verlegenheit schlagartig ab.
„Sag mir, Maxine, wie weit geht denn dein Service?“
Entsetzt schnappte ich nach Luft. Ich war doch keine Nutte! Die anderen fanden das ziemlich lustig und grinsten dreckig. Nur der Große verzog angewidert den Mund und warf mir ein entschuldigendes Lächeln zu.
Wenigstens einer mit ein bisschen Anstand, dachte ich und fragte mich gleichzeitig, warum er mit solchen Idioten unterwegs war.
„Krieg ich keine Antwort?“ Zwar sprach er sanft, doch in seiner Stimme lag unterschwellige Ungeduld.
Die Hände zu Fäusten geballt, unterdrückte ich den Drang, ihm eins auf die Nase zu geben. „Sir, ich bin für Ihre Getränke zuständig, für alles andere müssen Sie jemand anderen bemühen.“
Gespielt selbstsicher schaute ich auf ihn herunter. Tatsächlich zitterten mir die Knie unter seinen Blicken. Fast schon zärtlich fuhr er die Konturen meines Körpers nach. Wohlige Schwäche erfasste meine Gliedmaßen. Das war nicht gut.
Er lachte leise und biss sich lasziv auf die Unterlippe. „Wie schade, wir hätten eine Menge Spaß haben können.“
Mit einem fiesen Grinsen wandte er sich wieder an die Rothaarige. „Hast du gehört? Sie will mich nicht, Tracy. So wie es aussieht, hast du mich heute doch ganz für dich allein.“
Mir blieb der Mund offenstehen. Was für ein Riesenarschloch, schoss es mir durch den Kopf. Ich fühlte mich von so viel unverschämter Arroganz abgestoßen. Mir tat sogar diese Tracy leid, doch die nahm seinen Kommentar lediglich mit einem Schulterzucken zur Kenntnis.
„Dann solltest du dich vielleicht mal anstrengen“, riet sie verschlagen und warf mir ein boshaftes Grinsen zu. „Meinetwegen kannst du dich mit ihr vergnügen, so lange du willst. Du hast genug Kraft und Ausdauer, um mit zwei Frauen fertigzuwerden.“
Mir wurde schlecht. Diese Gruppe präsentierte eindrucksvoll, wie zu viel Geld den Charakter verdarb. Sie interessierten sich einen Scheißdreck für die Gefühle anderer und schienen selbst keine zu besitzen. Machte es ihr denn gar nichts aus, dass ihr Freund offen mit mir flirtete? Auch seine Freunde fanden sein Verhalten allem Anschein nach nicht schlimm. Keiner störte sich an seinem Verhalten. Der einzig normale Mensch in dieser Runde war der Dunkelhaarige, der dieser unwürdigen Szene nun ein Ende setzte.
„Bringen Sie uns allen eine Margarita. Ich denke, das war’s fürs Erste.“
Mit seiner entschiedenen Einmischung half er mir, mich dieser Bande zu entziehen, und ich fragte mich wiederholt, warum sich ein netter Typ wie er mit denen abgab.
Die Frage wurde mir gleich darauf beantwortet. „Ich bin noch nicht fertig mit ihr, Bruderherz", zischte Ash eiskalt und warf mir einen Blick zu, unter dem mir ganz unwohl zumute wurde. Ich fühlte mich wie ein gehetztes Beutetier, und er war der Jäger, dem während der Hatz fast einer abging. Doch nun zeigte er Gefühle, wenn auch negativer Art. Die Einmischung seines Bruders passte ihm nicht und er machte keinen Hehl aus seinem Unmut.
Mir reichte es. So nötig konnte ich das Geld gar nicht haben, um mir so ein Verhalten gefallen zu lassen.
„Aber ich bin fertig mit Ihnen!", fauchte ich stinksauer und trat einen Schritt näher an ihn heran. Da er in dem Sessel thronte wie ein Prinz, war ich jetzt diejenige, die ihn überragte. Ich lehnte mich ein Stück nach vorn und achtete nicht darauf, dass ich ihm einen hübschen Einblick in mein bescheidenes Dekolleté gewährte.
„Jetzt hören Sie gut zu, Freundchen! Sie sind der schlimmste Kotzbrocken, der mir hier jemals begegnet ist, und glauben Sie mir, ich habe schon einige kennengelernt. Meinetwegen rennen Sie zu meinem Boss und heulen ihm die Ohren voll, aber mit mir spielen Sie solche Spielchen nicht. Lieber lass ich mich feuern.“
Seine Augen weiteten sich erstaunt. Ich nutzte seine augenblickliche Sprachlosigkeit, drehte mich auf dem Absatz um und stürmte die Treppen runter. Als hätte er etwas geahnt, kam mir Aaron entgegen und ich segelte direkt in seine Arme. Mein Chef bemerkte natürlich sofort meine aufgewühlte Verfassung.
„Hey, was ist denn los?“
Ich warf einen raschen Blick nach oben auf die Empore und registrierte unbehaglich, dass dieser Ash an das Geländer herangetreten war und mich von oben beobachtete. Sein Gesichtsausdruck wirkte verbissen, selbst aus der Entfernung konnte man nicht übersehen, wie es in ihm brodelte.
Verzweifelt wandte ich mich Aaron. „Siehst du den Kerl oben am Geländer? Ich kann ihn und seine Freunde nicht länger bedienen. Er behandelt mich wie ein Stück Fleisch. Mich kriegen keine zehn Pferde mehr da rauf. Selbst wenn du mich dafür feuerst.“
Aaron verzog mitleidig sein Gesicht. „Du bist mit Ashton Hunter aneinandergeraten“, sagte er, als wäre allein die Nennung seines Namens selbsterklärend.
Meine Augenbrauen formten einen fragenden Bogen. „Und was soll mir das jetzt sagen?“
„Nun ja, Ash ist ein bisschen … schwierig“, antwortete er schließlich diplomatisch und seufzte, als hätte er eine schwere Bürde zu tragen. Zumindest schien er nicht sauer auf mich zu sein.
„Heißt das, ich muss da nicht mehr rauf?“ Lieber hätte ich die Bahnhofstoiletten geschrubbt, als mich noch mal in die Nähe dieses arroganten Mistkerls zu wagen.
Aaron erwies sich als Engel in der Not, denn er schüttelte entschieden den Kopf. „Nein, das musst du nicht. Sally soll deinen Platz einnehmen. Gib die Bestellung an sie weiter. Ich rede in der Zwischenzeit mit Hunter und regle das mit ihm. Ich will ihn als Gast nicht verlieren, aber nicht um jeden Preis.“
Pure Erleichterung über Aarons Verständnis machte sich in mir breit. „Ich danke dir, und es tut leid, wenn ich dir Umstände mache. Ich lasse mir ja viel gefallen, aber was der Kerl abzieht, ist einfach zu viel.“
„Ist schon okay. Immerhin führe ich einen Club und kein Bordell“, erklärt er bestimmt. „Meine Bedienungen sind nicht hier, um die Männer zu belustigen. Das werde ich ihm noch mal in aller Deutlichkeit begreiflich machen. Allerdings kann es sein, dass du mit deiner ablehnenden Haltung erst recht seinen Jagdtrieb geweckt hast.“
„Wenn ich nicht will, kann er gar nichts ausrichten.“
Aarons Miene blieb ernst. „Mach nicht den Fehler, ihn zu unterschätzen, Maxine. Ash ist ein eiskalter Hund. Fühl dich nicht zu sicher und versuch, ihm so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen.“
„Woher kennst du ihn so gut?“
„Ich bin mit seinem Bruder Colin befreundet und daher bestens über Ash Hunters Charakter im Bilde.“
Verstohlen schielte ich aufwärts und merkte zu meinem Entsetzen, dass Hunter uns immer noch beobachtete. Die Lichter im Club umspielten die schlanken Konturen seines Körpers, seine Finger wanden sich um das stählerne Geländer und sein intensiver Blick ging mir durch und durch. Aaron könnte eventuell recht behalten. Ich hatte durch meinen offen gezeigten Widerwillen ungewollt sein Interesse geweckt. Aber warum in aller Welt ausgerechnet ich? Im Vergleich zu dieser Tracy war ich nichts Besonderes. Mit den dunklen Haaren und der viel zu blassen Haut ging ich als hübsch durch, die Rothaarige hingegen sah spektakulär aus. Das Einzige, worauf ich wirklich stolz sein konnte, war meine schlanke Figur mit den dazu passenden perfekten Proportionen, doch sonst …
Alles in allem spielte er in einer anderen Liga und hätte, trotz seines schweinischen Benehmens, ein Dutzend schönerer und vor allem willigerer Frauen haben können. Wenigstens blieb mir für heute eine weitere Konfrontation mit ihm erspart.
„Geh wieder an die Arbeit und mach dir keine Sorgen. Ich stutze ihn schon zurecht.“
Aaron klopfte mir auf die Schulter und begab sich nach oben. Ich kämpfte mich zu Sally durch und erklärte ihr kurz die Lage. Wir tauschten die Bereiche und fürs Erste war ich Ash Hunter los. Ich fühlte mich sicher.
Nach ein paar Minuten wagte ich einen schnellen Blick zur Empore. Hunter lehnte am Geländer und hörte mit nicht deutbarer Miene Aarons Ausführungen zu. Der redete besonnen auf ihn ein, auch Tracy hatte sich zwischenzeitlich dazugesellt. Kurz darauf verschwand Aaron.
Hunter zog Tracy an sich, um sie hart und verlangend zu küssen. Der Anblick versetzte mir unerwartet einen kleinen Stich, doch schnell schüttelte ich dieses absurde Gefühl ab. Ich konnte froh sein, wenn er sein Interesse wieder auf seine Freundin verlagerte. Leider schaffte ich es kaum, die Augen von dieser Szene abzuwenden, und ich erschrak zu Tode, als mir auffiel, dass er mich während des Kusses die ganze Zeit über beobachtete.
Dieser Kuss war eine reine Machtdemonstration. Es ging nicht darum, sich oder ihr Genuss zu verschaffen. Er wollte mir nur zeigen, dass er sich einfach nahm, was er wollte, und dass er es in der Regel auch bekam. Endlich ließ er von ihr ab und zwinkerte mir übertrieben zu. Sein Mund formte lautlose Worte und ich glaubte ein „Es ist noch nicht vorbei“ von seinen Lippen abzulesen. Blitzartig drehte ich mich um, mein Herz schlug frenetisch gegen meine Rippen, und es dauerte eine Weile, bis ich mich beruhigte.
Keine Ahnung, wie ich den Rest des Abends überstand, denn er hörte nicht auf, mich zu stalken. Er war wie ein Schatten, den man einfach nicht mehr loswurde. Das und seine bloße Anwesenheit reichten aus, um mich total aus dem Konzept zu bringen. Ständig verwechselte ich Bestellungen und fühlte mich wie ein Tier in der Falle. Als die schreckliche Schicht endlich ein Ende fand, lagen meine Nerven blank und ich hätte vor Erleichterung am liebsten geheult.
Todmüde stieg ich nach Dienstschluss in mein Auto und senkte den Kopf auf das Lenkrad, um erst mal richtig durchzuatmen. Erneut blitzte sein Gesicht vor meinem geistigen Auge auf und es war vorbei mit der Entspannung. Würde er mir nächstes Mal wieder auflauern oder würde er mich bis dahin vergessen haben? Bestimmt wollte er keine Mühen darauf verwenden, eine kleine Kellnerin zu verführen, wo es doch so viele Frauen gab, die ihm sicher freiwillig alles schenkten, was er haben wollte.
Verwirrt startete ich den Wagen. Statt dem Aufheulen des Motors hörte ich nur ein grauenvolles Röcheln und Knattern, gleich darauf stieg Rauch unter der Motorhaube auf. Fluchend verließ ich das Auto. Auch ohne die professionelle Einschätzung eines Automechanikers ahnte ich, dass mein fahrbarer Untersatz die letzte Reise in den Autohimmel angetreten hatte.
Wütend und überfordert, weil mich die Kiste ausgerechnet jetzt im Stich ließ, verpasste ich dem VW einen kräftigen Tritt. „Du blödes Ding, hättest du damit nicht warten können, bis ich wieder daheim bin?“ Ich blickte verzweifelt in den Himmel. Was hatte ich in meinem früheren Leben nur verbrochen, dass ich so gestraft wurde?
„Kann ich dir irgendwie helfen?“
Obwohl ich sie erst vor wenigen Stunden zum ersten Mal vernommen hatte, hätte ich diese samtene Stimme unter tausenden wiedererkannt. Wie in Zeitlupe, weil ich den Moment der Wahrheit hinauszögern wollte, drehte ich mich um.
„Das darf doch nicht wahr sein“, murmelte ich entnervt und verfluchte mein Karma, das mir das Unglück in Gestalt eines gehässig grinsenden Ash Hunter vorbeischickte.