Hells Raiders MC: Redemption Road: Vergebung

Ori­gi­nal­ti­tel: Redemp­ti­on Road
Er­schie­nen: 08/2020
Serie: Hells Rai­ders MC
Teil der Serie: 2

Genre: Dark Ero­ti­ca, Motor­cy­cle Club Ro­mance, Ro­man­tic Thrill
Zu­sätz­lich: Con­tem­pora­ry

Lo­ca­ti­on: USA


Er­hält­lich als:
pa­per­back & ebook

ISBN:
Print: 978-3-86495-459-7
ebook: 978-3-86495-460-3

Preis:
Print: 14,90 €[D]
ebook: 6,99 €[D]

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Hells Raiders MC: Redemption Road: Vergebung


In­halts­an­ga­be

An­na­bel Percy, die Toch­ter eines mäch­ti­gen Po­li­ti­kers, lässt sich auf ein Date mit einem Biker ein, ob­wohl sie weiß, dass er der kom­plett fal­sche Mann ist. Aus ihrem Traum, etwas Ver­rück­tes zu tun, wird ein Alb­traum, als sie ent­führt wird und in der Hölle auf Erden lan­det!

Na­tha­ni­el "Re­ver­end" Mal­loy wurde in den Hells Rai­ders Motor­cy­cle Club hin­ein­ge­bo­ren und wuchs dort auf. Für seine Brü­der würde er alles op­fern, sogar sein Leben. Aber als er un­er­war­te­ter Ret­ter der Ge­fan­ge­nen eines Ri­va­len wird, macht Rev es zu sei­ner per­sön­li­chen Auf­ga­be, die schwer ver­letz­te An­na­bel wie­der ge­sund zu pfle­gen - und sie vor den Alb­träu­men zu be­schüt­zen, die sie quä­len.

Nach ihrer Ge­ne­sung ver­fällt An­na­bel dem ver­füh­re­ri­schen Mann, der sie ge­ret­tet hat – doch wird sie je­mals Revs Le­bens­stil als Biker ak­zep­tie­ren kön­nen?

Die New York Times-Best­sel­ler­au­to­rin Katie Ash­ley lässt ihre Le­se­rIn­nen in eine Welt vol­ler Ge­fah­ren und Lei­den­schaft ein­tau­chen.

Über die Au­to­rin

Katie Ash­ley ist eine New York Times- und USA To­day-Best­sel­ler­au­to­rin und lebt in der Nähe von At­lan­ta, Geor­gia. Zu­sam­men mit ihrer Toch­ter Oli­via ist sie Frau­chen von Belle und Elsa, zwei Hun­den, die sie aus dem Tier­schutz über­nom­men hat. Katie...

Wei­te­re Teile der Hells Rai­ders MC Serie

Le­se­pro­be

Die Schot­ter­stra­ße, auf der wir uns be­fan­den, schien sich ewig in die end­lo­se Wüste zu er­stre­cken. Di­rekt hin­ter uns folg­ten uns noch zwei iden­ti­sche, schwarz ver­klei­de­te Vans. In dem einen waren die rest­li­chen Team­mit­glie­der und in dem an­de­ren genug Spreng­stoff, um das ver­ka­bel­te Stahl­tor von Men­do­zas Camp in die Luft zu jagen.
„Fuck! Ich würde mir am liebs­ten die Haut run­ter­krat­zen. Ich glau­be, ich bin all­er­gisch gegen diese scheiß Tarn­far­be!“, maul­te Bi­shop in die Stil­le im Wagen hin­ein.
Zur bes­se­ren Tar­nung in der Nacht hat­ten wir uns schwar­ze Schuh­creme ins Ge­sicht, auf den Hals und auf die Arme ge­schmiert.
Trotz...

...​der an­ge­spann­ten Stim­mung lach­te ich. „Him­mel noch mal, du be­nimmst dich genau wie da­mals, als du die Wind­po­cken hat­test. Un­se­re El­tern konn­ten drei Tage nicht schla­fen, weil sie auf­pas­sen muss­ten, dass du dich nicht zu Tode kratzt.“
„Mir doch egal“, knurr­te Bi­shop.
Als der Van lang­sa­mer wurde, setz­te ich mich auf­rech­ter hin.
Chulo dreh­te sich auf dem Bei­fah­rer­sitz um und sah zu uns nach hin­ten. „So, Jungs, hier stei­gen wir aus und las­sen die Vans ste­hen. Die letz­te halbe Meile gehen wir zu Fuß. Wenn das Tor in die Luft ge­flo­gen ist, kom­men uns die Vans ab­ho­len.“
Ich nick­te und öff­ne­te die Tür. Ich sprang auf den wei­chen Wüs­ten­bo­den. Bre­ak­neck folg­te mir und da­nach Bi­shop. Dann kamen Ran­ger und Nero, zwei der El Paso Rai­ders, die wegen ihrer Fä­hig­kei­ten aus­ge­sucht wor­den waren.
Mit sei­nen zwei Me­tern Größe und 136 Kilo Le­bend­ge­wicht hatte Ran­ger sei­nen Namen bei der Army be­kom­men. Nach zwei Ein­sät­zen in Af­gha­nis­tan als Army Ran­ger war er zu sei­nen MC-Brü­dern zu­rück­ge­kehrt und hatte sein trau­ma­ti­sches Er­leb­nis ge­heilt, indem er jeden er­le­dig­te, der den Rai­ders in die Quere ge­kom­men war.
Nero, ein rauf­lus­ti­ger Ita­lie­ner aus Jer­sey, war als Spreng­stoff­ex­per­te dabei. Mit sei­nen di­cken Bril­len­glä­sern sah er eher wie ein Tech­nik-Nerd und nicht wie ein knall­har­ter Biker aus. Doch all meine Zwei­fel an ihm waren ver­schwun­den, als er uns einen Test mit einer selbst ge­bau­ten Bombe ge­zeigt hatte. Da war mir klar ge­wor­den, dass er ein wich­ti­ger Teil der Mis­si­on war.
„Er bleibt bei den Autos“, sagte Chulo und deu­te­te auf Bre­ak­neck.
Sogar im Dun­keln konn­te ich Bre­ak­neck die Fäus­te bal­len sehen. „Ich gehe da rein und hole meine Toch­ter.“
„Du bist ihr keine Hilfe, wenn du dich er­schie­ßen lässt“, wand­te Chulo ein.
Ich legte eine Hand auf Bre­ak­necks Schul­ter. „Es ist bes­ser, wenn du hier­bleibst. Wenn das hier schief­geht, wer­den wir alle dich in einem Stück brau­chen, nicht nur Sarah.“
„Fuck“, fluch­te Bre­ak­neck leise. Nach ein paar an­ge­spann­ten Se­kun­den nick­te er und klet­ter­te in den Van zu­rück.
Wir check­ten un­se­re Waf­fen und waren be­reit.
„Los geht’s“, be­fahl Chulo.
Als ich über das raue Wüs­ten­ge­län­de rann­te, muss­te ich an mei­nen ein­zi­gen Ein­satz in Af­gha­nis­tan den­ken. Di­rekt nach der High­school hatte ich mich für zwei Jahre bei der Army ver­pflich­tet. Es war die kür­zes­te Zeit, die man wäh­len konn­te, was mich aus der Stadt brach­te, aber immer noch nicht sehr lange von den Rai­ders fort. Es ging mir we­ni­ger um Pa­trio­tis­mus oder darum, dass ich un­be­dingt zum Mann wer­den woll­te, son­dern ich brauch­te das Geld zum Stu­die­ren. Doch dann en­de­te alles damit, dass ich nach zwei Jah­ren am tech­ni­schen Col­le­ge auf­hör­te und Pre­acher Man mich dazu brach­te, mehr Ver­ant­wor­tung im Club zu über­neh­men.
Was ein Kriegs­t­rau­ma an­ging, so hatte mich der Le­bens­stil im Club be­reits auf den Hor­ror des Krie­ges vor­be­rei­tet. Das be­deu­te­te zwar nicht, dass ich nicht ge­le­gent­lich Alb­träu­me hatte, aus denen ich schrei­end und schweiß­ge­ba­det auf­wach­te. Am Ende waren die Alb­träu­me je­doch nur ein Teil von dem, was sich in mir auf­türm­te. Ich war si­cher, dass jeder See­len­klemp­ner, der je in mei­nen Kopf sehen würde, schrei­end da­von­lau­fen würde.
Di­rekt vor uns er­schien eine Reihe von dicht wach­sen­den Bü­schen, viel­leicht sechs­hun­dert Meter vom Tor ent­fernt. Nach­dem wir sie auf der Karte ge­se­hen hat­ten, hatte Chulo be­schlos­sen, dass hier unser Treff­punkt sein soll­te. Als wir alle dort an­ge­kom­men waren, funk­te Chulo dem Waf­fen­wa­gen. Ich pack­te mein Sturm­ge­wehr fes­ter und ver­such­te, mein ra­sen­des Herz zu be­ru­hi­gen. Das Ad­re­na­lin sorg­te dafür, dass es Über­stun­den pump­te. Im Mo­ment gab es nichts wei­ter zu tun, als auf den Van und die Ex­plo­si­on zu war­ten.
Als der Trans­por­ter ins Sicht­feld kam, sog ich scharf die Luft ein. Er er­reich­te das Ge­büsch, die Tür ging auf und einer der El Paso Rai­ders sprang her­aus. Das Gas­pe­dal war fest­ge­klemmt, so­dass der Van wei­ter­fuhr. Kurz vor dem Tor gin­gen Schüs­se los und durch­sieb­ten die Mo­tor­hau­be. Doch es war sinn­los. Der Trans­por­ter krach­te gegen das Git­ter und ex­plo­dier­te in einem oran­ge­ro­ten Feu­er­ball, der einen Teil des Tors for­t­riss.
„Jetzt!“, brüll­te Chulo.
Ich sprang hin­ter dem Ge­büsch her­vor und klemm­te mich hin­ter Ran­ger. Mit ge­zo­ge­ner Waffe trat er ein Stück Tor zur Seite, das nur noch an einem Schar­nier bau­mel­te. Er wink­te uns, ihm zu fol­gen. Als ich Men­do­zas Hof be­trat, kam ich mir vor wie in die Army zu­rück­ver­setzt. Alles wurde mit mi­li­tä­ri­scher Prä­zi­si­on aus­ge­führt.
Ku­geln reg­ne­ten auf uns herab. Ge­bückt er­wi­der­ten wir das feind­li­che Feuer, bis wir die zwei Ziele aus­ge­schal­tet hat­ten. Dann war nur noch die Alarm­si­re­ne auf dem Ge­län­de zu hören.
„Geht wei­ter. Ich gebe euch De­ckung“, sagte Ran­ger.
„Rev, du, Nero und Snake gehen ins Haus“, ord­ne­te Chulo an.
„Okay.“
„Wir über­neh­men den hin­te­ren Bun­ker“, sagte Chulo und nick­te Bi­shop und noch zwei an­de­ren zu.
Mit Nero und Snake eilte ich über den Hof. Als wir die Ve­ran­da er­reicht hat­ten, gin­gen hin­ter uns Schüs­se los. Ich blick­te über die Schul­ter und sah, wie Ran­ger drei Män­ner aus­schal­te­te, die auf ihn zu­rann­ten. Ich hatte keine Ah­nung, wie der Kerl es schaff­te, nicht ge­trof­fen zu wer­den.
Mit bru­ta­ler Ge­walt trat Snake die Haus­tür ein, wäh­rend Nero und ich ihn deck­ten. Als wir auf keine Ge­gen­wehr tra­fen, be­tra­ten wir das Foyer. Der Mar­mor­bo­den, die Kris­tall­leuch­ter und die teu­ren Kunst­wer­ke be­wie­sen, was man mit Dro­gen­geld alles kau­fen konn­te. Men­do­za ge­noss of­fen­sicht­lich die schö­nen Dinge des Le­bens.
Nero räus­per­te sich. „Okay, ich über­neh­me den vor­de­ren Teil. Rev den Flur und die Schlaf­zim­mer und Snake die Mitte.“
„Klingt gut“, ant­wor­te­te ich.
Ich schlich aus dem Foyer und am Wohn­zim­mer vor­bei. Als ich im Flur um eine Ecke bog, emp­fing mich eine Salve Schüs­se. Ich wich in ein of­fe­nes Schlaf­zim­mer aus. In der Dun­kel­heit zog ich ein Mes­ser aus mei­nem Gür­tel. An die Wand ge­presst hörte ich Schrit­te im Flur. Der Kerl mit der Knar­re be­trat das Zim­mer und ich ramm­te ihm das Mes­ser in die Brust. Der Schlag mach­te ihn kurz be­we­gungs­un­fä­hig. Ich pack­te ihn an den Schul­tern, drück­te ihn an die Wand und ent­waff­ne­te ihn.
„Wo ist die Ame­ri­ka­ne­rin?“
„Fick. Dich.“
Ich drück­te ihm das Mes­ser an die Kehle. „Die grin­ga mit den roten Haa­ren. Wo ist sie?“
Als er den Kopf stand­haft schüt­tel­te, er­reich­te die Wut, die in mir brann­te, einen kri­ti­schen Punkt. Den, an dem ich die Sinn­lo­sig­keit er­kann­te. Da der Kerl mir so nichts nutz­te, ramm­te ich ihm das Mes­ser in den Hals. Nach­dem seine Ar­te­rie durch­ge­schnit­ten war, ließ ich ihn auf den Boden sin­ken.
Er spuck­te und zuck­te und blu­te­te den wei­ßen Mar­mor voll. An­ge­wi­dert sah ich auf ihn hinab und neue Wut koch­te in mir hoch. Ob­wohl ich mich zü­geln soll­te, trat ich ihm immer wie­der in den Bauch und den Schritt.
Als er sich nicht mehr rühr­te, zog ich das Mes­ser aus sei­nem Hals. Da eine wei­te­re Waffe immer prak­tisch war, schul­ter­te ich sein Ge­wehr.
Das Zim­mer hatte leer ge­wirkt, als ich zu­erst hin­ein­ge­se­hen hatte. Doch jetzt hörte ich ein an­de­res Stöh­nen. Mit dem Fin­ger am Abzug ging ich wei­ter über den Mar­mor­bo­den. Als ich neben dem Bett stand, sah ich eine Blut­la­che auf dem Boden und eine Frau darin.
„Hei­li­ge Mut­ter Got­tes“, mur­mel­te ich beim An­blick der zu­sam­men­ge­roll­ten Frau vor mir. Ich ließ die Waf­fen sin­ken und knie­te mich auf den Mar­mor. Die Frau trug nur ein wei­ßes Män­ner­ober­hemd. Außer dem Blut war ihr Kör­per vol­ler schwar­zer und blau­er Hä­ma­to­me. Je­mand hatte sie gründ­lich zu­ge­rich­tet. Of­fen­sicht­lich hatte man sie hier zum Ster­ben lie­gen las­sen.
Ich hielt inne, als ich ihr das rot­brau­ne Haar aus dem Ge­sicht ge­stri­chen hatte. Sarah hatte diese Haar­far­be. Hatte ich sie etwa zu­fäl­lig ge­fun­den? Konn­te es wirk­lich so ein­fach sein?
„Sarah?“, frag­te ich sie. „Sarah?“, wie­der­hol­te ich un­ge­dul­di­ger. Ihre ge­schwol­le­nen Au­gen­li­der fla­cker­ten. „Bist du Sarah Ed­ge­way?“
„An­na­bel“, wis­per­te sie.
Es fühl­te sich wie ein Tritt in die Eier an, dass es nicht Sarah war. Trotz­dem war mir so­fort klar, dass ich sie ret­ten muss­te. Ich zog sie näher, schob einen Arm unter ihren Rü­cken und den an­de­ren unter ihre Knie­keh­len. Als ich auf­stand, schrie sie vor Schmer­zen auf.
„Es tut mir leid, aber ich werde dir hel­fen. Ver­spro­chen.“
Über­ra­schen­der­wei­se öff­ne­te sie die Augen und sah mich an. „J-Je­sus?“, krächz­te sie.
Nach einem kur­zen Mo­ment wurde mir klar, dass ich mit dem un­ge­kämm­ten Haar und dem Bart wie eine re­li­giö­se Figur aus­se­hen muss­te. Bei dem hoff­nungs­vol­len Blick aus ihren blut­un­ter­lau­fe­nen Augen fühl­te es sich schreck­lich an, sie ent­täu­schen zu müs­sen. „Nein, ich bin Rev“, sagte ich lahm.
Das schien sie nicht trös­ten zu kön­nen. Sie ver­zog das Ge­sicht „Schmerzt.“
„Ich weiß. Halte durch. Ich brin­ge dich hier raus.“
An der Tür späh­te ich nach links und rechts. Die Bahn schien frei zu sein, also mar­schier­te ich los. Mit dem Mäd­chen auf den Armen war es etwas schwie­ri­ger, sich den Weg durch das Zim­mer­la­by­rinth zu bah­nen.
Als ich end­lich aus der Haus­tür trat, traf mich der ste­chen­de Schmerz einer Kugel in die Wade. „Schei­ße“, stöhn­te ich und wir­bel­te herum. Als ich er­kann­te, dass es kei­ner un­se­rer Jungs war, der mich aus Ver­se­hen ge­trof­fen hatte, be­gann ich, zu feu­ern. Ich er­wisch­te den Kerl an der Schul­ter und er fiel zu Boden.
Ich stieß die Haus­tür weit auf und war­te­te auf mehr Schüs­se. Als alles ruhig blieb, trat ich auf die Ve­ran­da. Ich späh­te in die Nacht und er­kann­te einen der Vans am Tor. So schnell ich konn­te, eilte ich dort hin, wobei ich mein lin­kes Bein etwas lang­sa­mer hin­ter­her­zog. Auf hal­bem Weg über den Hof ge­schah eine wei­te­re Ex­plo­si­on auf dem Ge­län­de und warf mich zu Boden.
Die nächs­ten paar Se­kun­den tick­ten lang­sam dahin, als ob die Welt in den Zeit­lu­pen­mo­dus ge­gan­gen wäre. Der Knall hatte mein Gehör be­täubt und ich hatte das Ge­fühl, Watte in den Ohren zu haben.
Lang­sam, aber si­cher hörte ich einen Chor aus ent­setz­li­chen Schrei­en und jeder Menge brül­len­den Stim­men.
„Komm schon, Rev“, sagte je­mand neben mir.
Ich sah auf und er­kann­te Chulo. Er pack­te mir unter den Arm und half mir auf. Dann hob ich das Mäd­chen hoch.
„Fuck, Mann, du bist ge­trof­fen.“
„Nicht schlimm. Ihr geht es schlech­ter.“
„Si­cher, dass du sie tra­gen kannst?“
Ich nick­te. „Aber gib mir De­ckung, damit ich mir nicht noch eine ein­fan­ge.“
„Na klar.“
An­na­bel mit dem ver­letz­ten Bein zu tra­gen, schien ewig zu dau­ern, bis ich durch das Tor war. Als ich den Van er­reicht hatte, rann­te Bre­ak­neck auf mich zu.
„Du hast sie ge­fun­den?“ Sein Ge­sicht er­hell­te sich.
In mei­ner Brust zog sich etwas zu­sam­men. Wie konn­te ich ihn jetzt sei­ner Hoff­nun­gen be­rau­ben?
Ich schüt­tel­te den Kopf. „Nein, Mann, das ist nicht Sarah. Ich habe sie in Men­do­zas Pri­vat­quar­tier ge­fun­den. Er hat sie halb tot ge­schla­gen.“
Bre­ak­necks Mund­win­kel san­ken. „Es ist nicht meine Sarah?“
„Es tut mir leid. Aber viel­leicht hat einer der an­de­ren sie ge­fun­den.“
Rufe und Schüs­se zogen un­se­re Auf­merk­sam­keit auf das, was hin­ter dem Tor ge­schah. Unser Team kam um das Haus herum. Ei­ni­ge rann­ten, ei­ni­ge konn­ten kaum hum­peln. Alle waren von Ruß und Asche be­deckt.
„Was zur Hölle ist pas­siert?“, woll­te ich wis­sen.
„Der Bun­ker mit den Mäd­chen …“ Bi­shop schüt­tel­te den Kopf. „Er war mit Spreng­stoff ge­si­chert. Als wir durch das Alarm­sys­tem waren, hat je­mand alles in die Luft ge­jagt.“
Ich schloss die Augen.
Das war so eine feige Art der Ver­tei­di­gung. Wenn du er­wischt wirst, zer­stö­re die Be­wei­se dei­nes Ver­bre­chens. In die­sem Fall op­fer­te Men­do­za das Leben der jun­gen Frau­en völ­lig grund­los.
Ich öff­ne­te die Augen und sah, wie Bre­ak­neck auf die Flam­men in der Nacht starr­te. Es war eine Qual, zu­zu­se­hen, wie die Er­kennt­nis über ihn kam. Ein un­mensch­li­cher Schrei ent­kam ihm und er sank auf die Knie. So weit zu kom­men, nur um Sarah am Ende doch noch zu ver­lie­ren, war ein­fach nur bru­tal.
„Okay, Män­ner, nichts wie weg hier, bevor deren Ver­stär­kung da ist“, be­fahl Chulo.
Mit schmerz­vol­lem Blick wir­bel­te Bre­ak­neck herum. „Nein! Wir kön­nen noch nicht weg. Sarah ist da drin!“
Bi­shop legte eine Hand auf sei­nen Rü­cken. „Es tut mir so leid, Mann, aber sie ist nicht mehr da.“
„Das kannst du nicht wis­sen. Wir wis­sen es erst, wenn wir sie ge­fun­den haben.“
Chulo stöhn­te ge­nervt. „Hör zu, Mann. Ver­giss die Idee, da rein­zu­ge­hen und nach ihrer Lei­che zu su­chen, denn da ist nichts mehr übrig. Die haben so viel Spreng­stoff be­nutzt, dass nicht mal die Po­li­zei noch mensch­li­che Spu­ren fin­den wird. Hast du das ka­piert?“
Ob­wohl das Be­grei­fen kurz über sein Ge­sicht husch­te, ant­wor­te­te Bre­ak­neck nicht. Er starr­te nur er­neut auf die Flam­men.
Ich warf einen Blick auf die Frau in mei­nen Armen. „Chulo, wir müs­sen sie in ein Kran­ken­haus brin­gen.“
„Und dich auch“, ant­wor­te­te er.
„Wur­dest du ge­trof­fen?“, frag­te Bi­shop.
„Ach, es ist nichts, kaum der Rede wert.“
„Aber die­ses Nichts scheint ganz schön zu blu­ten“, klug­scheiß­te Nero.
„Egal.“ Ich trug das Mäd­chen zum Van, um sie darin un­ter­zu­brin­gen. Als ich sie auf den Sitz legte, fiel mir das fri­sche Blut an ihren Schen­keln auf. „Him­mel“, mur­mel­te ich. Ich wir­bel­te herum und griff nach Bre­ak­necks Arm. „Ver­giss mich. Sie hat Blu­tun­gen oder so.“
Bre­ak­neck warf einen kur­zen Blick auf An­na­bel und wand­te sich dann wie­der dem Feuer zu. „I… ich kann nicht …“
Ich pack­te ihn an den Schul­tern und press­te ihn hart gegen den Van. „Hör mir zu. Es tut mir leid, dass wir Sarah nicht recht­zei­tig ge­fun­den haben. Und dass du sie ver­lo­ren hast. Aber du kannst jetzt nicht ein­fach dicht­ma­chen. Ein an­de­res Mäd­chen braucht deine Hilfe.“
Bre­ak­neck stieß mich von sich. „Fick dich!“
„Leute, wir müs­sen los. So­fort“, sagte Chulo.
Der zwei­te Van star­te­te den Motor. Ich schüt­tel­te den Kopf und sah Bre­ak­neck an. „Und was ist mit dei­nem hip­po­kra­ti­schen Eid?“
Er starr­te mich fins­ter an. „Mein klei­nes Mäd­chen ist ge­ra­de um­ge­bracht wor­den, du Arsch­loch. Alle an­de­ren in­ter­es­sie­ren mich einen Dreck. Von mir aus kannst du auch ver­blu­ten.“
„Und du glaubst also, dass Sarah das so woll­te? Du glaubst, sie wäre stolz auf ihren Vater, dass er sich wei­gert, je­man­den zu be­han­deln? Ein Mäd­chen, das durch die­sel­be Hölle ge­gan­gen ist wie sie?“
Bre­ak­neck sah mich nicht an. Er starr­te auf etwas an der Hand des Mäd­chens. Er schob sich an mir vor­bei, um zu ihr zu ge­lan­gen. Er nahm ihre Hand und be­trach­te­te sie näher.
„Das hat Sarah ge­hört.“
Über­rascht hob ich die Brau­en. „Viel­leicht waren die bei­den be­freun­det.“
Sanft legte Bre­ak­neck die Hand zu­rück auf die Brust des Mäd­chens. Er at­me­te ge­quält durch. Dann sah er über die Schul­ter Chulo an.
„Wir müs­sen zum nächst­ge­le­ge­nen Kran­ken­haus. Bei der Blu­tung und viel­leicht noch in­ne­ren Ver­let­zun­gen bleibt ihr viel­leicht noch eine Stun­de. Ich muss ver­su­chen, ihre Blu­tun­gen zu stop­pen.“
Chulo sah zu mir. „Das Kran­ken­haus ist drei­ßig Mei­len von hier. Es ist recht pri­mi­tiv und ganz si­cher keine mo­der­ne Un­fall­kli­nik.“
„Es wird aus­rei­chen“, ant­wor­te­te Bre­ak­neck.
„Po­si­tiv daran ist, dass das Per­so­nal dort be­stech­lich ist, was wir drin­gend brau­chen wer­den“, sagte Chulo.
„Okay. Dann los“, ant­wor­te­te ich.
Als wir den Van star­te­ten, warf ich noch einen Blick auf Bre­ak­neck. Er war total an­ge­spannt, und der herz­er­wei­chen­de Kum­mer stand ihm ins Ge­sicht ge­schrie­ben. Sein Kind war tot. Er­mor­det. Es war sehr wahr­schein­lich, dass ihn die End­gül­tig­keit von Sa­rahs Tod zu einem ge­bro­che­nen Mann mach­te. Doch damit un­se­re Mis­si­on nicht völ­lig sinn­los war, muss­te An­na­bel über­le­ben.
Ich nick­te ihm zu und ver­such­te, ihm mein un­aus­ge­spro­che­nes Bei­leid und mei­nen Dank zu über­mit­teln.
Er schüt­tel­te den Kopf. „Danke mir noch nicht. Sie hat noch viel vor sich, um das zu über­le­ben.“
Ob­wohl Zwei­fel in sei­ner Stim­me lagen, hörte ich einen Hauch fes­ter Ent­schlos­sen­heit her­aus.

An­na­bel

Ich tauch­te aus der Be­wusst­lo­sig­keit auf und ein Stöh­nen ent­kam mei­nen Lip­pen. Der un­sag­ba­re Schmerz, der mich er­grif­fen hatte, war fort. Zwar be­grüß­te ich die se­li­ge Er­leich­te­rung, doch trotz­dem kam Panik in mir hoch. Be­deu­te­te der neue Frie­den, dass ich tot war?
Angst krib­bel­te von Kopf bis Fuß durch mich hin­durch. Ich zit­ter­te. In mei­nem be­ne­bel­ten Kopf tob­ten viele Fra­gen. Wo war ich? Was war mit mir pas­siert? Ver­zwei­felt ver­such­te ich, die Augen zu wei­ten, um zu sehen, wo ich war, doch sie woll­ten sich nur halb öff­nen. Sie waren zu­ge­schwol­len.
Ich dach­te dar­über nach, warum sie ge­schwol­len waren, und die Er­eig­nis­se der letz­ten paar Stun­den kamen zu­rück. Men­do­zas zor­ni­ges Ge­sicht, seine wü­ten­den Fäus­te und seine bru­ta­len Worte. „Ich brin­ge dich um, weil du den Namen eines an­de­ren Man­nes ge­sagt hast.“
Als über mir ein grel­les Licht an­ging, ließ ich einen hei­se­ren Schrei über die auf­ge­sprun­ge­nen Lip­pen kom­men. Der Frie­den, den ich ge­fühlt hatte, ver­schwand, als mir klar wurde, dass ich nicht im Him­mel war. Statt­des­sen war ich wie­der in der Hölle. Doch als ich um mich schlug, merk­te ich, dass es nicht Men­do­zas Haus war. Ich lag auf einem har­ten Tisch. Es roch an­ti­sep­tisch, und ich frag­te mich, ob ich in einem Kran­ken­haus war.
„Schon gut, meine Liebe. Nie­mand tut dir mehr weh.“
Bei den freund­li­chen Wor­ten, so mit­füh­lend aus­ge­spro­chen, hielt ich inne. Ich schaff­te es, die Augen so weit zu öff­nen, dass ich je­man­den sehen konn­te, den ich nicht kann­te. Er trug nicht die Kutte der Dia­blos. Son­dern einen Arzt­kit­tel.
An­schei­nend konn­te er meine Angst und meine Fra­gen spü­ren, denn er sagte leise und freund­lich:
„Ich bin Dr. Ed­ge­way. Einer mei­ner Män­ner hat dich ge­fun­den. Du bist schwer ver­letzt, wir müs­sen dich ope­rie­ren, um dein Leben zu ret­ten.“
Vage er­in­ner­te ich mich an Män­ner auf dem Ge­län­de. Trotz der Schmer­zen er­in­ner­te ich mich an das Chaos um mich. Die Schreie, die Ex­plo­sio­nen, die lau­ten, be­droh­li­chen Stim­men. Doch Men­do­za hatte mich der­ar­tig ge­schla­gen, dass ich nichts an­de­res hatte tun kön­nen, als da­zu­lie­gen und mein Schick­sal ab­zu­war­ten. Als ich spür­te, wie ich da­von­drif­te­te, hatte ich Jesus ge­se­hen. Er hatte mich aus Men­do­zas Zim­mer ge­holt. Mein Ret­ter hatte mir sei­nen Namen ge­nannt. Ich zer­mar­ter­te mir das Hirn, um mich an ihn zu er­in­nern. End­lich fiel er mir wie­der ein.
„Rev?“, frag­te ich.
Der Arzt hob er­staunt die Brau­en. „Er ist drau­ßen. Wenn du ihn sehen willst, kann ich ihn rufen.“
Aus Grün­den, die ich selbst nicht ver­stand, woll­te ich den Frem­den bei mir haben. „Bitte.“
Er nick­te. Als er zur Tür ging, wurde das Zim­mer dunk­ler. Ich kämpf­te an­ge­strengt, um wach zu blei­ben, damit ich mei­nen Ret­ter sehen konn­te. Als ich ihn im Tür­rah­men ste­hen sah, ver­lor ich den Kampf und ver­sank er­neut in der Dun­kel­heit.

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