Der Pirat und die Dirne

Erschienen: 07/2006

Genre: Historical Romance

Location: Madagaskar

Seitenanzahl: 180 (Übergröße)


Erhältlich als:
paperback & ebook

ISBN:
Print: 978-3-93828-118-5
ebook: 978-3-86495-046-9

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Der Pirat und die Dirne


Inhaltsangabe

Emilia Colby, Kurtisane und gewitzte Diebin, stiehlt für ihren Liebhaber, den berüchtigten Piraten Giovanni DeMarco, eine wertvolle Schatzkarte. Im Gegenzug verspricht er, sie auf sein Schiff mitzunehmen und den Schatz mit ihr zu teilen. Doch Giovanni bricht sein Wort, lässt sie allein im Bordell zurück und zerstört Emilias Hoffnung auf ein Leben in Wohlstand.

Entschlossen, ihren Anteil an dem Goldschatz von Madagaskar einzufordern, verkleidet Emilia sich als Mann und heuert an Bord der "Seaflower" an. Giovanni lässt sich jedoch nicht von Emilias Maskerade täuschen und entfesselt ihre Leidenschaft erneut.

Leidenschaftliche Nächte und eine abenteuerliche Schatzsuche im Dschungel Madagaskars bringen Emilias Gefühle endgültig in Verwirrung ...

Über die Autorin

Kerstin Dirks, 1977 in Berlin geboren, hat eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert und Sozialarbeit studiert. Sie schreibt seit mehreren Jahren erotische Romane, historische Liebesromane und Fantasy.

...

Leseprobe

Das Schiff glitt durch die ruhigen Wogen des Meeres. Emilia stand an der Reling und blickte in die Tiefe. Die schier unendliche Weite löste ein Gefühl der Einsamkeit in ihr aus. Das Knarren des Holzes und das Rauschen des Meeres nahmen das leise Geräusch ihres unterdrückten Schluchzens in sich auf und eine kleine Träne rann über ihre Wange und vereinte sich mit den Wellen.

Für dich ist kein Platz mehr in meinem Herzen, Giovanni. Du elender Bastard!

Sie ballte entschlossen die Hände zu Fäusten. Ich empfinde nur noch Verachtung für dich. Aber sie wusste, dass sie sich selbst belog. Aus Gründen, die...

...sie nicht verstand, war es um ihre Gefühle nach wie vor gleich bestellt. So sehr sie sich auch wünschte ihn zu hassen, in Wahrheit begehrte sie diesen Schuft noch immer.

„Hier steckst du, Emil. Ich habe dich schon überall gesucht.“

Sie drehte sich um und blickte in das hagere Gesicht von Smith. Auch das noch! Der Hagestolz hatte ihr gerade noch gefehlt. Er tauchte immer in den ungünstigsten Momenten auf. Sie wollte ein bisschen für sich allein sein und das Erlebnis auf der Lady Rosa verarbeiten.

„Was machst du allein hier draußen?“

„Das geht dich nichts an.“

„Warum so feindselig? Ich bin doch nur gekommen, um dich zu fragen, ob du Lust auf ein kleines Spiel hast?“

Sie hob verwirrt eine Augenbraue.

„Wovon sprichst du?“

„Komm mit und finde es selbst heraus.“

Vielleicht war die Idee gar nicht so schlecht. Ein wenig Ablenkung würde ihr gewiss gut tun.

„Na fein. Ich komme mit. Wohin geht’s?“, fragte sie und folgte ihm.

„Das ist ja das beste an der Sache! Wir spielen in der Kapitänskajüte!“

Emilia hielt abrupt inne. Ihr Körper fühlte sich wie gelähmt an.

„Was ist los? Hast du es dir anders überlegt?“

Sie wollte zurückweichen. Just in diesem Augenblick stieß sie gegen einen Widerstand.

„Nein, Emil wird uns doch nicht im Stich lassen“, vernahm sie eine tiefe Stimme hinter sich. Sie musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, wer hinter ihr stand. Giovannis schwere Hand landete auf ihrer Schulter und schob sie nach achtern. Sie war viel zu erstarrt, um Einspruch zu erheben oder sich zur Wehr zu setzen. Widerstandslos ließ sie sich von den beiden Männern in die Kapitänskajüte führen, wo Gerwin Reilly auf dem Boden hockte.

„Hast du den Rum?“, fragte Reilly und blickte hinter Emilia.

Giovanni hob demonstrativ die Flasche in die Höhe und deutete Emilia mit der anderen Hand an, sich hinzusetzen. Sie bildeten einen Kreis, in dessen Mitte Gio die Flasche platzierte.

„Was immer ihr auch vorhabt, ich bin nicht trinkfest.“

„Das erhöht den Spaß“, sagte Gio und sein Blick machte klar, dass er keine Widerrede duldete.

Dann gab er der Flasche Schwung, so dass sie sich um ihre eigene Achse drehte. Allmählich wurde sie langsamer und zeigte mit dem Hals auf Gerwin, der vor Freude in die Hände klatschte und laut lachte.

„Also los, was wollt ihr wissen! Fragt mich, was ihr wollt.“

Nachdenklich fuhr sich Giovanni mit Daumen und Zeigefinger über seinen Dreitagebart. „Wie vielen Männern hast du die Kehle durchgeschnitten?“

„Was für eine langweilige Frage. Ich dachte, dir würde etwas Besseres einfallen.“ Erneut stieß er ein grollendes Lachen aus, das Emilia bis ins Mark erschütterte. „Lass mich überlegen. In welchem Zeitraum?“

„In den letzten drei Jahren.“

„Ich glaube, das waren … 108 Bastarde!“

„108? Willst du mich verarschen?“

„Es können auch mehr gewesen sein.“

Emilia blickte ungläubig zwischen den beiden Männern hin und her. Sie konnte es nicht glauben, dass Gerwin 108 Leben auf dem Gewissen hatte! Sie hatte den Steuermann, der den unglückseligen Cain seit der Meuterei ersetzte, stets für einen guten Kerl gehalten.

„Ich glaube dir kein Wort, du Aufschneider.“ Giovanni schnappte sich die Rumflasche und zog den Korken heraus.

„Ich schneide nur Kehlen auf, darauf mein Wort. Ich kann dir genau sagen, wann und wo …“

„Los! Trink jetzt!“

Ohne Vorwarnung schüttete Giovanni den Rum in Gerwins Mund, der diesen bereitwillig öffnete und jeden Tropfen gierig auffing. In gewaltigen Mengen schluckte er das Gesöff hinunter. Als er genug hatte, schüttelte er den Kopf. Aber Giovanni ignorierte die Geste. Erst als Gerwin ihn am Arm packte und die Flasche zurückstieß, hörte er auf.

„Verdammter Hurensohn. Willst du mich ersäufen?“

„Verdient hättest du es.“

„Mir gefällt dieses Spiel nicht“, hauchte Emilia leise. Es war schon unangenehm genug, in Gios Nähe zu sein. Das Bild, wie er unter Sinas Rock hervorkam, ging ihr nicht mehr aus dem Kopf.

Abrupt richtete sich Giovannis Blick auf sie. „Du spielst weiter“, knurrte er, ohne sie aus den Augen zu lassen. Warum sah er sie so durchdringend an? Wie lange würde er brauchen, um zu erkennen, dass er keinen weibischen Jüngling, sondern die Frau aus dem Bordell vor sich hatte? Giovanni sagte nichts und ließ sie im Unklaren über seine Gedanken.

„Machen wir weiter“, bestimmte Gerwin, der sich wieder beruhigt hatte, und drehte die Flasche. Es kam, wie es kommen musste. Obwohl Emilia ein Stoßgebet nach dem anderen gen Himmel sandte, zeigte der Hals auf sie.

„Was passiert jetzt?“

„Jetzt stellen wir dir eine Frage, die du wahrheitsgemäß beantworten musst.“ Ein genüssliches Grinsen bildete sich auf Giovannis Lippen.

„Wer bist du wirklich, Emil?“

Sie verschluckte sich an ihrer eigenen Spucke und hustete stark. Smith musste ihr auf den Rücken klopfen.

„Wie meinst du das?“, keuchte sie angestrengt.

„Du hast mich schon verstanden… Junge.“ Giovanni lehnte sich zurück und faltete selbstgefällig die Hände vor dem Bauch.

Gott, er weiß es, schoss es ihr durch den Kopf.

„Was ist los mit dir, Emil. Das ist doch eine ganz einfache Frage – oder?“

„Ich … ich …“

„Ja? Wir hören dir aufmerksam zu.“

„Ich … bin Emil Colby.“

„Sehr witzig. Dann erzähl uns etwas über dich, Emil Colby. Was hast du vor dieser Reise gemacht?“

„Ich kann nicht über … meine Vergangenheit sprechen.“

„Warum nicht?“, wunderte sich Smith und sah Emilia fragend an. Aber sie antwortete nicht. Eine Ewigkeit schien zu verstreichen, ohne dass jemand etwas sagte oder sich regte.

„Also gut“, sagte Giovanni und reichte ihr die Flasche. Zögerlich nahm sie diese, entfernte den Korken und hielt die Öffnung an ihren Mund. Nachdem sie einen kleinen Schluck genommen hatte, setzte sie die Rumflasche wieder ab.

„Trink mehr“, knurrte Giovanni ungeduldig. Sie erschrak über den befehlenden Unterton in seiner Stimme, tat dann aber, was er von ihr verlangte. Langsam lies sie das Gesöff ihre Kehle hinabgleiten.

„Wer sich weigert unsere Fragen zu beantworten muss bestraft werden.“

„Das reicht jetzt, Kapitän“, mischte sich Gerwin besorgt ein. „Der Junge hat doch gesagt, dass er nicht trinkfest ist.“

„Ich bestimme, wann es genug ist.“

Ihr wurde übel. Gewiss war ihr Gesicht bereits grün angelaufen. Aber Giovanni gab nicht den erlösenden Befehl. Er ließ sie immer weiter trinken. Nach einer schier endlosen Zeit hob er die Hand. „Stopf den Korken wieder rein, es geht weiter.“

Emilia atmete erleichtert auf. Nun durfte sie die Flasche drehen. Während sie diese beobachtete, wurde ihr plötzlich schwummerig.

„Das sind nur die Folgen des Rums“, sagte Gerwin beruhigend. Die Flasche blieb stehen und zeigte auf Smith, der vor Schreck deutlich hörbar schluckte.

„Was macht dich scharf, Smith? Uns kannst du es verraten. Rammelst du lieber Huren oder bevorzugst du den süßen Arsch eines Jünglings?“ Giovanni und Gerwin lachten. Smith sagte nichts.

„Komm schon, Smith. Jeder weiß doch, wie du unseren Emil anschmachtest. Oder glaubst du, wir sind blind?“ Der Steuermann klopfte sich auf die Schenkel. Nun ging alles sehr schnell.

Mit hochrotem Kopf sprang Smith auf. Sein panischer Blick streifte Emilia, die noch immer gegen ihre Benommenheit kämpfte, dann hechtete er nach draußen, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her.

„Was hat er denn?“, fragte Gerwin gespielt unwissend.

„Ist ihm peinlich, dass du ausgesprochen hast, was ohnehin schon alle wissen. Unser Emil ist aber auch ein ganz Hübscher.“ Wieder starrte Giovanni sie auf diese unheimliche Weise an, als kannte er ihr Geheimnis längst.

Emilia wollte etwas sagen, um Smith zu verteidigen, aber aus ihrem Mund kam nur ein Hickser.

„Spielen wir noch eine Runde.“ Ehe sich Emilia versah, war sie ein weiteres Mal an der Reihe. Um sich ihre Nervosität nicht allzu sehr anmerken zu lassen, straffte sie ihre Schultern und schaute dem Kapitän geradewegs ins Gesicht. Aber die Konturen seiner markanten Züge waren merkwürdig unscharf. Sie schüttelte verwirrt den Kopf.

„Hast du schon Haare auf der Brust, Emil?“

„Ja, selbst…verständlich …“

„Tatsächlich, dann zeig sie uns doch mal.“

Emilia spürte, wie das Blut in ihre Wangen schoss. Sie glühten förmlich.

„Zier dich nicht so“, drängte Reilly.

„Ich … ich …“

„Nun komm schon Emil, zeig uns deine Lockenpracht. Zeig uns, dass du ein richtiger Mann bist.“ Giovanni grinste finster.

Verzweifelt suchte sie nach einem Ausweg. Sie konnte den Männern ihre Brust nicht zeigen! Das war unmöglich.

„Los, Emil. Zeig uns, was du hast!“

„Um … um ehrlich zu sein … ich … ich hab' gelogen.“

„Du hast gelogen?“, fragte Giovanni gespielt ungläubig.

Sie nickte langsam. „Ja, ich habe noch keine Haare auf der Brust.“

„In deinem Alter hatte ich bereits ein ganzes Fell.“

„Wir haben es nicht gern, wenn man uns anlügt.“ Gerwin erhob sich und stellte sich hinter sie. Emilia geriet in Panik. Aber ihre Reaktionen waren verlangsamt. Als sie sich umdrehte, um zu gehen, war es bereits zu spät. Gerwin griff nach ihrer Kehle und zwang sie, den Mund zu öffnen. Zu spät erkannte sie sein wahres Vorhaben und schon schoss ein Schwall besten Rums in ihren Rachen.

„Ich fürchte, du wirst morgen einen Kater haben! Aber mach dir nichts daraus, da muss jeder irgendwann durch.“

Emilia hob abwehrend die Hände, versuchte sich aus dieser misslichen Lage zu befreien, aber Gerwins Griff blieb eisern. Und Giovanni schaute ihm ungerührt zu. Ein Gurgeln drang aus ihrer Kehle, mehr brachte sie nicht hervor.

„Sieh an, sieh an, Emil ist ja ein wahrer Schluckspecht. Nun hat er die ganze Flasche geleert.“ Gerwin setzte die Flasche ab und schlenderte zu seinem Platz zurück. Beide starrten Emilia an.

„Er sieht blass aus.“

„Ist dir nicht wohl, Junge?“, lachte Reilly.

Die Stimmen der beiden Männer klangen so fern, als wären sie im Nebenraum. Alles um sie herum begann sich zu drehen. Ihr Kopf dröhnte und fühlte sich gleichzeitig betäubt an. Verzweifelt stützte sie sich am Boden ab, um den Halt nicht zu verlieren. Aber es nützte nichts. Sie rutschte zur Seite und schlug vornüber auf. Dann wurde es dunkel um sie.

 

***

 

Als Emilia wieder zu sich kam, war es bereits helllichter Tag. Die Sonne schien durch das Fenster direkt in ihr Gesicht. Langsam öffnete sie die Augen. Ihr Kopf schmerzte höllisch und es dauerte eine Weile, ehe sie einen klaren Gedanken fassen konnte. Das letzte, woran sie sich erinnerte, war der widerliche Geschmack des Rums, den man ihr gewaltsam eingeflößt hatte.

Sie wollte sich erheben, um ihre Umgebung zu erkunden, als sie einen Widerstand spürte. Etwas schnürte sich in ihre Hand- und Fußgelenke. Fesseln! Irgendjemand hatte sie an das Bett gebunden. Sie wollte schreien, doch ihre Zähne bissen auf einen Knebel.

In einem Anfall von Panik zog und zerrte sie an den Seilen, die sie gefangen hielten, wodurch sich die Stricke nur noch tiefer in ihr Fleisch rieben. Wer auch immer sie hier gefangen hielt, wusste was er tat. Er hatte sie völlig außer Gefecht gesetzt. Sie versuchte sich zu beruhigen, aber das war leichter gesagt als getan.

In diesem Moment ging die Tür auf und ein unverschämt grinsender Giovanni DeMarco kam herein. „Guten Morgen, Emil. Oder sollte ich besser sagen: Emilia?“

Er schlenderte auf sie zu, stemmte die Hände in die Seiten und blickte kopfschüttelnd auf sie herab.

„Es war ziemlich mutig – und ziemlich dumm von dir, dich an Bord zu schleichen und als Burschen auszugeben. Glaubst du wirklich, man kann mich so leicht zum Narren halten?“ Er lief zu dem Schreibtisch am anderen Ende des Raumes, griff nach einem kleinen Hocker und stellte diesen vor ihr Bett, wo er sich langsam hinsetzte und ihren Schopf streichelte.

„Die kurzen Haare konnten mich nicht täuschen. Und auch nicht diese alberne Kleidung. So gefällst du mir besser, nackt, wie Gott dich schuf.“

Sie drehte den Kopf zur Seite und schloss gequält die Augen. Vermutlich würde er sie über Bord werfen, sobald er mit ihr fertig war. Eine Mahlzeit für die Haie. Giovanni zeichnete mit dem Zeigefinger die Narbe oberhalb ihrer rechen Brust nach.

„Die anderen wissen nicht, wer du wirklich bist. Und es sollte unser Geheimnis bleiben.“

Verwundert wandte sie ihm den Blick zu. Hatte sie sich verhört? Er wollte sie schützen?

„Die Männer sind seit Wochen auf See und haben viel zu selten eine Frau zu Gesicht bekommen, wenn du verstehst?“

Emilia wusste, was er meinte.

Seine Hand wanderte zu ihrer Wange. Liebevoll tätschelte er sie.

„Meine Hochachtung. Ich kenne keine Frau, die das alles auf sich genommen hätte, nur um eine Schatzkarte zurückzuholen. Aber nun haben sich die Verhältnisse geändert. Du bist nicht länger die Jägerin. Gewöhne dich an deine neue Rolle, denn ab jetzt bist du meine Gefangene.“

Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen. Giovannis Gefangene?

Fast liebevoll wanderte seine Hand über ihren Brustkorb, hinab zu ihrem Bauchnabel, den er umkreiste, hin zu ihrem Venushügel.

„Gefällt dir das?“, fragte Giovanni mit einem spöttischen Lächeln. „Dabei müsste ich dich doch eigentlich bestrafen. Schließlich hast du mich hereingelegt.“

Er stand auf und lief ein weiteres Mal zu dem Schreibtisch. Emilia beobachtete ihn angespannt. Was mochte er bloß vorhaben?